In Deutschland gibt es noch zahlreiche Minderheitensprachen, deren Anzahl an Sprechern aber zunehmend schwindet. Zu dieser Gruppe zählt auch das Sorbische, das ganz im Osten Deutschlands (Lausitz) gesprochen wird. Eine slawische Sprache, die eine sehr lange Geschichte hat, aber unaufhaltsam vom Deutschen verdrängt wurde und noch wird. Die hier vorgelegte Arbeit beschäftigt sich mit den sprachwissenschaftlichen Besonderheiten des Sorbischen (mit einer Einordnung in Sprachfamilie etc.) und legt einen Schwerpunkt auf das (Wechsel-)Verhältnis zum Deutschen, grammatische, lexikalische und andere Interferenzen und Transferenzen etc.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Sprachgeschichte zu DDR-Zeiten – äußere Faktoren
- Politische Faktoren
- Schulpolitische Faktoren
- Sozial-ökonomische Faktoren
- Faktoren der Mobilität und der Massenmedien
2.2 Sprachwissenschaftliche Untersuchungen – deutsch-sorbische Interferenzen und Transferenzen
- Phonetische Interferenzen
- Grammatische Interferenzen
- Lexikalische Interferenz und Transferenzen
- Isoglossen
- Deutsche und sorbische Onomatopoetika und ihre Interferenzen
- Onomastische Aspekte – Ortsnamen
- Schwindende (lexikalische) Produktivität der niedersorbischen Sprache
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der sorbischen Sprache innerhalb der DDR unter Berücksichtigung äußerer sozio-ökonomischer und politischer Einflussfaktoren sowie die linguistischen Phänomene der deutsch-sorbischen Sprachinterferenzen und -transferenzen im Alltag.
- Sprachgeschichte der Sorben unter DDR-Bedingungen
- Einfluss von Politik, Schule und Industrialisierung auf das Sorbische
- Phonologische, grammatische und lexikalische Sprachinterferenzen
- Onomastische Untersuchungen von Ortsnamen in der Lausitz
- Lexikalische Produktivität der niedersorbischen Sprache
Auszug aus dem Buch
Onomastische Aspekte – Ortsnamen
Wer in die Lausitz fährt, der wird sich – tut er dies zum ersten Mal und ist aus diesem Grunde vielleicht unwissend – wundern über die zweisprachigen Ortsschilder (auch zweisprachige Geschäftsschilder sind zu finden). Auffällig dabei ist es, dass sich die Namen zuweilen stark ähneln. Das hat einen bestimmten Grund.
Im Einwohnerbuch des Kreises Calau aus dem Jahre 1922 finden sich zahlreiche noch heute in Nieder- und Oberlausitz vorhandene Ortsnamen mit entsprechenden Erklärungen zu ihrer Etymologie. An vielen Beispielen lässt sich mustergültig zeigen, wie im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten ehemals sorbische Wörter eingedeutscht wurden. Eine eigene, in die deutsche Sprachgeschichte zurückreichende Namen-Entwicklung gibt es für viele Ortschaften- und Städtenamen in der Nieder- und Oberlausitz nicht. Um die Herkunft dieser Ortsnamen zu klären, ist ein Blick auf die sorbische Sprache, deren Wortschatz und Semantik nötig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Sorbische als westslavische Sprachinsel und erläutert die Bedeutung historischer, politischer und sozialer Faktoren für die Entwicklung von Kleinsprachen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die äußeren Faktoren, wie Politik, Schulwesen und Industrialisierung, sowie die daraus resultierenden linguistischen Interferenzerscheinungen zwischen dem Sorbischen und Deutschen.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass trotz staatlicher Fördermaßnahmen der DDR der sozio-ökonomische Wandel und gesellschaftliche Entwicklungen einen Rückgang des Sorbischen nicht verhindern konnten.
Schlüsselwörter
Sorbisch, DDR, Minderheitensprache, Sprachgeschichte, Sprachkontakt, Interferenz, Transferenz, Lausitz, Zweisprachigkeit, Onomastik, Sprachwandel, Soziolinguistik, Niedersorbisch, Obersorbisch, Sprachsoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziolinguistische Situation des Sorbischen als Minderheitensprache während der Zeit der DDR und beleuchtet dessen historische Entwicklung sowie Sprachkontakte zum Deutschen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert auf äußere Einflussfaktoren wie Schulpolitik und Industrialisierung sowie auf interne sprachliche Phänomene wie phonetische, grammatische und lexikalische Interferenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich politischer Wandel und sozio-ökonomische Strukturen auf den Bestand und die sprachliche Form des Sorbischen in der Lausitz ausgewirkt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-deskriptive Methode gewählt, die auf der Analyse von Fachliteratur, sprachwissenschaftlichen Studien (z.B. von Marti oder Michalk) und historischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die äußeren Rahmenbedingungen (Politik, Wirtschaft, Medien) erörtert, gefolgt von einer linguistischen Analyse der Sprachmischung und Namensentwicklung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sprachinsel, Minderheitensprache, Sprachwechsel, Interferenz und onomastische Adaption geprägt.
Wie beeinflusste die Industrialisierung der Lausitz die sorbische Sprache?
Die Industrialisierung führte zu demografischen Umschichtungen, Zuzügen deutschsprachiger Bevölkerung und einem Rückgang der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit, was die sorbische Sprache in ihrer traditionellen Basis schwächte.
Warum ging die lexikalische Produktivität des Niedersorbischen zurück?
Die Arbeit führt den Rückgang auf die zunehmende Zweisprachigkeit, den fehlenden Kontakt der Bevölkerung zur eigenen Schriftsprache und die Übernahme deutscher Begriffe für moderne technische Konzepte zurück.
- Arbeit zitieren
- Martin Kragans (Autor:in), 2001, Minderheitensprachen in der DDR: Das Sorbische, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80024