Rechtsextremismus in Frankreich

Eine kurze Darstellung


Seminararbeit, 2007

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Ursprung und Entwicklung des französischen Rechtsextremismus
2.1.1. Von der Revolution zum 2. Weltkrieg
2.1.2. Das Vichy-Regime
2.1.3. Die 4. Republik
2.2. Nouvelle Droite – Die Neue Rechte
2.3. Der Front National
2.3.1 Entstehung und Entwicklung
2.3.2 Die Wähler

3. Fazit
3.1. Der deutsche und französische Rechtsextremismus im Vergleich

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Jahren sind die rechtsextremen Parteien nicht nur in Deutschland auf dem Vormarsch. In immer mehr Ländern Europas werden antidemokratische rechtsextremistische Parteien in die jeweiligen Parlamente gewählt. Sie vollzogen dabei eine Wandlung weg von der offensichtlich extremistischen Randgruppe hin zur bürgernahen gemäßigten Partei der Mitte. Dieser Wandel bleibt jedoch nur äußerlich, die heutigen Ziele der Neuen Rechten unterscheiden sich im Kern jedoch nicht oder kaum zu denen ihrer Vorläufer. Einzig die Ideologien und die Mittel mit denen diese durchgesetzt werden sollen, haben sich den Veränderungen der Gesellschaft im Laufe der Zeit angepasst. .

Die folgende Arbeit wird sich mit unserem Nachbarn Frankreich und den Entwicklungen des französischen Rechtsextremismus, von der Revolution über das Vichy-Regime zu den „Nouvelle Droite“ und letztendlich dem Front National, befassen. Im Mittelpunkt steht die Frage welche politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu diesen Entwicklungen führten. Weiterhin wird die große französische Rechtspartei „Front National“ vorgestellt und untersucht, welche Faktoren für ihren Erfolg verantwortlich sind.

Ein Vergleich der französischen Rechten und deren Partei mit Deutschland erfolgt im Schlussteil.

Zum französischen Rechtsextremismus sind zahlreiche Publikationen erschienen, die wichtigsten sind hierbei „Die Neue radikale Rechte im Vergleich; USA, Frankreich, Deutschland“ von Michael Minkenberg und „Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa; Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien“ von Franz Greß, Hans-Gerald Jaschke und Klaus Schönekäs.

2. Hauptteil

2.l. Ursprung und Entwicklung des französischen Rechtsextremismus

2.1.1. Von der Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Anfänge und Wurzeln des französischen Rechtsextremismus liegen in der Revolution von 1789. Hier gab es in der politischen Kultur erstmals eine Abgrenzung zu „Anderen“, den „étrangers“. Gemeint sind die Gegner der Revolution und königstreuen Nationalisten.[1] Es lassen sich nun 3 verschiedene Strömungen unterscheiden. Hier finden sich zunächst die Royalisten und Legitimisten, welche die schärfsten Gegner der Revolution waren. Diese Strömung ist gekennzeichnet durch traditionellen Katholizismus und Eintreten für die Monarchie. Einer ihrer Hauptvertreter war der katholische Konterevolutionär Joseph de Maistre, ein Prototyp der politischen Rechten. In seinem Werk „Considération sur la France“ von 1796 beschreibt er die französische Revolution als „ein katastrophales Ereignis, das alle Vorstellungen der Menschen übersteige“[2]. De Maistre sollte den künftigen Rechten immer wieder als Quelle für ihre Ideen dienen. Demgegenüber stehen die „Orleanisten“, sie repräsentieren das aufstrebende Wirtschaftsbürgertum. Politisch lehnten die „Orleanisten“ die Ideen der Revolution ab, gleichzeitig profitierten sie jedoch von den ökonomischen Veränderungen durch die Revolution und dem aufkommenden Kapitalismus. Der dritten und letzten Strömung sind die autoritär-nationalistischen „Bonarpatisten“ zu zuordnen. Sie sind Anhänger des 1851 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommenen Louis Bonaparte.[3]

Neben diesen drei Strömungen bildet jedoch auch in Frankreich der Rassismus eine Grundlage für die Entstehung des französischen Rechtsextremismus. Die Anfänge stammen aus der frühen französischen Kolonialzeit, jedoch wird der Rassismus erst vollends mit Beginn des Imperialismus und der Arbeitsmigration nach Frankreich ausgebildet. Seit 1880 lebten in der 3. Republik mehr als eine Million Einwanderer, was eine rasante Ausbreitung von Nativismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zur Folge hatte[4]. So kam es in jenem Jahrzehnt zu anti-italienischen Krawallen bei denen mehr als 30 Italiener getötet wurden.

Von Rassismus konnte im Frankreich dieser Zeit jedoch noch nicht die Rede sein, vielmehr sprach man hier bis in die 1930er Jahre von Nationalismus und hob sich damit auch von der völkischen Ideologie der Deutschen ab.

Einen wichtigen Punkt in der Geschichte der französischen Rechte markieren die Jahre 1887/1888. Dem General Boulanger gelang es, vor allem wegen einer Krise der politischen Linke und wachsender sozialer Probleme durch die fortschreitende Industrialisierung, mehrere Wahlen zu gewinnen und eine frühe Form einer rechter Massenbewegung zu mobilisieren.[5] Wenig später, im Jahr 1891, sollte die „Dreyfus-Affäre“ für Aufruhr sorgen. Der französische Generalstab, in dem der Antisemitismus weit verbreitet war, beschuldigte einen jüdischen Offizier zu Unrecht der Spionage und polarisierte damit weiter die Nation. Die „Dreyfus-Affäre“ aber auch die Werke antisemitischer Schriftsteller wie Edouard Drumont oder Maurice Barrès wirkten bis über die Jahrhundertwende hinaus als Katalysator für Antisemitismus und Nationalismus, so gab es um 1900 bereits eine Vielzahl antisemitischer Ligen. Mit der von Charles Maurras 1905 gegründeten „Ligue d’Action Française“ und ihrer Studentenorganisation „Fédération des étudiantes d’Action Française“ entstand dann der Prototyp einer modernen radikalen Rechten und eine einflussreiche intellektuelle Ideenschmiede für rechtsextremes Gedankengut. Hier waren Ultranationalismus, Militarismus, Rassismus, Antisemitismus und eine antidemokratische Haltung zum ersten Mal in einer politischen Bewegung vereinigt.[6] Zur „Action Française“ gehörte auch ein Verlag mit einer Tageszeitung, die in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen Auflagen von über 100.000 Stück erreichte. Gleichzeitig „nationalisierten“ die antisemitischen Ligen das Land mit Parolen wie „La France aux Français“. Zu guter letzt trug auch die katholische Kirche, die sich in der säkularen 3. Republik stark mit dem Nationalismus identifizierte und gleichzeitig den säkularen Staat ablehnte, zur Verbreitung traditionalistischer rechter Ideologien bei.

Bis Kriegsbeginn 1939 hatte sich die französische Rechte in zwei Lager gespalten, so dass hier zwischen dem gemäßigt - parlamentarischen Flügel und der extremen Rechten, mit 3 leicht akzentuierten Bewegungen, unterschieden werden kann. Neben der „Action Française“ gab es die 1927 gegründete und 1936 wieder verbotene Frontkämpferbewegung „Croix de Feu“, die boulangeristische Traditionen mit Ideen des italienischen Faschismus verband, und die „Parti Populaire Français“ (PPF), die bis heute einzige faschistische Massenbewegung in Frankreich.[7]

Anders als in Deutschland herrscht im Vorkriegs-Frankreich also eine ideologische und organisatorische Heterogenität innerhalb der politischen Rechten.

[...]


[1] Michael Minkenberg, Die neue radikale Rechte im Vergleich, USA, Frankreich, Deutschland, Opladen/Wiesbaden 1998, S. 127

[2] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_de_Maistre vom 22.09.2006

[3] Franz Greß, Hans-Gerald Jaschke, Klaus Schönekas: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa, Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien, Opladen 1990, S. 26

[4] Vgl. Paul Hainsworth, The Extreme Right in Europe and the USA, London 1992, S. 31

[5] Ebd., S. 26

[6] Minkenberg, Die neue radikale Rechte, S. 129

[7] Vgl. Greß, Jaschke, Schönekäs, Neue Rechte und Rechtsextremismus, S.27

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Rechtsextremismus in Frankreich
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
GK/PS Vergleichende Regierungslehre: Rechtsextremismus als Herausforderung für Schule und politische Bildung
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V80276
ISBN (eBook)
9783638874892
ISBN (Buch)
9783638874953
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Frankreich, GK/PS, Vergleichende, Regierungslehre, Rechtsextremismus, Herausforderung, Schule, Bildung
Arbeit zitieren
Martin Jürgen (Autor), 2007, Rechtsextremismus in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80276

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