In der heutigen Zeit wird von einer immer größer werdenden Anzahl von Autoren eine große Transformation in der Gesellschaft diagnostiziert. Man beschreibt diese Transformation als einen Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Wissen stellt danach die dominante Produktivkraft und Ressource in der heutigen Gesellschaft dar. Dies hat enorme Auswirkungen auf alle Lebensbereiche der Menschen, denn jeder einzelne, aber auch die von Menschen geschaffenen Organisationen, müssen sich um die Nutzung dieser Ressource Gedanken machen, wollen sie erfolgreiche Mitglieder dieser Gesellschaft werden. Die dadurch gestiegene Notwendigkeit eines effizienten und strategischen Umgangs mit der Ressource Wissen hat in den letzten Jahren eine Vielzahl von Literatur über Wissensmanagement hervorgebracht. Ein herausragender Vertreter der Autoren, die sich mit Wissensmanagement befassen, ist Helmut Willke. Er betrachtet Wissensmanagement unter systemischen Gesichtspunkten und beschreibt zugleich sehr praktische Anwendungen verschiedener Aspekte des Wissensmanagements. In der hier vorliegenden Arbeit soll vor allem Willkes systemischer Wissensansatz genauer betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung.
2. Beschreibung der Aspekte des Wissensansatzes.
2.1. Wissen und Nichtwissen als Form des Wissens.
2.2. Innerer Aufbau und Darstellung des Wissens.
2.3. Personales und organisationales Wissen.
2.4. Lernen als Wissensgenerierung.
2.4.1. Organisationales Lernen als Wissenstransfer.
3. Reflexion einiger zentraler Aspekte.
3.1. Die Form des Wissens und die Kommunikation.
3.2. Der Wissensbegriff.
4. Kritik des Ansatzes und Schlussbetrachtung.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den systemischen Wissensansatz von Helmut Willke detailliert zu beschreiben, dessen interne Konsistenz zu prüfen und eine kritische Reflexion vorzunehmen, wobei insbesondere das Verhältnis von Nichtwissen, Information und Wissensgenerierung beleuchtet wird.
- Systemische Definition von Wissen als Einheit in der Differenz von Wissen und Nichtwissen.
- Differenzierung zwischen Daten, Informationen und Wissen als Stufen der Wissensgenerierung.
- Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen im organisationalen Kontext.
- Die Rolle von Lernen als Wissensgenerierung und systemischer Umbauprozess.
- Kritische Auseinandersetzung mit der systemtheoretischen Fundierung und Konsistenz des Modells.
Auszug aus dem Buch
2.2. Innerer Aufbau und Darstellung des Wissens.
Wissensmanagement besteht sowohl aus der Aufbereitung von Daten zu Information, als auch aus der Integration der Information in eine Handlungspraxis. Daten, Informationen und eine durch Erfahrung konfirmierte Handlungspraxis bilden die Bestandteile des Wissens.
Daten können als „Rohstoff für alles Wissen“ (Willke 2004, S. 28) betrachtet werden. Sie „sind beobachtete Unterschiede“ (ebd.). Beobachtet wird, was mit Hilfe von Beobachtungsinstrumenten beobachtet werden kann. Beobachtungsinstrumente können sowohl technische Geräte als auch geistige Konzepte sein. Beobachtete Daten müssen 'gelesen' werden können, d.h. sie müssen codiert sein. Es gibt nur drei Codierungsmöglichkeiten: Zahlen, Sprache/Texte, Bilder. Das heißt, dass Beobachtungsinstrumente Daten in diesen Codes präsentieren müssen, sonst können sie nicht zu Information werden. Daten sind daher immer abhängig von den Beobachtungsinstrumenten. Information zu generieren aus der Komplexität der Datenmenge bedeutet auch immer Reduktion.
Daten werden zu Information durch die Einbindung in ein bestimmtes System, für welches sie relevant sind. Information ist also immer spezifisch und in der Spezifikation bedeutsam. Das System muß über Relevanzkriterien verfügen, um Daten Relevanz zuschreiben zu können. Daten sind beobachtete Unterschiede, Informationen sind für relevant gehaltene Unterschiede. Relevanzkriterien dienen dazu, aus der unüberblickbaren Datenmenge für relevant gehaltene Information zu selegieren. Dadurch wird gleichsam die Vielfalt der Daten reduziert. Verschiedene beobachtende Systeme gewinnen verschiedene Informationen aus denselben Daten, da verschiedene Relevanzkriterien zum tragen kommen. Dieselben Informationen zwischen Organisationen auszutauschen heißt, dieselben Relevanzkriterien zu haben. Allerdings gibt es heute schon zuviel relevante Information in vielen Gebieten, somit muss auch hier reduziert werden – d.h. man braucht Relevanzkriterien für Relevanzen. Diese Relevanzkriterien können aus der Praxis gewonnen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung.: Hinführung zum Thema des systemischen Wissensmanagements und Verortung im Übergang zur Wissensgesellschaft.
2. Beschreibung der Aspekte des Wissensansatzes.: Detaillierte Darstellung der Kernkomponenten, insbesondere der Wissensformen, des inneren Aufbaus von Daten/Information/Wissen sowie der Lernprozesse.
3. Reflexion einiger zentraler Aspekte.: Kritische Betrachtung des Wissensbegriffs und der kommunikativen Konstitution von Wissen im systemtheoretischen Rahmen.
4. Kritik des Ansatzes und Schlussbetrachtung.: Abschließende Bewertung der Konsistenz und Anwendbarkeit des Modells von Willke.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Wissensmanagement, Helmut Willke, Nichtwissen, Wissensgesellschaft, Daten, Information, Lernprozesse, Organisationslernen, Kommunikation, Wissensgenerierung, systemische Konsistenz, implizites Wissen, explizites Wissen, Wissenstransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem theoretischen Wissensansatz von Helmut Willke, wie er in dessen Werk „Einführung in das systemische Wissensmanagement“ dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Wissen als systemische Form, den Aufbau von Wissen durch Daten und Information sowie die Mechanismen von organisationalem Lernen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den systemischen Wissensansatz systematisch zu beschreiben, seine interne Konsistenz zu prüfen und eine kritische Einordnung vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse und Reflexion auf Basis systemtheoretischer Konzepte, insbesondere unter Rückgriff auf die Terminologie von Niklas Luhmann und Helmut Willke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien von Wissen, der Prozess der Wissensgenerierung durch Reduktion von Komplexität sowie der Unterschied zwischen personalem und organisationalem Wissen detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wissensmanagement, systemische Theorie, Wissensgenerierung, Nichtwissen und organisationales Lernen.
Warum betrachtet Willke Wissen als eine "Einheit in der Differenz"?
Nach Willke konstituiert sich Wissen erst durch die Differenz zu Nichtwissen; eine Wissensform wird durch das Kommunikationssystem erst relevant, wenn Nichtwissen als Anlass für Kommunikation wahrgenommen wird.
Wie unterscheidet sich laut dem Text "Information" von "Daten"?
Daten sind lediglich beobachtete Unterschiede, während Informationen spezifisch für ein System relevante Daten sind, die durch Relevanzkriterien aus der Datenmenge selektiert wurden.
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- Sebastian Peltret (Author), 2007, Der Wissensansatz von Helmut Willke - Beschreibung, Reflexion und Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81031