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Ethische Einwände gegen Enhancement

Title: Ethische Einwände gegen Enhancement

Seminar Paper , 2007 , 37 Pages , Grade: gut - sehr gut

Autor:in: Sara Stöcklin (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Die Idee, den Menschen als einzelnes Subjekt oder Gattung in seiner Beschaffenheit zu verbessern, ist so alt wie die Menschheit selbst. Moderne Wissenschaft und Technik eröffnen uns jedoch im 21. Jahrhundert Wege und Möglichkeiten, diesen so tief verwurzelten Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, von denen vergangene Generationen nur träumen konnten. Mittels gentechnischen Massnahmen und medizinischen Technologien, so versprechen uns Zukunftsforscher, könnte der Mensch ohne besondere Anstrengung nicht nur gesünder und langlebiger, sondern auch intelligenter, glücklicher, begabter, schöner und tugendhafter werden.
Während eine solche Vision in manchen Begeisterung und Hoffnung weckt, löst sie in anderen Angst und Skepsis aus. Ist eine Veränderung der menschlichen Substanz und der menschlichen Natur mittels technischer Mittel überhaupt zulässig und erstrebenswert? Widerspricht es nicht zutiefst unserer ethischen Intuition, ein Ziel zu erreichen, ohne den entsprechenden Weg dafür zurückgelegt zu haben? Werden nicht Authentizität und Autonomie verloren gehen, wenn uns die Technik zu dem macht, was wir sind? Sind die gesellschaftlichen Folgen solcher Änderungen tragbar, oder vergrössern wir damit die soziale und globale Ungerechtigkeit?
Über diesen und anderen Fragen hat sich in den letzten Jahren eine lebhafte philosophische Debatte entfacht. Als Sammelbegriff für die verschiedenen physischen, kognitiven und emotionalen Verbesserungen der menschlichen Konstitution, die zur Diskussion stehen, hat sich das englische „Enhancement“ durchgesetzt. In der vorliegenden Arbeit soll diejenige Seite der aktuellen Debatte beleuchtet werden, die sich kritisch mit den Möglichkeiten von Enhancement auseinandersetzt. In einem ersten Teil sollen ethische Grundsatzargumente gegen alle oder einige Formen von Enhancement auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft werden, während im zweiten Teil die Frage im Zentrum steht, welche Argumentationsgrundlagen verschiedene ethische Entwürfe Gegnern von Enhancement zur Verfügung stellen. Zuvor soll geklärt werden, welches Bedeutungsspektrum der Begriff „Enhancement“ umfasst und auf welcher Seite die Beweislast liegt, wenn es um die Erforschung und Einführung, respektive Ablehnung und Kriminalisierung entsprechender Technologien geht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Idee und Bedeutung von Enhancement

1.2. Auf welcher Seite liegt die Beweislast?

2. Grundsatzargumente gegen Enhancement

2.1. Natur und Natürlichkeit

2.2. Identität und Authentizität

2.3. Autonomie und Verantwortung

2.4. Soziale Ungerechtigkeit

2.5. Werteverlust

3. Ethische Entwürfe im Hinblick auf Enhancement

3.1. Utilitarismus

3.2. Pflichtethik

3.3. Tugendethik

4. Schluss

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die ethischen Grundsatzargumente gegen verschiedene Formen der menschlichen Selbstverbesserung (Enhancement) und analysiert, welche Argumentationsgrundlagen in unterschiedlichen ethischen Entwürfen für Gegner dieser Technologien zur Verfügung stehen.

  • Historische und inhaltliche Definition des Begriffs Enhancement
  • Analyse der Beweislast in der ethischen Debatte
  • Untersuchung zentraler Gegenargumente (Natur, Identität, Autonomie, Gerechtigkeit, Werteverlust)
  • Diskussion normativer Ansätze anhand von Utilitarismus, Pflichtethik und Tugendethik

Auszug aus dem Buch

2.1. Natur und Natürlichkeit

“I not only think we will tamper with Mother Nature, I think Mother Nature wants us to.”26

Der im Zusammenhang mit Enhancement am häufigsten und meist an erster Stelle genannte Verdacht ist der, dass wir uns im Falle technischer Selbst-Verbesserung gegen die Natur „versündigen“. Egal ob reversibel, eigenverantwortlich, individuell oder kollektiv angewendet stellt jede Form von Enhancement einen Eingriff in die natürliche Verfasstheit dar. Obwohl die Natur kein metaphysisches oder gar personales Wesen ist und hat, bringen wir ihr in ihrer Ursprünglichkeit einen gewissen Respekt entgegen. Auch im Zeitalter der modernen Industrie und überragender technischer Hilfsmittel in allen Bereichen des Lebens sind wir in unserer Körperlichkeit „natürlich“ geblieben. Ein Kind wird in der Regel noch immer als „Geschenk“, und nicht als „Produkt“ begriffen.

Wird nun auch das letzte „Bollwerk“ der Natürlichkeit, der menschliche Körper, preisgegeben und der Technik unterworfen, könnte sich diese Einstellung ändern. Der Politologe Francis Fukuyama verwendet in seinem Werk „Das Ende des Menschen“ den Begriff „Züchtung“, um „ein entmenschlichendes Potential“ von Enhancement zum Ausdruck zu bringen.27 Die Menschen als Gattungswesen haben eine sie verbindende Natur, die durch „essentialistische Bestimmungen“ durchaus fassbar gemacht werden kann.28 Verlieren sie diese, werden sie nicht nur zum form- und verfügbaren Produkt, sondern treten auch ihren Status als „Krone der Schöpfung“ ab. Ein solcher, meint etwa Matthias Kettner, werde dann nur noch von Robotern erreicht.29 Während Menschen heute, etwa im Sport, auf ihre naturgegebenen Begabungen und hart erkämpften Leistungen stolz sind, lässt sich ein Wettbewerb der Zukunft womöglich nur noch mit dem besten Enhancement gewinnen.30 Ein in dieser Weise unnatürlicher Mensch, folgern viele, ist kein Mensch mehr.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um Enhancement ein, definiert den Begriff als Sammelbegriff für physische, kognitive und emotionale Verbesserungen und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.

2. Grundsatzargumente gegen Enhancement: In diesem zentralen Teil werden die Hauptargumente der Gegner – Naturverlust, Gefährdung der Identität, Autonomiekonflikte, soziale Ungerechtigkeit und Werteverlust – systematisch auf ihre Stichhaltigkeit geprüft.

3. Ethische Entwürfe im Hinblick auf Enhancement: Hier werden die Argumente im Licht von drei ethischen Systemen (Utilitarismus, Pflichtethik, Tugendethik) gespiegelt, um zu ermitteln, welche Theorie die stärkste Grundlage für eine kritische Position bietet.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass eine grundsätzliche Ablehnung schwierig ist, die Tugendethik jedoch die solideste Basis für kritische Überlegungen bietet, und plädiert für eine Haltung zwischen Skepsis und Optimismus.

5. Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Enhancement, Medizinethik, Natürlichkeit, Personale Identität, Authentizität, Autonomie, Soziale Ungerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Tugendethik, Utilitarismus, Pflichtethik, Menschenwürde, Genetische Modifikation, Transhumanismus, Werteverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophische und ethische Debatte um die technische Verbesserung des Menschen (Enhancement), insbesondere unter dem Aspekt der Kritik daran.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Begriffe der Natur und Natürlichkeit, die Identität und Authentizität des Menschen, die Autonomie künftiger Generationen sowie Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Stabilität der Argumente gegen Enhancement zu prüfen und zu erörtern, welcher ethische Entwurf die beste Grundlage bietet, um kritische Einwände zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Argumentationsanalyse, bei der die kritischen Einwände gegen Enhancement anhand von Kriterien wie Reversibilität, Selbstbestimmtheit und Individualität hinterfragt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Grundsatzargumente gegen Enhancement und die anschließende Untersuchung dieser Argumente aus utilitaristischer, pflichtethischer und tugendethischer Perspektive.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Enhancement, Natürlichkeit, Personale Identität, Autonomie, soziale Gerechtigkeit und Tugendethik.

Welche Rolle spielt der "Werteverlust" bei der Enhancement-Kritik?

Das Argument des Werteverlusts greift an, dass Enhancement das Ziel der Selbstoptimierung auf Kosten des Prozesses der Reifung und moralischen Entwicklung verfolgt, was laut der Arbeit ein wesentlicher Kritikpunkt der Tugendethik ist.

Kann Enhancement als Pflicht begriffen werden?

Einige Befürworter argumentieren, dass Eltern ihren Kindern gegenüber die Pflicht haben, ihnen eine bestmögliche genetische Ausstattung mitzugeben, was jedoch den Autonomievorstellungen der Gegner widerspricht.

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Details

Title
Ethische Einwände gegen Enhancement
College
University of Basel  (Philosophisches Seminar)
Grade
gut - sehr gut
Author
Sara Stöcklin (Author)
Publication Year
2007
Pages
37
Catalog Number
V80887
ISBN (eBook)
9783638879927
ISBN (Book)
9783638888400
Language
German
Tags
Ethische Einwände Enhancement
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sara Stöcklin (Author), 2007, Ethische Einwände gegen Enhancement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80887
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