Vor der Auseinandersetzung mit Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte mittelständische Unternehmen, sollte zunächst der Begriff des Mittelstandes geklärt werden. Dies ist umso wichtiger, da dieser Begriff in der öffentlichen Diskussion nahezu undifferenziert genutzt wird. So bezeichnen sich neben kleinen Betrieben wie zum Beispiel Handwerksbetriebe auch viele Unternehmen mit hohen Umsätzen als Mittelständler. Da es keine allgemeingültige Definition für den Mittelstand gibt, wird im folgenden auf die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung zurückgegriffen.
Der Mittelstand setzt sich nach dieser Definition aus kleinen und mittleren Unternehmen zusammen, deren Anzahl der Beschäftigten unter 499 liegt und deren Umsatz 50 Millionen nicht übersteigt. Nach dieser Abgrenzung sind insgesamt rund 97,7 % der rund 3 Millionen deutschen Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes wird durch folgende Aspekte besonders deutlich. So entfallen rund 70,8 % der Beschäftigten auf den Mittelstand. Darüber hinaus trägt der Mittelstand mit 82,9 % der Auszubildenden die Hauptlast der betrieblichen Ausbildung. Er tätigt 51,5 % der Bruttoinvestitionen und sorgt für 46,7 % der Bruttowertschöpfung der Unternehmen. Aus diesen Zahlen wird die ausgesprochen hohe Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft deutlich. Die Sicherstellung einer adäquaten Finanzierung für den Mittelstand spielt somit für die volkswirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eine entscheidende Rolle.
Der Wandel in der deutschen Finanzierungslandschaft stellt den Mittelstand vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Die zentralen Stichworte dabei lauten Basel II, Rating und alternative Finanzierungsformen.
Die Kernidee von Basel II besteht darin, die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung von Krediten, abhängig von der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners zu machen. Grundlage für die Kreditvergabe seit Basel II sind bankinterne und/oder externe Ratings.
Inhaltsverzeichnis
1. Mittelstand in Deutschland
1.1 Definition und Bedeutung des Mittelstandes
1.2 Herausforderungen für den Mittelstand
2. Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen
2.1 Innenfinanzierung
2.1.1 Selbstfinanzierung
2.1.2 Finanzierung über Rückstellungen
2.2 Außenfinanzierung
2.2.1 Fremdfinanzierung
2.2.1.1 Finanzierung über Kredite
2.2.1.2 Vor- und Nachteile der Fremdfinanzierung
2.2.2 Einlangen- / Beteiligungsfinanzierung
2.2.2.1 Einlagen von Altgesellschaftern
2.2.2.2 Aufnahme neuer Gesellschafter
2.2.2.3 Private Equity
2.2.3 Mezzanine Finanzierungsinstrumente
2.2.3.1 Stille Beteiligung
2.2.3.2 Nachrangdarlehen
2.2.3.3 Genussrechte
2.2.3.5 Wandel- und Optionsanleihen
2.2.3.6 Zusammenfassung
2.2.4 Kreditsubstitute
2.2.4.1 Factoring
2.2.4.2 Leasing
2.2.4.3 Asset Backed Securities
3. Case Study
3.1 Kurzer historischer Überblick der MeinSchuh GmbH
3.2 Typischer Ablauf einer Akquisitionsfinanzierung
3.2.1 Vorbereitung des Verkaufs
3.2.2 Vorprüfung / Pre-Due Dilligence
3.2.3 Verhandlung / Letter of Intent
3.2.4 Due Dilligence
3.2.5 Vertragsabschluss und Kaufpreiszahlung
3.3 Wertsteigerung des Unternehmens
3.3.1 Eigentümerstruktur
3.3.2 Kapitalstruktur
3.3.3 Vermögensstruktur
3.3.4 Organisationsstruktur
3.4 Ausstieg aus dem Unternehmen (Exit)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte mittelständische Unternehmen in Deutschland vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen und der Herausforderung, die Eigenkapitalquote zur Ratingverbesserung zu erhöhen. Das primäre Ziel besteht darin, Alternativen zum klassischen Hausbankkredit aufzuzeigen, um die Unternehmensfinanzierung auf eine breitere Basis zu stellen und die Nachfolgeproblematik durch strukturierte Akquisitionsfinanzierungen, wie den Management Buy-Out unter Einbindung von Finanzinvestoren, zu lösen.
- Bedeutung und Herausforderungen des deutschen Mittelstands
- Kategorisierung von Innen- und Außenfinanzierung
- Analyse mezzaniner Finanzierungsinstrumente
- Einsatz von Kreditsubstituten wie Factoring und Leasing
- Praktische Fallstudie eines Leveraged Management Buy-Out
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Vorbereitung des Verkaufs
In der Regel erstellt der Verkäufer (Alteigentümer) vor dem ersten Kontakt mit möglichen Interessenten mit Unterstützung des Managements und der Berater ein sogenanntes Verkaufmemorandum des Unternehmens. Dieses sollte alle notwendigen Informationen über das Unternehmen bieten, die dem potentiellen Käufer erlauben, sich ein Bild über die wirtschaftlichen Verhältnisse und darauf aufbauend eine zumindest grobe Kaufpreisvorstellung machen zu können. Das Verkaufsmemorandum, welches zum Beispiel in Form einer Broschüre erstellt werden kann, wird nach der Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung den ausgewählten Interessenten zur Verfügung gestellt.
Bei einem Management Buy-out ohne Beteiligung von Finanzinvestoren ist die Erstellung einer solchen Informationsbroschüre nicht notwendig, da das Management bereits über alle internen Informationen verfügt. Da das Management den Kaufpreis nicht alleine finanzieren kann und eine Beteiligung eines Finanzinvestors gewünscht ist, entschloss sich die Führung und der Inhaber der MeinSchuh GmbH zur Erstellung der kurzen Informationsbroschüre, um die Suche nach potenziellen Investoren zu erleichtern. Diese enthielt vor allem Informationen über die Tätigkeit, den Markt, den Umsatz und die Zukunftsaussichten des Unternehmens.
Das Unternehmen MeinSchuh GmbH mit Sitz in Neuss ist für die Produktion und den Vertrieb von hochwertiger Schuh-, Möbel- und Bodenpflegeprodukte der Marke Sauber bekannt. Das traditionsreiche, fast 80 Jahre alte Unternehmen hat sich Dank seiner konsequenten Qualitäts- und Innovationsstrategie zum führenden Anbieter im Fachhandel für Schuh-, Möbel- und Bodenpflegeprodukte entwickelt.
Die MeinSchuh GmbH beschäftigt 130 Personen und verzeichnete im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von 3,163 Millionen Euro und einen Umsatz von 33,678 Millionen Euro.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Mittelstand in Deutschland: Dieses Kapitel definiert den Mittelstand und erläutert dessen hohe volkswirtschaftliche Bedeutung sowie die Herausforderungen durch Basel II und Ratinganforderungen.
2. Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen: Es werden Innen- und Außenfinanzierungsinstrumente, inklusive Fremdkapital, Beteiligungsfinanzierung (Private Equity), Mezzanine Kapital und Kreditsubstitute, detailliert vorgestellt.
3. Case Study: Anhand der MeinSchuh GmbH wird ein idealtypischer Leveraged Management Buy-Out Prozess von der Vorbereitung bis zum Exit und der anschließenden Wertsteigerung analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit der Stärkung der Eigenkapitalquote zusammen und unterstreicht die Eignung alternativer Finanzierungsinstrumente für den Mittelstand.
Schlüsselwörter
Mittelstand, Eigenkapitalquote, Rating, Fremdfinanzierung, Beteiligungsfinanzierung, Private Equity, Mezzanine Kapital, Stille Beteiligung, Nachrangdarlehen, Genussrechte, Factoring, Leasing, Asset Backed Securities, Management Buy-Out, Unternehmenskauf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte, mittelständische Unternehmen in Deutschland und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Eigenkapitalausstattung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Abgrenzung von Innen- und Außenfinanzierung, der Nutzung von Mezzanine-Kapital sowie Kreditsubstituten und der detaillierten Betrachtung von Unternehmensübernahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie mittelständische Unternehmen durch alternative Finanzierungsinstrumente ihre Eigenkapitalquote verbessern und so bessere Ratings sowie den Zugang zu günstigeren Krediten erreichen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Darstellung der verschiedenen Finanzierungsinstrumente mit einer angewandten Case Study (Fallstudie) eines Management Buy-Outs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Instrumente wie Kredite, Private Equity, stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen, Genussrechte, Factoring, Leasing und Asset Backed Securities im Hinblick auf ihre Vor- und Nachteile für mittelständische Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Mittelstand, Eigenkapitalquote, Rating, Mezzanine Kapital, Private Equity sowie der Management Buy-Out.
Warum spielt die Eigenkapitalquote für den deutschen Mittelstand eine so große Rolle?
Da Kreditzinsen seit Basel II stark vom Rating des Unternehmens abhängen und dieses Rating maßgeblich durch die Eigenkapitalquote bestimmt wird, ist eine Stärkung des Eigenkapitals für den Zugang zu günstigen Finanzierungen essenziell.
Welchen spezifischen Nutzen bietet der "Equity Kicker" bei Mezzanine-Finanzierungen?
Der Equity Kicker räumt dem Mezzanine-Kapitalgeber ein Wandlungsrecht in Eigenkapital ein, was ihm bei erfolgreichem Exit oder Börsengang eine höhere Rendite ermöglicht.
Warum wurde bei der MeinSchuh GmbH ein Asset Deal einem Share Deal vorgezogen?
Der Asset Deal erlaubt dem Finanzinvestor die Aktivierung und steuerliche Abschreibung des durch die Übernahme entstandenen Goodwills, was ihn aus steuerlicher Sicht attraktiver macht als einen Share Deal.
- Quote paper
- Eugen Hörz (Author), 2007, Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80554