Überlegungen zum Verhältnis von Eliten und gesellschaftlichem Wandel im vorkleisthenischen Athen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

30 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Griechenlands Elite – terminologische und typologische Vorbemerkungen

III. Aristokratische Lebenswelten

IV. Koordinaten der archaischen Sozialstruktur

V. Politische Handlungsräume

VI. Ideologische Positionsbestimmung – zwischen Polarisierung und Ausgleich

VII. Schlussüberlegungen

VIII. Abkürzungsverzeichnis

IX. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Vermutlich kennen alle Gesellschaften soziale Spannungen; zwischen Ethnien, zwischen Generationen, zwischen Eliten und rechtlich oder sozial benachteiligten Schichten. Wie oft wird auch in unseren Tagen von der ‚Schere zwischen Arm und Reich‘ gesprochen, die auseinander klafft, wie um irgendwann zuzuschnappen und damit den gewohnten Gang der Dinge zu kappen. Soziale Spannungen führen dazu, daß Strukturen hinterfragt werden, Identitäts- und Gerechtigkeitskonzepte. Sie werden entweder gelöst, kompensiert oder münden in einen Umbau der Gesellschaft. Die Entwicklung der Demokratie im antiken Athen etwa ist in der althistorischen Forschung u.a. mit sozialen Krisen in Beziehung gesetzt worden. Im weiteren Sinne mit einem Antagonismus zwischen Elite und demos, mit dem Kampf Vieler um politische Teilhabe gegen die Führungsansprüche Weniger (aber auch mit Rivalitäten innerhalb der Elite).

Athen war – mit Verlaub – lange ein ‚unbedeutendes Dorf‘ an der Peripherie der Geschichte seiner Zeit. Doch dann kam es zu einer kulturellen, politischen und intellektuellen Expansion, und für eine Weile verwirklichten seine Bürger innerhalb ihrer Grenzen einen bis dahin ungekannten Egalitarismus. – Inwieweit hing diese Entwicklung mit der sozialen Schichtung (oder Nicht-Schichtung) der Bevölkerung zusammen, wie mit den Lebenslagen, den Werten, Ansprüchen und Vorstellungen einzelner Bevölkerungsteile? Welche Gruppen waren Träger egalitärer Ideologien und wie setzten sie sich gegen welche Opposition durch?

Die vorliegende Arbeit möchte diesen Fragen speziell für die Oberschicht nachgehen. Welche Rolle kam der athenischen Elite zu in dem Entwicklungsprozeß, an dessen Ende die Demokratie stehen sollte? Wer waren die Aristokraten eigentlich, wie hoben sie sich von anderen Schichten ab, was war ihr Platz im Sozialgefüge? Welche Handlungsmöglichkeiten boten sich ihnen, waren sie als Gruppe organisiert und traten sie für gemeinsame Interessen ein? Wie stand man zur Politik und wie war man in der Politik aufgestellt? Was war das originär Griechische, daß nicht auch hier wie sonst in der Antike sozial und ökonomisch überlegene Eliten ihren Führungsanspruch gegenüber ‚den Massen‘ behaupten konnten, daß sich ein Wandel von der „Adelsgesellschaft“ zur Demokratie vollzog[1] ? Ist der gesellschaftliche Umbau im vorklassischen Athen, sind die politischen Reformen als gezielte Maßnahmen zur Schwächung der Aristokratie zu verstehen, wo doch große Reformer wie Solon und Kleisthenes selbst Aristokraten waren? Oder waren die Entstehung von Normen und Institutionen unvermeidliche Reflexe einer Evolution von Ideen, die egalitäres Gemeinschaftsbewußtsein in Opposition zu elitärer Exklusivität hervorbrachte?

Dies ist der Kontext des hier zu behandelnden Themas. Untersucht werden soll die Aristokratie und ihr Verhältnis zu Politik und Ideologie für die archaische und vorklassische Zeit bis auf Kleisthenes, also vom 8. bis zum Ende des 6. Jh. v. Chr. Dabei soll besonderes Augenmerk auf die Ideengeschichte gelegt werden, die die Demokratie in Athen möglich machte, da Demokratie nicht allein auf Institutionen beruhte, sondern auch gewisse Wertvorstellungen voraussetzte und in ihren Ursprüngen gleichermaßen politisch-analytisch wie sozial-philosophisch zu betrachten ist. Reine Untersuchungen zur Entstehung demokratischer Institutionen mit ihren Kompetenzen und Funktionen scheinen heute nicht mehr ausreichend; zunehmend werden nicht-institutionelle Aspekte wie politische Gruppen, öffentliche Meinung und soziale Struktur in den Blick genommen[2]. Das neue Paradigma in der Forschung zur politischen Kultur griechischer poleis kann als holistisch bezeichnet werden. So versuchen jüngere Arbeiten etwa, ideologischen Befindlichkeiten, Mentalitäten und Umschichtungen im Wertesystem auf die Spur zu kommen, wobei sie Erkenntnisse aus Anthropologie und Soziologie aufnehmen. Die Beziehungen zwischen politischer, kultureller und sozialer Identität werden neu eruiert, die Gesamtheit ethischer und politischer Prinzipien wird als civic ideology beschrieben. Wie beispielsweise entwickelte sich ein Bürgerbewußtsein, das die Griechen Verantwortung für das Gemeinwesen lehrte und für viele die Teilhabe am Gemeinwesen erst möglich machte? – Unter diesen Vorzeichen wird diese Arbeit auch holistische Gedankengänge referieren, die speziell die Rolle der Elite beschreiben und zu erklären versuchen[3].

Aufgrund des Umfangs des Themas und der Weise, wie es hier behandelt werden soll, muß die Arbeit – obgleich sie eine historische ist – mit relativ wenig direkten Quellenangaben auskommen. Im theoretischen und ideengeschichtlichen Fachdiskurs werden eine Vielzahl von Quellen herangezogen bzw. werden die teils spekulativen Annahmen je nach Zuschnitt mit Quellenindizien untermalt. Eine detaillierte Nennung, Prüfung und Untersuchung kann an dieser Stelle nicht geleistet werden[4]. Dennoch gibt es zum Thema dieser Arbeit viele hervorragende Gedanken und fruchtbare Ansätze. Viele Ideen sind schon entwickelt worden und können als Basis für weitere Überlegungen dienen[5]. Deshalb soll hier eine kleine Zusammenschau dieser Ansätze gegeben werden.

Zunächst wird jedoch genauer auf die Beschaffenheit der Elite des archaischen Griechenlands einzugehen sein.

II. Griechenlands Elite – terminologische und typologische Vorbemerkungen

Wie läßt sich die führende Schicht, die Elite des antiken, speziell des archaischen Griechenlands als Gruppe fassen und benennen? Soll man sie als Adel bezeichnen, als Aristokraten, Oberschicht, Elite oder etwa als high society? In der Forschung, vielfach auch in jüngeren Arbeiten wird umstandslos vom ‚Adel‘ gesprochen, doch ist diese Bezeichnung problematisch. Zum einen hat das Wort ‚Adel‘ etymologisch keine Verbindung zum Griechischen[6], zum anderen bezieht es sich inhaltlich normalerweise auf die herrschende Klasse im mittelalterlichen Feudalismus, die ganz bestimmte Merkmale aufwies: Landbesitz, Verfügungsgewalt über rechtlich Abhängige, erbliche Privilegien, ständisch institutionalisierte Lebenschancen und Exklusivität als Gruppe, wesentlich auf edler Abstammung beruhend, wie auch sonst auf der Bedeutung von Verwandtschaftsbanden (z.B. Endogamie).

Ein solcher Merkmalskatalog läßt sich nun nicht eins zu eins auf die griechische Elite übertragen, wie es die Verwendung des Wortes ‚Adel‘ impliziert. Schon der Landbesitz war bei den Griechen nicht auf die Elite beschränkt sondern geradezu essentiell (ökonomisch wie sozial) für alle Schichten von Freien[7]. Auch waren die Griechen zwar nicht abgeneigt, ihre vornehme Herkunft zu betonen, doch beruhte diese zum Großteil auf fiktiven, konstruierten Stammbäumen. Generell war die weitere Verwandtschaft schon im archaischen Griechenland nicht so wichtig, wie man vielleicht für vorstaatliche Gesellschaften annehmen mag[8], weder für die Sozialstruktur allgemein noch für die innere Gliederung der führenden Schicht. In der klassischen Zeit hatte Verwandtschaft keinen nennenswerten Einfluß auf die Politik[9]. Die griechische Elite kann also nicht als ‚Geblütsaristokratie‘ bezeichnet werden. Größere auf Verwandtschaft beruhende Netzwerke fehlten und eine edle Geburt war (wenn auch vorteilhaft) keine Bedingung für die Zugehörigkeit zur besseren Gesellschaft[10]. Ein gentilizisches Agieren weitverzweigter Geschlechter ist demnach nicht anzunehmen und für die archaische und klassische Periode auch nicht belegt. Interessengemeinschaften, Koalitionen und Netzwerke bildeten einzelne Aristokraten vielmehr auf persönlicher Ebene und stützten sich sonst auf einen verwandtschaftsunabhängigen Anhang von Gefolgsleuten (therapontes) und Gefährten (hetairoi). Aber dauerhafte, rechtlich gefaßte, soziale Abhängigkeit oder ein Klientelwesen nach römischem Muster kannte die griechische Sozialstruktur nicht[11]. Da Besitz (und damit mindestens ökonomische Potenz) erblich ist, liegt die Frage nicht fern, ob nicht auch die gesellschaftliche Stellung der griechischen Aristokraten erblich war. Für politische Privilegien muß dies verneint werden, für Privilegien sakraler Natur darf es in bestimmten Fällen angenommen werden[12]. Insgesamt läßt sich kaum von einem erblichen Stand sprechen. Insbesondere politische Führungspositionen beruhten (auch wenn es die Elite unter sich ausmachte) auf Leistung, Ansehen und Charisma der einzelnen Person.

Warum also taucht in der Forschungsliteratur immer wieder der Begriff ‚Adel‘ auf[13] ? Für sich stehend ist er irritierend, da er zu mißverständlichen Vorstellungen über die griechische Führungsschicht verleiten kann[14]. Die Griechen selbst verwendeten keine vergleichbare Standesbezeichnung. Zeitgenössische (Eigen-)Bezeichnungen zur Benennung führender Persönlichkeiten differieren regional und zeitlich. In den Epen treten sie in der Regel als basileis (Herrscher) auf, in der archaischen Lyrik dominieren Termini wie esthloi (Edle), agathoi (Ehrenmänner) und aristoi (die Besten)[15]. Als Gruppenbezeichnung lassen sich diese Termini allerdings schwerlich auffassen. Die ‚Elite der Besten‘ bezieht sich nicht auf ein Kollektiv sondern vielmehr auf einen bestimmten Typus von Individuen. Für diese sollte die moderne Forschung m.E. die Benennung ‚Elite‘ wählen oder ‚Aristokraten‘ im griechischen Wortsinn, auch wenn dies jüngere Fremdbezeichnungen sind.

Obwohl nun diese Elite sowohl sprachlich als auch aufgrund von sozialer Mobilität nicht immer einfach gegen andere Gesellschaftsschichten abzugrenzen ist, lassen sich doch Aspekte aufzählen, die sie als Personenkreis mit Führungsansprüchen kennzeichnen. So etwa ein bestimmtes intellektuelles Umfeld, das seine moralische und geistige Überlegenheit proklamierte. Dieses und die Einflußnahme auf die politische Entwicklung setzten natürlich ökonomische Ressourcen voraus, die Kapazitäten für Muße, Kultur, Krieg und Politik bereithielten, und so war das bestimmende Merkmal der griechischen Aristokratie schlicht und einfach der Reichtum[16]. Reichtum gewährleistete Leistungsfähigkeit. Die griechische Aristokratie läßt sich also mit knappen Worten als Schicht beschreiben, der die materiellen und intellektuellen Ressourcen gegeben waren, gesellschaftliche Führungspositionen zu übernehmen. Der Reichtum erfüllte indes auch soziale Funktionen, indem er – mehr oder weniger subtil demonstriert – Statuszuweisungen bewirkte und einen gehobenen Lebensstil samt bestimmten Formen des gesellschaftlichen Umgangs ermöglichte[17].

III. Aristokratische Lebenswelten

Auskunft über Lebensstil und gesellschaftliches Wirken der griechischen Aristokratie geben für das 8. Jh. v. Chr. vor allem die homerischen Epen, für das 7. und 6. Jh. v. Chr. die Werke der archaischen Lyrik. Diese Quellen entstammten zumeist selbst den privilegierten Schichten und waren im Grunde auch für die Ohren von Angehörigen eben dieser Gesellschaftskreise bestimmt, also z.B. zum Vortrag auf Symposien verfaßt. Einerseits spiegeln sie einen Ausschnitt der Lebenswelt der Elite wieder, andererseits offenbaren sie Wertvorstellungen und ein gewisses Selbstbild, das man hatte bzw. projizieren wollte. Nichtsdestotrotz scheint bei Autoren wie Hesiod, Archilochos und später Xenophanes Kritik an aristokratischem Gebahren auf, Klagen über Faulheit, Pracht- und Verschwendungssucht etwa. Hesiod und ganz besonders Solon schienen dem neue Wertmaßstäbe entgegenzusetzen wollen. Spätere Quellen wie Herodot, Thukydides oder die Athenaion Politeia informieren v.a. über konkrete Aktivitäten einzelner Aristokraten, sind aber wegen ihrer rückschauenden Perspektive und aufgrund der Intentionen ihrer Verfasser und ihres Zeitgeistes nicht unproblematisch. Neben diesen literarischen Quellen ergänzen archäologische Zeugnisse wie Gräber und Beigaben, Votivgaben in Heiligtümern oder repräsentative Kunst das Bild von der archaischen Aristokratie.

Als Individuum, das zu den aristoi zählen wollte, stützte man sich auf persönlichen Erfolg, Wohlstand, Ansehen und Einfluß. Nach dem Motto ‚gleich und gleich gesellt sich gern‘ fand man schichtspezifische Umgangsformen und befriedigte das Bedürfnis nach Distinktion über einen ‚gepflegten‘ Lebensstil. Dieser äußerte sich in repräsentativen Symbolen wie Prunk, Luxus, Schmuck, kostspieliger Kosmetik und teuren Gewändern, aber auch in gesellschaftlichen Aktivitäten wie Jagd, athletischen und musischen Wettkämpfen (agones), Symposien und prächtigen Feierlichkeiten aller Art. Ein gewisser orientalisch beeinflußter Habitus war, insbesondere was Luxus, Kleidung und Brauchtum betrifft, zu beobachten. Gemeinhin orientierte man sich an den Werten Reichtum, Kultur, Weisheit, Körperkraft und Schönheit[18]. Ethisch betonte die Elite individuelle Tüchtigkeit (arete). Tugend und Leistungsfähigkeit mußten jedoch immer wieder unter Beweis gestellt werden. Zwar galt als Ausweis von Tüchtigkeit bereits der persönliche Reichtum, doch rührte vom permanenten Zurschaustellen von Luxus, Schönheit, Eleganz und musischem und athletischem Können eine quasi übersteigerte Wettbewerbsethik her, ein ständiger Wettstreit der Aristokraten untereinander, wer denn der Beste sei[19]. Ein Grund hierfür ist das völlige Fehlen einer hierarchischen Binnenstruktur in der griechischen Aristokratie, wie beispielsweise in einer höfischen Gesellschaft. Es existierten keine festen Positionen, in die man sich fügen und die man (nach bestimmten Regeln) wechseln konnte. In Bezug auf Status, Ehre und Selbstwertgefühl maßen sich die aristoi unaufhörlich miteinander[20].

Mit Blick auf Wettbewerbsethik und exklusive Aktivitäten ergibt sich zunächst das Bild einer hochgradig selbstreferentiellen griechischen Elite. Der Dienst am Gemeinwesen gehörte denn auch nicht zu ihren erklärten Zielen, wie im Fall der römischen Nobilität. Die Aristokraten konzentrierten sich in der archaischen Zeit auf den öffentlichen Bereich zwischen den Siedlungsgemeinschaften, sie agierten eher überregional und pan-hellenisch[21]. In der Weite des ägäischen, seit der großen Kolonisationsbewegung sogar des mediterranen Raumes konnte sich schon in früher Zeit aristokratisches Leben entfalten. Dort maß man sich bei ‚internationalen‘ Wettkämpfen, dort hegte man Feind- und pflegte Freundschaften, Heiratskontakte und politische, kulturelle, intellektuelle und merkantile Beziehungen.

Gewissermaßen existierte die griechische Aristokratie unabhängig von der jeweiligen Staatsform in den Gemeinwesen, in denen sie ihre Wurzeln hatte. Man könnte behaupten, daß sie kein ursprüngliches Interesse am Gedanken eines von allen geleiteten Gemeinwesens hatte und ihre Aktivitäten im Rahmen der sich entwickelnden Gemeinden auf den persönlichen Status und die individuellen Ziele gerichtet waren. Das soll jedoch nicht heißen, daß sie nicht in Wechselbeziehung mit der politischen Entwicklung der poleis stand oder vollkommen losgelöst vom gesellschaftlichen und sozialen Wandel war, indem sie allein einer externen Supra-Kultur huldigte. Wie genau sich das Verhältnis der aristoi zur Sozialstruktur in archaischer Zeit darstellte und inwieweit sie dennoch auf ihrem oikos verankert waren, soll im Folgenden behandelt werden.

[...]


[1] Wobei strittig ist, ob man für die archaische Zeit überhaupt von einer „Adelsgesellschaft“ reden kann. Davon wird in den folgenden Kapiteln die Rede sein.

[2] Vgl. etwa den Sammelband Bogehold / Scafuro (1994). Morris (1996) betrachtet die Einrichtung demokratischer Institutionen als nur eine von vielen möglichen Antworten auf neu entwickelte Gleichheits-Ideologien.

[3] Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Überlegungen von Morris (1996).

[4] Entsprechende Quellen finden sich bei den besprochenen Autoren. Zur Orientierung sollen die wesentlichen {in geschweiften Klammern} genannt werden. Natürlich ließe sich dem Autor das ad fontes des Historikers zurufen: Von den Quellen ausgehend sind Geschichtsbilder und Ideen zu entwickeln. Umgekehrt ist es aber auch möglich, an den Anfang eine Forschungshypothese zu setzen, die anschließend in einem Quellensurvey zu überprüfen ist (wobei freilich bei historischen Daten besondere Sensibilität und objektive Disziplin angebracht ist).

[5] In vielfältiger Weise anregend ist z.B. Meier (1983).

[6] Vgl. Pfeifer (52000) S.12f.; das Adjektiv ‚edel‘ ist übrigens sekundär abgeleitet.

[7] Zum oikos vgl. unten Kap.IV.

[8] Und wie es in der älteren Forschung als selbstverständlich angenommen wurde.

[9] Grundlegend zu diesen Erkenntnissen sind v.a. Bourriot (1976) und Roussel (1976); eine kurze Besprechung findet sich bei Bleicken (41995) S.509. Vgl. des weiteren Stahl (2003) S.13ff. und Welwei (21998) S.46.

[10] Stahl (2003) S.26. Man bedenke im Vergleich dazu die innere Geschlossenheit und Stabilität der römischen Nobilität.

[11] Stein-Hölkeskamp (1989) S.10. Ausgenommen sind die Sklaven, die es im anktiken Griechenland selbstverständlich gab, v.a. aber in der Archaik nicht in Masse. Zudem war der Besitz von Sklaven nicht auf die Aristokratie beschränkt, wie Hesiod (erg. 405.470.502. u.a.) nahelegt.

[12] Eingehender bei Welwei (21998) S.54ff.

[13] Meier (1983) spricht sogar von „gentilizischen Bindungen“ und vom „Klientel der Adligen“ (so S.101); Welwei (21998) S.46 sieht unseren Adelsbegriff zwar problematisch, behält die Bezeichnung aber bei; gleiches gilt für Stein-Hölkeskamp (1989), die ihr Buch mit „Adelskultur“ betitelt. In der vom Autor eingesehenen deutschsprachigen Literatur vermeidet allein Stahl (2003) das Wort. Für die englischsprachige Literatur stellt sich das Problem nicht auf diese Weise, wenngleich ‚aristocracy‘ kein zeitgenössischer Begriff ist und über die Zeit inhaltliche Wandlungen erfahren hat. In speziellen Arbeiten zur griechischen Oberschicht wird man um eine Typologie dieser Gruppe nicht umhin können. Generell ist aber m.E. der Begriff ‚Aristokratie‘ vorzuziehen (vgl. weiter unten).

[14] So – wie angedeutet wurde – bei der Bedeutung von Verwandtschaftsbanden und der Erblichkeit gesellschaftlicher Privilegien.

[15] In den Quellen des 5. Jh. v. Chr. erscheinen weitere Termini; näher zu den einzelnen Bezeichnungen siehe Stein-Hölkeskamp (1989): basileus S.34-43, esthlos S.54f., agathos S.54f.87ff., aristos S.54f.

[16] Thgn. 1117f.: „Oh Reichtum, schönster und wünschenswertester aller Götter, mit Deiner Hilfe wird selbst ein Mann, der ein Unedler (kakos) ist, zu einem edlen Mann (aner esthlos).“ (Ü: M. Stahl)

[17] Stahl (2003) S.29 denkt, daß die wirtschaftliche Potenz des Vermögens und seine Vermehrung aus ökonomischem Interesse zweitrangig war. Soziologisch gesprochen erfüllt ökonomisches Kapital das Bedürfnis nach physischem Wohlbefinden und dient darüber hinaus als instrumentelles Gut für soziale Anerkennung.

[18] Eingehender zu Lebensstil, Selbstdarstellung und Wertorientierung siehe Stein-Hölkeskamp (1989) S.104-122 und Stahl (2003) S.49-75.

[19] Stein-Hölkeskamp (1989) stellt die „Adelsgesellschaft“ nachdrücklich als Wettbewerbsgesellschaft dar.

[20] Vgl. Stahl (2003) S.45ff. {Hom.; Hes.}.

[21] Vgl. ebd. S.73f. und Stein-Hölkeskamp (1989) S.104.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Überlegungen zum Verhältnis von Eliten und gesellschaftlichem Wandel im vorkleisthenischen Athen
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Kleisthenische Phylenreform – Die Konstruktion von Herrschaft und Macht
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
30
Katalognummer
V80711
ISBN (eBook)
9783638871662
ISBN (Buch)
9783638904261
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Eliten, Wandel, Athen, Kleisthenische, Phylenreform, Konstruktion, Herrschaft, Macht, Mathias Pfeiffer
Arbeit zitieren
Mathias Pfeiffer (Autor), 2007, Überlegungen zum Verhältnis von Eliten und gesellschaftlichem Wandel im vorkleisthenischen Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80711

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