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Günter Eichs "2. Traum" und seine Hörer

Title: Günter Eichs "2. Traum" und seine Hörer

Term Paper , 2007 , 29 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Manuela Thoma (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Heinz Schwitzke bezeichnet in seiner Betrachtung des Hörspiels Günter Eichs „Träume“ als „Geburtsstunde des Hörspiels“, genauer gesagt, „als Geburtsstunde der notwendigen Herausforderung des Publikums durch das Hörspiel. Er meint damit, dass nun endlich Hörspiele gesendet werden, die nicht einfach nur der Unterhaltung dienen, sondern eine Herausforderung an den Hörer darstellen und ihn zur Auseinandersetzung mit den gesendeten Inhalten zwingen. Die oben zitierte Formulierung wird in dieser oder ähnlicher Form von vielen Autoren, unter anderen Susanne Müller-Hanpft und Heinz Schafroth , die sich nach Schwitzke mit Hörspielen beschäftigt haben, übernommen. Joachim Kaiser spricht sogar von einem „Eich-Maß“ für Hörspielqualität.

Warum das so hochgelobte und bekannteste Hörspiel Günter Eichs nach seiner Ursendung von den Kritikern durchweg positive Reaktionen, von den Zuhörern allerdings größtenteils Ablehnung erfuhr, soll in dieser Hausarbeit untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

I. Das Hörspiel „Träume“

I.1. Entstehung und Umsetzung des Hörspiels „Träume“

I.2 Inhalt des Hörspiels „Träume“

II. Der 2. Traum und seine Hörer

II.1. Erste Reaktionen auf die Ursendung der „Träume“

II.2. Der 2. Traum – Ein Interpretationsversuch

FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für die überwiegend ablehnende Haltung des Publikums gegenüber dem Hörspiel „Träume“ von Günter Eich nach dessen Ursendung im Jahr 1951, wobei der Fokus gezielt auf dem kontroversen zweiten Traum und den damaligen Reaktionen der Hörer liegt.

  • Rezeptionsgeschichte des Hörspiels „Träume“
  • Analyse der Hörerproteste nach der Ursendung
  • Psychologische und inhaltliche Interpretation des zweiten Traums
  • Verhältnis von Autorintention und gesellschaftlicher Verdrängung in der Nachkriegszeit
  • Symbolik und Sprache im Kontext von Krieg und Schuld

Auszug aus dem Buch

II.2. Der 2. Traum – Ein Interpretationsversuch

Wie jeder der einzelnen Träume beginnt auch der „Zweite Traum“ mit einer präzisen Einleitung. Diesmal versetzt Günter Eich den Hörer ins ferne China, jedoch in nicht allzu ferne Zeit ins Jahr 1949. Das Gefühl dieser Zeit, so kurz nach Kriegsende ist im Hörer von 1951 noch frisch, er horcht auf, wird sensibilisiert bevor er durch die räumliche Entfernung wieder beinahe in Sicherheit gewiegt wird. Das ist weit weg, das geht ihn nichts an. Doch die Sicherheit währt nicht lange. „Vermutlich werden die angenehmen Träume dieser Welt von den Schurken geträumt.“ Das erweckt ein beklemmendes Gefühl im aufmerksamen Hörer. Hat er angenehme Träume, so ist er ein Schurke, hat er schlechte Träume, solche Träume wie in diesem Hörspiel, so läuft er Gefahr, aufgerüttelt und erinnert zu werden.

Auf der Straße

FRAU Nummer 75b. Hier ist das Haus.

MANN Du hättest Tschang-du besser kämmen sollen. Er sieht nicht appetitlich aus. Putz ihm die Nase!

Schneuzen

Noch scheint alles ganz normal zu sein. Eine einfach Familie in einer alltäglichen Situation. Es mag vielleicht etwas sonderbar anmuten, dass ein Kind appetitlich aussehen soll und nicht einfach nur hübsch oder ordentlich, doch wird dem Hörer die wahre Bedeutung des appetitlichen Aussehens erst im weiteren Verlauf des Hörspiels klar werden. Noch scheint der Junge völlig sicher. Diese Sicherheit geht allerdings im Laufe des Spieles verloren und es „machen sich Sphären breit, von denen niemand gewußt, niemand geahnt hat.“ Rückblickend erschreckt die absolute Kälte der Eltern von Anfang an. Bezeichnend ist auch der Name des Kindes, der, da Günter Eich Sinologie studierte, kein Zufall sein kann. Tschang-du bedeutet „langer Ton“, was Ruth Schmitt-Lederhaus sehr richtig als Hinweis auf den Schrei des Kindes am Ende des Stückes deutet. Allerdings kann der Hörer, sofern er nicht ebenfalls des Chinesischen mächtig ist, diese Verbindung nicht herstellen, für ihn ist es nur ein asiatischer Name.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung stellt Günter Eichs „Träume“ als bedeutende Herausforderung an das Publikum vor und formuliert das Ziel, die Diskrepanz zwischen der positiven Kritik und der ablehnenden Hörerreaktion zu untersuchen.

I. Das Hörspiel „Träume“: Dieses Kapitel liefert den kontextuellen Rahmen, beschreibt die Entstehungsgeschichte sowie die Struktur der fünf Traumsequenzen und analysiert die Rolle der Zwischengedichte.

II. Der 2. Traum und seine Hörer: Hier werden die zeitgenössischen Hörerproteste dokumentiert und der zweite Traum einer detaillierten inhaltlichen Analyse unterzogen, um das Entsetzen des Publikums nachzuvollziehen.

FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Ablehnung des Hörspiels ein Ausdruck der Verdrängungsmechanismen der deutschen Nachkriegsgesellschaft gegenüber der nationalsozialistischen Vergangenheit war.

Schlüsselwörter

Günter Eich, Träume, Hörspiel, Nachkriegszeit, Rezeption, Kollektivschuld, Verdrängung, Psychische Gewalt, Schuldgefühl, Ursendung, Literatur und Gewalt, NS-Ideologie, Gesellschaftsanalyse, Interpretation, Radio.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert, warum das Hörspiel „Träume“ von Günter Eich nach seiner Ausstrahlung im Jahr 1951 eine Welle der Empörung und Ablehnung unter den Zuhörern auslöste.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die Rezeption von Hörspielen in den 1950er Jahren, das gesellschaftliche Klima der Nachkriegszeit, den Umgang mit Schuldgefühlen sowie die sprachliche und inhaltliche Symbolik in Eichs Werk.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die Gründe für die negative Reaktion der Hörer auf den zweiten Traum zu finden und darzulegen, inwiefern die Darstellung von Gewalt und Schuld die verdrängte NS-Vergangenheit der Zuhörer berührte.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Interpretation des Hörspieltextes in Kombination mit einer rezeptionsgeschichtlichen Untersuchung anhand von zeitgenössischen Hörerstimmen und Sekundärliteratur.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der direkten Analyse der Hörerbeschwerden sowie auf einer detaillierten textnahen Interpretation des zweiten Traums und dessen Einordnung als Symbolik für grausamste menschliche Verhaltensweisen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Verdrängung, Kollektivschuld, psychische Gewalt, Rezeptionsgeschichte und das „Aufbrechen“ gesellschaftlicher Tabus charakterisiert.

Warum wurde ausgerechnet der zweite Traum als Fokus gewählt?

Der zweite Traum rief die stärksten negativen Reaktionen hervor, da er die Tötung eines Kindes thematisiert und damit besonders direkt an die verdrängten Gräueltaten der NS-Zeit erinnert.

Wie interpretieren die Hörer die „Eisenbahn“ im zweiten Traum?

Die Eisenbahn wird in der Interpretation des Hörspiels mit den Deportationszügen in die Konzentrationslager in Verbindung gebracht, die das Kind in eine Falle locken, ähnlich wie Gaskammern oft als Duschräume getarnt wurden.

Welche Rolle spielt die Sprache der Eltern im zweiten Traum?

Die Sprache der Eltern spiegelt eine erschreckende Kälte und Entmenschlichung wider, wobei Begriffe wie „Zucht“ oder „Bedarf“ beim Hörer sofort Assoziationen zur nationalsozialistischen Rassenideologie wecken.

Wie reagierten die Regisseure auf das Entsetzen der Hörer?

Die Regisseure reagierten teilweise durch Eingriffe in die Hörspielfassung, indem sie besonders grausame Passagen, wie das Schreien des Kindes oder explizite Textstellen, entschärften, um die Hörer weniger stark zu konfrontieren.

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Details

Title
Günter Eichs "2. Traum" und seine Hörer
College
University of Tubingen
Grade
2,3
Author
Manuela Thoma (Author)
Publication Year
2007
Pages
29
Catalog Number
V81264
ISBN (eBook)
9783638858144
Language
German
Tags
Günter Eichs Traum Hörer Hörspiel Träume
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Thoma (Author), 2007, Günter Eichs "2. Traum" und seine Hörer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81264
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