„Die Zigarette ist das einzige Industrieprodukt, das bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zum Tode führt.“ (Patrick Reynolds, Enkel des Gründers von Amerikas zweitgrößtem Tabakkonzern.) Eine erstaunlich offene sowie treffende Bemerkung. Doch obwohl das Risiko hinlänglich bekannt ist, wird es vielfach von Rauchern verdrängt oder ignoriert. Deutsche Raucher konsumierten 1999 Tabakwaren im Wert von 41,2 Milliarden DM. Allein jugendliche Raucher gaben schätzungsweise 4 Milliarden DM für den Kauf von Tabakwaren aus (Junge 2000 zitiert nach Hollederer 2002, S. 234). Im Jahr 2006 lag das durchschnittliche Einstiegsalter in den Tabakkonsum bereits bei nur noch 11,6 Jahren (Deutsche Krebshilfe e. V. 2006).
Während in mehreren europäischen Ländern bereits umfassende Rauchverbote existieren, werden entsprechende Maßnahmen, die in Deutschland der Verbreitung des Rauchens entgegenwirken und die nicht rauchende Bevölkerung schützen sollen, zurzeit kontrovers diskutiert.
Zwar sieht sich der Gesetzgeber hier in der Pflicht, doch ein Konsens scheint nur schwer aushandelbar, schließlich kollidiert ein bundesweites Rauchverbot in Gaststätten mit den Interessen von Rauchern und Zigarettenindustrie. Angesichts steigender Gesundheitskosten und leerer Kassen eine fragwürdige Politik.
Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Rauchern scheint noch immer höher zu sein, als ihre Verpflichtung gegenüber Nichtrauchern, und dies, obwohl die Gesundheitsgefährdungen des Passivrauchens längst erwiesen sind (vgl. BZgA 2005, S.49f). Besonders Kinder sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weit stärker dem Passivrauchen ausgesetzt, da sie in vielen Fällen unfreiwillig den Tabakqualm von rauchenden Eltern oder Familienangehörigen einatmen müssen (Hollederer 2002, S. 53).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Didaktische Analyse zur methodischen Umsetzung von Suchtprävention im Sachunterricht
2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
2.2 Primäre Suchtprävention durch Förderung von Lebenskompetenzen
2.3 Methodische Umsetzung von Gesundheitserziehung im Sachunterricht
2.3.1 Analyse des Kerncurriculums Sachunterricht
2.3.2 Analyse des Perspektivrahmens Sachunterricht
2.3.3 Zusammenfassung
3 Vorstellung der Unterrichtsreihe „Suchtprävention: Thema Rauchen“
3.1 Methodische Vorüberlegungen
3.2 Begründeter Verlauf der Unterrichtsreihe
4 Reflexion der Unterrichtsreihe im Hinblick auf den Methodeneinsatz
4.1 Unterricht über Suchtmittel
4.2 Präventive Unterrichtsbausteine
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welchen suchtpräventiven und gesundheitsfördernden Beitrag der Sachunterricht in der Grundschule realistisch leisten kann. Im Fokus steht dabei die Konzeption und praktische Erprobung einer Unterrichtsreihe zum Thema Rauchen, um Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu einem reflektierten Umgang mit Suchtstoffen zu befähigen.
- Grundlagen der Suchtprävention im Sachunterricht
- Förderung von Lebenskompetenzen (Life-Skills-Ansatz)
- Methoden des offenen Sachunterrichts zur Gesundheitserziehung
- Praktische Erprobung einer Unterrichtsreihe zum Thema Rauchen
- Reflexion über Methodeneinsatz und präventive Wirkung
Auszug aus dem Buch
4.1 Unterricht über Suchtmittel
Unterricht über ein Suchtmittel will Schülerinnen und Schüler heute nicht mehr schockieren und auf diese abschreckende Weise von einem möglichen späteren Konsum fernhalten. Das Ziel ist eine auf das Alter der Schülerinnen und Schüler abgestimmte Vermittlung von Informationen. Die praktische Arbeit mit Grundschülern zu einem bestimmten Suchtmittel folgt daher den allgemeinen grundschulpädagogischen Prinzipien wie Kindorientierung, Alltagsorientierung, Handlungsorientierung und dem „Lernen mit allen Sinnen“, welche auch dem Sachunterricht inhärent sind. Von besonderer Bedeutung sind die Methoden des offenen Sachunterrichts, da diese ein differenziertes Arbeiten ermöglichen. Das Lernen an Stationen, Freiarbeit oder Projektarbeit ermöglichen es, die Lernwege der Schülerinnen und Schüler so zu individualisieren, dass der Homogenität der Lerngruppe Rechnung getragen werden kann. Hemmnissen und Benachteiligungen beim Lernen sollen so entgegengearbeitet werden.
Der methodische Einstieg in das Thema Rauchen durch Mindmapping orientierte sich daran, das Wissen der Schülerinnen und Schüler zunächst zusammenzutragen. Dadurch, dass jede Gruppe einen der fünf Sinne näher beleuchten sollte, erfolgte eine gezielte sinnliche Reflexion des Themas ebenso wurde eine beachtliche Menge unterschiedlicher Details zusammengetragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz des Themas Suchtprävention in der Grundschule sowie Definition der Fragestellung der Hausarbeit.
2 Didaktische Analyse zur methodischen Umsetzung von Suchtprävention im Sachunterricht: Untersuchung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, des Konzepts der Lebenskompetenzförderung sowie der curricularen Vorgaben für die Gesundheitserziehung.
2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Analyse der Risiken in der modernen Gesellschaft, denen Kinder durch das Vorbild rauchender Erwachsener und mediale Einflüsse begegnen.
2.2 Primäre Suchtprävention durch Förderung von Lebenskompetenzen: Darstellung des modernen, ursachenorientierten Präventionsmodells, das auf die Stärkung der Persönlichkeit und sozialer Kompetenzen abzielt.
2.3 Methodische Umsetzung von Gesundheitserziehung im Sachunterricht: Verknüpfung der fachdidaktischen Anforderungen an den Sachunterricht mit den Zielen gesundheitsfördernden Lernens.
2.3.1 Analyse des Kerncurriculums Sachunterricht: Prüfung der Vorgaben des niedersächsischen Kerncurriculums hinsichtlich relevanter Methoden und Lernziele für das Thema Gesundheit.
2.3.2 Analyse des Perspektivrahmens Sachunterricht: Untersuchung der Empfehlungen der GDSU für die naturwissenschaftliche Perspektive und deren Bezug zum Thema Gesundheit.
2.3.3 Zusammenfassung: Fazit zur methodischen Fundierung des Themas in den Curricula und Kritik an der fehlenden salutogenetischen Ausrichtung.
3 Vorstellung der Unterrichtsreihe „Suchtprävention: Thema Rauchen“: Dokumentation der Planung und der Lernziele der praktischen Unterrichtserprobung in einer 4. Klasse.
3.1 Methodische Vorüberlegungen: Darlegung der didaktischen Schwerpunkte, wie soziales Lernen und die Förderung aktiver Partizipation der Schüler.
3.2 Begründeter Verlauf der Unterrichtsreihe: Detaillierte Darstellung der sechs Unterrichtsstunden, vom Blitzlicht bis zum abschließenden Rollenspiel.
4 Reflexion der Unterrichtsreihe im Hinblick auf den Methodeneinsatz: Kritische Analyse der angewandten Methoden, wie Stationenlernen, Interview und Rollenspiel, auf ihre Wirksamkeit.
4.1 Unterricht über Suchtmittel: Reflexion über die Vermittlung von Informationen zum Suchtmittel und die Partizipation der Kinder an der Untersuchung.
4.2 Präventive Unterrichtsbausteine: Reflexion über den Einsatz von Entspannungsübungen im Schulalltag und deren Bedeutung für die Suchtprävention.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der praktischen Umsetzung und kritischer Ausblick auf die Möglichkeiten und Grenzen suchtpräventiver Arbeit in der Schule.
Schlüsselwörter
Suchtprävention, Sachunterricht, Grundschule, Lebenskompetenzen, Rauchen, Gesundheitserziehung, Primärprävention, Stationenlernen, Methodenkompetenz, Selbstwahrnehmung, Partizipation, Rollenspiel, Salutogenese, Unterrichtsreihe, Sozialkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen didaktischen Begründung und der praktischen Umsetzung suchtpräventiver Maßnahmen im Sachunterricht einer Grundschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Lebenskompetenzförderung, der moderne suchtpräventive Unterricht in der Grundschule sowie die methodische Gestaltung von Gesundheitserziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welchen suchtpräventiven und gesundheitsfördernden Beitrag der Sachunterricht in der Grundschule realistisch leisten kann und welche Methoden dabei erfolgversprechend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine didaktische Analyse der Kerncurricula und des Perspektivrahmens sowie eine reflektierte praktische Erprobung in Form einer Unterrichtsreihe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische didaktische Analyse, die Vorstellung der konkreten Unterrichtsreihe zum Thema Rauchen sowie eine umfassende Reflexion über den Methodeneinsatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Suchtprävention, Sachunterricht, Lebenskompetenzen, Gesundheitserziehung und Methodenkompetenz definieren.
Warum wurde ausgerechnet das Thema Rauchen für die Unterrichtserprobung gewählt?
Das Thema Rauchen wurde gewählt, da es eine hohe gesundheitliche Gefährdung darstellt, eine Einstiegsdroge ist, leicht verfügbar ist und ein frühes Einstiegsalter aufweist.
Welche Bedeutung kommt der Atemübung im Kontext der Prävention zu?
Die Atemübung dient als präventiver Baustein zur Förderung der Selbstwahrnehmung und Entspannung, was die Widerstandskraft der Kinder stärken kann.
Wie wurde das soziale Lernen in die Unterrichtsreihe integriert?
Durch verschiedene Sozialformen wie Gruppenarbeit, Interviews und ein abschließendes Rollenspiel, in dem die Kinder ablehnendes Verhalten gegenüber Suchtmitteln erproben konnten.
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- Sabine Hilbers (Author), 2006, Methodische Umsetzung von Suchtprävention im Sachunterricht - Eine praktische Unterrichtserprobung zum Thema Rauchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81278