Interkulturelle Kompetenz und deren Bedeutung für die Entwicklung interkultureller Synergiepotenziale


Hausarbeit, 2007

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist „interkulturelle Kompetenz“?

3 Wie entsteht interkulturelle Kompetenz?
3.1 Interkulturelle Kompetenz als Ergebnis eines ^earning by doing“?
3.2 Wie entwickelt sich interkulturelle Kompetenz?

4 Interkulturelle Synergieentwicklung
4.1 Was versteht man unter „interkultureller Synergie“?
4.2 Welche Rolle spielt interkulturelle Kompetenz bei der Entwicklung von Synergie?

5 Kritische Schlussbemerkungen
5.1 Rückblick auf die bisherige Darstellung
5.2 Kritische Betrachtung des Dargestellten

1 Einleitung

„Interkulturelle Kompetenz“ - ein Begriff, den unser globalisiertes Zeitalter häufig ge­braucht. Häufigei' Gebrauch impliziert jedoch nicht notwendig einen einheitlichen Ge­brauch. Ebensowenig wie dem Gebrauch eines Begriffes nicht notwendig ein einheitliches theoretisches Konzept zugrundeliegen muss. Die vorliegende Arbeit nimmt sich dem Ter­minus der „interkulturellen Kompetenz“und einem, möglichen konzeptualen Verständnis dessen an.

Das Anfangskapitel widmet sich zunächst dem Begriff interkultureller Kompetenz an sich. Es werden Kategorien von Modellen zur Einordnung und Eingrenzung interkul­tureller Kompetenz genannt und die starke fachspezifische Varianz des Verständnisses inter kultureller Kompetenz angezeigt. Ausgehend von einem psychologisch-prozessuales Begriffskonzept fokussiert der Hauptteil der Arbeit die Frage nach der Entstehung von interkulturellen Handlungskompetenzen. Ein Beipiel für interkulturelle Interaktionsab­läufe im wirtschaflichen Arbeitsfeld wird herangezogen um zu erörtern, ob bereits durch bloßen Kontakt mit „dem Fremden“ eine Fälligkeit zum interkulturellen Verstehen und kulturadäquaten Handeln entwickelt wird. Es zeigt, sich, dass die Entwicklung interkul­tureller Kompetenz mehr bedarf, als zweier Interaktionspartner unterschiedlicher Kul­turkreise, die sich bemühen zusammenzuarbeiten. Erst ein individueller und reflektierter Lern- und Entwicklungsprozess ermöglicht das Erlangen interkultureller Handlungskom­petenz. Im Folgenden wird ein entsprechendes Konzept vorgestellt, welches sich lern- und handlungstheoretisch begründet. Ausgehend von personalen und sozialen Bedingungen beginnt der interkulturelle Lernprozess durch interkulturelle Erfahrungen, die als un­verständlich, ungewohnt und irritierend erlebt werden und führt dann weiter über die Lernstufen der kritischen interkulturellen Erfahrung, dem interkulturellen Lernen und inter kulturellen Verstehen, hin zur Entwicklung einer handlungswirksamen interkultu­rellen Kompetenz.

Das vorgestellte Modell stellt das Individuum als Handlungszentrum in den Mittel­punkt und beschreibt die Stufen zur persönlichen, individuumsspezifischen Entwicklung inter kultureller Kompetenz. Beruhend auf der Basis dieses Konzepts konzentriert sich der zweite Abschnitt des Hauptteils auf die Bedeutung, das Verständnis und die Re- 1 Einleitung levanz eines interpersonellen Zusammenwirkens unterschiedlicher Kulturen. Interkultu­relle Kompetenz stellt sich hierbei als wichtigste Determinante für das Entstehen von interkulturellen Synergiepotenzialen dar.

Im letzten Teil wird das Bisherige Revue passiert und eine produktiv-kritische Hal­tung dem Dargestellten gegenüber eingenommen. Das Aufzeigen der Vor- und Nachteile des vorgestellten Verständnisses interkultureller Kompetenz kann eine weitere, definitiv notwendige Forschungsarbeit ermöglichen und erleichtern.

2 Was ist „interkulturelle Kompetenz“?

Um sich gewinnbringend mit einem so umfangreichen, wie unüberschaubaren Thema wie interkultureller Kompetenz auseinander setzen zu können braucht es eine klar definierte begriffliche Basis. Es erscheint zunächst fraglich, ob es EIN universell gültiges Konzept von int er kultureller Kompetenz gibt und geben sollte wie einfach und zugleich reduzie­rende Begriffsklärungen, wie jene von Baumer,1 suggerieren könnten. Georg Auernhei- mer, Mitbegründer der Forschungsstelle für interkulturelle Studien merkt kritisch an, dass die Anforderungen an Expate, d.h. Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft, aber ohne Einbürgerung in einem fremden Kulturkreis leben, hinsichtlich ihres Praxisfel­des stark variieren können2. Dementsprechend wurden bereits eine kaum überschaubare Anzahl von Modellen zur Beschreibung und Entwicklung interkultureller Kompetenz von verschiedenen Fachrichtungen hervorgebracht. Zusammenfassende Darstellungen unter­scheiden beispielsweise Listenmodelle3, welche sich in einer Aufzählung von Teilkom­petenzen wTie Stressresistenz oder Empathie erschöpfen, von Strukturmodellen, die in­terkulturelle Kompetenz eher systemisch-prozessual verstehen und die Einzelfähigkeiten verschiedenden Dimensionen zuordnen4. Ein oft zitiertes Modell von Gertsen5 differen­ziert in kognitive, verhaltensbedingte und affektive Aspekte interkultureller Kompetenz. Neben diesen individual-bezogenen Konzepten lassen sich darüberhinaus interaktionisti- sche von situative Ansätze unterscheiden, die neben den Kompetenzen des Individuums vor allem Aspekte der Wechselwirkung zwischen den Beteiligten in der interkulturel­len Uberschneidungssituation oder allgemeine Rahmenbedingungen der Interaktion in den Vordergrund heben6. Dass sich bei der Fülle der bisherigen Ansätze (noch) kein „unisono akzeptiertes Modell“ konstatieren lässt7, hegt sicherlich zum einen an der disz- plinübergreifenden Dimension der Debatte, zum anderen jedoch auch in grundlegenden Definitionsvarianzen des Begriffs interkultureller Kompetenz. Gehen die Auffassungen

2 Was ist „interkulturelle Kompetenz“?

vom Ziel und Anwendungsgebiet interkultureller Kompetenz bereits stark auseinander, verwundert die Antwortenvielfalt i.B.a. die Frage aus welchen Teilkompetenzen sich die­se zusammensetzt bzw. ob und wie sie erlernt oder vermittelt werden kann nicht.8 Eine beträchtliche Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten bezieht sich auf Fragestellungen im Kontext von Fremdsprachenausbildung9. Hier wird interkulturelle Kompetenz oft mit Fremdsprachenkompetenz gleichgesetzt, welche zwar ein wichtiger Aspekt ist, keinesfalls jedoch das gesamte Themenspektrum erfasst.10 Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich sind Listenmodelle verbreitet, welche interkulturelle Kompetenz als eine Art Sammelbe­griff für eine Fülle von Pcrsönlichkcitsmcrkmalcn begreifen. Es werden Führungsstärkc, Dominanz, Durchsetzungsvermögen neben Empathie, Respekt und Toleranz gegenüber Fremdheit genannt. Die Widersprüchlichkeit der geforderten Kompetenzen wird dabei oft weder bemerkt noch diskutiert11. Die Pädagogik hingegen scheint eher das Thema „Interkulturelles Lernen“ statt interkultureller Kompetenz zu beschäftigen, da letzterer Begriff als zu stark leistungsorientiert und zu wenig prozessbezogen interpretiert wird. Lediglich in den Bereichen Lehrerfortbildung und Sozialarbeit wächst das pädagogische Interesse, wie Hinz-Rommel12 feststellt. Im Bereich der Psychologie überwiegen bis heute die angloamerikanischen Forschungen der „cross-cultural psychology“13, welche eine Viel­falt verschiedener Modell- und Theorieversuche hervorgebracht und teilweise etabliert haben.14

Für den Kontext dieser Arbeit erweist sich ein psychologisch akzentuiertes Verständnis inter kultureller Kompetenz als geeignet:

„Interkulturelle Kompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, kulturelle Bedin­gungen und Einflussfaktoren im Wahrnehmen, Urteilen, Empfinden und Han­deln bei sich selbst und bei anderen Personen zu erfassen, zu respektieren, zu würdigen und produktiv zu nutzen, im Sinne einer wechselseitigen An­passung, von Toleranz gegenüber Inkompatibilitäten und einer Entwicklung hin zu synergieträchtigen Formen der Zusammenarbeit, des Zusammenlebens und handlungswirksamer Orientierungsmuster in Bezug auf Weltinterpreta­tion und Weltgestaltung“15.

3 Wie entsteht interkulturelle Kompetenz?

3.1 Interkulturelle Kompetenz

Verinnerlicht man sich diese Charakterisierung interkultureller Kompetenz tauchen frü­her oder später Fragen wie folgende auf:

- Entwickelt sich die Fähigkeit in interkulturellen Überschneidungssituationen er­folgreich agieren zu können durch „learning by doing“, d.h. durch bloßen mehr oder weniger intensiven Kontakt und Austausch mit „dem Fremden“? bzw.

- Ist die Entwicklung interkulturelle Kompetenz beeinüussbar und wenn „ja“, wie?

Ein Beispiel für eine interkulturelle Überschneidungssituation auf wirtschaftlicher Ebene soll zur Klärung der aufgeworfenen Fragen verhelfen: Das Verhalten des amerikanischen Vorgesetzen wird dem Verhalten seines griechischen Mitarbeiters gegenübergestellt, wäh­rend auf der anderen Seite die Vermutungen, Erwartungen und Berwertungen beider Interaktionspartner dargestellt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel nach Triadis & Vassilou (1972)

Jeder der beiden Partner hat offensichtlich eine Vorstellung bzw. eine Erwartung davon, was einen Chef zum Chef und einen Mitarbeiter zum Mitarbeiter macht.

[...]


1 Baumer 2002, S. 76, 79

2 Auernheimer 2005, S. 15

3 vgl. Gardner 1962

4 vgl. Bolten 2005

5 Gertsen 1990

6 siehe Thomas Kompetenzmodell im Abschnitt 3.2, S. 10

7 Bolten 2005

8 vgl. hierzu Abschnitt 3

9 z.B. in Bezug auf Sprachfähigkeit, Sprachvermittlung oder Fremdsprachenunterricht “Thomas 2003, S. 142

11 z.B. bei Baumer 2002

12 Hinz-Rommel, Interkulturelle Kompetenz - Ein neues Anforderungsprofil für soziale Arbeit, 1994

13 Der Begriff wird i.d.R. als „Kulturvergleichende Psychologie“ ins Deutsche übersetzt.

14 vgl. Thomas 2003, S. 142

15 Thomas 2003, S. 143

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz und deren Bedeutung für die Entwicklung interkultureller Synergiepotenziale
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V80193
ISBN (eBook)
9783638033497
ISBN (Buch)
9783638931229
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Kompetenz, Bedeutung, Entwicklung, Synergiepotenziale
Arbeit zitieren
Peggy Schirmer (Autor), 2007, Interkulturelle Kompetenz und deren Bedeutung für die Entwicklung interkultureller Synergiepotenziale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80193

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