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Tristan und Isolde - Zum Selbstverständnis der Dichter Marie de France, Thomas d'Angleterre und Béroul

Title: Tristan und Isolde - Zum Selbstverständnis der Dichter Marie de France, Thomas d'Angleterre und Béroul

Seminar Paper , 2004 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christine Prütz (Author)

French Studies - Literature
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„Das Kennzeichen des Schriftstellers ist nur noch die Einmaligkeit seiner Abwesenheit“, beklagte Michel Foucault in seinem Essay ‚Was ist ein Autor’ die Bemühungen des „schreibenden Subjekts“, von der eigenen Individualität abzulenken.
Foucault spricht hier von der Autor-Funktion, die er irgendwo zwischen der tatsächlichen Dichter-Person und der Erzähler-Figur, einem alter ego, ansiedelt. Die direkte Ansprache des Lesers durch den Autor, Passagen, in denen dieser sich - in seiner Autor-Funktion - zu erkennen gibt und die Handlung subjektiviert, sind in der Literatur nach 1950 nahezu verpönt. Das ‚Verschwinden’ des Autors impliziert, dass Autoren früher einmal in ihren Werken deutlicher zutage traten: Werke, in denen ein auktorialer Erzähler Bewertungen und Kommentare abgibt, sind gerade vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit Proust, Gide, Beckett, Thomas Mann und natürlich schon früher (z.B. bei Dostojewski) bekannt.

Wie war es aber, als die abendländische geschriebene Literatur noch in den Kinderschuhen steckte, als von Autorschaft im heutigen Sinne noch nicht die Rede war und sich der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Erzähltradition gerade erst vollzog? Welche Haltung nahmen Erzähler damals ein und wie nutzten sie diesen strukturellen Wandel? (...)
Ziel dieser Arbeit ist es also zu zeigen, ob und inwiefern die mittelalterlichen Schriftsteller sich als schreibende Individuen zu erkennen geben und was sie damit bezwecken. Nach einer chronologischen Verortung der zu betrachtenden Werke und einem Blick auf die Stoffgeschichte folgt die Betrachtung der Texte. In einem zentralen Kapitel wird sodann das zeitgenössische Umfeld unserer drei Dichter beleuchtet, um schließlich das jeweilige Selbstbild der Autoren zu umreißen.
Den Abschluss bildet ein Streif-Blick auf die Antike. Die translatio klassischer Kultur erreichte um die Mitte des 12. Jahrhunderts mit der Adaption antiker Texte in das Französische einen Höhepunkt. Die Herausbildung eines Selbstverständnisses des Künstlers als solchem war aber bei den Griechen mit ihrer langen Schrifttradition schon früh vollzogen, was den mittelalterlichen Rezipienten sicher nicht verborgen blieb. Daher sollen die mittelalterlichen Werke und ihre Urheber nicht isoliert betrachtet, sondern in Bezug zur klassizistischen Dichtung(stheorie) gesetzt werden, um auf Kontinuitäten und Trennendes hinzuweisen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Stoff und Rezeption

1.1 Zur Herkunft des Tristanstoffes

1.2 Zur Rezeption des Tristanstoffes

2. Betrachtung der Texte

2.1 Marie de France’ Lai de Chevrefoil

2.2 Thomas d’angleterre’s Roman de Tristan

2.3 Béroul’s Roman de Tristan

3. Aspekte Dichterischen Selbstverständnisses

3.1 Umfeld der Dichter: Kontinuität der Antike und Zeitgeist

3.2 Struktureller sprachlicher Wandel

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Selbstverständnis von drei bedeutenden Vertretern der mittelalterlichen Tristan-Dichtung – Marie de France, Thomas d’Angleterre und Béroul. Ziel ist es zu analysieren, wie sich diese Autoren als schreibende Individuen in ihren Werken positionieren, welche Rolle der Übergang von mündlicher zu schriftlicher Tradition spielt und inwiefern sie durch gezielte authorial interventions ihre Subjektivität und künstlerische Autorität zum Ausdruck bringen.

  • Analyse des Selbstverständnisses mittelalterlicher Dichterfiguren
  • Untersuchung des Tristanstoffs und seiner literarischen Rezeption
  • Gegenüberstellung von erzählerischen Strategien in den Werken von Marie de France, Thomas d’Angleterre und Béroul
  • Einfluss des Übergangs von mündlicher zur schriftlichen Erzähltradition
  • Kontextualisierung der Autoren im höfischen Umfeld und in der Tradition der Antike

Auszug aus dem Buch

2.3 Béroul’s Roman de Tristan

Das Fragment beginnt mit der Szene, in der der ‚gehörnte’ König Marke Tristan und Isolde von einem Baum aus belauscht, erneut von beiden hinters Licht geführt wird und endet mit der erfolgreichen Exekution der drei félons durch Tristan. Dazwischen entfaltet sich ein buntes Tableau von Abenteuern, die die Liebenden zu bestehen haben. Publikumswirksam verknüpft Béroul ganz im Sinne dichterischer Freiheit das Schicksal der beiden mit dem Artusstoff. Die Erlebnisse stehen oft nahezu unverbunden nebeneinander: die Freude an Ausschmückungen und detailreichen Schilderungen der Vorgänge traf, wie bereits festgestellt, den Geschmack des damaligen Publikums und überwog gegenüber dem Verlangen nach einer kohärenten Erzählung.

Zusammengehalten werden die verschiedenen Szenen durch direkte Ansprachen an das Publikum, die die Funktion haben, den roten Faden aufzuzeigen oder zu einer anderen Episode überzuleiten. Nur einige Beispiele seien herausgegriffen, etwa als die Aufmerksamkeit der Zuhörer von Isoldens auf Tristans Schicksal gelenkt werden soll: Or oiez que Tristran fera.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Konzept der Autor-Funktion nach Michel Foucault im Kontext der mittelalterlichen Literatur und führt in die Fragestellung ein, wie Dichter des 12. Jahrhunderts ihr Selbstbild durch den Übergang zur Schriftlichkeit formten.

1. Stoff und Rezeption: Dieses Kapitel erläutert die keltischen Ursprünge der Tristansage sowie deren Verbreitung und Rezeption im europäischen Mittelalter bis hin zur modernen literarischen Bearbeitung.

2. Betrachtung der Texte: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der drei zentralen Primärtexte (Marie de France, Thomas d’Angleterre, Béroul) hinsichtlich ihrer Erzählweise und der expliziten Äußerungen der Autoren zu ihrer Arbeit.

3. Aspekte Dichterischen Selbstverständnisses: Das Kapitel beleuchtet das zeitgenössische Umfeld der Dichter, die Bedeutung der Antike für das Mittelalter sowie den Wandel der Ausdrucksmöglichkeiten durch die Schrifttradition.

Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die betrachteten Autoren ihr Selbstverständnis primär über Kategorien des Verstandes und der Informiertheit definieren, statt als moderne, freie Schöpfer.

Schlüsselwörter

Tristan und Isolde, Mittelalter, Marie de France, Thomas d’Angleterre, Béroul, Selbstverständnis, Autor-Funktion, Literaturgeschichte, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Stoffgeschichte, Roman de Tristan, authorial interventions, höfische Literatur, Erzähltradition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem literarischen Selbstverständnis von drei mittelalterlichen Dichtern des Tristanstoffs und untersucht, wie diese ihre Identität als Autoren innerhalb ihrer Erzählungen konstituieren.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?

Zentrale Schwerpunkte sind die Autorenschaft, der Übergang von oraler zu schriftlicher Überlieferung sowie die spezifische Rolle der Dichter als Kommentatoren ihrer eigenen Texte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Hauptfrage ist, ob und inwiefern sich mittelalterliche Schriftsteller als schreibende Individuen in ihren Werken erkennen geben und welche rhetorischen Mittel sie dabei einsetzen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Untersuchung stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Ansätze, etwa der Analyse von Erzählperspektiven und der Diskursforschung (z.B. Autor-Funktion nach Foucault).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke von Marie de France, Thomas d’Angleterre und Béroul chronologisch verortet und hinsichtlich ihrer spezifischen Erzählhaltung und Quellenlegitimation untersucht.

Welche Keywords beschreiben den Kern der Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Tristan, mittelalterliches Selbstverständnis, Autorenschaft, höfische Literatur und den Übergang zur schriftlichen Erzählung.

Inwiefern unterscheiden sich die Erzählstile von Béroul und Thomas d’Angleterre?

Während Béroul sehr direkt und affektgeladen sein Publikum einbindet, agiert Thomas als zurückhaltender, auktorialer Erzähler, der die Handlung eher psychologisch reflektiert und moralisch analysiert.

Welche Rolle spielt der Begriff „memoire“ bei Béroul?

Der Begriff „memoire“ wird oft als Indiz für einen mündlichen Kompositionsstil gedeutet, wobei die Arbeit kritisch hinterfragt, ob dies eine eindeutige Unterscheidung zwischen mündlich und schriftlich überhaupt zulässt.

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Details

Title
Tristan und Isolde - Zum Selbstverständnis der Dichter Marie de France, Thomas d'Angleterre und Béroul
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Course
Tristan und Isolde
Grade
1,0
Author
Christine Prütz (Author)
Publication Year
2004
Pages
29
Catalog Number
V81287
ISBN (eBook)
9783638860512
Language
German
Tags
Tristan Isolde Selbstverständnis Dichter Marie France Thomas Angleterre Béroul Tristan Isolde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Prütz (Author), 2004, Tristan und Isolde - Zum Selbstverständnis der Dichter Marie de France, Thomas d'Angleterre und Béroul, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81287
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