(...) Später entstanden vier Kontore und zahlreiche Faktoreien. Im Weiteren sollen diese Kontore näher betrachtet werden. Wie entstanden die Kontore? Was waren die wichtigsten Handelswaren? Gab es Unterschiede in den einzelnen Kontoren, sei es im Leben der Kaufmänner oder der Entwicklung der Kontore? Nahezu die gesamte Zeit des Mittelalters (das hier zwischen dem Ende des Weströmischen Reiches im fünften Jahrhundert und dem Beginn der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts eingeordnet werden soll) war die Hanse ein wichtiger wirtschaftlicher und sogar politischer Machtfaktor. Die Hansegesellschaft deckte nahezu den gesamten Ost- und Nordseeraum ab und drang bis nach Smolensk vor . Doch trotz des immensen Erfolges der Hanse, war ihre Geschichte auch von Krisen und Seekriegen geprägt. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts verlor die Hanse an Bedeutung, obwohl die Städte nichts an ihrem Handelsvolumen einbüßten . Warum kam es also zu einem Ende der Hanse? Wofür sind die Ursachen zu suchen? Oder wie es Antjekathrin Grassmann formuliert:
"Vielleicht sollte man auch anders fragen: Warum konnte überhaupt ein Phänomen wie die Hanse so lange bestehen- trotz […] der sprichwörtlichen Lockerheit des Bundes, trotz der sich verändernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen?"
Ist die Verlagerung des Handelsschwerpunktes auf den Atlantik eine Ursache für den Niedergang? Im Weiteren sollen diese Fragen untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalt
2. Einleitung
3. Die Entstehung und Ausbreitung der Hanse – Ein Überblick
3.1 Die Gotländische Genossenschaft
3.2 Der Handel mit Skandinavien und die Ausbreitung nach Westen
3.3 Von der gotländischen Genossenschaft zur Städtehanse
4. Die Kontore
4.1 Brügge
4.2 Nowgorod
4.3 Bergen
4.4 London
5. Der Niedergang der Hanse
6. Fazit
7. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Ausbreitung der Hanse im Nord- und Ostseeraum mit einem besonderen Fokus auf die vier bedeutenden Kontore Bergen, Brügge, London und Nowgorod. Ziel ist es, die Entstehung, Organisation und den späteren Niedergang dieses bedeutenden Handelsnetzwerkes unter Berücksichtigung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zu analysieren.
- Entstehungsgeschichte der Hanse und Übergang zur Städtehanse
- Die Rolle und Funktion der vier Kontore als Handelsniederlassungen
- Strukturen und Lebensweise innerhalb der Kontore
- Ursachen für den wirtschaftlichen und politischen Niedergang der Hanse
Auszug aus dem Buch
4.2 Nowgorod
Wie bereits in Kapitel 2.3 erwähnt, trieb man Mitte des 12. Jahrhunderts über die Insel Gotland Handel mit Nowgorod. Die Kaufleute wohnten zu der Zeit noch auf dem Handelshof der Gotländer (Olafshof)30. Man handelte oft gemeinsam. Erst später gründeten die Deutschen ihren eigenen Hof, der als Petershof bekannt wurde. Im Zentrum des Hofes stand die St. Peters Kirche. Sie barg die Hofkasse, wertvolle Handelswaren und das Siegel des Kontors. Man lebte mit der so genannten Schra, der Hofordnung. Diese schrieb z.B. vor, dass die deutschen Kaufmänner nicht ständig am Hof leben durften. Sie wurden in Sommer- und Winterfahrer unterteilt, das war sonst in keinem anderen Kontor üblich. Die Kaufleute im Petershof standen auch völlig unter eigener Rechtshoheit, sie mussten selbst für Ordnung sorgen. Manchmal kam es dabei zu blutigen Fehden. So wurde 1421 ein Russe aufgehängt, da er versucht hatte den Brief eines deutschen Kaufmannes zu schmuggeln.
Die anwesenden Kontorbesucher unterteilte man in drei Gruppen: die „Meistermänner“ (selbstständige Kaufleute), Knappen bzw. Gesellen und die Lehrjungen31. Den Vorsitz im Kontor hatte auch hier der Oldermann und er hatte vier „Weiseste“ als Beisitzer. Auch hier erfüllte er die judikative Funktion des Kontors und er berief den Steven ein, den Rat. Die Hansekaufleute handelten vor allem mit Bernstein, Tuch, Salz, Wein und Silber. Im Gegenzug erhielten sie Pelze und Wachs, sowie Talg und Leder. Dabei lag die Einfuhrbegrenzung bei 1000 Mark lübisch Warenwert. Dadurch waren die Deutschen natürlich in einer besseren Verhandlungsposition: russische Waren gab es im Überfluss und konnten preiswert erworben werden, die deutschen Waren hingegen waren knapp und erzielten so hohe Preise32.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Hanse ein, umreißt den zeitlichen Rahmen des Mittelalters und formuliert die zentralen Fragestellungen zur Entstehung, Organisation und dem Niedergang der Handelsorganisation.
3. Die Entstehung und Ausbreitung der Hanse – Ein Überblick: Das Kapitel beleuchtet die sozioökonomischen Voraussetzungen für die Entstehung der Hanse, inklusive der Bedeutung der Gotländischen Genossenschaft und der Expansion des hansischen Handelsnetzes.
4. Die Kontore: Hier erfolgt eine detaillierte Untersuchung der vier wichtigsten hansischen Niederlassungen – Brügge, Nowgorod, Bergen und London – hinsichtlich ihrer rechtlichen Struktur, Organisation und Handelsbedeutung.
5. Der Niedergang der Hanse: Dieses Kapitel analysiert die vielfältigen wirtschaftlichen und politischen Ursachen, die zum Bedeutungsverlust und schließlich zur faktischen Auflösung des Hansebundes führten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle der Hanse als mächtige Handelsmacht zusammen und reflektiert ihre langfristige Wirkung sowie ihre Bedeutung in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Hanse, Kontore, Handelsnetzwerk, Mittelalter, Städtehanse, Bergen, Brügge, London, Nowgorod, Warenverkehr, Privilegien, Nordsee, Ostsee, Wirtschaftshistorie, Oldermänner.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Hanse, von ihren Anfängen als Zusammenschluss von Kaufleuten bis hin zu ihrem Aufstieg und schließlichen Niedergang als mächtiger Handelsbund im Mittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Handelsstrukturen, die Rolle der vier bedeutenden Kontore im Ausland sowie die soziopolitischen Veränderungen, die die Hanse beeinflusst haben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise der Hanse zu verstehen, insbesondere die Bedeutung der „vier Kontore“ als geschützte Handelsniederlassungen und deren Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der Kaufleute.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Literaturanalyse, bei der Fachpublikationen ausgewertet wurden, um ein fundiertes Bild der hansischen Geschichte zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehung des Hansebundes, eine detaillierte Einzelbetrachtung der vier Kontore (Bergen, Brügge, London, Nowgorod) und eine Analyse der Ursachen ihres Niedergangs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Hanse, Kontore, Hansestädte, Handel, Privilegien sowie die Namen der vier behandelten Handelsstützpunkte.
Warum wird das Kontor in Nowgorod als besonders fremd bezeichnet?
Nowgorod galt als fremd, da dort sehr spezifische Hofordnungen herrschten, die Kaufleute unter einer eigenen Rechtshoheit lebten und die Handelsbeziehungen stark von den äußeren Einflüssen des Moskauer Reiches abhängig waren.
Was macht den „Londoner Stalhof“ zu einer Sonderstellung?
Im Gegensatz zu den anderen Kontoren verschmolz der Stalhof stärker mit den lokalen englischen Institutionen, und die Kaufleute unterstanden teilweise einer gemischten Rechtsprechung von Engländern und Deutschen.
Was waren die „Spiele der Deutschen“ in Bergen?
Es handelte sich um rigide Aufnahmerituale für Neulinge, die körperliche Belastungen und Bestrafungen umfassten, um sicherzustellen, dass nur belastbare Kaufleute in das Kontor aufgenommen wurden.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Heidel (Autor:in), 2007, Die Entstehung und Verbreitung der Hanse in Nord- und Ostseeraum und die Bedeutung der vier Kontore Bergen, Brügge, London und Nowgorod, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80197