Strukturen und Entwicklungsleitlinien der europäischen Stadt

Die römische und mittelalterliche Stadt


Seminararbeit, 2007

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die römische Stadt

3. Die mittelalterliche Stadt
3.1 Die frühmittelalterliche Keimzelle
3.2 Mutterstädte
3.3 Gründungsstädte älteren Typs
3.4 Kolonisationsstädte
3.5 Territoriale Klein- und Zwergstädte
3.6 Minderstädte

4. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Europäische Städte, wie wir sie heute kennen, haben sich über Jahrhunderte, sogar über zwei tausend Jahre lang entwickelt. Noch heute sehen wir Überreste aus längst vergangenen Zeiten, die uns die Geschichte und Entwicklungen der Städte oft schon erahnen lassen. Die meisten europäischen Städte sind geprägt durch den zeitlichen Verlauf und deren Auswirkungen auf die Gestaltung dessen. Eine europäische Stadt beinhaltet Geschichte und ist gleichzeitig, aber auch gerade deshalb, ein revolutionärer Ort. Im Laufe der Hausarbeit soll aufgezeigt werden, wie die Städte strukturiert sind, inwiefern die Zeit sie in ihrer Entwicklung geprägt hat und welche verschiedenen Typen es von einer europäischen Stadt gibt.

2. Die römische Stadt

Die römische Stadt hat sich ab ca. Chr. Geburt bis ca. 5./6. Jahrhundert entwickelt und besitzt ihren Ursprung in der antiken griechischen Stadt (polis). Bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. haben sie sich in ganz Gallien, im nordwestlichen Germanien und auch in England ausgebreitet. „Der römische Städtebau entwickelte sich mit der Ausweitung der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Macht Roms“ (BÄHR/JÜRGENS 2005, S. 84). Man unterscheidet zwischen Bäderstädte, Lagerstädte, die an Lager und Kastelle angelehnt waren, und natürlich auch Bürgerstädte, die rein aus Anliegen seitens der Bürger erbaut wurden. Entlang des Rheins fand man die meisten römischen Städte, wie beispielsweise Köln, Mainz, Worms, Straßburg und Basel, aber auch entlang des rechten Donauufers, wie zum Beispiel Regensburg, entwickelten sich römische Städte. Die wohl bedeutendste römische Stadt war Trier, als Hauptstadt des römischen Westreiches (275 n. Chr.). Nach einem bestimmten Ritual wurden die Stadtgründungen durchgeführt: Zunächst wurde an einem ausgewählten Ort Vorzeichen gedeutet, meist tierische Rituale, um zu prüfen, ob dieser Standort gesundheitlich in Ordnung war. Danach erst wurden die äußere Merkmale und die Struktur der entstehenden Stadt festgelegt. Die Ost-West-Hauptstraßenfestlegung war dabei ein fester Bestandteil und somit besonders wichtig. Zum Schluss wurde die Stadt geweiht und besaß somit den Schutz der Götter, die nun fort an über sie wachen werden. Römische Städte waren meist nach einem ganz bestimmten Schema aufgebaut: Sie befanden sich größtenteils an römischen Heerstraßen auf einer Ebene. Im Mittelmeerraum erfolge die Grundrissgestaltung ab ca. 450 v. Chr. überwiegend im Rechteckraster, welches man als das Hippodamische Schema bezeichnet. Als Grundriss wiesen sie als Normalschema die quadratische oder rechteckige Anordnung auf.

Abb. 1: „ Die Römerstadt Venta Silurum (Caerwent)“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BÄHR J./ JÜRGENS U.(2005), S. 85

„Die durch die rechtwinklige Straßeneinteilung geschaffene Quartiere hießen Insulae“ (HEINEBERG 2001, S. 202). Meist führten eine Nord-Süd-Achse (cardo) und eine Ost-West-Achse (decumanus) durch die Stadt. Am Schnittpunkt dieser beiden Hauptstraßen lag das Forum, meist ein rechteckiger Platz, an dem die größeren öffentlichen Gebäuden, wie etwa Verwaltung und Gericht, lagen. In Trier liegt noch heute der Palast in der Mitte der Stadt. Außerhalb der Wälle und Gräben lagen die Thermen, Tempel und Theater. Das städtische Leben spielte sich somit also eigentlich vor den Toren der Militärlager ab. Denn dort waren Gaststätten, Theater und Verkaufsstätten angesiedelt. Die oben genannten insulae waren mehrgeschossige Mietshäuser, die eine Höhe von bis zu 20m erreichen konnten und somit bis zu 5 Stockwerke beinhalteten. Diese Mietshäuser wurden an Verwalter verpachtet, die sich um die Häuser und um die Eintreibung der Mieten kümmerten. Es ergab sich eine stark baulich verdichtete Stadt, die besonders von Flüchtlingen aufgesucht wurden, die Arbeit und Zuflucht suchten. Oft kam es zu Bränden innerhalb der Stadt, die eine Wiederaufbauung zur Folge hatte. Nicht selten kam der Verdacht auf, dass die Brände absichtlich gelegt worden seien, um die Stadt besser gestalten zu können, wie etwa bei dem großen Brand von Rom unter Nero. Je größer die Städte wurden, desto „eher ging das Prinzip der Regelmäßigkeit verloren und löste sich in den Vorstädten, was limitatio und orientatio anbelangt, vollends auf“ (BÄHR/JÜRGENS 2005, S. 86). In ganz Süd- und Westeuropa entwickelten sich bis zu 2000 Städte, die in Form von Kolonien, als Romanisierung der oppida oder als militärische Einrichtungen erfolgten. Die spätrömische Zeit um das 3./4. Jhd. n. Chr. galt als Höhepunkt dieser Epoche, in der zum Beispiel in Trier einzigartige Bauwerke entstanden. „Mit der Eroberung der Römerstädte durch die Alemannen und Franken begann deren Verfall. Für zahlreiche Städte ist eine siedlungsgeschichtliche Kontinuität in nachrömischer Zeit nachweisbar, wenngleich die ehemaligen römischen Stadtgebiete im Mittelalter im Allgemeinen nur zu einem kleinen Teil besiedelt waren (Beispiel: Trier) und das Straßennetz größtenteils von dem römischen Schachbrettschema abwich“ (HEINEBERG 2001, S. 203).

3. Die mittelalterliche Stadt

Nachdem das römische Reich zerfallen war, kam es zum teilweisen Verfall der europäischen Städte. Nach BÄHR/JÜRGENS (2005, S. 87) sollte im 6.-10. Jh. der Prozess der Verländlichung das soziale Leben bestimmen. Es entwickelte sich mehr und mehr eine soziale Schichtung, die die Gesellschaft in Stände einteilte. Diese Stände spiegelten sich vor allem im städtischen Leben wieder. Im 14. Jh. hatte die Oberschicht, die sich rund um das Zentrum der Stadt, also am Markt, niederließ, das Sagen. Dennoch machte die städtische Mittelschicht den Großteil der Bevölkerung aus. Das waren überwiegend Gewerbetreibende und Handwerker, welche nur in bestimmten Straßen vorzufinden waren. Hauspersonal, Tagelöhner und Lehrlinge beispielsweise gehörten der Unterschicht an und lebten am Rande der Gesellschaft. „Nur individuelle Vermögensverhältnisse erlaubten es, einen Standortwechsel hin zum prestigeträchtigeren Zentrum der Stadt vorzunehmen“ (BÄHR/JÜRGENS 2005, S. 92). Die geschichtete Sozialstruktur zeigte sich vor allem auch in dem äußeren Erscheinungsbild der Behausungen. Einige Häuser waren mit Stuck, Wandmalerei und Sockel verziert, welche den Wohlstand der jeweiligen Familie widerspiegelte. Die Fachwerkhäuser, die sich ab 1150 entwickelten und durch ihre Holzkonstruktionen besonders brandgefährdet waren, wurden im 13. Jahrhundert von Steinbauten mit Dachziegeln abgelöst. Durch das kontinuierliche Ansteigen der Behausungsziffer, also der Zahl der Wohnungen je Wohngebäude, und der Baudichte, mussten schon bald immer wieder neue Befestigungsmauern um die neu entstandenen Vorstädte gezogen werden. In den Häusern lebten nur selten mehrere Familien. Meist waren es Kernfamilien, die zusammen mit ihrem Dienstpersonal unter einem Dach, wenn auch räumlich strikte getrennt, lebten. Die Wasserversorgung war jedoch nicht annähernd zu komfortabel wie im römischen Reich, bei denen die Wasserleitungen bis in die Wohnungen führten. Lediglich öffentliche Einrichtungen, wie Bäder oder Brunnen, wurden ausreichend mit Wasser versorgt. „Die Verstädterungsquote Europas lag im 15. Jh. bei 20-25%, in Brabant sogar bei einem Drittel, wobei der Großteil der Städter in Klein- und Mittelstädten mit weniger als 2.000 Einwohner lebte“ (ENNEN 1987, S. 228 f.). Im 14. Jahrhundert nahm die Zahl der Stadtgründungen ab und auch die Einwohnerzahlen schrumpften. Noch stärker war der ländliche Raum betroffen, der teilweise bis zu 80% an Menschen verarmte. Ursache waren unter anderem die langjährigen Kriege, die Teile der Bevölkerung vertrieben oder töteten, die Ausbreitung der Pest im 14. Jahrhundert, die Hungersnöte in den Jahren 1315 und 1316 und letztendlich auch die Wirtschaftskrise im Spätmittelalter. Später galten so genannte Hansestädte als wichtiger Umschlagplatz zwischen Ost- und Westeuropa. Durch ein dichtes Straßennetz und eine hervorragende Lage galt beispielsweise Lübeck als ein wichtiger Transitplatz. Zur Form der Städte gehörte meistens ein bis zu vier Hektar großer, viereckiger Marktplatz. Auf sich kreuzenden (Handels-)Straßen siedelten sich schnell Märkte und Messen an, wo die Bauern, die in Abhängigkeit zur Stadt standen, ihre Ware verkaufen konnten (Abnahmegarantie).

Nach HEINEBERG (2001, S. 203) lassen sich die mittelalterlichen Stadtentwicklungen und Stadttypen nach Stadtentwicklungsepochen gliedern.

[...]

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Details

Titel
Strukturen und Entwicklungsleitlinien der europäischen Stadt
Untertitel
Die römische und mittelalterliche Stadt
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich VI – Geographie)
Veranstaltung
Stadtgeographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V80120
ISBN (eBook)
9783638866651
ISBN (Buch)
9783640204250
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturen, Entwicklungsleitlinien, Stadt, Stadtgeographie
Arbeit zitieren
Manuela Müller (Autor:in), 2007, Strukturen und Entwicklungsleitlinien der europäischen Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80120

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