Mit 27.750 km² und fast 7,5 Mio. Einwohnern ist Haiti die wichtigste kreolsprachige Gemeinschaft der Welt. Im Atlantischen Ozean gelegen ist Haiti eine Insel der großen Antillen. 1492 wurde Haiti von den Spaniern kolonialisiert und galt als wichtige Quelle für Erdmetalle bis die Insel 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte. Auf Haiti ist die offizelle Landessprache Französisch, dennoch sprechen nur etwa 15% der Einwohner diese Sprache, dagegen ist das Kreolische die Muttersprache aller Bewohner. Aber nicht nur auf der Insel selbst, sondern aufgrund von weitläufigen Emigrationen um 1970 wurde das Haitianische Kreol auf die Bahamas, nach Kuba, in die Dominikanische Republik, nach Kanada und in die benachbarten USA gebracht und auch dort weiter ausgebaut. New York gilt heute als zweite Hauptstadt Haitis mit etwa 200000 Auswanderern und manche großen Banken bieten ihren Kunden Unterlagen auf kreolisch an.
Inhaltsverzeichnis
1) Entstehung und Geschichte des Kreols auf Haiti
2) Die Insel Haiti: Geographie, Population, Religion, Wirtschaft
3) Das Haitianische Kreol
4) Die Koexistenz des Kreols und Französischen auf Haiti
5) Der haitianische Autor Franketienne
6) Die politische Entwicklung und momentane Situation auf Haiti
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den soziolinguistischen Status und die historische Entwicklung des Haitianischen Kreols. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich das Kreolische als Ausdruck der nationalen Identität inmitten einer Diglossie-Situation mit dem Französischen etablieren konnte und welche Rolle die zeitgenössische haitianische Literatur bei diesem Ausbau spielt.
- Historische Genese des Haitianischen Kreols im Kontext kolonialer Sklavenwirtschaft.
- Linguistische Merkmale und Standardisierungsprozesse der Sprache.
- Die soziolinguistische Diglossie-Situation zwischen Kreolisch und Französisch.
- Der Einfluss des Autors Franketienne auf die kreolische Literatur.
- Politische und soziale Rahmenbedingungen im modernen Haiti.
Auszug aus dem Buch
1. Entstehung und Geschichte des Kreolischen auf Haiti
Das im Jahre 1492 von den Spaniern eroberte Gebiet im Atlantischen Ozean galt den Spaniern als wichtige Quelle für Edelmetalle. In einem Zeitraum von 30 Jahren sind davon bis zu 15000 Tonnen nach Europa importiert worden. Etwa im Jahre 1520 waren die auf der Insel lebenden Ureinwohner durch Krankheiten, Hungersnöte und Ausbeutung durch die Spanier ausgerottet. Nach der Übernahme der Insel durch die Franzosen, die auf das Jahr 1659 festgelegt werden kann, wurde Haiti, das zu dieser Zeit den Namen Saint-Dominigue trug, zur reichsten der französischen Kolonien.
Nicht mehr die Edelmetalle, sondern der Tabakanbau war die Haupteinnahmequelle. Ab den frühen 90er Jahren kam der großflächige Anbau von Rohrzucker hinzu, wofür Arbeiter und vor allem Sklaven aus Afrika hinzugezogen wurden. Schon im Jahre 1681 lag der Prozentsatz der dunkelhäutigen Einwohner in der Bevölkerung bei etwa 35 %, von denen ein Großteil Sklaven waren. Der schnelle Anstieg der Produktionsmengen bedingte auch eine stetige Einführung von neuen Sklaven. Zwischen 3000 und 4000 Menschen kamen pro Jahr als Sklaven aus Afrika nach Haiti, so dass 1713 über 80 % der Bevölkerung dunkelhäutig war. Die Zahl der Sklaven nahm im 17. und 18. Jhd. rapide zu bis im Jahre 1791 ein Aufstand der Sklaven die Einführung neuer Hilfskräfte beendete.
Wegen der niedrige Geburtenrate und der hohen Sterberaten am Ende des 17. und Anfang des 18. Jhd. und der stetigen Einführung von Sklaven in dieser Zeit war der größte Teil der schwarzen Bevölkerung auf Haiti in Afrika geboren. Die meisten nach Haiti gebrachten Sklaven stammten aus Angola und umliegenden Regionen an der westafrikanischen Küste, wo sogenannte Bantu-Sprachen gesprochen werden. Etwa 1/3 der in Haiti lebenden Sklaven hatten eine sogenannte Kwa-Sprache als Muttersprache nach Haiti gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Entstehung und Geschichte des Kreols auf Haiti: Beleuchtet die koloniale Vergangenheit und die demografischen Verschiebungen, die zur Entstehung der Kreolsprache führten.
2) Die Insel Haiti: Geographie, Population, Religion, Wirtschaft: Dieser Abschnitt kontextualisiert die sozioökonomischen Rahmenbedingungen des Landes.
3) Das Haitianische Kreol: Analysiert die linguistische Beschaffenheit sowie die Bemühungen zur orthografischen Standardisierung der Sprache.
4) Die Koexistenz des Kreols und Französischen auf Haiti: Diskutiert die Diglossie-Situation und den Status beider Sprachen in der heutigen Gesellschaft.
5) Der haitianische Autor Franketienne: Analysiert die Bedeutung von Franketienne als Schlüsselfigur für die moderne literarische Etablierung des Kreolischen.
6) Die politische Entwicklung und momentane Situation auf Haiti: Untersucht das politische Umfeld und den sozialen Kontext, in dem sich die haitianische Kultur und Sprache bewegen.
Schlüsselwörter
Haitianisches Kreol, Sprachkontakt, Pidgin, Kreolsprachen, Diglossie, Franketienne, Sprachstandardisierung, Saint-Dominigue, Bantu-Sprachen, Kwa-Sprachen, Soziolinguistik, haitianische Literatur, Zouk, Kolonialgeschichte, Sprachpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem aktuellen Status des Haitianischen Kreols als Sprache eines Volkes, das lange Zeit unter kolonialer Dominanz stand.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Sprache, ihrer linguistischen Struktur, dem soziolinguistischen Verhältnis zum Französischen und der Rolle der Literatur bei der Identitätsstiftung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich das Kreolische vom sozialen Stigma zur anerkannten Nationalsprache entwickelt hat, die als Symbol für die haitianische Identität steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und historische Analyse, die auf linguistischer Literatur und soziolinguistischen Theorien, wie dem Konzept der Diglossie, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, die linguistische Beschreibung des Kreolischen, die Untersuchung der Sprachkoexistenz sowie eine Fallstudie zu Franketienne und der politischen Lage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Haitianisches Kreol, Diglossie, Sprachkontakt, Standardisierung und kulturelle Identität geprägt.
Warum spielt die Person Franketienne eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Franketienne wird als exemplarisches Beispiel für die Emanzipation der kreolischen Literatur angeführt, da er das tägliche Leben des Volkes literarisch aufwertet und aktiv politisch Stellung bezieht.
Wie ist das Verhältnis zwischen Kreolisch und Französisch heute auf Haiti?
Das Verhältnis ist durch eine Diglossie geprägt, in der das Französische zwar Amtssprache mit höherem Prestige ist, das Kreolische jedoch die Muttersprache der Mehrheit darstellt und zunehmend in offiziellen Bereichen Fuß fasst.
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- Friederike Wittmaack (Author), 2003, Zum Ausbau des Haitianischen Kreols, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80009