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Auswirkungen von Zwangsmedikation auf psychiatrische Patienten

Title: Auswirkungen von Zwangsmedikation auf psychiatrische Patienten

Seminar Paper , 2005 , 27 Pages , Grade: bestanden

Autor:in: Andre Tantzscher (Author)

Social Work
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Meinen Zivildienst absolvierte ich 1997/1998 in einer Körperbehindertenschule in Hannover. Mir wurde die individuelle Schwerstbehindertenbetreuung eines 16jährigen Jugendlichen, der als Behinderungsbild athetotische Tetraplegie hatte, übertragen. Er saß in einem Rollstuhl. Außer dem üblichen Rollstuhlbeckengurt waren an dem Rollstuhl zusätzliche Gurte auf den Armlehnen und am Fußbrett installiert. Bei meiner Betreuungseinweisung wurde mir erklärt, dass ich die Arme und Füße dieses Schülers festschnallen sollte, wenn ich mit ihm über den Schulkorridor fuhr, damit er weder sich noch andere durch seine unkontrollierten Bewegungen mit den Armen und Beinen verletze. Anfangs schnallte ich ihn auch fest. Ich fixierte ihn. Jedoch versuchte ich mich in seine Lage hinein zu versetzen und ließ mich auch einmal in seinem Rollstuhl fixieren. Dabei erlebte ich ein Gefühl der vollkommenen Ausgeliefertheit sowie Machtlosigkeit. Während meiner Zivildienstzeit übte ich mit diesem Schüler das Fahren mit dem Rollstuhl durch die Schule ohne Fixierung. Ich stellte fest, dass er ohne die Fesseln in einem ruhigeren Zustand war. Mit seinen Arm- und Fußgurten verkrampfte er sich zunehmend.
An dieses Erlebnis erinnerte ich mich als ich im Vorlesungsverzeichnis über die Vorlesung „Hilfe wider Willen – Zwang und Gewalt in der Psychiatrie“ las.
Ich wollte mehr darüber wissen und tiefer in die Thematik einsteigen.

Meine Hausarbeit beginnt mit der Klärung der Begriffe „Gewalt“, „Zwangseinweisung“, „Zwangsmedikation“. Im Hauptteil setze ich mich mit dem Erlebten des Patienten und Auswirkungen der Zwangseinweisung sowie Zwangsmedikation auseinander. Zum Schluss formuliere ich sozialpädagogische Ansätze zur Gewaltminderung in der Psychiatrie.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung

2.1 Gewalt

2.2 Zwangseinweisung

2.3 Zwangsmedikation

3 Auswirkungen der Zwangsmedikation

3.1 Ablauf einer Zwangsmedikation

3.2 Wirkungen und Nebenwirkungen der Zwangsmedikamente

3.3 Die Fixierung

3.4 Erleben durch den Patienten

3.5 Stigmatisierung

3.6 Wechselwirkung Gewalt und Gegengewalt

4 Sozialpädagogische Ansätze zur Gewaltminderung

4.1 Deeskalationsmaßnahmen und Zuhören

4.2 Institutionelle Veränderungen

4.3 Beschwerdestellen

4.4 Aufklärungsarbeit

5 Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Hausarbeit untersucht die Auswirkungen von Zwangsmedikation auf psychiatrische Patienten, beleuchtet die psychischen Folgen von Zwangsanwendungen und leitet daraus sozialpädagogische Handlungsoptionen zur Gewaltminderung im psychiatrischen Kontext ab.

  • Analyse der Begrifflichkeiten von Gewalt, Zwangseinweisung und Zwangsmedikation
  • Untersuchung des Erlebens von Patienten während und nach Zwangseinweisungen
  • Darstellung der Wirkungsweisen und Nebenwirkungen gängiger Neuroleptika
  • Diskussion über Stigmatisierung und die Wechselwirkung von Gewalt und Gegengewalt
  • Entwicklung von präventiven deeskalierenden Maßnahmen und institutionellen Verbesserungen

Auszug aus dem Buch

3.6 Wechselwirkung Gewalt und Gegengewalt

Gerade auf psychiatrischen Stationen herrscht eine aggressive Stimmung. Psychisch labile Patienten können schnell in ihrer Stimmung umkippen und aggressives Verhalten annehmen. Patienten, die gegen ihren Willen in die Psychiatrie gebracht worden sind oder bei denen Zwang in einer Psychose angewandt wurde, sie aber krankheitsbedingt in ihrer veränderten Perspektive davon ausgehen, dass sie sich zur Wehr setzen müssen, sind gewaltbereit (vgl. RUPP und RAUWALD, In: KETELSEN 2004, S. 12-26).

Gewalt kann jederzeit auf einer psychiatrischen Station ausbrechen. Die Mitarbeiter stehen unter einer inneren Anspannung, weil sie in ständiger Alarmbereitschaft sein müssen. Diese Anspannung bekommen Patienten mit. Bei einer Interview-Umfrage von FINZEN (1993, S. 127) äußerten Patienten eine brutale Behandlung bei ihrer Zwangseinweisung und Zwangsmedikation erfahren zu haben. Ein 30-jähriger Patient berichtet über seine Zwangsmedikation: „Jemand drehte mir den Arm auf den Rücken, ein anderer hielt mich am Kopf, ich konnte mich nicht wehren. Danach schlief ich“ (FINZEN 1993, S. 127). Auf die Frage wie diese Situation vermeidbar gewesen wäre, antwortete derselbe Patient, dass er die Tropfen genommen hätte, wären die Pfleger nicht gleich so brutal auf ihn losgegangen. Er sei so wild geworden, als ihm ein Polizist am Kragen packte und ihn ein Pfleger ergriff, dass er so erregt war und das Medikament nicht mehr hätte schlucken können. Da brauchte er die Spritze (vgl. ebd.).

Therapeuten schilderten bei Befragung ihre Befindlichkeit bei Zwangsanwendungen als „nervös“, „gestreßt“, „unangenehm“ und im Einzelfall als „schrecklich“ (vgl. FINZEN 1993, S. 145). Die nervliche Anspannung ist auf beiden Seiten zu erkennen. Psychiatriemitarbeiter, die sich in medizinischer Fachsprache artikulieren, werden von vielen Patienten nicht verstanden und schaffen dadurch weitere Barrieren. Die Patienten verstehen nicht, was der Mitarbeiter ihnen gesagt hat und trauen sich eventuell auch nicht nachzufragen. Sie fühlen sich ausgegrenzt und entwickeln keine Vertrauensbasis zum Personal. Dieses Misstrauen kann den Genesungsprozess verzögern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation durch Zivildienst-Erfahrungen und legt den Aufbau sowie das Ziel der Hausarbeit dar.

2 Begriffsklärung: Hier werden die zentralen Termini Gewalt, Zwangseinweisung und Zwangsmedikation anhand fachwissenschaftlicher Definitionen präzise voneinander abgegrenzt.

3 Auswirkungen der Zwangsmedikation: Dieses Kapitel analysiert den Ablauf von Zwangssituationen, deren Auswirkungen auf den Patienten sowie die Rolle von Nebenwirkungen und Stigmatisierung.

4 Sozialpädagogische Ansätze zur Gewaltminderung: Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Deeskalationsstrategien, institutionellen Veränderungen und präventiver Aufklärungsarbeit.

5 Fazit: Der Autor reflektiert die Problematik der Zwangsmaßnahmen und betont die Notwendigkeit individueller Abwägungen sowie den Stellenwert der Kommunikation.

Schlüsselwörter

Zwangsmedikation, Psychiatrie, Gewalt, Zwangseinweisung, Fixierung, Stigmatisierung, Neuroleptika, Deeskalation, Patientenrechte, Sozialpädagogik, psychische Erkrankung, Trauma, Krisenintervention, Patientenorientierung, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit der Anwendung von Zwangsmaßnahmen wie Zwangsmedikation und Fixierung in der Psychiatrie auseinander und untersucht deren Auswirkungen auf die betroffenen Patienten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Definition von Zwang im psychiatrischen Kontext, das Erleben von Patienten, die Wirkungen von Medikamenten sowie Ansätze zur Gewaltprävention in der sozialen Arbeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Patientenorientierung, verbesserte Kommunikation und alternative Betreuungskonzepte die Notwendigkeit von Zwangsmaßnahmen minimiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen, Umfragen und Interviews von Psychiatrieerfahrenen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Zwangsprozesse, die Betrachtung der Auswirkungen auf den Patienten, die Auswirkungen von Stigmatisierung sowie die Erarbeitung sozialpädagogischer Lösungsansätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Zwangsmedikation, Patientenrechte, Deeskalation und den Abbau von Stigmata charakterisiert.

Welche Bedeutung haben die im Anhang aufgeführten Eskalationsstufen?

Sie dienen dem Fachpersonal als Orientierungshilfe, um das Eskalationspotenzial einer Situation frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig deeskalierend einzugreifen.

Welche Rolle spielt das beschriebene "Herner Modell"?

Es dient als Beispiel für eine gewaltarme Psychiatrie, die durch offene Türen, Außenorientierung und eine heterogene Patientenstruktur die Atmosphäre verbessert und Zwang reduziert.

Warum betont der Autor die Notwendigkeit von Nachbesprechungen?

Nachbesprechungen sind essenziell, um die traumatischen Erlebnisse der Zwangsanwendung aufzuarbeiten, Verständnisfragen zu klären und langfristige psychische Folgeschäden wie Traumata zu vermeiden.

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Details

Title
Auswirkungen von Zwangsmedikation auf psychiatrische Patienten
College
University of Applied Sciences Hanover
Course
Hilfe wider Willen – Zwang und Gewalt in der Psychiatrie
Grade
bestanden
Author
Andre Tantzscher (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V80123
ISBN (eBook)
9783638872331
ISBN (Book)
9783638872416
Language
German
Tags
Auswirkungen Zwangsmedikation Patienten Hilfe Willen Zwang Gewalt Psychiatrie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andre Tantzscher (Author), 2005, Auswirkungen von Zwangsmedikation auf psychiatrische Patienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80123
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