Schon ein altes Sprichwort besagt: Nichts ist so sicher wie der Tod und die Steuer! Dementsprechend hat der Fiskus eine Vielzahl von Vorschriften erlassen, um zu gewährleisten, dass sich möglichst niemand ungerechtfertigter Weise der Besteuerung entzieht. Die Besteuerung richtet sich hierbei nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Um bei Unternehmen Aussagen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und damit über die steuerliche Belastbarkeit treffen zu können, ist es wichtig, den tatsächlich erwirtschafteten Gewinn zu kennen. Dieser soll mit Hilfe der Steuerbilanz erkennbar gemacht werden. Aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips darf die Steuerbilanz aber nicht unabhängig von der Handelsbilanz erstellt werden. Denn für den Ansatz und die Bewertung der Aktiva und Passiva gelten auch in der Steuerbilanz die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung – sofern das Steuergesetz keine eigenen Vorschriften enthält.
Eigene Vorschriften enthält das EStG u.a. hinsichtlich der Frage wie, also nach welchen Maßstäben, Wirtschaftsgüter bewertet werden müssen, um ein Unternehmen realitätsnah besteuern zu können. Diese Maßstäbe sind die Wertmaßstäbe der Steuerbilanz. Wie anhand dieser Wertmaßstäbe die Wirtschaftsgüter bewertet werden und welche Probleme dabei entstehen können, soll im Nachfolgenden geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die Wertmaßstäbe der Steuerbilanz und deren Probleme
2.1 Die Bewertung anhand der Anschaffungskosten
2.2 Die Bewertung anhand der Herstellungskosten
2.3 Die Bewertung anhand des Teilwerts
2.4 Die Bewertung nach der LiFo-Methode
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Wertmaßstäben der Steuerbilanz gemäß § 6 EStG. Ziel ist es, die steuerliche Bewertung von Wirtschaftsgütern zu analysieren, die praktische Anwendung der Methoden (Anschaffungs-, Herstellungskosten, Teilwert, LiFo) aufzuzeigen und die damit verbundenen Problemstellungen sowie Unklarheiten kritisch zu diskutieren.
- Analyse der steuerlichen Bewertungsmaßstäbe
- Erfolgsneutrale Bewertung von Anschaffungsvorgängen
- Problematik der Gemeinkostenverteilung bei Herstellungskosten
- Korrekturfunktion und Ermittlung des Teilwerts
- Bewertungsvereinfachungen durch die LiFo-Methode
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Bewertung anhand des Teilwerts
Wirtschaftsgüter werden also in der Regel mit deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. Bei bestimmten Wirtschaftsgütern des abnutzbaren Anlagevermögens vermindern sich diese Beträge noch um die Abschreibungen. Kommt es aber dazu, dass der Teilwert aufgrund von unvorhergesehenen Wertverlusten dauerhaft niedriger ist als die angesetzten Anschaffungs oder Herstellungskosten, muss dieser angesetzt werden. Der Teilwert hat hier eine Korrekturfunktion und wird dann auch als niedriger Teilwert bezeichnet. Demgegenüber werden Entnahmen und Einlagen grundsätzlich immer mit dem Teilwert bewertet. Aber auch bei einer Betriebseröffnung oder einem Betriebserwerb werden die Wirtschaftsgüter mit dem Teilwert angesetzt.
Der „Teilwert ist der Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebs im Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde; dabei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den Betrieb fortführt.“ Der Teilwert trägt dem Gedanken Rechnung, dass der Wert eines Vermögensgegenstandes davon abhängen kann, ob der Vermögensgegenstand in einen betrieblichen Prozess eingebunden ist und bleibt oder nicht. Erwirbt z.B. ein Unternehmer eine Konservenfabrik, so hat eine Spezialmaschine zum Ausstanzen von Metallformen durch ihre Einbindung in den Produktionsprozess einen hohen Wert für ihn. Wird die Maschine allerdings separat verkauft, kann ihr Einzelveräußerungspreis aufgrund ihrer mangelnden universellen Einsatzfähigkeit bis auf den Schrottwert sinken. Der Einzelveräußerungspreis eines Wirtschaftsguts kann auch als gemeiner Wert bezeichnet werden. Der Teilwert hat also zwei Funktionen. Einerseits schränkt er den willkürlichen Ansatz von Einzelveräußerungspreisen ein und verhindert somit Unterbewertungen. Andererseits werden durch den Ansatz des niedrigeren Teilwerts bei dauerhaften Wertminderungen aber auch Überbewertungen verhindert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die steuerliche Relevanz der Gewinnermittlung ein und erläutert das Maßgeblichkeitsprinzip sowie die Notwendigkeit definierter Wertmaßstäbe für eine realitätsnahe Besteuerung.
2. Die Wertmaßstäbe der Steuerbilanz und deren Probleme: Dieser Hauptteil systematisiert die drei zentralen Wertkategorien nach § 6 EStG sowie die LiFo-Methode und beleuchtet die damit verbundenen Auslegungs- und Anwendungsprobleme.
2.1 Die Bewertung anhand der Anschaffungskosten: Hier wird die Ermittlung der Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 HGB behandelt und insbesondere die steuerliche Behandlung von öffentlichen Zuschüssen und die Erfolgsneutralität thematisiert.
2.2 Die Bewertung anhand der Herstellungskosten: Der Fokus liegt auf der Abgrenzung von Einzel- und Gemeinkosten bei der Selbstherstellung von Vermögensgegenständen sowie der Problematik der angemessenen Gemeinkostenzurechnung.
2.3 Die Bewertung anhand des Teilwerts: Dieses Kapitel analysiert den Teilwert als Korrekturwert, diskutiert die Schwierigkeiten seiner Definition und beleuchtet die Bedeutung der durch die Rechtsprechung entwickelten Teilwertvermutungen.
2.4 Die Bewertung nach der LiFo-Methode: Hier wird das Bewertungsvereinfachungsverfahren der LiFo-Methode untersucht und kritisch gegen das Prinzip der Einzelbewertung sowie die GoB abgewogen.
3. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee, das die relative Einfachheit der Kostenbewertung den komplexen Problemen bei Teilwertansätzen und den GoB-Konflikten bei Vereinfachungsverfahren gegenüberstellt.
Schlüsselwörter
Steuerbilanz, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Teilwert, LiFo-Methode, Maßgeblichkeitsprinzip, Bewertung, Gemeinkosten, Wirtschaftsgüter, Vorratsvermögen, Anlagevermögen, Erfolgsneutralität, Einzelbewertung, steuerliche Belastbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht die rechtlichen Grundlagen und praktischen Herausforderungen bei der Bewertung von Wirtschaftsgütern in der Steuerbilanz, basierend auf den Vorgaben des § 6 EStG.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Bewertung nach Anschaffungs- und Herstellungskosten, die Ermittlung des Teilwerts sowie die Anwendung des LiFo-Verfahrens als Vereinfachungsmaßnahme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Analyse der bestehenden Wertmaßstäbe, um aufzuzeigen, wie Wirtschaftsgüter bewertet werden müssen und welche ungelösten Probleme in der steuerlichen Praxis dabei auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung einschlägiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH), um die theoretischen Konzepte mit der praktischen Handhabung abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Bewertungskategorien, diskutiert deren Vor- und Nachteile sowie Konflikte zwischen gesetzlichen Vorgaben und betriebswirtschaftlichen Erfordernissen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Steuerbilanzrecht, Teilwertvermutungen, Anschaffungsnebenkosten, Gemeinkostenzurechnung und Bewertungsvereinfachung stehen im Zentrum der Untersuchung.
Warum ist die Teilwertermittlung laut Autor problematisch?
Der Autor argumentiert, dass der Teilwertbegriff theoretisch widersprüchlich ist, da er vom Gesamtwert auf den Einzelwert schließt, was dem Grundsatz der Einzelbewertung entgegensteht.
Welcher Konflikt besteht bei der LiFo-Methode?
Das LiFo-Verfahren vereinfacht zwar die Wertermittlung, widerspricht jedoch häufig dem in den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) verankerten Prinzip der Einzelbewertung.
Wie werden öffentliche Zuschüsse in der Steuerbilanz behandelt?
Es besteht ein Wahlrecht nach R 34 II EStR, entweder die Zuschüsse als Betriebseinnahmen zu verbuchen oder die Anschaffungskosten um den Zuschussbetrag zu kürzen.
- Quote paper
- Nicolas Bühler (Author), 2005, Wertmaßstäbe der Steuerbilanz - kritische Analyse offener Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80637