Nach vielen Jahrzehnten mit Negativimage haben Telefoninterviews zur Erhebung sozialwissenschaftlicher Daten in den 1980er Jahren ihren Siegeszug angetreten und gelten mittlerweile in den meisten Ländern, in denen sie genutzt werden, als unentbehrlich.
Doch was macht eine telefonische Datenerhebung so besonders? Was hebt sie von mündlichen und schriftlichen Interviews ab? Welche Vorteile ergeben sich also bei der Anwendung von Telefonumfragen? Und welche speziellen Probleme tauchen auf?
In dieser Arbeit wird die Telefonumfrage auf verschiedensten Ebenen näher beleuchtet: von einem kurzen Einblick in die Entwicklung telefonischer Erhebungsmethoden über aktuelle Regelungen in Deutschland bis hin zu den Besonderheiten bei Stichprobenziehung, Organisation und der eigentlichen Befragungssituation, die den Kern dieser Arbeit bilden.
So werden spezielle Problematiken, aber auch unverzichtbare Vorzüge aufgezeigt.
Könnte man sagen, dass die Vorteile bei Telefonumfragen klar überwiegen? Oder nimmt ihr Gewicht in der Umfragepraxis nur immer weiter zu, weil sie schnell und günstig sind? Wie kann man also die Güte der Ergebnisse von Telefonumfragen bewerten?
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Geschichte der Telefoninterviews als Erhebungsinstrument
3) Telefonrichtlinie
3.1) Abgrenzung gegenüber telefonischer Werbung und Verkaufsförderung
3.2) Selbstbeschränkung bei telefonischen Interviews
3.3) Datenschutz
3.4) Qualitätssicherung
4) Methode & Design
4.1) Stichprobenziehung
4.1.1) Auswahlverfahren des Haushalts
4.1.1.1) Random
4.1.1.1.1) Listenauswahl
4.1.1.1.2) Generierung von Zufallszahlen
4.1.1.1.3) Kombination von Listenauswahl und RDD
4.1.1.2) Quota
4.1.2) Auswahlverfahren der Zielperson
4.1.2.1) Random
4.1.2.1) Quota
4.1.3) methodische Vorteile gegenüber anderen Befragungsformen
4.1.4) Probleme & Lösungsansätze
4.1.4.1) Non-Response
4.1.4.2) fehlende, falsch oder doppelt eingetragene Telefonnummern
4.1.4.3) sonstige Probleme
4.2) Befragung
4.2.1) Befragungs- und Frageformen
4.2.2) Länge der Befragung
4.2.3) Qualität der Ergebnisse
4.3) Organisation
4.3.1) Feldzeit und Kosten
4.3.2) Interviewerkontrolle
4.3.3) CATI
4.3.4) weitere computergestützte Verfahren
5) Kommunikationssituation
5.1) Modell der Kommunikationssituation
5.2) Interviewereinfluss und Interviewerfehler
6) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die methodischen, rechtlichen und kommunikationswissenschaftlichen Grundlagen von Telefonumfragen als sozialwissenschaftliches Erhebungsinstrument. Ziel ist es, die spezifischen Vorzüge und Problematiken dieses Formats zu bewerten sowie dessen Eignung in der modernen Umfragepraxis kritisch zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Telefoninterviews
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Telefonrichtlinien
- Methoden der Stichprobenziehung und Designentscheidungen
- Herausforderungen wie Non-Response und Interviewerfehler
- Organisation und Qualitätssicherung (inkl. CATI)
- Kommunikationspsychologische Aspekte der Interviewsituation
Auszug aus dem Buch
4.1.4.2) fehlende, falsch oder doppelt eingetragene Telefonnummern
Alle drei aufgezählten Varianten verändern die Chance eines Haushaltes, in die Stichprobe zu gelangen, was Repräsentativerhebungen erschwert. An dieser Stelle soll das Augenmerk allerdings nur auf den nicht eingetragenen Telefonnummern, den so genannten „Nonpubs“ liegen.
In Deutschland lässt sich ein steigender Anteil nicht eingetragener Telefonnummern feststellen und die dahinter stehenden Motive sind vielseitig. Hauptgründe für einen Nichteintrag sind Schutz vor Belästigung und Ruhestörung sowie die Kontrolle darüber, wer die eigene Telefonnummer kennt und wer nicht. (Follmer & Smid, 1998, S.52)
Auch der steigende Anteil an jungen Menschen, die ausschließlich ein Mobiltelefon benutzen, trägt vermutlich zum steigenden Anteil an Nonpubs bei.
In einer Studie aus dem Jahr 1997 wurden Telefonnummern entweder per RLD generiert oder zufällig aus einem Verzeichnis gezogen, sodass letztendlich 23.196 Telefonnummern in die Bruttostichprobe gelangten und 11.829 Interviews realisiert wurden. (Follmer & Smid, 1998, S.45f.)
Ein Vergleich der per RLD generierten und der zufällig gezogenen Telefonnummern verdeutlichte, dass es zwischen eingetragenen und nicht eingetragenen Telefonnummern kaum Unterschiede in der Befragungsbereitschaft gibt. (Follmer & Smid, 1998, S.45)
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der telefonischen Datenerhebung ein und skizziert die zentralen Fragestellungen der Arbeit hinsichtlich Vorzügen und Problematiken.
2) Geschichte der Telefoninterviews als Erhebungsinstrument: Dieses Kapitel zeichnet den Weg der Telefonbefragung von einem mit Fehlern behafteten frühen Verfahren zu einem heute unentbehrlichen Instrument der Sozialforschung nach.
3) Telefonrichtlinie: Hier werden die ethischen und rechtlichen Standards erläutert, die zur Professionalisierung und zum Schutz der Privatsphäre bei Telefoninterviews in Deutschland beitragen.
4) Methode & Design: Das umfangreichste Kapitel behandelt die technische Umsetzung, von der komplexen Stichprobenziehung über die Befragungsorganisation bis hin zu computergestützten Verfahren wie CATI.
5) Kommunikationssituation: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Herausforderungen der rein auditiven Kommunikation zwischen Interviewer und Befragtem sowie potenzielle Fehlerquellen durch den Interviewereinfluss.
6) Fazit: Das Fazit resümiert, dass Telefonumfragen aufgrund ihrer Vorteile (Geschwindigkeit, Kosten) zu Recht dominieren, jedoch einheitliche Qualitätsstandards für die Branche notwendig sind.
Schlüsselwörter
Telefonumfragen, Sozialwissenschaftliche Daten, Stichprobenziehung, Random-Digit-Dialing, CATI, Non-Response, Interviewerfehler, Datenschutz, Telefonrichtlinie, Repräsentativität, Marktforschung, Befragungsdesign, Kommunikationssituation, Datenerhebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Telefonumfragen als Instrument zur Erhebung sozialwissenschaftlicher Daten unter Berücksichtigung methodischer, rechtlicher und kommunikativer Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Geschichte, die rechtlichen Standards (Telefonrichtlinien), das Design der Stichprobenziehung, die Qualitätssicherung und die psychologischen Besonderheiten der Kommunikationssituation.
Was ist das Hauptziel oder die übergeordnete Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob die Vorteile von Telefonumfragen gegenüber anderen Methoden überwiegen und wie die Güte der Ergebnisse trotz spezifischer Problemfelder bewertet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur und methodischer Studien zur Umfrageforschung basiert.
Was wird im umfangreichen Hauptteil (Kapitel 4) behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem „Methode & Design“, insbesondere den Herausforderungen der Stichprobenziehung (Random vs. Quota), dem Umgang mit Non-Response und der organisatorischen Umsetzung durch CATI-Systeme.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe umfassen Telefonumfragen, Stichprobenziehung, CATI, Non-Response, Telefonrichtlinie und Repräsentativität.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Non-Response" in der Arbeit?
Der Non-Response wird als kritisches Problem identifiziert, da er zu systematischen Verzerrungen führen kann, wenn Nicht-Teilnehmer in ihren Merkmalen systematisch von der Grundgesamtheit abweichen.
Warum ist die „Kommunikationssituation“ bei Telefoninterviews problematisch?
Da der Austausch rein akustisch erfolgt, fehlen visuelle Informationen, was die Gefahr von Interviewerfehlern erhöht und die Kontrolle der Befragungssituation erschwert.
- Quote paper
- Eva Schade (Author), 2006, Telefonumfragen - methodische, rechtliche und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80829