Prozesskostenrechnung – ein geeignetes System für das Marketing-Controlling?
Kaum ein Unternehmen kann behaupten, es spüre nicht die Verschärfung der Wett-bewerbsbedingungen. Eine Folge dieser Intensivierung ist die Zunahme der Produktkomplexität und Programmheterogenität, da die Kunden immer seltener mit der Standardware zufrieden sind und stattdessen die Realisierung ihrer individuellen Be-dürfnisse fordern. Als Konsequenz dieser Entwicklung lässt sich ein Anstieg der Gemeinkosten in den indirekten Bereichen verzeichnen. Ihr Anteil an den Gesamtkosten beträgt in vielen Branchen zwischen 50 % und 80 %. Vor diesem Hintergrund wird seit den 80er Jahren das Instrument der Prozesskostenrechnung eingesetzt, um die Transparenz, die Effizienz und die Kalkulationsqualität in den Gemein-kostenbereichen zu erhöhen.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Fragestellung erörtert, inwieweit die Prozesskostenrechnung dazu in der Lage ist, die spezifischen Aufgaben des Marketing-Controlling zu unterstützen. Dabei steht insbesondere die Nutzbarkeit der Prozesskostendaten für das Instrument des Marketing-Accounting im Mittelpunkt der Betrachtung. Es wird der Frage nachgegangen, ob es die Prozesskostenrechnung leisten kann, entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Weiterhin soll untersucht werden, in welchen Gebieten es für das Marketing-Controlling vorteilhaft ist, die Prozesskostenrechnung einzusetzen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Fragen zu erörtern, um die Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung im Marketing-Controlling beurteilen zu können.
Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Nach der Einleitung wird im folgenden Kapitel das Aufgabenfeld des Marketing-Controlling mit der Darstellung des für diese Arbeit bedeutendsten Instruments, das Marketing-Accounting, behandelt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Grundkonzept der Prozesskostenrechnung. Es werden ihre Entstehungsgeschichte und ihre Vorgehensweise erläutert. Weiterhin stehen die grundsätzlichen Ziele und Aufgaben der Prozesskostenrechnung im Mittelpunkt der Betrachtung.
Im vierten Kapitel, welches den Kalkulationsansatz erläutert, wird der Fokus auf drei Themenbereiche gerichtet. Die Möglichkeiten, welche sich für die Aufgaben der Managementunterstützung durch den Einsatz der Prozesskostenrechnung bieten, werden in Kapitel fünf dargelegt.
Im letzten Kapitel wird ein abschließendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Prozesskostenrechnung – ein geeignetes System für das Marketing-Controlling?
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Marketing-Controlling – Kombination aus markt- und effizienzorientierter Führungsunterstützung
2.1 Gegenstand, Ziele und Aufgaben des Marketing-Controlling
2.2 Marketing-Accounting − ein zentrales Instrument des Marketing-Controlling
3 Prozesskostenrechnung – eine „neuere“ Methodik der Kostenverrechnung
3.1 Entstehungsgeschichte der Prozesskostenrechnung
3.2 Grundlegende Merkmale und Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung
3.3 Ziele und Aufgabenfelder der Prozesskostenrechnung
4 Verbesserte Kalkulationsmöglichkeiten im Marketing-Controlling durch die Prozesskostenrechnung
4.1 Verursachungsgerechtere Verrechnung auf die Kalkulationsobjekte des Marketing-Controlling
4.1.1 Strategische Kalkulation mit Hilfe der vollkostenorientierten Prozesskostenrechnung
4.1.2 Prozesskostenrechnung im Rahmen der Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
4.2 Optimierung des Produkt- und Kundenmixes
4.3 Unterstützung der Preispolitik
4.3.1 Modifizierte Ausgestaltung der Angebotskalkulation
4.3.2 Marktorientierte Preisgestaltung mit Hilfe des Target Costing
5 Vorteile der Managementunterstützung im Marketing-Controlling durch die Prozesskostenrechnung
5.1 Wirtschaftlichkeitskontrolle von Organisationseinheiten mit der Prozesskostenrechnung als ein Instrument des Gemeinkostenmanagements
5.1.1 Prozesskostenoptimierung mit Hilfe des Prozesskostenmanagements
5.1.2 Budgetvergabe und darauf basierende Wirtschaftlichkeitsanalyse durch Soll-Ist-Vergleiche
5.1.3 Verbesserte Informationsgrundlage bei Fragestellungen des Make-or-Buy
5.2 Analyse kostenbezogener Wettbewerbsvor- und -nachteile im Gemeinkostenbereich
5.2.1 Die Prozesskostenrechnung als wertkettenorientiertes Verfahren
5.2.2 Die Prozesswertanalyse als Weiterführung der Prozesskostenrechnung
5.2.3 Die Bedeutung der Prozesskostenrechnung für das lebenszyklusorientierte Controlling
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung als unterstützendes Instrument im Marketing-Controlling, insbesondere zur Verbesserung der Kalkulationsqualität und zur fundierten Managementunterstützung in indirekten Bereichen. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit prozessorientierte Kostendaten die spezifischen Aufgaben des Marketing-Controlling effizienter gestalten und entscheidungsrelevante Informationen für strategische sowie operative Fragestellungen liefern können.
- Analyse der Prozesskostenrechnung im Kontext von Kalkulationsobjekten und Gemeinkostenmanagement.
- Kombination von Prozesskostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung zur Optimierung des Produkt- und Kundenmixes.
- Unterstützung der Preispolitik und Implementierung von Ansätzen wie Target Costing.
- Wirtschaftlichkeitskontrolle von Organisationseinheiten und Analyse von Wettbewerbsvorteilen mittels Wertkettenanalyse.
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundlegende Merkmale und Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung
Bei der Prozesskostenrechnung handelt es sich um kein eigenständiges System der Kostenrechnung. Ihre formale Struktur ähnelt dem traditionellen Kostenrechnungssystem mit seinen Elementen Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträgerrechnung, da sie darauf aufbaut. Die Prozesskostenrechnung erweitert diese Vorgehensweise jedoch, wie Abbildung 4 veranschaulicht.
Als weiteres Merkmal ist zu nennen, dass es sich bei der Prozesskostenrechnung ihrem Wesen nach um eine Vollkostenrechnung handelt, doch ihre Kernidee ist auch mit der Teilkostenrechnung vereinbar. Ähnlich verhält es sich mit dem Plankostencharakter dieses Instruments. Grundsätzlich ist die Prozesskostenrechnung eine Plankostenrechnung, doch auch Ist-Auswertungen sind möglich. Ihr Anwendungsgebiet ist, wie bereits in Kapitel 3.1 erwähnt, die Gemeinkostenrechnung. In der Praxis wird sie vorwiegend in fertigungsnahen Bereichen eingesetzt. Bei der Einführung der Prozesskostenrechnung wird empfohlen, diese zunächst als Parallelrechnung aufzubauen, die bestehende Systeme ergänzt und unterstützt.
Nach der Entscheidung für die Einführung der Prozesskostenrechnung findet die Auswahl der geeigneten Unternehmensbereiche statt. Aus Gründen der Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit eignen sich hierfür am ehesten repetitive Tätigkeiten mit einem geringen Entscheidungsspielraum. In den ausgewählten Bereichen erfolgt dann eine Tätigkeitsanalyse, bei der ermittelt wird, welche Aktivitäten dort erfolgen und welche Zeit dafür erforderlich ist. Für diesen Zweck stehen unterschiedliche Erhebungstechniken wie Interviews, Selbstaufschreibungen, Multimomentverfahren oder auch Kombinationen dieser Methoden zur Verfügung. Auf Basis dieser Erhebungen werden sachlich zusammengehörende Tätigkeiten in einem Teilprozess zusammengefasst. Ein Teilprozess ist folglich ein Tätigkeitsgebiet innerhalb einer Kostenstelle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Problematik steigender Gemeinkosten und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Eignung der Prozesskostenrechnung für das Marketing-Controlling zu prüfen.
2 Marketing-Controlling – Kombination aus markt- und effizienzorientierter Führungsunterstützung: Dieses Kapitel definiert das Marketing-Controlling als marktorientiertes Steuerungsinstrument und beleuchtet das Marketing-Accounting als zentrales Rechnungslegungssystem für Entscheidungszwecke.
3 Prozesskostenrechnung – eine „neuere“ Methodik der Kostenverrechnung: Hier werden die historische Entstehung, die methodischen Grundlagen sowie die Ziele und Aufgaben der Prozesskostenrechnung erläutert.
4 Verbesserte Kalkulationsmöglichkeiten im Marketing-Controlling durch die Prozesskostenrechnung: Das Kapitel behandelt die verursachungsgerechtere Verrechnung von Gemeinkosten auf Kalkulationsobjekte sowie Ansätze zur Optimierung von Sortiment, Preisen und Kundenstrukturen.
5 Vorteile der Managementunterstützung im Marketing-Controlling durch die Prozesskostenrechnung: Es wird analysiert, wie die Prozesskostenrechnung zur Effizienzsteigerung in indirekten Bereichen, zur Budgetierung und als strategisches Instrument in der Wertketten- und Lebenszyklusanalyse dient.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Potenzial der Prozesskostenrechnung für eine verbesserte Informationsbasis im Marketing-Controlling.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Marketing-Controlling, Gemeinkostenmanagement, Marketing-Accounting, Target Costing, Deckungsbeitragsrechnung, Wertkettenanalyse, Prozessoptimierung, Kostentreiber, Produktlebenszyklus, Strategische Kalkulation, Gemeinkosten, Kostenmanagement, Managementunterstützung, Transparenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung zur Unterstützung der Aufgabenfelder im Marketing-Controlling.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kalkulation von Produkten und Kunden, der Prozessoptimierung in Gemeinkostenbereichen und der strategischen Unterstützung des Marketingmanagements.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit die Prozesskostenrechnung entscheidungsrelevante Informationen für Marketingentscheidungen bereitstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und verknüpft Konzepte der Prozesskostenrechnung mit Modellen des Marketing-Accounting und des strategischen Kostenmanagements.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden verbesserte Kalkulationsmethoden, die Optimierung des Produkt- und Kundenmixes sowie die Anwendung in Managementaufgaben wie Budgetierung und Wettbewerbsanalyse diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Prozesskostenrechnung, Marketing-Controlling, Gemeinkostenmanagement und Target Costing charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Prozesskostenrechnung von traditionellen Verfahren?
Im Gegensatz zu traditionellen Verfahren verrechnet sie Gemeinkosten verursachungsgerecht über Prozesse und Kostentreiber, anstatt pauschale Zuschlagssätze anzuwenden.
Welche Rolle spielt das Target Costing in dieser Arbeit?
Das Target Costing wird als Strategie zur marktorientierten Preisgestaltung integriert, wobei die Prozesskostenrechnung als Basisfunktion zur Ermittlung der Standardkosten dient.
- Quote paper
- Kerstin Ludolph (Author), 2006, Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung im Marketing-Controlling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80730