Kunst - Fotografie - Primäre Intermedialität


Seminararbeit, 2005

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Begriffsbestimmung der „primären Intermedialität“

II. Inhalt und zentrale Aspekte ausgewählter Texte zur primären Intermedialität von Kunst und Fotografie
1. Charles Baudelaire: Die Fotografie und das moderne Publikum
2. William John Newton: Fotografie in künstlerischer Hinsicht betrachtet. Diskussion in der „Photographic Society of London“
3. Francis Frith: Die Kunst der Fotografie

III. Ursprung der primären Intermedialität

IV. Resümee

V. Bibliografie

I. Begriffsbestimmung der „primären Intermedialität“

Der Begriff „primäre Intermedialität“ konzentriert sich auf die Differenzierung, folglich auf einen Vergleich von Medien. Diese mediale Differenz ist daher Vorraussetzung für die Reflexion über jene Medien, gleichsam für die Unterscheidung zwischen diesen. Ebenso bildet diese Differenz die Grundlage für Medientheorien, im Allgemeinen für die Medienwissenschaft, mit anderen Worten: in der intermedialen Reflexion, welche auf Grund der Mediendifferenz entsteht, liegt der Ursprung der Medientheorie. „Insofern ist immer dann, wenn das neue Medium den bestehenden Probleme bereitet, mit dem Auftauchen medienwissenschaftlicher Erklärungsversuche zu rechnen.“ (Leschke 2003: 33)

Die zu analysierenden Texte bzw. Textausschnitte von Baudelaire, Newton und Frith behandeln allesamt das Thema der primären Intermedialität, indem sie das in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene neue Medium „Fotografie“ mit den damals bestehenden Künsten, vordergründlich mit der Kunst der Malerei, vergleichen. .

II. Inhalt und zentrale Aspekte ausgewählter Texte zur primären
Intermedialität von Kunst und Fotografie

1. Charles Baudelaire: Die Fotografie und das moderne Publikum

Charles Baudelaire (1821- 1867) war ein bedeutender- damals, wie heute- französischer Dichter der Moderne und Kunstkritiker. Zudem war er journalistisch und schriftstellerisch tätig (er übersetzte als erster Edgar Allan Poe ins Französische). Als 1857 seine Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen) erschienen, wurden Autor, Verleger und Drucker der Obszönität und Blasphemie angeklagt und der "Beleidigung der öffentlichen Moral und der guten Sitten" für schuldig befunden. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Baudelaire)

Des Weiteren war er als drogensüchtiger und vulgärer Autor teilweise umstritten. Baudelaire war Sensualist, verliebt in Empfindungen, welche er vor allem in seinen Gedichten zu erfahren und auszudrücken suchte. Zudem besaß er eine spezielle Auffassung von Kunst, welche sich gegen die neue Schule der Malerei und die Fotografie richtete.

Baudelaires Schrift „Die Fotografie und das moderne Publikum“ (1859) thematisiert den Einfluss der Fotografie auf die Kunst. Hierbei kritisiert er den Künstler, der malt, was er sieht (den Realist) und lobt den Künstler, der malt, was er träumt, da für Baudelaire Kunst gleich Phantasie bedeutet.

Die zentralen Thesen seiner Schrift lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Baudelaire stellt den Menschen als dumm dar, da dieser glaubt, Kunst sei die Abbildung der Realität, die Wiedergabe der Natur. „Weil die Fotografie uns alle wünschenswerten Garantien in punkto Genauigkeit gibt (das glauben diese Ahnungslosen), deswegen ist die Kunst die Fotografie.“ (Kemp 1999: 110) In diesem Zitat lässt sich zudem der Ansatz der vulgären Ausdrucksweise Baudelaires erkennen. Weitere zahlreiche Formulierungen, wie „unsaubere Gesellschaft“, „diese götzendienerische Masse“ oder „Narren“, stützen Baudelaires Bild von einer ungebildeten und stupiden Gesellschaft seiner Zeit.
- Jenem Glauben, Fotografie sei Kunst, da diese Realität abbildet, entgegnet Baudelaire mit der Behauptung, dass in der Fotografie alles gestellt sei, beschränkt seine These jedoch auf die Porträtfotografie: Da bei der Porträtierung eine künstliche Positionierung vor der Kamera stattfindet, kann folglich keine Wirklichkeit abgebildet werden. Auf Grund dessen sieht Baudelaire die Fotografie für eine Beleidigung der „göttlichen“ Malerei an, da er die Malerei für die höchste aller Künste betrachtet, gleichsam für eine Beleidigung der „erhabenen“ Kunst des Schauspielers, da bei der Porträtfotografie vor der Kamera eine gewisse Art von Schauspiel stattfindet, welches nach Baudelaires Auffassung jedoch keine Verbindung zur Kunst hat. (vgl. Kemp 1999: 110)
- Weiterhin behauptet Baudelaire, Fotografie sei die Arbeit der Unbegabten, Faulen und der gescheiterten Maler, sowie eine fehlgeleitete Entwicklung, welche die Kunst/ den Künstler verdrängt bzw. sich in die Kunst einmischt, sich mit ihr vermischt, so dass sie die Entfaltung beider Medien – Kunst und Fotografie- behindert. Diese Behauptung begründet er mit dem Prinzip der ansteckenden Wirkung des Guten und Schlechten, d.h.: der Künstler unterwerfe sich unfreiwillig der Masse, welche sich an der Fotografie erfreut. „Daß der Künstler auf das Publikum einwirkt und daß das Publikum auf den Künstler zurückwirkt, das ist eine unbestreitbare und unwiderstehliche Gesetzmäßigkeit.“ (Kemp 1999: 111)

Der Künstler sei somit an einen gewissen Gruppenzwang gebunden, wodurch „der Maler immer mehr Neigung [zeigt], zu malen, was er sieht, und nicht, was er träumt.“ (Kemp 1999: 111). Um der Fotografie dennoch einen Stellenwert neben den bestehenden Künsten zu ermöglichen, liefert Baudelaire einen Lösungsvorschlag: Die Fotografie solle einen rein praktischen Nutzen haben, sie solle ausschließlich den Wissenschaften dienen. „Aber wenn es ihr erlaubt wird, sich auf die Domäne des Geistes und der Phantasie auszuweiten, auf all das, was nur durch die Seele des Menschen lebt, dann wehe uns!“ (Kemp 1999: 111)

- Des Weiteren unterstellt Baudelaire der Fotografie, dass deren Aufgabe „kopiert die Natur!“, welche er als Doktrin und als Feind der Kunst bezeichnet, nicht nur auf die Malerei, sondern ebenfalls auf alle weiteren Künste, wie auf die Poesie oder den Roman, angewandt werden soll.
- Um seine Behauptungen bzw. Thesen zu stützen, nimmt Baudelaire Bezug zur Religion, indem er die Phantasie als Schöpfer der Welt ansieht. Er setzt hierbei Phantasie mit Gott gleich, was ihn berechtigt, seine Behauptung, nur derjenige sei ein Künstler, der malt, was er träumt, der folglich Phantasie einsetzt, zu rechtfertigen und „… so ist es nur gerecht, dass sie [, die Phantasie] diese [, die Welt] auch beherrscht.“

Baudelaire unterteilt also die Klasse der Künstler in zwei getrennte Gruppen; in die Gruppe der Realisten bzw. Positivisten („Ich will die Dinge so wiedergeben, wie sie sind, oder besser: wie sie wären, wenn ich nicht da wäre.“ (Kemp 1999: 113)) und in die Gruppe der Phantasiereichen. („Ich möchte die Dinge durch meinen Geist erleuchten und ihren Widerschein auf die anderen Geister abstrahlen.“ (Kemp 1999: 113))

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kunst - Fotografie - Primäre Intermedialität
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Theater- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Basiskurs Theorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V80933
ISBN (eBook)
9783638883900
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Fotografie, Primäre, Intermedialität, Basiskurs, Theorie
Arbeit zitieren
Reni Ernst (Autor), 2005, Kunst - Fotografie - Primäre Intermedialität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80933

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