Fusionen im Sparkassensektor


Diplomarbeit, 2007

59 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Untersuchung
2.1 Industrieökonomik
2.2 Fusionsmotive
2.2.1 Grundzüge
2.2.2 Marktmacht
2.2.3 Skalen- und Verbundvorteile, X-Ineffizienz

3 Wettbewerbsanalyse des deutschen Bankenmarktes
3.1 Struktur des deutschen Bankensystems
3.2 Veränderung der Rahmenbedingungen im Bankenwettbewerb
3.3 Konsolidierung als Lösung für Ertragsschwäche und Veränderungen

4 Leistungsoptimierung durch Sparkassenfusionen
4.1 Fusionseffekte bei Sparkassen
4.2 Untersuchung des Erfolgs von Sparkassenfusionen
4.3 Erfolgsfaktoren

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verteilung Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalrentabilität vor Steuern

Abb. 2: Anteil der Bankengruppen am gesamten Teilbetriebsergebnis

Abb. 3: Economies and Diseconomies of Scale

Abb. 4: Ray Average Cost

Abb. 5: Economies und Diseconomies of Scope

Abb. 6: Struktur der Geldvermögensbildung privater Haushalte in Deutschland

Abb. 7: Ertragslage ausgewählter Bankengruppen

Abb. 8: Anzahl der Kreditinstitute in Prozent

Abb. 9: CR5 und HHI im Europäischen Vergleich (Maß: Bilanzsumme)

Abb. 10: Marktanteile nach Gruppen

Abb. 11: Gerüst einer Fusions-, Kosten- und Nutzenanalyse

Abb. 12: Erfolgsfaktoren für Bankfusionen

1 Einleitung

In den vergangenen Jahren fand und findet in Deutschland eine nahezu nicht enden wollende Diskussion zum heimischen Bankenmarkt statt. Es wird das vorhandene Drei-Säulen-System in Frage gestellt, Konsolidierungen angestrebt und Fusionen innerhalb der Bankengruppen, vornehmlich von Sparkassen und Volksbanken, vollzogen. Als primäres Problem beim Drei-Säulen-System wird häufig die nicht ausreichende Ertragslage deutscher Banken genannt.

Die Sparkassen-Finanzgruppe will sich auch zukünftig dieser Vielzahl von Herausforderungen stellen. Aus diesem Grund hat man im Jahr 2002 ein gemeinsames Strategiepapier[1] entwickelt. Hier wird die Stärkung der betriebswirtschaftlichen Grundlagen als Mittelpunkt der Geschäftspolitik ausgemacht. Dafür wird das Selbstverständnis der Sparkassen-Finanzgruppe mit vier Eckpunkten definiert. Erstens sollen allen Bürgern Finanzdienstleistungsangebote gemacht werden. Einen Ausschluss einzelner Kundengruppen soll es nicht geben. Dies schließe allerdings eine Fokussierung auf ertragsstarke Kunden nicht aus. Zweitens sind im Verbund grundsätzlich alle Finanzdienstleistungen anzubieten und vor Ort unter der Marke Sparkasse zu vertreiben. Drittens ist die enge Partnerschaft zu Ländern und Kommunen beizubehalten. Viertens müsse die enge Finanzierungspartnerschaft zu kleinen und mittleren Unternehmen beibehalten werden. Zur Umsetzung seien Maßnahmen der Sparkassen selbst, aber auch eine stärkere Zusammenarbeit in der Finanzgruppe erforderlich. Im Verbund wird die wesentliche Grundlage für die Stärke eines jeden Instituts der Gruppe gesehen. Spezialisierung und Zusammenfassung von Volumina soll die Basis für eine stärkere Vertriebsorientierung der einzelnen Sparkassen schaffen.

Mit diesen Leitlinien hat sich die Sparkassen-Finanzgruppe den Rahmen für die konkreten betriebswirtschaftlichen und verbundpolitischen Handlungsfelder gegeben. Gleichzeitig gibt sich die Gruppe auch verbindliche quantitative Ziele. So soll bei den Sparkassen eine Eigenkapitalrentabilität von mindestens 15 Prozent vor Steuern und eine Aufwands-/Ertragsrelation (Cost-Income-Ratio) unter 60 Prozent erreicht werden. Im Jahr 2005 stellt sich die Verteilung gemäß Abbildung 1 dar. In ihr wird ersichtlich, dass die im Jahr 2002 festgelegten Ziele nur von einem Teil der Sparkassen erreicht wurden. Beim Cost-Income-Ratio erreichen 68,95 Prozent und bei der Eigenkapitalrentabilität 79,53 Prozent nicht die angestrebten Ziele.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verteilung Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalrentabilität vor Steuern, Quelle: Moormann (2006), S. 419.

Neben diesen Kennzahlen dürften weitere Auswertungen für die Sparkassengruppe alarmierend sein. So ist der Anteil der Sparkassen am gesamten Teilbetriebsergebnis, welches sich als Summe der Zins- und Provisionsüberschüsse abzüglich der allgemeinen Verwaltungsaufwendungen definiert, von 35 % im Jahr 1995 auf 25 % in 2005 gesunken. Abbildung 2 zeigt außerdem, dass die Gruppe der Kreditbanken, zu denen auch die Großbanken gehören, im gleichen Zeitraum eine Zunahme um 7 % erreichen konnten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anteil der Bankengruppen am gesamten Teilbetriebsergebnis, Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2001), S. 17, Deutsche Bundesbank (2006), S. 19.

Die vorliegende Arbeit untersucht im Folgenden die Möglichkeit, ob Fusionen einen positiven Beitrag zur Zielerreichung der festgelegten betriebswirtschaftlichen Marken leisten und ob diese fusionierten Unternehmen besser auf die neuen Anforderungen der Kunden / Märkte reagieren können.

Dafür wird nach dieser Einleitung in Kapitel 2 das theoretische Fundament der Untersuchung gelegt. Die Arbeit bedient sich der Industrieökonomik als Analyseinstrument. Sie wird überblicksartig vorgestellt und die untersuchungsrelevanten Fragestellungen skizziert.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Struktur und den Akteuren des deutschen Bankensystems. Dabei werden die einzelnen Bankengruppen vorgestellt und im Besonderen auf die Sparkassen-Finanzgruppe eingegangen. Ebenso widmet es sich dem Wettbewerbsumfeld der Sparkassen und den dortigen Veränderungen.

Kapitel 4 nimmt die Überlegungen der vorangegangenen Kapitel auf und beantwortet die Frage, welche positiven, aber auch negativen Einflüsse Sparkassenfusionen mit sich bringen. Daneben werden Erfolgsfaktoren ausgemacht und Fusionserfolge anhand empirischer Untersuchungen dargestellt.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick in Kapitel 5.

2 Grundlagen der Untersuchung

2.1 Industrieökonomik

Die traditionelle Industrieökonomik etablierte sich in den 1950er Jahren als empirisch ausgerichtetes Forschungsgebiet, dass zu wettbewerbspolitischen Fragen Stellung beziehen wollte. Grundlage dieses Ansatzes war das Structure-Conduct-Performance (SCP) Paradigma, welches das Ergebnis einer Branche mit der Struktur und dem Verhalten der Unternehmen in ihr erklärt. Die Struktur eines Marktes ist dabei durch verschiedene Parameter, wie Anbieterkonzentration, Eigenschaften der Kostenfunktion, Nachfrageelastizität und Produkteigenschaften gegeben.[2] Ab Mitte der 1970er Jahre häufte sich die Kritik an diesem Paradigma aufgrund seiner Unbestimmtheit der Beziehungen zwischen Marktstruktur, -verhalten und -ergebnis.[3] Zudem wurde die Theorielosigkeit als unbefriedigend empfunden.[4] Es folgte eine Aufspaltung in eine auf formalen, spieltheoretischen Modellen oligopolistischer Märkte basierende und in eine, mit revidiertem SCP-Paradigma arbeitende Richtung. Beim revidierten SCP-Paradigma werden alle Variablen als endogen betrachtet. Das Marktverhalten bestimmt Marktstruktur sowie Marktergebnis und hängt wiederum von den grundlegenden Bedingungen und vom strategischen Verhaltenskonzept ab.[5]

Die dem SCP-Paradigma zugrunde liegende Marktmachthypothese geht davon aus, dass die Marktstruktur das Wettbewerbsverhalten der Marktteilnehmer entscheidend beeinflusst. Ein Markt mit wenigen Anbietern erleichtert Kollusion. Dies führt zu geringeren Angebotsmengen und höheren Preisen als im vollständigen Wettbewerb.[6]

Entgegen diesem Ansatz bestreitet die Effizienz-Struktur-Hypothese den zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Marktstruktur und Wettbewerbsverhalten. Sie erklärt zunehmende Konzentration als Folge des Verhaltens der effizienteren Firmen, die ihren Effizienzvorsprung dazu nutzen, ihren Marktanteil auszubauen.[7] Steigende Konzentration ist demnach als eine Umverteilung des Marktes hin zu den effizienteren Anbietern zu sehen.

Die Theorie kontestabler Märkte sieht ebenfalls keine zwingende Beziehung von zunehmender Konzentration und abnehmendem Wettbewerb. Hier ist nicht die Anzahl der tatsächlich auf dem Markt handelnden Anbieter entscheidend für das Wettbewerbsverhalten, sondern der drohende Markteintritt externer Anbieter. Der potenzielle Wettbewerber tritt in diesem Ansatz an die Stelle tatsächlicher Wettbewerber.[8]

Die Neuere Industrieökonomik hat ihre Wurzeln in den Oligopolmodellen von Cournot, Bertrand und der Beschreibung von Angebot und Nachfrage als Bestimmungsfaktoren der Preisbildung von Marshall.[9]

In einem homogenen Oligopol konkurriert eine beschränkte Anzahl von Anbietern miteinander. Jeder Einzelne ist sich seiner Marktmacht und seinem Einfluss auf das Marktergebnis bewusst. Anders als im Monopol muss er die Strategie seiner Mitbewerber antizipieren und berücksichtigen, da das Marktergebnis und der eigene Gewinn von deren Marktverhalten abhängen.[10] Angebotsmenge und Preis stellen die Variablen dar, über die die Unternehmen in Konkurrenz miteinander treten.[11] Die Nachfrager haben keine sachlichen, zeitlichen, räumlichen oder persönlichen Präferenzen gegenüber den Angeboten verschiedener Unternehmen.[12]

Die häufig vereinfachende Annahme homogener Güter wird in Modellen der Produktdifferenzierung aufgegeben. Die qualitativen Eigenschaften eines Gutes lassen sich durch eine Auflistung aller, für die Zahlungsbereitschaft potentieller Nachfrager relevanten Eigenschaften beliebig detailliert erfassen. Die Charakteristika können in Abhängigkeit vom Gut die Haltbarkeit, die Farbe, der Geschmack, der Ort der Verfügbarkeit etc. sein. Die Zahlungsbereitschaft hängt zusätzlich von den Charakteristika des Konsumenten, z.B. Einkommen, Familienstand, Alter etc., ab. Durch die Darstellung der Zahlungsbereitschaft als Funktion wird sowohl vertikale als auch horizontale Produktdifferenzierung möglich. Vertikale Produktdifferenzierung liegt vor, wenn Präferenzen der Konsumenten bezüglich der Eigenschaften eines Gutes übereinstimmen. Bei der horizontalen Produktdifferenzierung werden die Eigenschaften verschiedener Güter von den Konsumenten unterschiedlich beurteilt.[13] Werden Güter zum gleichen Preis angeboten, so wählen die Kunden bei vertikaler Produktdifferenzierung das bessere Produkt, während die Wahl bei horizontaler Produktdifferenzierung von den Präferenzen des Kunden abhängt.[14]

Als besonderer Fall horizontaler Differenzierung kann die räumliche Differenzierung gesehen werden. In diesem von Hotelling vorgeschlagenen Modell ist der Standort des Verkäufers alleiniges Produktmerkmal. Der Wohnort des Käufers ist dessen einziges Charakteristikum. Um nun seine (Transport-) Kosten zu minimieren, wird der Kunde bei gleichen Preisen den ihm am nächsten liegenden Anbieter auswählen.[15] Hier ist für die Abgrenzung des relevanten Marktes wichtig, dass die Güter in wirksamer Konkurrenz miteinander stehen. Ob dies der Fall ist, hängt von den Substitutionsmöglichkeiten und somit letztendlich von der Kreuzpreiselastizität der Nachfrage ab.[16]

Mit dem Kreismodell von Salop steht eine weitere Möglichkeit zur Darstellung horizontaler Produktdifferenzierung zur Verfügung. Die Produktcharakteristika der Firmen und die Charakteristika der Kunden sind gleichförmig auf einem Kreis verteilt.[17] Im Gleichgewicht konkurriert jeder Anbieter nur mit seinen beiden Nachbarn. Der Gleichgewichtspreis ist aufgrund der Symmetrie des Marktes für alle Anbieter identisch. Daraus folgt, dass, je höher die Zahl der aktiven Anbieter, desto höher ist die Substituierbarkeit der angebotenen Produkte und desto niedriger ist der Gleichgewichtspreis.[18]

2.2 Fusionsmotive

2.2.1 Grundzüge

Unter Fusion oder Unternehmenszusammenschluss versteht man die Vereinigung von Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Einheit. Vertikale Fusionen erhöhen die Fertigungs- oder Leistungstiefe eines Unternehmens, indem ein Zulieferer oder Abnehmer erworben wird. Liegen bei den beteiligten Unternehmen keine Übereinstimmungen auf der Produkt- als auch auf der Marktseite vor, so spricht man von einer lateralen Fusion. Findet sie zwischen Unternehmen der gleichen Produktions- oder Handelsstufe statt, so spricht man von einer, für diese Arbeit relevanten, horizontalen Fusion.

Die allgemeinen Beweggründe für Fusionen sind sehr vielfältig. Meist handelt es sich nicht nur um das, sondern um einen ganzen Komplex von Motiven.[19] Bühner unterscheidet zwischen realen und spekulativen Zusammenschlussmotiven sowie Managementmotiven.

Die Realen basieren auf der Annahme, dass das zusammengefasste Unternehmen erfolgreicher ist als die einzelnen Fusionspartner. Hierzu gehören der Ausbau von Marktmacht, Erzielung von Economies of Scale und Scope, verbesserte Managementleistung und Steuervorteile.

Die spekulativen Zusammenschlussmotive ergeben sich aus der Annahme, dass sich der reale Wert eines Kaufobjektes nicht in seinem Marktpreis ausdrückt. Diese Abweichung kann aus einer auf Marktunvollkommenheiten oder Informationsasymmetrie beruhenden Unterbewertung resultieren.

Die Managementmotive zielen darauf ab, den eigenen Einflussbereich durch Unternehmenswachstum zu erhöhen. Sie basieren also auf Macht- und Prestigestreben.[20]

Von Sparkassenfusionen werden in der Regel die Realisierung von Skalen- und Umfangsvorteilen, die Steigerung der Effizienz bei unterschiedlich effizient geführten Banken oder auch die Erhöhung der Marktmacht durch Zunahme des Marktanteils erwartet.[21]

2.2.2 Marktmacht

Schließen sich Unternehmen, die Substitutionsgüter anbieten, zusammen, steigt die Konzentration und die Preisbildung verändert sich. Die Auswirkungen davon hängen von den Annahmen zum abgestimmten Verhalten und vom zugrunde gelegten Kalkül der Gewinnmaximierung ab. Beim Preiskalkül dient dem Unternehmer der Preis als Instrument der Gewinnmaximierung. Die Menge ergibt sich aus dem festgelegten Preis und der Nachfrage. Umgekehrtes gilt für das Mengenkalkül.

Die grundlegenden Modelle hierzu stammen von Cournot und Bertrand. Sie gehen davon aus, dass kein abgestimmtes Verhalten vorliegt. So vollzieht sich das Gewinnmaximierungskalkül eines Anbieters unter der Annahme, dass die Mengen (Cournot-Modell) oder die Preise (Bertrand-Modell) seiner Konkurrenten fix sind.

Um die gesamte Nachfrage zu erhalten, setzen die Anbieter bei Bertrand den Preis unter den des Konkurrenten. Es folgen so lange Preissenkungen bis ein Gleichgewichtspreis erreicht ist. Dieser entspricht dem Preis bei vollständiger Konkurrenz.[22] Kann ein Unternehmen durch eine Fusion seine Marktmacht ausweiten, so nutzt es das aus, um höhere Preise zu verlangen. Auch die Konkurrenten werden daraufhin ihre Preise anheben, was wiederum positiv für den Gewinn des fusionierten Unternehmens ist. Aus diesem Grund besteht in einem Bertrand-Markt mit unvollständigen Substituten stets der Anreiz, durch Unternehmenszusammenschlüsse die Marktmacht auszuweiten.[23]

Im Cournot-Modell würden die fusionierten Unternehmen ihre Marktmacht für eine Outputsenkung nutzen. Diese induziert jedoch nach dem Cournot-Reaktionsverhalten eine Outputerhöhung der nicht fusionierten Firmen. Dadurch reduziert sich die auf das fusionierte Unternehmen fallende Nachfrage. Somit wäre eine Fusion unter dem Marktmachtaspekt nicht profitabel.[24]

Unabhängig vom Preis- oder Mengenkalkül steigen die Preise mit zunehmend abgestimmten Verhalten der Anbieter. Dabei ist durchaus davon auszugehen, dass mit steigender Konzentration auch das abgestimmte Verhalten zunimmt.[25] Ziel eines Unternehmens wird in diesem Fall das Erreichen einer dominierenden Marktstellung sein. Wichtige Indikatoren für die Marktmacht eines Unternehmens sind hohe Marktanteile sowie hohe Markteintrittsbarrieren auf dem relevanten Markt.

Banken als Mehrproduktunternehmen agieren auf mehreren Märkten. Dazu gehören der Kredit-, Einlagen- sowie der Wertpapiermarkt. Aufgrund der Heterogenität der Bankleistungen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite ergibt sich für den Kredit- und Einlagenmarkt eine strukturelle Segmentierung nach Kundengruppen oder Bankprodukten.[26] Eine Kundengruppensegmentierung erfolgt nach Privat- und Firmenkunden. Deren Präferenzen unterscheiden sich insbesondere durch das Bedürfnis nach Informationssuche, den Grad der Risikoaversion und das Liquiditätsbedürfnis. Die Segmentierung der Bankprodukte kann nach verschiedenen Kreditmärkten (Markt für Hypothekendarlehen, Firmenkredite, Konsumentenkredite) und nach Einlagenmärkten (Markt für Sicht-, Termin-, und Spareinlagen) erfolgen. Hierbei werden die Produkte zusammengefasst, die die gleichen Bedürfnisse befriedigen und in engen Substitutionsbeziehungen zueinander stehen.[27] Selbst bei weitgehend standardisierten Produkten, wie beispielsweise dem Sparbuch, kann eine horizontale Differenzierung etwa durch die Dichte des Filialnetzes erreicht werden. Eine vertikale Differenzierung bezieht sich auf die Qualität der Eigenschaften der Produkte und könnte beispielsweise beim Sparbuch durch die Rentabilität erreicht werden.[28]

Im Rahmen der wettbewerbspolitischen Fragestellung spielt bei der Fusionskontrolle die Abgrenzung eines geographischen Marktes eine Rolle. Während im Privatkundengeschäft von kleinen geographischen bzw. lokalen Märkten ausgegangen wird, können diese im Geschäft mit Firmenkunden regional, national oder sogar international sein. Zur Klärung dieser Problematik gibt es diverse Ansätze, die nach

- dem Hauptdienstleistungsgebiet fragen, z.B. dem kleinsten geographischen Raum, aus dem 80 % der Sichteinlagen kommen,
- Nachfragemerkmalen fragen, um produktspezifische Marktbegrenzungen ausfindig zu machen oder
- theoretischen Marktmerkmalen fragen, z.B. dem einheitlichen Preis oder einer einheitlichen Preisreaktion auf exogene Änderungen.[29]

Allerdings stellt sich die Frage, ob die geographische Entfernung im Hinblick auf Direktbanken überhaupt noch als Kriterium für die Marktabgrenzung herangezogen werden kann.[30]

Hohe Marktanteile werden zum einen durch eine über dem Marktwachstum liegenden Wachstumsrate oder zum anderen durch Akquisitionen und Fusionen auf horizontaler Ebene des Unternehmens möglich.[31] Durch letztere ist Wachstum schneller möglich als durch interne Gewinnthesaurierung. Die meisten großen Banken in Deutschland und der Welt sind nicht durch internes Wachstum, sondern durch Fusionen und Übernahmen entstanden.[32] Ziel dieses Prozesses ist eine erhöhte Profitabilität. Hat der Anbieter einen entsprechenden Einfluss, so soll durch die zunehmende Marktkonzentration eine monopolistische Preissetzung und das Abschöpfen höherer Margen möglich werden.[33] Zeitpunktbezogen äußert sich Konzentration durch hohe Marktanteile weniger Unternehmen, Prozessbezogen, wenn innerhalb einer Zeitspanne immer weniger Unternehmen zunehmend Marktanteile gewinnen.[34] Als Maß für die Messung der Konzentration werden in der Regel entweder der m-Firmen-Index (CRm) oder der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) genutzt. Während man beim m-Firmen-Index die m größten Marktanteile addiert, wird beim HHI die Summe der quadrierten Marktanteile aller Firmen aufsummiert. Je höher der ermittelte Wert, desto höher die Konzentration. Dabei liegt im Fall des Monopols der Wert des m-Firmen-Index bei 100. Der HHI nimmt dann den Wert von 1, bzw. bei Messung der Marktanteile in Prozent von 10.000 an.[35]

Ebenfalls als Quelle von Marktmacht sind Markteintrittsbarrieren zu sehen. Nach dem Konzept der Constestable Markets ist ein Markt vollkommen bestreitbar, wenn der Markteintritt vollkommen frei und der Marktaustritt kostenlos möglich ist. Dafür müssen die folgenden drei Bedingungen erfüllt sein.

Zum einen sind sowohl die Produktionstechnologie als auch die Nachfragebedingungen für etablierte und potentielle Anbieter identisch. Neue Firmen sind so gegenüber den Etablierten nicht benachteiligt. Dazu zählt ebenso, dass es keine versunkenen Kosten gibt. Dies sind Kosten, die bei einem Marktaustritt trotz Veräußerung aller Vermögensteile nicht mehr gedeckt werden können.[36]

Zum anderen lassen sich beim Markteintritt erworbene Inputs kostenlos in anderen Produktionsrichtungen einsetzen. Dadurch verlieren Firmen beim Marktaustritt nicht ihren Kapitaleinsatz.

Als letzte Bedingung müssen Preisrigiditäten existieren. Etablierte Unternehmen zeigen im Gegensatz zu den Konsumenten eine langsamere Reaktion auf Preisänderungen. Die Profitabilität eines Markteintritts kann so im Voraus anhand der Preise der etablierten Unternehmen kalkuliert werden.

Ist eine der Bedingungen verletzt, so kann dies als Markteintrittsbarriere gesehen werden.[37] Eintrittsbarrieren können allgemein als Produktionskosten beschrieben werden, die nur für neue und nicht für bereits im betrachteten Markt tätige Unternehmen anfallen.[38] Der drohende Eintritt neuer Konkurrenten zwingt die etablierten Anbieter, wie im vollkommenen Wettbewerb zu handeln. Dem liegt zu Grunde, dass von potentiellen Anbietern Druck auf die Branche ausgeübt wird. Etablierte Anbieter verfügen demnach über keine Marktmacht, wenn neue Unternehmen, angelockt von zu erzielenden Gewinnen, in einen Markt eintreten, zu niedrigen Preisen anbieten und so die Nachfrage auf sich ziehen.[39] Die Eintrittsbarrieren sind also dafür entscheidend, ob die zu erzielenden Gewinne neue Anbieter anziehen und zum Markteintritt verlocken.

Porter sieht als Eintrittsbarrieren Betriebsgrößenersparnisse, Kapitalbedarf, Produktdifferenzierung, Umstellungskosten und sonstige Faktoren.

Betriebsgrößenersparnisse liegen dann vor, wenn die Stückkosten eines Produkts bei steigender absoluter Menge pro Zeiteinheit sinken.[40] Für eine kosteneffiziente Produktion müssen also bestimmte Mindestkapazitäten vorhanden sein.

Der Eintritt in einen neuen Markt kann mit einem hohen Kapitalbedarf einhergehen. Durch die ungewisse Rentabilität der Investition müssen für die Kapitalbeschaffung Risikozuschläge gezahlt werden. Je höher nun also der Kapitalbedarf und je unsicherer die Rentabilität, desto höher dürften die Risikozuschläge und somit die Markteintrittsbarrieren sein.[41]

Sehen Konsumenten Produkte verschiedener Anbieter nicht als perfekte Substitute, so kann man von Produktdifferenzierung sprechen.[42] Sie entsteht durch Produktunterschiede, Service, frühere Werbung / Image etc. Um die bestehende Käuferloyalität zu überwinden, müssen von neuen Konkurrenten erhebliche Mittel aufgebracht werden.

Eng verbunden mit der Produktdifferenzierung bzw. dem Aufwand für das Brechen der Käuferloyalität sind die Umstellungskosten. Diese entstehen einem Abnehmer beim Wechsel von einem zum anderen Anbieter. Dazu zählen Kosten der (technischen) Anpassung, aber auch psychologische Kosten.[43]

Sonstigen Faktoren für Eintrittsbarrieren können der Zugang zu Vertriebskanälen, günstige Standorte, Patente oder die staatliche Politik sein.

Neben diesen strukturellen können von Unternehmen auch strategische Markteintrittsbarrieren aufgebaut werden. Preise, die zwar über den Durchschnittskosten der Anbieter liegen, den Markteintritt aber unrentabel machen gehören ebenso dazu, wie aufgebaute Überkapazitäten, mit denen das Unternehmen auf zukünftige Nachfrageerhöhungen reagiert. Durch das Angebot vieler Varianten kann die Zahl von Marktnischen für mögliche neue Wettbewerber verringert werden. Die Erhöhung der minimalen effizienten Unternehmensgröße führt bei den Neuanbietern zu einem höheren Kapitalbedarf. Durch Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sind die etablierten Unternehmen imstande, sich einen zeitlichen Vorsprung zu sichern. Vorhandene vertikale Bindungen können für die neuen Konkurrenten zu Problemen beim Zugang zu notwendigen Zulieferer- und Absatzmärkten führen.[44]

Abgesehen von den Markteintrittsbarrieren schrecken auch Marktaustrittsbarrieren potentielle neue Konkurrenten ab. Hierzu zählen nicht alternativ einsetzbare, marktspezifische Produktionsanlagen, marktliche Interdependenzen, soziale Kosten und politische Einflussnahmen.[45]

2.2.3 Skalen- und Verbundvorteile, X-Ineffizienz

Geht man von einer endogenen Marktstruktur aus, so wird sie von Angebots- und Nachfragebedingungen, strategischen Verhaltensweisen und Regulierungen beeinflusst. Größe und Anzahl der Anbieter hängen maßgeblich von Kostenstrukturen sowie Eintrittsbarrieren ab und verändern sich im Laufe der Zeit. Im langfristigen Wettbewerb werden nur die effizientesten Banken überleben. Effizienz ist die Gesamtheit aus der Realisierung von Größenvorteilen und einer effizienten Produktion.[46]

Größeneffizienz stellt darauf ab, ob eine Bank eine optimale Unternehmensgröße aufweist. Unterschieden wird hier zwischen der horizontalen Größe (Skalenerträge / Economies of Scale) und der konglomeraten Größe (Verbundvorteile / Economies of Scope).[47]

Dem Konzept der Skalenerträge liegt die Betrachtung einer Vervielfachung der Faktoreinsatzmenge mit einer beliebigen positiven Zahl k zugrunde. Im Interesse steht dabei die Outputveränderung der Firma. Für eine vom Grad λ homogene Produktionsfunktion

f(kx1,kx2) = kλf(x1,x2)

mit den beiden Inputfaktoren x1 und x2, einer Konstante λ und einer beliebigen positiven Zahl k > 0 liegen positive Skalenerträge bei λ > 1, konstante bei λ = 1 und fallende bei 0 < λ < 1 vor.

Der Homogenitätsgrad λ der Produktionsfunktion kann dafür genutzt werden, um Änderungen der Kosten in Abhängigkeit einer proportionalen Faktorvariation zu beschreiben.

Bei konstanten Skalenerträgen (λ = 1) führt eine Vervielfachung der einzelnen Inputs um den Faktor k zu einer proportionalen Outputerhöhung:

f(kx1,kx2) = kf(x1,x2).

Grenz- und Durchschnittskostenfunktion verlaufen identisch / horizontal.

Zunehmende Skalenerträge bzw. Economies of Scale (λ > 1) führen bei einer Vervielfachung der einzelnen Inputs um den Faktor k zu einer überproportionalen Outputerhöhung:

f(kx1,kx2) > kf(x1,x2).

Die Durchschnittskostenfunktion AC(y) ist fallend im Output y.

Abnehmende Skalenerträge bzw. Diseconomies of Scale (0 < λ < 1) führen bei einer Vervielfachung der einzelnen Inputs um den Faktor k zu einer unterproportionalen Outputerhöhung:

f(kx1,kx2) < kf(x1,x2).

Die Durchschnittskostenfunktion AC(y) ist steigend im Output y.[48]

Der Grad der Economies of Scale kann als Quotient der Durchschnittskosten (AC) und Grenzkosten (C’) in Abhängigkeit vom Output (y) definiert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Bei S(y) > 1 können Economies of Scale realisiert werden. Ist S(y) = 1, so lassen sich keine weiteren Economies of Scale durch eine Produktionsausweitung erzielen. Bei S(y) < 1 führt eine Erhöhung sogar zu steigenden Stückkosten bzw. Diseconomies of Scale.[49]

Für ein Einproduktunternehmen liegen zunehmende Skalenerträge also dann vor, wenn die Durchschnittskosten der Produktion des Gutes langfristig mit zunehmender Produktionsmenge – bei gegebener Technologie und konstanten Faktorpreisen – abnehmen.[50] Dies beschreibt in der folgenden Abbildung der linke Abschnitt der Kostenkurve[51].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Economies und Diseconomies of Scale, Quelle: Tröger (2003), S. 182.

Hier sind durch die Ausweitung der Produktion sinkende Durchschnittskosten zu erzielen. Die skalenorientierte Sicht der Firma gibt also eine optimale Betriebsgröße wieder, die allerdings nur eine begrenzte Erklärungskraft für die Größe einer realen Firma hat.[52]

[...]


[1] Vgl. die folgenden Ausführungen DSGV (2002).

[2] Vgl. Bester (2004), S. 3.

[3] Vgl. Neuberger (1998), S. 3.

[4] Vgl. Bester (2004), S. 4.

[5] Vgl. Neuberger (1998), S. 3.

[6] Vgl. Bain (1951), S. 323.

[7] Vgl. Demsetz (1973), S. 1 ff.

[8] Vgl. Baumol et al. (1982), S. 221ff.

[9] vgl. Bester (2004), S. 4.

[10] Vgl. Bester (2004), S. 77.

[11] Vgl. Pfähler / Wiese (2006), S. 45.

[12] Vgl. Pfähler / Wiese (2006), S. 9.

[13] Vgl. Bester (2004), S. 16 ff.

[14] Vgl. Pfähler / Wiese (2006), S. 236.

[15] Vgl. Tirole (1999), S. 213 f.

[16] Vgl. Bester (2004), S. 20.

[17] Vgl. Bester (2004), S. 52 f.

[18] Vgl. Bester (2004), S. 125 f.

[19] Vgl. Neumann (1994), S. 74.

[20] Vgl. Bühner (1990), S. 6 ff.

[21] Vgl. Neuberger (1998), S.157ff.

[22] Vgl. Scheele (1994), S. 134.

[23] Vgl. Bester (2004), S. 151 f.

[24] Vgl. Bester (2004), S. 149.

[25] Vgl. Scheele (1994), S. 135.

[26] Vgl. Neuberger (1998), S. 51.

[27] Vgl. Neuberger (1998), S. 51.

[28] Vgl. Neuberger (1998), S. 83.

[29] Vgl. Neuberger (1998), S. 52.

[30] Vgl. Schuster (1990), S. 240.

[31] Vgl. Tröger (2003), S. 163.

[32] Vgl. Börner (1998), S. 31f.

[33] Vgl. Bester (2004), S. 12.

[34] Vgl. Tröger (2003), S. 163.

[35] Vgl. Bühler / Jaeger (2002), S. 134 f.

[36] Vgl. Bühler / Jaeger (2002), S. 161.

[37] Vgl. Neuberger (1998), S. 160.

[38] Vgl. Tirole (1999), S.671.

[39] Vgl. Scheele (1994), S. 29.

[40] Vgl. Porter (1999), S. 37ff.

[41] Vgl. Porter (1999), S. 40.

[42] Vgl. Scheele (1994), S. 32.

[43] Vgl. Porter (1999), S. 40 f.

[44] Vgl. Bühner (1990), S. 8 f.

[45] Vgl. Bühner (1990), S. 9.

[46] Vgl. Neuberger (1998), S. 147.

[47] Vgl. Neuberger (1998), S. 147.

[48] Vgl. Bühler / Jaeger (2002), S. 16f.

[49] Vgl. Baumol et al. (1982), S. 21.

[50] Vgl. Tröger (2003), S. 181.

[51] Das eine U-förmige Kostenfunktion vorausgestzt werden kann, siehe

Lang / Welzel (1997), S. 276.

[52] Vgl. Bühler / Jaeger (2002), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Fusionen im Sparkassensektor
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
59
Katalognummer
V80854
ISBN (eBook)
9783638833899
ISBN (Buch)
9783640910144
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fusionen, Sparkassensektor
Arbeit zitieren
Christian Schmitt (Autor), 2007, Fusionen im Sparkassensektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80854

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