Diese Arbeit untersucht die Möglichkeit, ob Fusionen zu einer Stärkung der
betriebswirtschaftlichen Lage der Sparkassen beitragen können. Dafür wird
auf die Ansätze der Industrieökonomik mit den allgemeinen
Fusionsvorteilen Marktmacht, Economies of Scale und Scope sowie XIneffiezienzen
zurückgegriffen. Es folgt eine Untersuchung der
Wettbewerbssituation mit den auf dem Bankenmarkt agierenden Akteuren
sowie den aktuellen Wettbewerbsbedingungen. Diese Erkenntnisse werden
unter Berücksichtigung von als notwendig erachteten Veränderungen für
Sparkassen in Bezug auf die Realisierung in größeren Instituten
untersucht. Dass auch empirisch nachgewiesen Vorteile entstehen, wird
durch eine kurze Darstellung beobachteter Zusammenschlüsse gezeigt.
Letztendlich können Fusionen die betriebswirtschaftliche Lage durchaus
stärken, allerdings muss man immer die individuellen Gegebenheiten
betrachten. Zudem dürfen die Grundeigenschaften von Sparkassen durch
Fusionen unter keinen Umständen aufgegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Untersuchung
2.1 Industrieökonomik
2.2 Fusionsmotive
2.2.1 Grundzüge
2.2.2 Marktmacht
2.2.3 Skalen- und Verbundvorteile, X-Ineffizienz
3 Wettbewerbsanalyse des deutschen Bankenmarktes
3.1 Struktur des deutschen Bankensystems
3.2 Veränderung der Rahmenbedingungen im Bankenwettbewerb
3.3 Konsolidierung als Lösung für Ertragsschwäche und Veränderungen
4 Leistungsoptimierung durch Sparkassenfusionen
4.1 Fusionseffekte bei Sparkassen
4.2 Untersuchung des Erfolgs von Sparkassenfusionen
4.3 Erfolgsfaktoren
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, ob Fusionen im Sparkassensektor dazu beitragen können, die betriebswirtschaftliche Ertragslage der Institute zu stärken und die Herausforderungen eines sich wandelnden Bankenmarktes erfolgreich zu bewältigen. Dabei werden insbesondere industrieökonomische Ansätze auf ihre Anwendbarkeit bei Sparkassen geprüft.
- Analyse der industrieökonomischen Grundlagen von Fusionen (Marktmacht, Skaleneffekte, X-Ineffizienz)
- Untersuchung des Wettbewerbsumfelds und der strukturellen Veränderungen im deutschen Bankensektor
- Evaluierung der Auswirkungen von Sparkassenfusionen auf die betriebswirtschaftliche Leistungsfähigkeit
- Identifikation kritischer Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Unternehmenszusammenschlüssen
Auszug aus dem Buch
2.1 Industrieökonomik
Die traditionelle Industrieökonomik etablierte sich in den 1950er Jahren als empirisch ausgerichtetes Forschungsgebiet, dass zu wettbewerbspolitischen Fragen Stellung beziehen wollte. Grundlage dieses Ansatzes war das Structure-Conduct-Performance (SCP) Paradigma, welches das Ergebnis einer Branche mit der Struktur und dem Verhalten der Unternehmen in ihr erklärt. Die Struktur eines Marktes ist dabei durch verschiedene Parameter, wie Anbieterkonzentration, Eigenschaften der Kostenfunktion, Nachfrageelastizität und Produkteigenschaften gegeben.
Ab Mitte der 1970er Jahre häufte sich die Kritik an diesem Paradigma aufgrund seiner Unbestimmtheit der Beziehungen zwischen Marktstruktur, -verhalten und -ergebnis. Zudem wurde die Theorielosigkeit als unbefriedigend empfunden. Es folgte eine Aufspaltung in eine auf formalen, spieltheoretischen Modellen oligopolistischer Märkte basierende und in eine, mit revidiertem SCP-Paradigma arbeitende Richtung. Beim revidierten SCP-Paradigma werden alle Variablen als endogen betrachtet. Das Marktverhalten bestimmt Marktstruktur sowie Marktergebnis und hängt wiederum von den grundlegenden Bedingungen und vom strategischen Verhaltenskonzept ab.
Die dem SCP-Paradigma zugrunde liegende Marktmachthypothese geht davon aus, dass die Marktstruktur das Wettbewerbsverhalten der Marktteilnehmer entscheidend beeinflusst. Ein Markt mit wenigen Anbietern erleichtert Kollusion. Dies führt zu geringeren Angebotsmengen und höheren Preisen als im vollständigen Wettbewerb.
Entgegen diesem Ansatz bestreitet die Effizienz-Struktur-Hypothese den zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Marktstruktur und Wettbewerbsverhalten. Sie erklärt zunehmende Konzentration als Folge des Verhaltens der effizienteren Firmen, die ihren Effizienzvorsprung dazu nutzen, ihren Marktanteil auszubauen. Steigende Konzentration ist demnach als eine Umverteilung des Marktes hin zu den effizienteren Anbietern zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Diskussion um das deutsche Drei-Säulen-System und definiert den Untersuchungsrahmen für Sparkassenfusionen zur Stärkung betriebswirtschaftlicher Grundlagen.
2 Grundlagen der Untersuchung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen aus der Industrieökonomik erläutert, wobei Konzepte wie Marktmacht sowie Skalen- und Verbundvorteile im Zentrum stehen.
3 Wettbewerbsanalyse des deutschen Bankenmarktes: Das Kapitel analysiert die Struktur des Bankensystems und die veränderten Rahmenbedingungen, die Konsolidierungsprozesse als Reaktion auf die Ertragsschwäche motivieren.
4 Leistungsoptimierung durch Sparkassenfusionen: Hier werden spezifische Effekte von Sparkassenfusionen, der Erfolg solcher Zusammenschlüsse und die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Praxis detailliert untersucht.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass Fusionen als Mittel zur Erreichung wirtschaftlicher Ziele dienen können, jedoch stets unter Berücksichtigung individueller Gegebenheiten und der regionalen Verankerung betrachtet werden müssen.
Schlüsselwörter
Sparkassen, Fusionen, Industrieökonomik, Bankenmarkt, Marktmacht, Economies of Scale, Economies of Scope, X-Ineffizienz, Drei-Säulen-System, Konsolidierung, Ertragslage, Wettbewerbsanalyse, Regionalprinzip, Kosteneffizienz, Finanzdienstleistungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Fusionen ein geeignetes Mittel für Sparkassen darstellen, um ihre betriebswirtschaftliche Ertragslage zu verbessern und sich in einem verschärften Wettbewerbsumfeld zu behaupten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die industrieökonomischen Grundlagen (Skaleneffekte, Marktmacht), die Wettbewerbsstrukturen im deutschen Bankenwesen und die spezifische Erfolgssituation bei Sparkassenfusionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu untersuchen, ob Fusionen als Instrument zur Erreichung quantitativer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen (wie Eigenkapitalrentabilität und Cost-Income-Ratio) in Sparkassen effektiv eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt industrieökonomische Analyseinstrumente, wertet empirische Daten und Kennzahlen aus und vergleicht verschiedene Fusionsmotive und -erfolge anhand existierender wirtschaftswissenschaftlicher Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte der Industrieökonomik, die Wettbewerbsanalyse des deutschen Bankenmarktes unter dem Druck der Globalisierung und Digitalisierung sowie eine detaillierte Untersuchung von Fusionsvorteilen und Erfolgsfaktoren für Sparkassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fusionen, Sparkassen, Economies of Scale, X-Ineffizienz, Regionalprinzip und Wettbewerbsanalyse charakterisiert.
Warum reicht es bei Sparkassenfusionen oft nicht aus, nur Kosten zu sparen?
Das Regionalprinzip und der öffentliche Auftrag binden Sparkassen eng an ihr lokales Geschäftsgebiet. Fusionen müssen daher nicht nur Effizienzpotenziale heben, sondern auch die lokale Identität und Kundennähe als Wettbewerbsvorteile erhalten.
Welche Rolle spielt die Informationstechnik bei Sparkassenfusionen?
Technik ist ein entscheidender Faktor: Hohe Investitionen in IT lassen sich durch größere Transaktionsvolumina in größeren Instituten besser auf das einzelne Produkt umlegen, was zu Kosteneinsparungen (Skaleneffekten) führen kann.
- Quote paper
- Christian Schmitt (Author), 2007, Fusionen im Sparkassensektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80854