Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland im 18./19. Jahrhundert

Mit Hinweisen für den Geschichtsunterricht, Hauptschule 8. Klasse


Examensarbeit, 2007

117 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung und Fragestellung
1.1 Württemberg und Russland - eine Beziehung mit vielen Gesichten

2 Württembergisch-russische Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung(18. Jahrhundert)
2.1 Peter I. und die Öffnung nach Westen
2.1.1 „Nemeckaja Sloboda“ - die deutsche Vorstadt in Moskau - die Errichtung der deutschen Sonderstellung
2.1.2 Heiratsallianzen
2.2 Herzogtum Württemberg im 18. Jahrhundert
2.3 Katharina II. Aufstieg Russlands zur Weltmacht
2.3.1 Massiver Zuzug deutscher Fachkräfte ins Russische Reich
2.4 Wissenschaft und Forschung - Tübinger Gelehrten für die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg
2.4.1 Georg Bernhard Bilfinger, Professor für Mathematik an der Akademie St. Petersburg
2.4.2 Johann Georg Gmelin - Expedition nach Sibirien
2.4.3 Samuel Gottlieb Gmelin - Reise durch Russland zur Untersuchung der drey Naturreiche
2.4.4 Württembergischer Geschichtsforscher August Ludwig von Schlözer
2.5 Die Hohe Carlsschule in Stuttgart und ihre russischen Absolventen
2.5.1 Graf Scheremetev und Friedrich Schiller
2.5.2 Russisch-württembergische Kulturbegegnungen: Schiller-Verehrung in Russland
2.6 Auswanderung nach Russland
2.6.1 Die planmäßige Kolonisierung des Russischen Reiches
2.6.2 Die erste Kolonisationswelle - deutsche Einwanderer im Wolgagebiet
2.6.3 Religiöse Schwärmer und Separatisten - Württemberger am Schwarzen Meer und im Kaukasus
2.6.4 Flucht vor Napoleonischer Herrschaft, Hunger und Not

3 Das Haus Württemberg und die Romanows im 18./19. Jahrhundert
3.1 Königreich Württemberg im 19. Jahrhundert
3.2 Württembergische Prinzessin am russischen Zarenhof: Sophie Dorothea von Württemberg-Mömpelgard als Großfürstin Maria Feodorowna
3.3 Russische Zarentöchter als württembergische Königinnen
3.3.1 Königin Catharina Pawlowna
3.3.2 Königin Olga Nikolaewna

4 Aktualität des gewählten Themas im Zuge der letzten geschichtsdidaktischen Diskussionen
4.1 Interkulturelles Geschichtslernen: Geschichtsunterricht unter den Bedingungen von Einwanderung und Globalisierung

5 Didaktisch-methodische Umsetzung des Themas in einer achten Hauptschulklasse
5.1 Bezug zum Bildungsplan
5.2 Einblick in die aktuellen Schulbücher
5.3 Inhalte der Unterrichtseinheiten - Arbeitsblättergestaltung

6 Fazit

7 Verwendete Literatur und Materialien

1 Einleitung und Fragestellung

Deutsche in Russland - Russen in Deutschland, die Geschichte zweier Völker, die über Jahrhunderte hinweg weit in soziale, kulturelle und wirtschaftliche Bereiche hineinreicht, die Phasen der Annährung und des engen gesellschaftlichen Austausches durchlief sowie gewaltige Auseinandersetzungen und Widersprüche auf der politischen Ebene bis zum schlimmsten Leid der Bevölkerung beiderseits mit sich brachte. Diese Geschichte ist sicherlich nicht einfach.

Vor allem das 20. Jahrhundert hinterließ deutliche Spuren gegenseitigen Misstrauens, Unverständnisses und Abneigung zwischen Russland und Deutschland:

“ Die politischen Systeme, die sich als Folge der Kriege etablierten, vertieften die Gr ä ben noch und lie ß en politische und menschliche Beziehungen fast auf den Nullpunkt sinken. Mehr als 40 Jahre nach dem

Zweiten Weltkrieg haben wir noch immer M ü he, Feindbilder abzubauen, einander n ä her zu kommen, im anderen Volk einen Partner zu sehen. ” [1]

Wenn wir aber weiter zurück in die Geschichte blicken, entdecken wir die Zeiträume, in denen es durchaus deutsch-russische Beziehungen gab, freundliche, vielversprechende, hilfreiche - Verbindungen zum Vorteil beider Seiten, die den Horizont beider erweiterten, ungeahnte Möglichkeiten eröffneten und auch viele enge persönliche Kontakte schufen. ”An diesem gegenseitigen Geben und Nehmen hatten alle deutschen Gebiete teil, aber es läßt sich in besonderer Weise für den deutschen Südwesten, vor allem für Württemberg, aufzeigen”[2].

Mein persönliches Interesse, um das Thema „Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland“ zu erforschen, lag daran, dass ich gebürtige Russin bin. Vor elf Jahren lernte ich meinen zukünftigen Ehemann, der aus Baden-Württemberg stammt, in Russland kennen. Darüber hinaus verbrachte ich schon fast ein Drittel meines Lebens in Baden-Württemberg und mich mit der Kultur und Traditionen der hiesigen Bevölkerung ziemlich gut auskenne. Geschichtliche Aspekte des Südwestens Deutschlands, die für mich selbstverständlich neu waren, erlernte ich durch das Lehramtstudium an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Die Berücksichtigung der Erziehung und zukünftiger Bildung meiner Tochter, die doppelte Staatsangehörigkeit besitzt, blieb selbstverständlich auch nicht außer Betracht und diente als Motivationsanstoß für die Wahl des Themas. Die gründliche Erforschung geschichtlich-politischer, wirtschaftlicher und kultureller Aspekte der Beziehungen zwischen den beiden Ländern stellte ich deshalb in Vordergrund.

Meine Examensarbeit befasst sich insbesondere mit der Fragestellung, auf welche Basis die Verbindungen zwischen zwei Völker aufgebaut sein könnten. Viele Aspekte der Sozial-, Kultur- und Alltagsgeschichte anhand zahlreicher Beispiele werden erläutert - Es ist nicht zu übersehen, dass eine gewisse Parallelität der gesellschaftlichen Entwicklung im Zeitalter der Aufklärung und früherer Industrialisierung in beiden Ländern vorhanden war. Besonders berücksichtigt werden die Umsetzungsmöglichkeiten dieses Themas im Unterricht bzgl. des Faches Welt-Zeit-Gesellschaft in der Hauptschule.

Meine Arbeit lässt sich inhaltlich in zwei Abschnitte teilen. Der erste Teil, der die Kapitel zwei bis drei umfasst, enthält geschichtswissenschaftliche Grundlagen des Themas „Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland“. Im zweiten Teil der Arbeit, Kapitel vier bis fünf, wird vor allem den Fragen nachgegangen, warum man sich gerade mit diesem Thema im Welt-Zeit-Gesellschaftsunterricht in der Hauptschule verstärkt auseinandersetzen sollte, wie dieses Thema bisher in der Geschichtsdidaktik behandelt wurde. Solche Begriffe wie Globalisierung und Weltgeschichte, Migration und Rassismus, Multiperspektivität und Fremdverstehen, multiethnischer Geschichtsunterricht und interkulturelles Lernen werden besonders aufgegriffen und im Zuge der letzten geschichtsdidaktischen Diskussionen erläutert.

Im Kapitel fünf wird ein kritischer Blick in aktuelle Schulbücher und Lehrpläne geworfen und es werden bestimmte Vorschläge für Unterrichtsgestaltung in einer achten Hauptschulklasse gegeben. Der Entwurf mehrerer Unterrichtseinheiten mit didaktisch-methodischen Begründungen zum ausgewählten Thema mithilfe der Arbeitsblätter wird vorgelegt.

1.1 Württemberg und Russland - eine Beziehung mit vielen Gesichten

Die Beziehungen zwischen dem Herzogtum, seit 1806 dem Königreich Württemberg und dem Zarenreich im 18. und 19. Jahrhundert waren vielfältiger kultureller und ökonomischer, vor allem aber dynastischer Natur. Russland stand im 18. Jahrhundert im Zeichen der Europäisierung. Peter der Große war fasziniert von dem, was er auf seinen Auslandreisen in Deutschland, Holland, Frankreich und England erlebte und entdeckte, und war beherrscht von dem Gedanken, sein Land dem Westen zu öffnen. Man kann natürlich nur spekulieren, was ohne Peters westorientierte Politik geschehen wäre?!

In welcher Beziehung stand aber das kleine Württemberg zum Riesenreich im Osten? Gerade dieser Zeitraum (18. und 19. Jahrhundert) war für Württemberg nicht besonders sorgenlos. Es war die Zeit voller Veränderungen und dramatischer Umbrüche in der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Der Staat wandelte sich und diese Wandlung könnte man in folgenden Stichwörtern beschreiben: die Zeit des Absolutismus und der Aufklärung, der Untergang des Alten Reiches und das Ende Altwürttembergs, der Aufstieg zur Monarchie und deren Sturz -von der altständischen Ordnung zur parlamentarischen Demokratie, von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Diese Übergangszeit war nicht nur von Revolutionen und Kriegen, Hungersnöten und Auswanderungswellen gekennzeichnet, sondern von besserer Ausbildung und medizinischer Versorgung, steigendem Lebensstandard von Bürgern und Bürgerinnen. [3]

Darüber hinaus könnte man die Verbindungen zwischen Württemberg und Russland in dreifacher Hinsicht beschreiben: Zum einen durch so genannten Wissenschaftstransfer, zum anderen durch Auswanderung aus Württemberg, oder bäuerliche Kolonisation im Russischen Reich, und schließlich durch enge dynastische Verbindungen, Heiratsallianzen, die Peter der Große und seine Thronnachfolger als „ein altes, gutes politisches Mittel einsetzten.“ [4]

Angefangen mit Peter dem Großen, reisten Russen nach Deutschland, um zu lernen. Zahlreiche russische Studenten besuchten die berühmte Hohe Carlsschule in Stuttgart. Auch die Landwirtschaftliche Hochschule von Hohenheim kann viele russische Absolventen in ihrer Geschichte vorweisen. Eine Reihe von württembergischen Gelehrten und Wissenschaftlern, unter anderem der Tübinger Professor für Mathematik G. B. Bilfinger und der Naturwissenschaftler J.G. Gmelin, trugen mit ihrer Entdeckungen in Russland der Forschung und Lehre bei.

“ Als ein « Gl ü ck » empfand es das hungernde W ü rttemberg in den furchtbaren Notjahren 1816 bis 1818, dass der Bruder der w ü rttembergischen K ö nigin, der russische Zar Alexander I., Getreide und andere Hilfsg ü ter aus Russland nach W ü rttemberg schickte und verelendeten w ü rttembergischen Bauern den Aufbau einer neuen Existenz im russischen Zarenreich erm ö glichte. ” [5]

Am Anfang der familiären Beziehungen zwischen Württemberg und Russland stand Zarin Katharina II., die 1772 intensiv das Instrument der Ehepolitik nutzte, als sie für ihren Sohn und Thronfolger Grossfürst Paul um die Hand der dreizehnjährigen Sophie Dorothee, der ältesten Tochter Friedrich Eugens Herzog von Württemberg und der Prinzessin Friederike Sophie Dorothee von BrandenburgSchwedt, werben ließ. [6] In Russland war Sophie Dorothee später als Großfürstin Maria Feodorowna, Gemahlin des Thronfolgers und späteren Zaren Paul, bekannt und engagierte sich im sozialen Bereich.

Maria Feodorowna schuf bereits im ersten Jahr als Zarin 1797 ein Sozial- und Bildungswerk in Russland, das bis 1919 ausgebaut wurde und Bestand hatte. [7] Das weit verzweigte Netz von Stiftung, Waisen-Witwen-Krankenhäusern und Mädchenbildungsanstalten war zur damaligen Zeit in Europa vorbildhaft und kannte keine Analoge.

Durch die Heirat von Marias Tochter Catharina Pawlowna mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Württemberg fanden die dynastischen Verbindungen zwischen Württemberg und Russland in der nächsten Generation ihre Fortsetzung.

Königin Catharina setzte die Ideen ihrer Mutter in Württemberg im entsprechenden Maßstab um, dabei hinterließ sie „in der Geschichte der Humanität deutliche Spuren.“ [8] Das erste württembergische Gymnasium für Mädchen “Katharinenstift“, das Katharinenhospital, die landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim sowie Sonntagsschulen und die erste Sparkasse Württembergs entstanden zum größten Teil dank dem unerschöpften sozialen Engagement der württembergischen Königin.

Auch die Ehe von der eleganten Großfürstin Olga Nikolaewna, der Enkelin Maria Feodorownas und der Nichte Catharina Pawlownas, mit dem württembergischen Kronprinzen Karl verstärkte noch einmal das Gewicht des kleinen Königreiches, „denn ein gutes Verhältnis zu Russland bot einen gewissen Schutz gegen die Hegemoniebestrebungen Österreichs und Preußens“. [9] Neu schuf Königin Olga das erste Lehrerinnenseminar in Württemberg und weitere Kindergärten und Kindertagesstätten, Frauenheime, Schulen und Krankenhäuser. Das heute noch bestehende Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart, das Olga-Hospital und das Olgastift gehen auf sie zurück. [10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Allianzwappen Württemberg-Russland. St. Petersburg 1846. „Um der Liebe willen und für das Vaterland“ (Russland), „Furchtlos und treu“ (Württemberg).

Quelle: DIETERICH, Susanne, Württemberg und Rußland: Geschichte einer Beziehung. Leinfelden-Echterdingen 1995, S. 11.

Die Auflistung der beeindruckenden Beziehungen zwischen Württemberg und Russland im 18. und 19. Jahrhundert könnte man ohne Frage weiter führen, allerdings möchte ich die Darstellung des Themas damit begrenzen und im weiteren Verlauf der Arbeit ausführlicher auf die bereits angesprochenen Schwerpunkte eingehen.

2 Württembergisch-russische Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung(18. Jahrhundert)

Die Beziehungen beider Völker waren in ihrer gesamten Geschichte nie so eng miteinander verknüpft wie im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung: Meistens friedliche politische Lösungen, intensiver kultureller und geistiger Austausch zwischen Russland und Deutschland - vielleicht gerade dieses Jahrhundert schrieb eine von den freundlichsten und herzlichsten Seiten gemeinsamer Geschichte!

Die Epoche der Aufklärung begann in Russland etwa um die gleiche Zeit wie in Westeuropa.

“ Die Aufkl ä rer aller L ä nder glaubten an die unbezwingbare Gewalt der Vernunft, an den segensvollen Fortschritt, an die unbeschr ä nkten M ö glichkeiten der Erziehung eines neuen Menschen. Sie glaubten, da ß aufgekl ä rte Monarchen und Staatsm ä nner, menschenfreundliche Wissenschaftler und Unternehmer eine gerechte und vern ü nftige gesellschaftliche Ordnung aufzubauen verm ö chten. So glaubten Montesquieu und Diderot, Lomonossow und Radischtschew, Lessing und Kant. Ihnen stimmten „ aufgekl ä rte Monarchen “ zu: Friedrich von Preu ß en, Katharina von Ru ß land und Joseph von Ö sterreich. “ [11]

2.1 Peter I. und die Öffnung nach Westen

Pjotr Alexejewisch Romanow(1672-1725), der als Zar Peter I. von 1689 bis zu seinem Tod im Russischen Reich regierte, zählt auch zu der Reihe der bedeutenden „aufgeklärten Monarchen“. Im Unterschied zur westeuropäischen Aufklärung, die zwischen der Religionskriege und Revolutionen des 17. Jahrhunderts und der neuen Revolutionen und Kriege des 18. Jahrhundert stattfand, verlief dieses historische Ereignis in Russland in einer anderen Form. Die Aufklärung im Russischen Reich begann mit Peters Großer Revolution „von oben“, die das Zeitalter aufkläririscher Reformen einleitete. Peter begann die Transformation des kompletten Moskauer Zarenreiches: er zerstörte die alten Staatsstrukturen, legte die Grundsteine eines neuen Regierungssystems, schuf ein neues Heer und erstmals eine russische Kriegsflotte. [12] Den „Aufklärer-Zar“ interessierten nicht nur die Probleme der Außen- und Innenpolitik des Staates, sondern auch die äußeren Formen des gesellschaftlichen und privaten Lebens:

“ Er verlangte von seinen Untertanen, westliche Muster genau nachzuahmen, bestrafte die Unfolgsamen und unterdr ü ckte jeglichen Widerstand. “ [13]

Peters Ziel war es, durch Modernisierung das Moskauer Zarenreich zum russischen Imperium, Kaiserreich, werden zu lassen. Planmäßige Transformation des Staates führte letztendlich zum gewünschten Ergebnis: das Russische Reich wurde zu einer europäischen Großmacht, der „ein ebenbürtige Platz unter den europäischen Imperien gesichert wurde.“ [14]

Um Russland zu modernisieren, um gewaltige innovative Transformationsprozesse durchführen zu können, brauchte Peter I. gebildete, aufgeklärte und erfahrene Menschen, die er meistens in deutschen und anderen westeuropäischen Ländern suchte, „die er nach Russland einlud, und ihnen Möglichkeiten verschaffte, leistungsbewußt zu arbeiten und vermögend zu werden.“ [15] Anregungen zur Modernisierung des Staatswesens holte sich Peter I. auf seinen Europareisen, die bereits legendär in die Geschichtswissenschaft eingingen.

2.1.1 „Nemeckaja Sloboda“ - die deutsche Vorstadt in Moskau - die Errichtung der deutschen Sonderstellung

Im Laufe des 18. Jahrhunderts bildeten Deutsche die überwiegende Mehrheit der westlichen Ausländer, die nach Russland kamen. Sie lebten zusammen gezogen in einer eigenen Vorstadt in Moskau, die „Nemeckaja Sloboda“ genannt wurde. Außer Deutsche zeichnete sich auch starke Gruppen der hochqualifizierten Schotten, Holländern und Schweizern aus. Der eigentlich gemeinte „Ausländervorstadt“ hatte einige Begünstigungen vor allem steuerlicher Art, was zum raschen materiellen Aufstieg der „Fremden“ und ihrem Wohlstand führte. Es ging natürlich nicht immer friedlich zwischen Ausländern und Russen zu, da diese Begünstigungen vom Zar Peter Neid und Missgunst der Moskowiter erregte. [17] Im 17. Jahrhundert gab es in Moskau zwei protestantischen Ausländergemeinden, jede mit Pfarrer, Lehrer, Kirche und Schule.

„ Gerade diese Geschlossenheit der Vorstadt beg ü nstigte die Auspr ä gung kultureller Eigenheiten, von Handel und Wandel nach eigenen Vorstellungen, deren Erfolg wiederum bewirkte, dass die Russen darin ein Vorbild sahen. “ [18]

Die Deutschen in Moskau waren respektable Handwerker und erfolgreiche Kaufleute. Außerdem dominierten sie in solchen Berufen wie Apotheker und Ärzte, Offiziere und militärische Experte. In dieser Zeit wurde auf dem Boden der deutschen Vorstadt eine der ersten Manufakturen in Russland, die Seidenmanufaktur A. Paulsen, entwickelt. Die Deutschen hatten auch ihr Privileg, Bier zu brauen. Neben der Alkohollizenz besaßen einzelne deutsche Kaufleute auch andere Lizenzen auf wichtige Produkte. [19] Eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielten „Zarische Apotheken“, die in der Stadt Moskau verbreitet waren und meistens von den deutschen Apothekern geleitet wurden.

„Die Lehrlinge der Apotheker, meist um ein Vielfaches älter als ihre Lehrmeister, waren in der Regel Russen.“ [20] Eine der stärksten Gruppen der „Nemeckaja Sloboda“ bildeten die Militärs. „Fast alle Offiziere sind [waren] Deutsche von Geburt oder der Abstammung nach.“[21]- schrieb Korb. Selbstverständlich gab es auch Ausnahmen: nicht wenige in der Heimat gescheiterte Existenzen, Abenteurer aller Art versuchten in Moskau ihr Glück! Jedoch insgesamt wirkten die Deutschen in Moskau vorbildlich. [22]

Man darf natürlich den Einfluss der romantischen Beziehung zwischen dem Zar Peter und der schönen und klugen Goldschmiedetochter aus der deutschen Vorstadt Anna Mons auf die deutsche Sonderstellung im Russischen Reich nicht zu unterschätzen. Das innige Verhältnis zu Anna Mons bestand über zehn Jahre lang. Der Familie Mons wurde in dieser Zeit ein massives, geräumiges Steinhaus in „Nemeckaja Sloboda“ gebaut und ein schönes Gut außerhalb der Stadt geschenkt. Anna Mons wurde in die beste Gesellschaft aufgenommen.

„ Es war bekannt, dass der Zar unmittelbar vor und nach jeder Reise, vor und nach gr öß eren Entscheidungen oder besonderen Erlebnissen das Haus der Anna Mons in der deutschen Vorstadt aufsuchte. “ [23]

Zar Peter war mit dem inneren Leben in der „Kleingesellschaft“ der deutschen Vorstadt sehr vertraut, dort sah und lernte er viel Fortschrittliches und Vorbildliches. Es ist nicht auszuschließen, dass diese genaue Kenntnis einen Einfluss auf gewisse politische Entscheidungen des Zaren hatte.

2.1.2 Heiratsallianzen

„Diplomatische Geschicklichkeit bewies Peter I. im Arrangement von Heiratsallianzen, mit deren Hilfe er die Rolle des politischen Stabilisators in Europa übernahm.“ [24] Solche Kontakte zwischen beiden Ländern bedeuteten vieles.

„ F ü rstliche Heiraten entstanden, wie man wei ß , weniger aus pers ö nlichen Neigungen als vielmehr aus politischem Kalk ü l. Sie waren oft das Ergebnis langer diplomatischer Sondierungen und wurden in den Dienst bestimmter staatlicher Ziele gestellt. “ [25]

Es ist sinnvoll die Namen der anderen großen Herrscher zu erwähnen, die im 18. Jahrhundert die inneneuropäische Politik mitbestimmte: Friedrich der Große oder Peters Nachfolgerin die Zarin Katharina II. setzten Eheanbahnungen in ihrem Verwandtenkreis virtuos für ihre Zwecke ein. Ehen in den Fürstenkreisen wurden geschlossen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, der Machtentfaltung oder Machterhaltung: „Privates Glück, partnerschaftliche Zuneigung, gar Liebe waren dabei zweirangig.“ [26]

Nach dem Siebenjährigen Krieg z.B. erschienen dynastische Verbindungen mit Russland dem Preußenkönig als besonders geeignet zu sein, um seinen Einfluss unter den mitteleuropäischen Reichen aufzubauen. Er nutzte die Gelegenheit dreimal, an der Brautwahl für die russischen Thronfolger mitzuwirken. Jeder dieser drei Fälle hatte seine spezifischen Voraussetzungen. Sie unterschieden sich „nach dem Zeitpunkt und somit nach den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen im mittleren Europa, nach der geographischen und der verfassungsmäßigen Situation der drei Deutschen Fürstentümer [der Häuser Holstein, Hessen-Darmstadt und Württemberg], nach der Konstellation zwischen den beteiligten Höfen und nach den Persönlichkeiten, mit denen es Friedrich in jedem der drei Fälle zu tun hatte.“ [27]

Selbst Napoleon, dem Kleinbürger aus Korsika, war die Heiratspolitik zwischen seiner Familie und dem europäischen Hochadel neben den Feldzügen für die Erreichung seiner imperialen Ziele auffallend wichtig. [28] Wenn wir einen Rückblick etwas tiefer in die Geschichte werfen, ist es nicht zu übersehen, dass starke dynastische Verbindungen zwischen dem Haus Romanow und verschiedenen deutschen Höfen schon lang bestanden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Heiratsallianzen

Quelle: RICHTER-EBERL, Ute(Bearb.): Geschichte und Kultur der Deutschen in Rußland/UdSSR, Auf den Spuren einer Minderheit. S. 33.

2.2 Herzogtum Württemberg im 18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert in der mitteleuropäischen Geschichte stand im Zeichen des Absolutismus und der Aufklärung: Die barocke Lebenslust, die atemberaubende Prachtentfaltung in Schlössern und Kirchen, in der die Fürsten ihre Machtfülle beanspruchten, waren nur ein Merkmal dieser Zeit. In ganz Württemberg entstanden Schlösser und Prachtbauten nach dem französischen Vorbild. An den südwestdeutschen Residenzen wurde Französisch gesprochen. Die französische Kleiderordnung mit Allongeperücke und Reifrock, geschnürtem Körper und prächtigem Haaraufbau wurde streng nach Rangklassen gehandhabt. [29]

„ Es gab rauschende Maskenfeste und wilde Jagden, aufwendige Opernauff ü hrungen und glei ß ende Feuerwerke. Bei Tisch wurden Speisen auf vergoldetem Service zusammen mit dem Porzellan der f ü rstlichen "Fayancerie" gereicht. Austern und Artischocken, Fische und Krebse, Wildbret und Gefl ü gel, Konfiserie und Marzipan geh ö rten zu den mehrg ä ngigen und mehrst ü ndigen Essen. F ü r Nachschub sorgten Treibjagden, die oft mehrere Tage lang waren und bei den teilweise mehr als 5000 St ü ck Wild erlegt wurden. Au ß erdem machten die F ü rsten gro ß z ü gige Geschenke an Damen und Bekannte. Die Ausgaben f ü r zum Beispiel Kerzen machten 1750 ü ber 7 Prozent des herzoglichen Budgets in W ü rttemberg aus. “ [30]

Die Kehrseite der verschwenderischen Hofhaltung waren gewaltige Schulden und wachsende Steuerlasten für die Bevölkerung, die meist nur aus ärmlichen Bauern bestand. Die Untertanen mussten entsprechend unter den ihnen auferlegten, hohen Abgaben leiden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Aufklärung wurde der Absolutismus gemindert. Durch die Verbesserung in der Landwirtschaft und durch die Abschaffung der Leibeigenschaft, wurde die Lage der Untertanen langsam besser.

Obwohl die Fron- und Leibeigenschaft offiziell abgeschafft wurden, waren sie nicht vollständig verschwunden. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Stabilisierung der Ernährungslage in den niedrigeren sozialen Schichten blieb die Kindersterblichkeit weiterhin hoch. Schätzungsweise eine Million Südwestdeutsche verließen im 18. Jahrhundert ihre Heimat, hauptsächlich nach Osteuropa. Die meisten schlossen sich den so genannten Schwabenzügen zwischen 1716 und 1788 an. [31]

Charakteristisch für den Zeitraum war der langsam steigende wirtschaftliche Aufschwung in Württemberg, z.B. die Modernisierung des Zunftzwangs bei den Handwerken. Das größte Unternehmen Württembergs, die 1650 gegründete Calwer Zeughandels Compagnie, beschäftige viertausend Spinner und Kämmer. Daneben gab es um 1800 in Württemberg auch kleinere Betriebe, die in Pforzheim Uhren, oder in Schwäbisch Gmünd Schmuck herstellten. Landesherrliche Prestigeobjekte waren unter anderem die Seidenspinnereien in Stuttgart oder die Porzellanmanufakturen in Frankenthal und Ludwigsburg.

In der Landwirtschaft stieg mit dem Anbau von Klee der Viehbestand. Die Kartoffel wurde zum neuen Grundnahrungsmittel. Obst und Weinbau sowie die Schafzucht wurden jetzt öfters angewendet. Außerdem wurde mit den Bodenschätzen des Südwestens wie dem Silberbergbau bei Christophtal, der Salzgewinnung in Rippoldsau und der Eisenerzverhüttung in Wasseralfingen, ein großer Gewinn eingefahren. Der allgemeine Handel bekam durch den Ausbau der Straßennetze und der Wasserwege, bessere Bedingungen. [32]

Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert im Herzogtum Württemberg regierten, zählten Herzog Eberhard Ludwig, Herzog Carl Alexander und sein Sohn und Nachfolger Herzog Carl Eugen.

Der Name Herzog Eberhard Ludwigs von Württemberg (reg. 1693-1733) wird stets „in einem Atemzug mit der gewaltigen Ludwigsburger Schlossarchitektur genannt.“ Innerhalb von dreißig Jahren wuchs der Palast vom herzoglichen Jagdsitz „Erlachhof“ zu einer der größten Barockanlagen Europas heran. Der ehrgeizige Herzog gab dem Schlossprojekt und der Staatsanlage Ludwigsburg seinen Namen. [33]

Kurz nach seinem Regierungsantritt und nach dem Friedensschluss mit Frankreich unternahm Eberhard Ludwig zunächst Reisen nach England und der Niederlande. 1697 feierte er die Hochzeit mit Johanna Elisabetha von Baden-Durlach. Als der Aufstieg Ludwigsburgs vom Jagdsitz zum Barockschloss begann, trat noch eine Frau in das Leben Eberhard Ludwigs: Wilhelmine von Grävenitz. Die Gräfin wollte nicht nur auf ihn, sondern auf das ganze Land ihren Einfluss ausüben.

1718 zog Herzog Eberhard Ludwig mit der gesamten Hofhaltung nach Ludwigsburg, um abseits des Stuttgarter Alten Schlosses ungestört mit seiner Mätresse Wilhelmine von Grävenitz zusammenleben zu können, die er bereits 1708 heimlich heiratete. Der Skandal über die Doppelehe des Herzogs fand in halb Europa Widerhall, und der Kaiser forderte ultimativ eine Aufhebung dieser Verbindung. Nach der Intervention König Friedrich Wilhelms I. von Preußen setzte Eberhard Ludwig 1730 der zwanzigjährigen Mätressenschaft der Grävenitz ein Ende und söhnte sich mit seiner Gattin aus. [34]

Große Bedeutung im gesellschaftlichen Leben des Herzogs hatte allerdings sein Repräsentationsbedürfnis und gute Reputation. Er hatte eine glänzende Militärkarriere absolviert.

„ Er war im Spanischen Erbfolgekrieg an der entscheidenden Schlacht von H ö chst ä dt(1704) beteiligt gewesen und wurde 1707 zum Feldmarschall des Schw ä bischen Kreises ernannt. 1711 folgte der h ö chste Lorbeer mit der Erhebung zum Reichsgeneralfeldmarschall und der Ernennung zum Oberbefehlshaber ü ber die Rheinarmee. “ [35]

Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg starb 1733 ohne Nachkommen. 1744 tritt der in Brüssel geborene Carl Eugen, Sohn von Eberhard Ludwigs Neffen Carl Alexander, seine Regierung an. Die Regentschaft des Fürsten war stark geprägt vom höfischen Absolutismus. Er sah sich dementsprechend als durch die Gnade Gottes eingesetzter Herrscher über das Volk an. Carl Eugen hatte sich vorgenommen, den Hof Württembergs zum prunkvollsten und glänzendsten ganz Europas zu machen. Er rief die besten Künstler aller Sparten aus allen Landesteilen zu sich, baute prachtvolle Schlösser und veranstaltete pompöse Feste mit Feuerwerken und Operndarbietungen um sich unvergessliches Ansehen zu verschaffen. [36]

„ Sein Hofstaat umfasste ungef ä hr 2000 Personen, auf seinen Reisen wurde er von ungef ä hr 700 Personen und 600 Pferden begleitet. Er unterhielt eine franz ö sische Kom ö die, eine komische Oper, eine italienische „ Opera Buffa “ und eine „ Opera seria “ . Er engagierte Dutzende T ä nzer und T ä nzerinnen, von denen er einige Frauen auch als M ä tressen hielt. “ [37]

Andererseits konnte er durch ein derartiges Hofleben, wie es typisch für den Absolutismus war, den Hochadel an seinen Hof ziehen, ihn an sich binden und langsam in die Abhängigkeit von ihm treiben. Um dies alles finanzieren zu können, waren Unsummen von Geldmitteln nötig, wodurch er das Herzogtum Württemberg beinahe in den finanziellen Ruin trieb. Kritik und Opposition duldete der despotische Herrscher nicht, jeder der sich als Gegner des Fürsten bekannte, wurde von ihm, ohne zu zögern, eingesperrt. [38]

Vom Volk selbst wurde er als menschenverachtender Tyrann angesehen. Unter dem ausschweifendem Leben des Herrschers und seiner Willkür hatten die Württemberger sehr zu leiden. Für die Jagdgesellschaften beispielsweise, die Carl Eugen liebte, wurde viel Wild benötigt. Die Bauern verloren dadurch oft große Teile ihrer Ernten, durften aber nichts dagegen unternehmen. Um Geld für seinen Hofstaat aufzutreiben sparte er u.a. bei wichtigen Reparaturarbeiten öffentlicher Einrichtungen und Gehaltszahlungen von Staatsangestellten. Des Weiteren verkaufte er, wie viele andere Herrscher seiner Zeit, Soldaten als Söldner an andere Staaten. Da sich natürlich nur wenige zu etwas derartigem freiwillig meldeten, wurden viele junge Untertanen zum Militärdienst gezwungen. [39]

Mit fortschreitendem Alter wandte sich Carl Eugen von Württemberg mehr und mehr vom höfischen Absolutismus ab und den Gedanken der Aufklärung zu. Dafür waren mehrere Gründe verantwortlich. Zum einen spielte der Siebenjährige Krieg eine große Rolle. Carl Eugen schloss sich darin dem Habsburgischen Österreich an, welches sich im Krieg mit Preußen befand. Als die Niederlage 1763 feststand, war Württemberg sowohl von dieser außenpolitischen Krise, als auch von den katastrophalen Staatsfinanzen zerrüttet. Zum anderen wurde der Herzog durch seine zweite Frau, Franziska von Hohenheim, stark beeinflusst.

Geschichtsschreiber sind sich jedoch nicht einig, inwieweit sie genau Einfluss auf die Wandlung des Monarchen genommen hat. Bekannt ist, dass sie eine sehr humanistische Weltanschauung hatte und die pädagogischen Neigungen ihres Mannes weckte. Ein weiterer wichtiger Punkt für den Wandel Carl Eugens ist die so genannte “Ehrbarkeit”. Diese “Ehrbarkeit” waren einflussreiche Bürger und die evangelische Geistlichkeit, die sich in einer Art Parlament, den “Landständen”, versammelten. Als solches klagten sie ihren Herrscher an, die vertraglichen Rechte und seine Pflichten als Herrscher, missbraucht zu haben. Die Klage war erfolgreich und Herzog Carl Eugen musste sich von nun an strengen Vorschriften beugen. [40]

1778, im Alter von 50 Jahren, verkündete er den Neubeginn seiner Politik, bzw. den Richtungswechsel. Dies tat er indem er ein Reuebekenntnis verlesen ließ, in dem er eine verantwortungsvollere Regierung versprach. Viele Merkmale des Absolutismus wurden abgeschafft, wie z. B. das aufwendige Hofleben, das stark zurückgeschraubt wurde, oder große Teile des stehenden Heeres. Stattdessen rückten die Förderung von Landwirtschaft, Bildungswesen und Kultur in den Vordergrund. Er gründete die Hohe Carlsschule, eine Eliteschule, in der Nähe des Schlosses Solitude, mit der er u.a. seinen illegitimen Kindern eine vernünftige Ausbildung ermöglichte.[41]

Ferner setzte er sich für den Bau eines ausgedehnten Straßennetzes und die Verbesserung des Postwesens ein und förderte die gewerbliche Wirtschaft. Gleichzeitig unternahm er aber auch zahlreiche Reisen mit seiner Frau und ließ darüber Tagebücher führen. Diese Form der aufgeklärten Politik zog sich bis zu seinem Tod hin. Carl Eugen starb am 24. Oktober 1793 in seinem Schloss Hohenheim bei Stuttgart im Alter von 65 Jahren. Friedrich Schiller, der einst als politischer Gegner des Herzogs fliehen musste, machte später an seinem Grab mit ihm seinen Frieden. Beigesetzt wurde Herzog Carl Eugen in der Gruft des Schlosses Ludwigsburg. [42]

Ende des 18. Jahrhunderts gab es im Südwesten Deutschlands rund 300 eigenständige Territorien: Fürstentümer, Reichsstädte, Reichsritter, Klostergebiete und andere geistliche Herrschaften sorgten für eine rechtliche und religiöse Zersplitterung. Das Herzogtum Württemberg präsentierte sich aber als relativ geschlossenes Gebiet am mittleren und oberen Neckar und an der oberen Donau. Die Herrschaft Heidenheim im Gebiet der Ostalb und einige Außenbesitzungen links des Rheins: die Grafschaft Horburg und die Herrschaft Reichenweier im Elsaß sowie die gefürstete Grafschaft Mömpelgard in der Franche-Comte gehörten auch zum Territorium Württembergs. Verfassungsrechtlich und territorial war das Herzogtum als Reichsstand in das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ eingebunden. [43]

Abbildung 2: Herzogtum Württemberg um 1790

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: WÜRTTEMBERGISCHES LANDESMUSEUM STUTTGART(Hrsg.): Das Königreich Württemberg, 1806-1918 Monarchie und Moderne, Ausstellungskatalog. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm, 2006, S. 57.

Innerhalb Südwestdeutschlands durch Größe, Geschlossenheit und zentrale Lage hatte Württemberg eine dominierende Stellung und war Vormacht im schwäbischen Reichskreis. Aber im Konzept der europäischen Mächte gehörte es zu den kleineren Herzogtümern und die Lage zwischen den konkurrierenden Großmächten Frankreich und Habsburg-Österreich bedeutete immer wieder Spannung und Bedrohung.

„ Die traditionelle w ü rttembergische Politik bestand daher in Zur ü ckhaltung und Neutralit ä t, und neuerdings lehnte man sich an die protestantische Vormacht im Norden, an Preu ß en an. “ [44]

Ende des 18. Jahrhunderts in der Zeit des geistigen Aufbruchs brach 1789 die französische Revolution aus, mit der man gerade im Südwesten Deutschlands unterschiedliche Hoffnungen verknüpfte. Als die französischen Revolutionstruppen über den Rhein kamen, und sich in den rechts rheinischen Gebieten ausbreiteten, wurde plötzlich auch der Südwesten vom großen Umsturz betroffen. „Das altertümliche deutsche Staatssystem geriet ins Wanken." [45]

2.3 Katharina II. Aufstieg Russlands zur Weltmacht

Die Persönlichkeit Katharinas der Großen ist bereits legendär in die Geschichtswissenschaft eingegangen: Großartige Quellenwerke ihrer Zeitgenossen, umfassende wissenschaftliche Literatur, unübersehbare Fülle von Büchern über ihre Biographie, belletristische Romane und faszinierende Verfilmungen vermitteln über dem ereignisreichen Leben und vielseitigen Talent der aufgeklärten Kaiserin des 18. Jahrhunderts. In meiner Arbeit versuche ich mich allerdings, auf die knappe Darstellung des Lebens der Zarin als Herrscherin des Russischen Reiches zu reduzieren und ihren Einfluss auf die Beziehungen beider Länder zu skizzieren.

„Kaiserin Katharina II., die in Russland den Namen Jekaterina Aleksejewna erhielt, geboren am 2. Mai 1729 in Stettin als Sophie Friederike Auguste Prinzessin von Anstalt-Zerbst, war die Tochter des Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst und der Prinzessin Johanna Elisabeth aus dem Hause Holstein-Gottorf.“ [46] Sie war die erste Deutsche auf dem Zarenthron und nach dem Stürz ihres exzentrischen Gemahls Peter III. übernahm sie mit Unterstützung des Adels die Herrschaft über Russland. Mit ihrem Regierungsstil versuchte sie die Traditionen Peters I. fortzusetzen, in dem sie dementsprechende Reformen zur Erneuerung des Landes einleitete. [47]

” Genau in dieser Tradition der permanenten Reform mit dem Ziel der Verwestlichung oder Europ ä isierung Ru ß lands hat sich die Kaiserin Katharina II. mit originalen und ihrer Zeit gem äß en Beitr ä gen eingef ü gt: Sie hat in ihrer fast 35j ä hrigen Regierungszeit von 1762 bis 1796 die staatliche F ö rderung der Aufkl ä rung fortgesetzt und verst ä rkt, die petrinischen Institutionen ausgebaut und erneuert und - als eine geb ü rtige Ausl ä nderin - Peters Werk als Verm ä chtnis in Ru ß land und Europa aktiv vertreten und eigenst ä ndig weitergef ü hrt. ” [48]

Es wird oft in der wissenschaftlichen Literatur hingewiesen, dass Katharinas Regierungsmethoden, Zielsetzungen und Ergebnisse einen dualistischen innen-und außenpolitischen Charakter hatten. Einerseits stand die Zarin der Ideen der Aufklärung sehr positiv gegenüber. Innenpolitisch versuchte sie, „aufklärisches Gedankengut“ nach Russland einzuführen in dem sie 1768 ein Konzept für den Entwurf eines neuen Gesetzbuches erarbeiten ließ.[49] Andererseits wollte sie ihre absolutistisch-zentralistische Regierungsweise nicht aufgeben, weshalb sie die Reformen nur beschränkt umsetzte, um ihre Regierungsart nicht zu gefährden. Im neuen Gesetzbuch wurden von ihr vor allem jene Passagen gestrichen, „die die Rechte des Adels gegenüber den Bauern und den Leibeigenen einschränkten.“ [50] Nicht ohne Grund wird Zarin Katharina II. „die Begründerin des aufgeklärten Absolutismus in Russland“ genannt. [51]

Abbildung 3: Katharina II. Gemälde(1763) von Fedor Rokotov, Tret´jakov-Galerie, Moskau.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: SCHARF, Claus: Katharina II., Deutschland und die Deutschen. Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz 1996, S. 64 ff.

Außenpolitisch war die Regierungszeit Katharinas von Erfolgen gekrönt. Durch die Niederlage der Türken im ersten Türken Krieg (1768-1774) erhielt Russland den Zugang zum Schwarzen Meer, der zweite Krimkrieg (1787-1792) brachte die Ausdehnung des Russischen Reiches bis zum Dnjestr. Bei der ersten und zweiten polnischen Teilung (1772-1773) waren bereits territoriale Teile, sowie Kurland, an Russland gefallen, und 1795 bei der dritten Teilung Polens erreichte Katharina II. die entgültige Übernahme der Verwaltung des Landes. Obwohl ihr ehrgeiziger Wunsch Europa in Machtsphären aufzuteilen und in Konstantinopel, dem Hort der Orthodoxie, Fuß zu fassen, unerfüllt blieb, erhielt Russland unter Katharina II. in seinem europäischen Teil seine bisher größte territoriale Ausdehnung. [52] Als Katharina 1796 starb, hinterließ sie ihrem Sohn und Nachfolger Paul ein gewaltig vergrößertes Imperium.

2.3.1 Massiver Zuzug deutscher Fachkräfte ins Russische Reich

Seit Beginn ihrer Herrschaft in Russland setzte sich Katharina II. zwei globalorientierten Ziele: „Die Ausweitung des Reiches, seine Fruchtbarmachung, seine wirtschaftliche und soziale Durchdringung sowie seine Besiedlung mit der größtmöglichen Zahl arbeitsamer Untertanen.“ [53] Den Wohlstand der Bevölkerung stellte sie im Vordergrund. „Der Ruhm des Monarchen“ und der Reichtum des Landes waren letztendlich sehr eng damit verbunden.

„… der Ü berflu ß mu ß in ihren[Untertanen] H ä usern herrschen, aber nicht der falsche Ü berflu ß , der auf unbezahlten Schulden fu ß t. Denn anstelle der Gr öß e(grandeur) w ä re dies nur eine l ä cherliche Prahlerei, ü ber die sich die

Ausl ä nder lustig machen w ü rden. Ich will, dass das Land und seine Einwohner reich werden. Das ist der Grundsatz, von dem ich ausgehe … “ [54]

Um ihre weitgehenden Zielsetzungen zu erreichen, erhoffte sich die geborene deutsche Prinzessin, die „menschlich-fachlichen Ressourcen ihres Herkunftslandes“ größtmöglichtst zu nutzen. Als Erstes, um die Bevölkerungszahl und den Wohlstand der Familien zu steigen, sollte die hohe Kindersterblichkeit im Land beseitigt werden. Als Katharina II. noch Großfürstin und selbst junge Mutter war, verfolgte sie mit Aufmerksamkeit das Leben in den russischen Bauernfamilien dieser Zeit. Sie stellte mit Erschrecken fest, dass von zehn bis zwölf Bauernkindern höchstens zwei bis vier überlebten. In den ersten Jahren ihrer Regierungszeit kam sie zum Entschluss, dass ein großer Mangel an qualifizierten Kräften im Russischen Reich bestand.

Nach langen Gesprächen mit führenden russischen Wissenschaftlern bemühte sich daher die Kaiserin, medizinisches Fachpersonal aus dem Ausland zur Entwicklung der ärztlichen Wissenschaft im Russischen Reich zu gewinnen. Einer der ersten deutschen Ärzte, der individuell nach St. Petersburg berufen wurde und 1784 zum Leibarzt der Kaiserin wurde, war Dr. Melchior Adam Weikard. Ihm folgten der Anatom und Physiologe Kaspar Friedrich Wolf aus Berlin, der 1767 zum Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften ernannt wurde, und der Hamburger Wundarzt J.J. Schmidt, der 1784 den Doktortitel der Medizin bekam. [55]

Der erste Türkenkrieg, den die Kaiserin ab 1768 zur Vergrößerung des russischen Territoriums führen ließ, wies einen weiteren größeren Mangel auf: Es wurden viele gut ausgebildeten Operateuren für die russische Armee benötigt. Auch die ab Mitte der siebziger Jahre durchgeführte Verwaltungsreform verdeutlichte, wie schwach das ärztliche Versorgungswesen in vielen Landkreisen entwickelt war. Aus ihrer allgemeinen Hochachtung vor den deutschen Wissenschaftlern hoffte Katharina II auf die Bereitschaft deutscher Ärzte zur Übersiedlung nach Russland. [56]

„ Die F ö rderung der ä rztlichen Wissenschaft, der Ausbildung und Betreuung war eine wesentliche Vorbedingung zur Verringerung der Sterblichkeit und Erh ö hung der Fruchtbarkeit der Bev ö lkerung. Doch eine genaue Kenntnis des Landes, die pr ä zise Erfassung seiner Geographie und Bodenbeschaffenheit, seine Flora und Fauna, w ä ren n ö tig, wollte man den Wohlstand der Bev ö lkerung und den Reichtum des Landes mehren. “ [57]

Eine Reihe deutscher Wissenschaftler und Gelehrter, deren Forschungsaufträge und Expeditionen zur besseren Kenntnis des Landes beitragen sollten, wurden persönlich oder durch Vermittlung von Katharina II. nach Russland berufen. An der Stelle darf man den bedeutenden wissenschaftlichen Beitrag der württembergischen Gelehrten für die Entwicklung der Forschung und Lehre in Russland nicht unterschätzen!

2.4 Wissenschaft und Forschung - Tübinger Gelehrten für die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg

Seit dem Peter I. 1703 die Stadt St. Petersburg gründete, die als „Ostseehafen und Fenster zum Westen“ dienen sollte, war er von der Idee beherrscht, eine kulturelle Institution - Akademie der Wissenschaften - dort erbauen zu lassen. Im Gegensatz zu den westeuropäischen Vorbildern sollte die geplante Akademie nicht nur als Forschungsstätte, sondern auch als Ausbildungsinstitut für russische Studenten dienen. [58]

„ Den Zweck der Institution sah Peter darin, der nach wie vor religi ö s bestimmten russischen Kultur wissenschaftliches Denken auf weltlicher Grundlage und damit den kulturellen Fortschritt zu pr ä sentieren. “ [59]

Ihr Hauptproblem war, dass russische Wissenschaftler nicht zur Verfügung standen, weil es bis dahin in Russland keine Hohen Schulen gegeben hatte. Das Personal der Akademie musste also im Ausland erworben werden. Während der Vorbereitungen zur Gründung der Akademie am 18. Februar 1725 starb Peter der Große. Seine Witwe und Nachfolgerin Katharina I. und der Leibarzt des Zaren Laurentius Blumentrost, der später zum ersten Präsidenten der Akademie ernannt wurde, setzten die Verwirklichung Peters Ideen fort und am 27. Dezember 1725 wurde die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg eröffnet. [60]

Die Akademie war zumindest in den Jahren 1725-1799 eine weitgehend deutsche Bildungs- und Forschungsinstitution: Von 111 berufenen Akademikern sprachen 71 als Muttersprache Deutsch. Die Ersten Verbindungen zwischen St. Petersburg und der württembergischen Landesuniversität Tübingen knüpfte Philosoph Christian Wolff. Er empfahl seinen Schüler, den Mathematiker und späteren Theologen Georg Bernhard Bilfinger. [61]

2.4.1 Georg Bernhard Bilfinger, Professor für Mathematik an der Akademie St. Petersburg

In Cannstatt geborener G. B. Bilfinger gehört zu den ersten Gelehrten, die aus Württemberg nach Russland vom Zaren berufen wurden. Als Professor für Mathematik und Moral am Collegium illustre in Tübingen hatte er trotz übler Auseinandersetzungen mit den Universitätstheologen sich bereits einen Namen gemacht. [62] Der Entschluss, die württembergische Universitätsstadt am Neckar mit der russischen Hauptstadt an der Neva zu tauschen, fiel ihm nicht besonders schwer.

Ihn reizten dort die ausgezeichneten Arbeitsmöglichkeiten - bei der Eröffnung umfasste die Bibliothek der Akademie bereits 12000 Bände - und selbstverständlich das feste Gehalt. [63] Für seine wissenschaftliche Tätigkeit erhielt er 800 Rubel Gehalt, freie Wohnung, Holz und Licht, 300 Reichstaler Reisegeld sowie 100 Taler für zwei Studenten, die ihn begleiten sollten. [64] Auf diese Art und Weise konnte er auch den Auseinandersetzungen mit seinen Tübinger Professorenkollegen entgehen.

G.B. Bilfinger traf 1725 in St. Petersburg ein und blieb sechs Jahre. In den folgenden Jahren veröffentlichte Bilfinger rund ein Dutzend wissenschaftliche Abhandlungen in lateinischer Sprache in den "Commentarii Academiae Petropolitanae", dem Publikationsorgan der Petersburger Akademie. Diese Arbeiten behandelten unter anderem folgende Themen: Das Verhalten schwerer Körper in Wirbelströmungen, Barometer, Kapillargefäße, Reibungskräfte, Thermometer; die Frage, ob dem Blut beim Durchgang durch die Lungen Luft beigemischt wird; die Wirkung einer plötzlichen Erwärmung bzw.

Abkühlung auf Glas; das Gefäßsystem der Melonen; Wurzeln und Blätter der 65 Zichorie.

Allerdings waren mathematisches Arbeiten und Studien über Befestigungskunst seine Hauptfächer an der Akademie: Der russischen Regierung diente G.B. Bilfinger vermutlich schon zu dieser Zeit mit Gutachten und Vorschlägen zur Verbesserung von Festungen.

„ Man war in der Zwischenzeit auch in W ü rttemberg darauf aufmerksam geworden, dass man einen bedeutenden Gelehrten hatte nach Russland ziehen lassen, dessen Wissen und Forschungsergebnisse man auch im eigenen Land gut gebrauchen k ö nnte …“ [66]

Nun wurde Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg auf Bilfinger aufmerksam und bemühte sich, ihn nach Württemberg zurückzuholen. Angeblich las der Herzog in Wildbad in der Zeitung von der Bilfinger widerfahrenen Ehre?! Diese Bemühungen hatten schließlich Erfolg: Die Petersburger Akademie ließ nach Ablauf der erforderlichen Fünfjahresfrist den bekannt gewordenen Gelehrten in Ehren ziehen, versehen mit einer Jahresrente und mit der auswärtigen Mitgliedschaft in der Akademie. [67]

1731 wurde Bilfinger also ordentlicher Professor der Theologie in Tübingen und gleichzeitig Professor der Mathematischen Wissenschaften am Collegium Illustre. Die zweite Universitätskarriere Bilfingers dauerte aber nur vier Jahre. Herzog Carl Alexander, der Nachfolger Eberhard Ludwigs, der bis zur Regierungsübernahme im Jahre 1733 Feldherr in kaiserlichen Diensten war, kannte und schätzte den Festungsfachmann Bilfinger. Er berief ihn am 18. Dezember 1734 in den Geheimen Rat (die herzogliche Regierung). G. B. Bilfinger war auch einer der wichtigsten Anreger für die von Herzog Carl Eugen gegründete Militärakademie. Sein wissenschaftlicher Beitrag war nicht zu unterschätzen: Er hatte nicht nur Kenntnisse und Erfahrungen aus seiner Petersburger Zeit an der dortigen

[...]

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland im 18./19. Jahrhundert
Untertitel
Mit Hinweisen für den Geschichtsunterricht, Hauptschule 8. Klasse
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
117
Katalognummer
V81200
ISBN (eBook)
9783638864121
ISBN (Buch)
9783638864633
Dateigröße
7798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politisch-dynastische, Beziehungen, Württemberg, Russland, Jahrhundert, Hinweisen, Geschichtsunterricht, Hauptschulklasse
Arbeit zitieren
Elena Hahn (Autor), 2007, Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland im 18./19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81200

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politisch-dynastische und kulturelle Beziehungen zwischen Württemberg und Russland im 18./19. Jahrhundert



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden