Die Arbeit untersucht das sozialphilosophische Denken Johann Wolfgang Goethes zum Gegenstand der Französischen Revolution und zu Napoleon. An diesem Gebiet der Deutung zeitgeschichtlicher Ereignisse soll die Art und Weise seines Geschichtsdenkens wie seiner Wirklichkeitserfassung überhaupt deutlich werden. Die soziologischen Phänomene, die in den Werken der 90er Jahre des 18. Jahrhunderts in Erscheinung treten, können deshalb nur als Material und Stoff dienen, an denen sich die Interpretation entlang zu tasten hat, um zu dem Denksystem vorzudringen, das hinter ihnen liegt.
Zentral in der allgemeinen Darstellung bleibt die Frage nach Goethes Verhältnis zur Revolution als besonderes politisches Ereignis. Hier treffen die Einzeldarstellungen zu diesem Thema mit den Gesamtdarstellungen des politischen Weltbildes zusammen. Gemeinsam ist ihnen allen die Fragestellung, was Goethe bewogen haben könnte, der Französischen Revolution anders gegenüberzutreten als ihre Wortführer; warum und inwiefern er es als störend und zerstörend empfunden hat; was er eigentlich gegen sie aufgeboten hat; womit er ihr gegenüber getreten ist.
Abschließend wird auf Goethes Einstellung zu den Phänomenen der Macht und der historischen Größe eingegangen. Diese offenbart sich für ihn verdichtet in der Gestalt Napoleons.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DEUTSCHLAND UND DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION
3 GOETHE UND DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION
3.1 GOETHE ALS ZEITZEUGE
3.2 GOETHE ALS KRIEGSTEILNEHMER
4 GOETHE UND DIE UMSETZUNG IN SEINEN WERKEN
4.1 EGMONT, IPHIGENIE AUF TAURIS UND TORQUATO TASSO
4.2 DER BÜRGERGENERAL UND DIE AUFGEREGTEN
4.3 HERMANN UND DOROTHEA
4.4 DIE NATÜRLICHE TOCHTER
5 GOETHE UND NAPOLEON
5.1 GOETHES HALTUNG NACH DER REVOLUTION
5.2 GOETHES BEGEGNUNGEN MIT NAPOLEON
5.3 DÄMONISCHES WESEN – NAPOLEON
6 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das sozialphilosophische Denken Johann Wolfgang von Goethes in Bezug auf die Französische Revolution und die Figur Napoleons, um sein zugrunde liegendes Geschichtsdenken und seine Wirklichkeitserfassung zu erschließen.
- Goethes Verhältnis zur Französischen Revolution als politisches Ereignis
- Die literarische Verarbeitung politischer Umbrüche in seinen Werken
- Goethes Einstellung zu Macht, historischer Größe und der Gestalt Napoleons
- Das Konzept des "Dämonischen" im Kontext der napoleonischen Ära
Auszug aus dem Buch
Goethe als Kriegsteilnehmer
1792 zog Goethe mit seinem Herzog, der preußischer General war, wenig erfreut in den Krieg gegen die französischen Revolutionäre. Der Einfall der legitimen Mächte gegen Frankreich war ihm selbstverständlich. Aber begeistert für den Prinzipienkrieg war er nicht.
Jahrzehnte später, Anfang der zwanziger Jahre, schrieb er, sich erinnernd und auf Dokumente gestützt, als Teil seiner autobiografischen Schriften die Campagne in Frankreich und für das Jahr 1793 die Belagerung von Mainz. In seiner Campagne schreibt er im November 1792: „Der Dichter aber, der seiner Natur nach unparteiisch sein und bleiben muß, sucht sich von den Zuständen beider kämpfenden Teile zu durchdringen, wo er denn, wenn Vermittlung unmöglich wird, sich entschließen muß, tragisch zu endigen.“ Dies gilt insofern, als die eigene Führung vielfach kritisiert wird und Goethe ausgesprochenes Mitgefühl mit der französischen Bevölkerung zeigt. Er hat aber nie ernsthaft versucht, in die Auffassungen der Revolutionäre einzudringen, und sich doch im ganzen mit der Sache identifiziert, für die er mit seinem Herzog ins Feld rückte.
Am 20. September 1792 kam es zur berüchtigten Kanonade von Valmy, wo sich die Franzosen und die Verbündeten mit verkehrten Fronten gegenüberstanden. Sie ist vor allem auch deshalb bekannt geblieben, weil sich Goethe an jenem Abend in einer Runde Offiziere als „prophetischer Zeitendeuter“ betätigt haben soll: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Fragestellung nach Goethes politischem Weltbild und seinem Verständnis von Geschichte und Macht ein.
2 DEUTSCHLAND UND DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION: Dieses Kapitel skizziert die Auswirkungen der Revolution auf Deutschland und die verschiedenen politischen Strömungen innerhalb der deutschen Gesellschaft.
3 GOETHE UND DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION: Es wird Goethes Rolle als kritischer Zeitzeuge und seine Teilnahme am Feldzug von 1792 beleuchtet.
4 GOETHE UND DIE UMSETZUNG IN SEINEN WERKEN: Hier wird analysiert, wie Goethe die politischen Ereignisse der Zeit in seinen Dramen und Epen literarisch verarbeitet hat.
5 GOETHE UND NAPOLEON: Dieses Kapitel widmet sich Goethes persönlicher Begegnung mit Napoleon sowie seiner philosophischen Interpretation des "Dämonischen" in dessen Wirken.
6 SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend wird Goethes Denken als ein von der Aufklärung geprägtes Streben nach Freiheit und geordneten Verhältnissen zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Französische Revolution, Napoleon Bonaparte, Geschichtsdenken, Aufklärung, Politische Philosophie, Literaturwissenschaft, Egmont, Campagne in Frankreich, Dämonisches, Macht, Freiheit, Zeitgeschehen, Krieg, Konstitutionelle Monarchie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Denken Goethes im Kontext der politischen Umwälzungen durch die Französische Revolution und das Zeitalter Napoleons.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Goethes Verhältnis zur Revolution, die Reflexion politischer Macht in seinem literarischen Werk und seine persönliche Faszination für Napoleon.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Untersuchung von Goethes Aussagen und Werken zu verstehen, wie er als Dichter und Staatsminister auf die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärquellen wie Goethes literarischen Werken, Tagebüchern und Gesprächen (insbesondere mit Eckermann) im Abgleich mit der geschichtswissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Reaktionen auf die Französische Revolution, deren literarische Umsetzung in Werken wie "Egmont" oder "Die natürliche Tochter" und die spezifische Auseinandersetzung mit der Person Napoleons.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Aufklärung, Französische Revolution, Napoleon, Dämonisches, Freiheit, Politische Philosophie und das dichterische Werk Goethes.
Wie bewertete Goethe den Ausgang der Französischen Revolution?
Goethe lehnte die Gewalt und den Umsturz ab, zeigte jedoch Verständnis für die Notwendigkeit von Reformen, sofern diese von der Regierung ausgingen und nicht durch einen Pöbelaufstand erzwungen wurden.
Was verstand Goethe unter dem "Dämonischen" bei Napoleon?
Das Dämonische beschreibt für Goethe eine übermenschliche, unberechenbare Kraft, die außerhalb von Verstand und Vernunft steht und sich in genialen Persönlichkeiten wie Napoleon manifestiert.
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- Ramona Burkhardt (Author), 2005, Goethe und das Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80163