In der Jugendsozialarbeit begegnen mir immer wieder die verschiedenen Konsummuster von Jugendlichen aus allen Gesellschaftsschichten. Bedürfnisse, Wünsche und Träume verändern sich mit den Jahren und können zu Handlungsmustern führen, die nicht unproblematisch sind. Die Wertigkeiten im Rahmen des Konsums, die Zahlungssysteme, Prioritäten bei der Wahl des Geldausgebens sowie die gewünschten Besitzstände, um in der Peergroup anerkannt zu sein, haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Gab es bspw. in meiner Generation im Jugendalter das Bargeld als einzig verfügbares Zahlungsmittel, verfügen Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene heute in der Regel neben dem Bargeld über eine eingeschränkt nutzbare EC – Karte, eine Geldkarte auf der EC - Karte sowie über ein Handy, mit dem bezahlt, bzw. eingekauft werden kann. Das PayPal Zahlungssystem im Internet hat sich für die heranwachsende Generation etabliert, der virtuelle Umgang mit unsichtbarem Geld wird praktiziert. Schon dieses Beispiel zeigt auf, dass sich Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene heutiger Zeit andere Kompetenzen im Umgang mit Geld aneignen müssen, als es vor wenigen Jahren der Fall war.
In den Medien wird der Konsum junger Menschen und ihre Ver- und Überschuldungssituation in regelmäßigen Abständen behandelt, oft mit negativem Unterton. Seit einigen Jahren beschäftigen sich namhafte Firmen der freien Wirtschaft, verschiedene Ministerien, Schuldnerberatungsstellen und Schulen mit diesem Thema. Die Erwartung scheint nach den vorliegenden Erfahrungen zu sein, dass sich der Konsum junger Menschen und im Besonderen ihre Verschuldung in den kommenden Jahren verschärfen wird, was verschiedene Studien der letzten Jahre eindrucksvoll belegen.
Thema dieser Diplomarbeit ist es, den Start in das Erwachsenenleben unter dem Aspekt der Ver- und Überschuldung junger Menschen zu beschreiben, verschiedene Begriffe des Konsums und der Verschuldung sowie mögliche Ursachen zu klären und Initiativen aufzuzeigen, um Auswege zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Was ist Jugend?
2.1 Jugend als klar definierter Altersabschnitt
2.2 Definitionsgrundlage
3 Das Problem
4 Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen
4.1 Kinder und Verschuldung
4.2 Jugendliche und Verschuldung
4.3 Verschuldung trotz gesetzlichen Minderjährigenschutzes
4.4 Schulden aufgrund tatsächlichen Handelns
5 Einnahmen junger Menschen im Durchschnitt
5.1 Das Taschengeld
5.2 Zur aktuellen Gelderziehung
5.3 Ökonomische Sozialisation
6 Sparverhalten
6.1 Sparziele
7 Ausgaben junger Menschen
7.1 Ausgaben nach Häufigkeit und Betrag in Produktkategorien
7.2 Welche Konsumgüter besitzen junge Menschen?
7.3 Das Handy
8 Konsummuster
8.1 Rationales Konsumverhalten
8.2 Demonstratives Konsumverhalten
8.3 Kompensatorisches Konsumverhalten und Kaufsucht
9 Zur Ver- und Überschuldung
9.1 Verschuldung junger Menschen
9.2 Überschuldung junger Menschen
9.3 Wofür verschulden sich junge Menschen?
9.4 Ursachen und Folgen der Verschuldung
10 Prävention
11 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Start in das Erwachsenenleben unter dem Aspekt der Ver- und Überschuldung bei jungen Menschen im Alter zwischen 10 und 24 Jahren. Ziel ist es, die soziologischen und ökonomischen Ursachen der Verschuldung zu analysieren, dabei verschiedene Konsummuster zu differenzieren und präventive Ansätze zu diskutieren.
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren und elterlicher Erziehung auf das Konsumverhalten.
- Rechtliche Rahmenbedingungen der Verschuldung von Minderjährigen und jungen Erwachsenen.
- Die Rolle neuer Technologien und Zahlungssysteme (z.B. Handy, bargeldlose Zahlung) als Verschuldungsfaktoren.
- Unterschiedliche Konsummuster (rational, demonstrativ, kompensatorisch) und ihre psychologischen Hintergründe.
- Ansätze zur Schuldenprävention in Bildungseinrichtungen und der Jugendsozialarbeit.
Auszug aus dem Buch
8.3 Kompensatorisches Konsumverhalten und Kaufsucht
Kaufsucht, ein steigendes Phänomen in Deutschland, resultiert in vielen Fällen aus kompensatorischem Konsumverhalten, welches neben den verschiedenen Jugendstudien von Lange auch im Besonderen von Scherhorn und Reisch in umfangreichen Studien untersucht wurde (vgl. Reisch, L.: 2004, Scherhorn, G.: 2001).
Kompensatorisches Konsumverhalten meint im Rahmen dieser Arbeit ein Kaufverhalten, welches die Funktion erfüllen soll, dem Käufer über Probleme und Stresssituationen hinwegzuhelfen. Es geht nicht darum, was gekauft wird, der Kaufvorgang selbst ist der entscheidende Moment, welcher Befriedigung verschafft. Frustrationen, Konflikte, Niederlagen oder Missgeschicke bspw. führen bei kompensatorisch konsumierenden Menschen zu immer weiteren Käufen, voller Erwartung, dass der Akt des Kaufens ihm eine ausgleichende Befriedigung verschaffen wird (vgl.: Scherhorn, G.: 2001, S. 5).
In den meisten Fällen läuft kompensatorisches Kaufen nicht bewusst ab sondern eher wie eine Art der Selbsthilfe. Etwas von aussen soll helfen, die innere Leere zu füllen- die vielfältige Warenwelt verspricht genau dies.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Einleitung in die Thematik der Veränderung von Konsummustern junger Menschen und die daraus resultierende Notwendigkeit, Verschuldung wissenschaftlich zu betrachten.
2 Was ist Jugend?: Definition und soziologische Eingrenzung des Jugendalters als Phase des Umbruchs und der Entwicklung.
3 Das Problem: Darstellung der Ausgangslage: Warum Verschuldung bei Jugendlichen trotz rechtlicher Hürden ein zunehmend kritisches Wirtschaftsthema ist.
4 Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen: Analyse der Geschäftsfähigkeit, des Jugendschutzes und der Haftung von Minderjährigen bei der Verschuldung.
5 Einnahmen junger Menschen im Durchschnitt: Untersuchung der finanziellen Ressourcen durch Taschengeld, Nebenjobs und staatliche Zuwendungen.
6 Sparverhalten: Erörterung der Sparmotive und der Rolle der elterlichen Erziehung bei der Bildung finanzieller Rücklagen.
7 Ausgaben junger Menschen: Analyse des Ausgabeverhaltens, der Produktkategorien und des Einflusses von Statusmerkmalen.
8 Konsummuster: Differenzierung zwischen rationalem, demonstrativem und kompensatorischem Konsumverhalten.
9 Zur Ver- und Überschuldung: Auseinandersetzung mit der Definition von Überschuldung, den Verschuldungsanlässen und den soziopsychologischen Ursachen.
10 Prävention: Vorstellung pädagogischer Ansätze und Projekte zur Finanzbildung und Schuldenprävention.
11 Schlussbetrachtung: Fazit und Ausblick auf die Verantwortung von Schule und Politik bei der Schuldenprävention.
Schlüsselwörter
Verschuldung, Überschuldung, Jugendsozialarbeit, Konsummuster, Taschengeld, Finanzkompetenz, Handy, Schuldenprävention, Sozialisation, Wirtschaftsverhalten, Kaufsucht, Jugend, Rechtsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ver- und Überschuldung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und untersucht die soziologischen, rechtlichen und psychologischen Hintergründe dieses Phänomens.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Neben den Einnahmequellen und dem Konsumverhalten steht die Frage im Vordergrund, welche Faktoren (z.B. Erziehung, Werbung, psychische Faktoren) junge Menschen in eine Schuldenfalle führen können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Verschuldung zu klären, Zusammenhänge zwischen Lebensumständen und Konsum zu verdeutlichen und Ansätze für eine wirksame Prävention aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literatur- und Studienanalyse durch, in der er aktuelle Forschungsergebnisse (wie Jugendstudien und wirtschaftswissenschaftliche Berichte) zusammenführt und kritisch bewertet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Einnahmen, des Spar- und Konsumverhaltens sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen, um ein umfassendes Bild der finanziellen Situation junger Menschen zu zeichnen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Jugendverschuldung, Konsummuster, ökonomische Sozialisation, Finanzbildung und Prävention.
Welche Rolle spielt das Handy bei der Verschuldung?
Das Handy wird als ein zentraler "Kostenfaktor" identifiziert, da die abstrakten Kosten für Tarife und Zusatzdienste für junge Menschen schwer einschätzbar sind, was oft zu unvorhersehbaren Schulden führt.
Wie unterscheidet sich kompensatorisches Konsumverhalten von demonstrativem Konsum?
Demonstrativer Konsum dient der Außenwirkung und Statussteigerung in der Peergroup, während kompensatorischer Konsum als (oft unbewusste) Strategie zur Bewältigung von Stress, Frustration oder innerer Leere dient.
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- B. Repp (Author), 2006, Ver- und Überschuldung Jugendlicher, Heranwachsender und junger Erwachsener, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80003