Die Europäische Raumordnungs- und Regionalpolitik wird derzeit vor neue große Herausforderungen gestellt. Im Rahmen der im letzten Jahr durchgeführten EU-Osterweiterung erlangt besonders die Regionalpolitik eine größere Aufmerksam-keit. Die zehn neu beigetretenen Länder sind als sehr strukturschwach einzustu-fen, wodurch es zu einer Vergrößerung der regionalen Disparitäten zwischen den Mitgliedsstaaten der EU kommt. Aus diesem Grunde werden voraussichtlich die zur Verfügung stehenden Mittel der Strukturfonds der EU-Regionalpolitik zur neuen Förderperiode 2007 bis 2013 von bisher 195 Mrd. Euro auf 336,1 Mrd. Euro erhöht. Diese Fördermittel aus den Strukturfonds der Europäischen Union dienen dem Ausgleich regionaler Disparitäten und sollen dazu beitragen die Nachhaltige Entwicklung in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu er-höhen.
Es stellt sich aber die Frage, ob diese Mittel auch effizient eingesetzt werden, und ob diese auch wirklich einen Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung in den geför-derten Regionen leisten. Aus diesem Grunde führt die Europäische Union Evalu-ierungen durch, um somit die geförderten Programme überwachen und bewerten zu können. Es soll geschaut werden, ob die Fördermittel auch effizient eingesetzt werden und nachhaltigen Nutzen stiften. Eine Art von Evaluierung ist die themati-sche Evaluierung, mit welcher sich diese wissenschaftliche Arbeit befasst. The-matische Evaluierungen gehen in einer horizontalen Herangehensweise an eine bestimmte Fragestellung heran. Es werden nicht einzelne Projekte oder Fallstu-dien bewertet, sondern sie sollen Erkenntnisse über die Auswirkungen der För-derprogramme auf einen bestimmten Bereich liefern.
Zu Beginn dieser Ausarbeitung werden Grundlagen wie die EU-Strukturfonds und der Begriff der Nachhaltigen Entwicklung erläutert. Im nächsten Abschnitt wird dann ausführlich beschrieben, was unter thematischer Evaluierung verstanden wird. Daraufhin werden zwei von der Europäischen Kommission in Auftrag ge-gebene thematische Evaluierungen näher betrachtet. Dabei handelt es sich um „Die thematische Evaluierung des Beitrags der Strukturfonds zur Nachhaltigen Entwicklung“ und um die „Thematische Evaluierung der Auswirkungen der Strukturfonds auf die KMU“. Zunächst werden die Arbeiten anhand ihres Auf-baus und ihrer Vorgehensweise sowie den gewonnenen Erkenntnissen aus diesen Evaluierungen analysiert und hinsichtlich dieser Untersuchungsaspekte vergli-chen. In diesem Punkt wird schließlich auf die Frage eingegangen, ob themati-schen Evaluierungen generell sinnvoll sind, und ob sie dazu beitragen können Fördermittel in Zukunft effizienter und sinnvoller einzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Strukturfonds der Europäischen Union
3. Nachhaltige Entwicklung
4. Thematische Evaluierungen
4.1. Die thematische Evaluierung des Beitrags der Strukturfonds zur Nachhaltigen Entwicklung
4.1.1. Aufbau und Vorgehensweise
4.1.2. Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2. Die thematische Evaluierung der Auswirkungen der Strukturfonds auf die KMU
4.2.1. Aufbau und Vorgehensweise
4.2.2. Zusammenfassung der Ergebnisse
4.3. Gegenüberstellung und Bewertung der Studien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die methodischen Ansätze und Ergebnisse ausgewählter thematischer Evaluierungen der EU-Strukturfonds. Dabei wird insbesondere untersucht, wie diese Evaluierungen zur Effizienzsteigerung der Fördermittel beitragen und ob sie den tatsächlichen Beitrag der Strukturfonds zur Nachhaltigen Entwicklung sowie deren Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) valide abbilden können.
- Europäische Regionalpolitik und Strukturfonds
- Konzept der Nachhaltigen Entwicklung im EU-Kontext
- Methodik thematischer Evaluierungen (Top-Down und Bottom-Up)
- Wirkungsanalyse von Fördermitteln auf Kapitalarten und KMU
- Bewertung der Aussagekraft von Evaluationsindikatoren
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Aufbau und Vorgehensweise
Der Aufbau dieser Evaluierung basiert auf dem Drei-Säulen-Ansatz der Nachhaltigen Entwicklung. In dieser Untersuchung wurde dieser Ansatz auf einen Vier-Säulen-Ansatz erweitert, um somit das Thema getrennt in wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und individuellen Zielen zu untersuchen. Der Vier-Säulen-Ansatz geht davon aus, dass die Gesamtwohlfahrt nicht nur von Sach-, Natur- und Humankapital abhängig ist, sondern zusätzlich auch von Sozialkapital, wodurch die „individuelle“ Dimension mit in die Untersuchung einbezogen wird. Aus diesem Grunde spricht man in dieser Arbeit von einem Vier-Säulen-Ansatz. Die Kapitalarten werden anhand verschiedener Indikatoren gemessen. Die Entwicklung des Sachkapitals wird anhand des Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, dem Wirtschaftswachstum, der Kapitalbildung oder der Bruttowertschöpfung gemessen. Naturkapital anhand Luft- und Wasserqualität und Artenvielfalt, Humankapital anhand Arbeitslosen- und Beschäftigungsquote und Bildung. Sozialkapital wird anhand Armut, Gesundheit, Möglichkeiten der Inanspruchnahme von öffentlichen Diensten und sozialer Integration gemessen.
Nachhaltige Entwicklung wird im Rahmen dieser Evaluierung indes anders definiert. In dieser Studie versteht man darunter im Zusammenhang mit dem Vier-Säulen-Ansatz „the provision of services and benefits that increase human well-being without causing a decline in capital stocks per capita“, was soviel bedeutet wie die Erbringung von Leistungen, welche die Gesamtwohlfahrt erhöhen ohne die Abnahme einer Kapitalart zu verursachen. Vorraussetzung für Nachhaltige Entwicklung ist also der Erhalt oder die Zunahme der einzelnen Kapitalarten. Der Nutzen bzw. Gewinn des Einzelnen darf infolge einer Gesamtwohlfahrtssteigerung nicht vermindert werden, was dem Prinzip der Pareto-Verbesserung entspricht.
Diese thematische Evaluierung ist aus einem Top-Down-Ansatz und aus einem Bottom-Up-Ansatz aufgebaut. Der Top-Down-Ansatz untersucht und bewertet in einem so genannten ökonometrischen Modell (E3ME Modell) die Wirkungen der Strukturfondsprogramme auf die verschiedenen Kapitalarten. Der Bottom-Up-Ansatz basiert auf 20 regionalen Fallstudien, acht aus Ziel 1-Regionen, acht aus Ziel 2-Regionen und vier nationale Fallstudien. Die Fallstudien bestehen aus drei Punkten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Herausforderungen der EU-Regionalpolitik ein und erläutert die Relevanz thematischer Evaluierungen zur Überprüfung des effizienten Mitteleinsatzes.
2. Die Strukturfonds der Europäischen Union: Dieses Kapitel beschreibt die Funktion, Verwaltung und Zielsetzung der verschiedenen Strukturfonds als Instrumente des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts der EU.
3. Nachhaltige Entwicklung: Hier wird der Begriff der Nachhaltigen Entwicklung historisch hergeleitet und als Drei-Säulen-Modell (ökonomisch, ökologisch, sozial) für die EU-Politik definiert.
4. Thematische Evaluierungen: In diesem Hauptteil werden zwei spezifische Evaluierungsstudien – zum Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung und zu Auswirkungen auf KMU – detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer Methodik sowie Ergebnisse kritisch verglichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit EU-weit einheitlicher Richtlinien für Evaluierungsmethoden und -indikatoren.
Schlüsselwörter
Strukturfonds, Europäische Union, Regionalpolitik, Nachhaltige Entwicklung, Thematische Evaluierung, KMU, Vier-Säulen-Ansatz, Förderprogramme, Wirkungsanalyse, Indikatoren, Wirtschaftswachstum, Kapitalarten, Top-Down-Ansatz, Bottom-Up-Ansatz, Kohäsionspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie die Europäische Union die Effizienz und den Erfolg ihrer Strukturfondsprogramme durch thematische Evaluierungen überwacht und bewertet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Strukturfonds der EU, das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung sowie die methodische Durchführung und Analyse thematischer Evaluierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Strukturfondsprogramme zur Nachhaltigkeit und zur Unterstützung von KMU beitragen und ob die derzeitigen Evaluierungsmethoden dafür geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen und vergleichenden Ansatz, bei dem zwei spezifische Evaluierungsstudien der EU anhand ihres Aufbaus, ihrer Vorgehensweise und ihrer Ergebnisse gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse der „Thematischen Evaluierung des Beitrags der Strukturfonds zur Nachhaltigen Entwicklung“ sowie der „Thematischen Evaluierung der Auswirkungen der Strukturfonds auf die KMU“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Strukturfonds, thematische Evaluierung, Nachhaltige Entwicklung, KMU-Förderung sowie die methodische Trennung in Top-Down- und Bottom-Up-Ansätze.
Was ist das Ergebnis der Analyse der Nachhaltigkeitsstudie?
Die Studie zeigt, dass Strukturfonds generell positiv zur Entwicklung beitragen, jedoch „Trade-Offs“ entstehen, insbesondere wenn Sachkapital zulasten des Naturkapitals wächst.
Welche Kritik übt der Verfasser an den aktuellen Evaluierungen?
Der Verfasser kritisiert, dass oft selbst gewählte Indikatoren verwendet werden, denen es an politischer Legitimation fehlt, und dass die zeitliche Wirkungsweise der Mittel schwer zu erfassen ist.
Welche Forderung stellt der Autor im Fazit?
Der Autor fordert eine EU-weit einheitliche Richtlinie für die Evaluierung von Strukturfondsprogrammen, um Methoden und Indikatoren vergleichbarer und valider zu gestalten.
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- Michael Hoffmann (Author), 2005, Die thematische Evaluierung von Strukturfondsprogrammen am Beispiel der Evaluierung des Beitrags der Strukturfonds zur Nachhaltigen Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80064