Weltenergiewirtschaft. Energiequellen und Energieverbrauch


Seminararbeit, 2004

62 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Motivation

Steigende Energiepreise an den Energiebörsen der westlichen Welt sorgen für Unmut unter Be- völkerung und Unternehmern[1] Dabei wird wenig wird über die hohe Energienachfrage industriell weit entwickelter Länder im Verhältnis zu der Energienachfrage von Entwicklungsländern ge- sprochen. Rund 81 % der Weltenergie werden durch Industrieländer verbraucht, die einen Anteil an der Weltbevölkerung von nur etwa 25 % haben.[2] Die Abhängigkeit vom Öl ist ebenso erschre- ckend - 86 der 120 Öl importierenden Länder der Dritten Welt decken ihren Energiebedarf zu 90 % oder mehr mit Öl.[3]

Bei der Energiegewinnung gilt, dass nach dem Energieerhaltungssatz der Physik keine Energie verbraucht werden kann, sondern, wenn von „Energieverbrauch“ die Rede ist, man eine Umwand- lung von Energie in wertvoller Form (als Beispiel sei hier die chemische Energie des Erdöls ge- nannt) in eine weniger wertvolle Form (als Beispiel Bewegungsenergie oder innere Energie der Luft) meint.[4] Im ersten Teil wird das für die vorliegende Arbeit relevante Energieangebot näher erläutert, anschließend wird die Energienachfrage näher dargelegt, im besonderen der Energie- verbrauch. Im Vordergrund dieser Arbeit steht der weltweite Verbrauch von Erdöl sowie der Um- fang der Erdölgewinnung der Öl fördernden Länder und die verbleienden Ressourcen. Grundlage bilden hierfür die Zahlen des BP Statistical Review of World Energy June 2004.[5] Die weltweite Gebietseinteilung wurde entsprechend der Einteilung des BP Statistical Review of World Energy June 2004 übernommen. Diese sind North America,[6] S. & Cent. America,[7] Europe & Eurasia,[8] Middle East,[9] Africa[10] und Asia Pacific.[11]

I. Energiequellen

I.A. Fossile Energieformen

Zu den fossilen Energieformen zählen Kohle, Erdöl und Erdgas. Dies sind feste, flüssige oder gasförmige Kohlenwasserstoffverbindungen, die in über 400 Millionen Jahren aus abgestorbenen Tier- und Pflanzenresten unter dem Druck der darüberliegenden Bodenschichten in Verbindung mit Sauerstoffmangel entstanden sind. Ihr Vorkommen ist begrenzt, und sie werden in absehbarer Zeit verbraucht sein. Ein Großteil unseres Energiebedarfs wird durch die Verbrennung von fossilen Energieformen gedeckt.[12]

Man unterscheidet die vorhandene Menge der fossilen Energieformen in Reserven und Ressourcen.[13] „Durch die Förderung, die fortschreitende Erkundung und die Verbesserung der Fördertechnologien (z.B. Unterwasserförderung von Erdgas und Erdöl) unterliegen die Reserven einer ständigen Veränderung.“[14] In den letzten 30 Jahren gab es allerdings wenig absolute Veränderungen bei den Reserven, es war sogar ein leichter Anstieg zu verzeichnen, d.h. es wurden mehr Reserven entdeckt als insgesamt fossile Energieformen verbraucht wurden.[15]

I.A.1. Kohle

Das Ergebnis der Kohlebildung ist entweder Braunkohle oder die wertvollere Steinkohle. Dies hängt maßgeblich von den thermischen Bedingungen ab, da für die Verkohlung erhöhte Tempe- raturen erforderlich sind. Braunkohle und Steinkohle unterscheiden sich durch ihre Dichte und damit in ihrem Kohlenstoffgehalt, der bei Braunkohle zwischen 60 % - 80 % und bei Steinkohle zwischen 80 % - 90 % schwankt.[16] Je höher der Kohlenstoffgehalt ist, desto höher ist der Brennwert und damit die Möglichkeit der Energiegewinnung.[17] „Von allen fossilen Energiefor- men weist Steinkohle die bei weitem größten Vorräte auf.“[18] „Jeder mögliche Bedarf der Welt kann theoretisch bis in das 22. Jahrhundert hinein gedeckt werden.“[19] Etwa ein Viertel des Welt- energieverbrauchs wird über den Verbrauch von Kohle gedeckt. Damit ist Kohle die wichtigste Energieart nach Öl. Die meisten Reserven liegen in den Gebieten Europe & Eurasia (mit über 36,1 % der weltweiten Reserven)[20] und Asia Pacific (mit über 29,7 % der weltweiten Reser- ven).[21] Durch die riesige absolute Menge ist die Kohle auch eine Versorgungsoption für die Entwicklungsländer, obwohl diese nur etwa 10 % der weltweiten Ressourcen in ihren Händen halten.[22] Obwohl in Europe & Eurasia die meisten Kohlenvorräte sind, geht in diesen Gebieten die Kohleförderung aus Wirtschaftlichkeitsgründen stark zurück.[23] Mehr als die Hälfte der welt- weiten Kohleproduktion findet, mit steigender Tendenz, im Asia Pacific Wirtschaftsraum statt.[24] Dagegen ist in Europa von 1971 bis 2003 der Kohleabbau um 43 % - aufgrund der zu teuren Förderung - zurückgegangen.[25]

I.A.2. Erdöl

„Erdöl ist die Leitenergie der Weltwirtschaft, sein Preis die Referenzgröße für die Energiemärkte schlechthin.“[26] Erdöl hat viele Vorteile, da es eine im Vergleich zu Kohle und Erdgas hohe E- nergiedichte besitzt, nahezu verlustfrei lagerbar und auch über große Distanzen günstig zu trans- portieren ist. Der wichtige Seetransport zwischen den Kontinenten mit Tankschiffen kostet we- niger als 1 US$/bbl. Seit Beginn der kommerziellen Ölförderung im Jahr 1859[27] und dem Jahr 2000 wurden ca. 125 Milliarden Tonnen Erdöl global gefördert, wobei es weltweit noch etwa 150 Milliarden Tonnen an sicher gewinnbaren Reserven gibt. Bei einem jährlichen Verbrauch von ca. 3,5 Milliarden t. ergibt sich eine statistische Reichweite[28] von etwa 43 Jahren.[29] „Beim Öl hat sich gezeigt, dass die statistische Reichweite seit einigen Jahrzehnten etwa gleich geblie- ben ist, da mit steigendem Verbrauch und höheren Preisen die weitere Suche nach Reserven und die bessere Ausnutzung der bekannten Lagerstätten[30] vorangetrieben wurde.“[31] Der Middle East, welcher 63,3 % aller weltweiten Vorräte besitzt , konnte seine Reserven seit 1980 nahezu ver- doppeln.[32] Weltweit liegen demnach nahezu 2/3 aller Reserven im Middle East, was die beson- dere Bedeutung dieser Region für die Energiewirtschaft unterstreicht.[33] Die Erdölproduktion beträgt im Jahr 2003 76,7 Millionen Barrels pro Tag. Den größten Anteil hat mit 29,6 % das Wirtschaftsgebiet Middle East. Der Anteil der OPEC Länder[34] an der Erdölproduktion liegt bei nur 39,7 %. Dies ist ein Zeichen dafür, dass viele Länder ihre Ölbezugsquellen diversifizieren, um unabhängiger von der Preispolitik des OPEC-Kartells zu werden, und um die Belieferung mit Erdöl auch bei Ausfall eines Landes sicherzustellen.[35] Die Welttagesölproduktion ist seit 1980 um ca. 30 % gestiegen. Grund dafür ist ein wachsender Energieverbrauch der westlichen Länder sowie der Aufschwung Chinas. Die Fördermenge wurde vor allem im Wirtschaftsraum Middle East (seit 1985 erheblich durch Saudi-Arabien)[36] und in Afrika erhöht.[37]

Neben den konventionellen Ölvorkommen gibt es auch die unkonventionellen Ölvorkommen. Diese sind sehr umfangreich, es dürfte aber nur ein kleiner Teil bis jetzt bekannt sein. „Sie sind nichts anderes als Sand und Gestein mit einem gewissen Gehalt an organischen Abbauproduk- ten: die Schweröl-, Teersand- und Ölschiefer- Vorkommen.“[38] Das Öl ist fest an das Gestein gebunden und fließt nicht von selbst bei der Erdölförderung zu dem Bohrloch, wie es konventio- nelles Erdöl macht, sondern es kann erst durch Erhitzen und damit Verflüssigung gewonnen werden.[39] Die Ausbeutung ist nicht wirtschaftlich, vielmehr dienen erste Programme in den USA nur dem Prestige und der nationalen Unabhängigkeit, vor allem, da die Hälfte aller bekannten unkonventionellen Ölvorkommen in den USA lagern.[40] Mit steigendem technischem Fortschritt dürften aber auch hier Kostensenkungen und damit wirtschaftlichere Wege des Abbaus gefunden werden.[41]

I.A.3. Erdgas

Erdgas besteht aus Methan und anderen höherwertigen Kohlenwasserstoffverbindungen. Es zeichnet sich durch seine - im Vergleich zu Kohle - umweltfreundlicheren Verwendungsmög- lichkeiten aus. Größter Nachteil sind die hohen Investitionskosten für die Förderung und den Aufbau von Transport- und Vertriebsnetzen. Der Transport über kurze Distanzen erfolgt durch Pipelines (vor allem in Europa) und über längere Distanzen als verflüssigtes Erdgas mit Schif- fen. „Häufig ist es für potentielle Förderländer aufgrund der hohen Investitionen nicht rentabel, Erdgas zu fördern, selbst wenn es als Kuppelprodukt bei der Erdölförderung entsteht.“[42] Durch langfristige Lieferverträge können die hohen Investitionen jedoch abgesichert werden. Dadurch befindet sich der weltweite Handel mit Erdgas im Wachstum.[43] „Besonders in Westeuropa spielt Erdgas eine zunehmend wichtigere Rolle, und im Zusammenhang mit umweltpolitischen Dis- kussionen wird Erdgas immer wieder als attraktiver Brennstoff gepriesen, so dass seine Rolle in der Zukunft an Bedeutung noch zunehmen mag.“[44]

In Europe & Eurasia und dem Wirtschaftsraum Middle East lagern mehr als 3/4 aller weltweiten Erdgasreserven.[45] Von 1980 bis 2004 wurden immer größere Erdgasvorräte gefunden, so dass sich - trotz anhaltend hohen Verbrauchs[46] - die Reserven seit 1980 mehr als verdoppelt haben.[47]. Das Verhältnis der Reserven zur Förderung ist durch neue erforschte Techniken und damit effi- zienteren Abbau der Erdgasvorräte von 58 Jahren auf 68 Jahre seit 1980 gestiegen.[48] Die Erdgasproduktion ist in Europe & Eurasia mit über 39,1 % der weltweiten Förderung am höchsten, gefolgt von North America mit 29,3 %. Obwohl der Wirtschaftsraum Middle East die meisten Reserven hat,[49] ist die Produktion mit 9,8 % der weltweiten Erdgasförderung gering.[50]

Im Zeitablauf seit 1980 wurde allerdings die Fördermenge vervielfacht.[51] Der weltweite Erdgas- verbrauch ist in den letzten 40 Jahren stark angestiegen.. Spitzenreiter im Jahr 2002 war der Wirtschaftsraum Europe & Eurasia (41,2 % des Welterdgasverbrauches), welcher auch den mengenmäßig stärksten Anstieg seit 1963 hatte, auch da dies politisch gewollt war, um nach den beiden Ölpreisschocks der 80er Jahre unabhängiger von dem Erdöl aus dem Wirtschaftsraum Middle East zu werden.[52]

I.B. Nukleare Energieformen

„Mit der Atomkernspaltung verbindet sich die Hoffung auf eine fast unerschöpfliche Energie- quelle.“[53] Die Ressourcenseite ermöglicht einen massiven Ausbau der Kernenergie, da auf der ganzen Welt große Mengen des für die Erzeugung von Kernenergie benötigten Urans existieren. Der größte Uranproduzent ist Kanada, mit 11800 t Uranförderung jährlich, gefolgt von Austra- lien (5000 t).[54] Mehr als 40 % der weltweiten Uranreserven lagern in Australien und Usbekistan. Die statistische Reichweite der Uranvorräte beträgt noch knapp 80 Jahre, allerdings wird die Möglichkeit der Wiederaufbereitung immer stärker in Anspruch genommen, weshalb diese Zahl wenig aussagefähig ist.[55] Es stehen keine Mengen- oder Verfügbarkeitsprobleme einem raschen Ausbau entgegen, sondern vielmehr politische Bedenken und mangelnde gesellschaftliche Ak- zeptanz. Trotz dieser Bedenken und Mehrkosten durch stark angestiegene Sicherheitsvorkehrun- gen waren im Jahr 1995 noch 60 Atomkraftwerke im Bau.[56] Die Kernkraft hat an der Welt- stromversorgung einen Anteil von ca. 17 %. Seit 1969 ist die Weltkernkraftleistung von 112,4 GW auf 413,8 GW gestiegen.[57] In den letzten 10 Jahren ist der Atomenergieanteil in North Ame- rica, Europe & Eurasia nahezu gleich geblieben, starke Anstiege der Nutzung gibt es derzeit nur im Wirtschaftsraum Asia Pacific.[58] Atomenergie wird derzeit am meisten in dem Wirtschafts- raum Europe & Eurasia genutzt, gefolgt von North America. In Africa, S. & Cent. America so- wie dem Gebiet Middle East spielt Atomkraft eine untergeordnete bzw. keine Rolle.[59]

Ein großer Vorteil ist, dass sich durch die Kernkraft weltweit CO2-Emissionen in Höhe von 1,8 Mrd.t. jährlich einsparen lassen, da nichts kohlenstoffhaltiges verbrannt wird. Allerdings entsteht neben Wärme auch eine starke radioaktive Strahlung.[60] Die Diskussion über die Nutzung der Kernenergie hat wegen den Gefahren dieser Radioaktivität die sachbezogene Ebene verlassen und ist Gegenstand politischer Auseinandersetzungen geworden. Die technisch nicht endgültig geklärte Endlagerung[61], die Angst vor einem Reaktorunglück wie in Tschernobyl oder vor Terro- rismus prägen die Diskussionen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass das Unglück von Tschernobyl kein Beispiel für nicht funktionierende Technik ist, sondern vielmehr für zu sorglosen Umgang mit Atomkraft: Tschernobyl ist nämlich auf ein fehlgeschlagenes Experiment zurückzuführen.[62]

I.B.1. Die Funktionsweise der Atomkraft

Die Stromerzeugung wird in einem Kernkraftwerk durchgeführt. Als nukleare Brennstoffe wer- den Uran und Plutonium verwendet. Das radioaktive Element Plutonium wird entweder künst- lich erzeugt oder entsteht als Abfallprodukt bei der Wiederaufbereitung von Uran. Im Reaktor werden Atomkerne durch Neutronen gespalten, und dabei wird Wärme erzeugt. Die Wärme wandelt Wasser in Dampf um, der die Turbine und damit den Generator antreibt. Dieser erzeugt dann Strom.[63]

I.C. Regenerative Energieformen

I.C.1. Sonnenenergie

„Die wichtigste Energiequelle auf der Erde ist die Sonnenenergie.“[64]Alle irdischen Energiequel- len verdanken wir der Sonne: die Kohle-, Erdöl-, und Erdgaslager, in denen Sonnenenergie von Jahrmillionen gespeichert ist. Ebenso sorgt die Sonne für den Kreislauf des Wassers. Auch Wind- und Wellenenergie ist größtenteils umgewandelte Sonnenenergie. Die Energie der Sonne hat an der gesamten umgesetzten Energie auf der Erde damit einen Anteil von fast 100 %.[65] Das theoretische Potential der Sonne ist gigantisch. Es beträgt etwa 3,7*10[23] Kilowatt für die nächs- ten 4 Milliarden Jahre. Damit ist sie für uns Menschen nahezu unerschöpflich. Auf der Erde hängt die lokal nutzbare Strahlungsenergie vom Breitengrad ab, da sie sich nach der Intensität der Strahlung und der Sonnenscheindauer richtet.[66]

Die Bundesrepublik Deutschland besitzt ein theoretisches Sonnenpotential von 250 000 Terrawattstunden pro Jahr, was etwa dem 80-fachen unseres gesamten jährlichen Energieverbrauchs entspricht. Die Speicherung der gewonnenen Energie aus der Sonnenstrahlung und der Platzbedarf für die Solaranlagen sind die gravierendsten Probleme bei der Nutzung dieser Ressource.[67] Besondere Vorteile der Solarkraft sind erstens, dass es keine Schadstoffemissionen gibt, und zweitens, dass die Energiequelle sich stets erneuert.[68] Man unterscheidet zwischen Aktiver und Passiver Nutzung der Sonnenenergie.[69]

I.C.2. Wasserkraft

Wasserkraft ist eine unerschöpfliche Energie. „Der Wasserkreislauf wird von der Sonne ständig in Gang gehalten: Meerwasser verdunstet durch Sonneneinstrahlung, der Wasserdampf konden- siert zu Wolken, welche von den Winden über das Land getragen werden. Niederschläge in Form von Regen oder Schnee speisen (Stau-)Seen und Flüsse, die wieder ins Meer fließen. So schließt sich der Kreislauf der erneuerbaren Wasserkraft.“[70] Der Energieträger Wasser ist kosten- los, daher sind die Betriebskosten gering und beschränken sich auf die Wartung. Wasserkraft- werke sind umweltfreundlich, da bei Betrieb keine Umweltverschmutzung entsteht und auch keine belastenden Rückstände zurückbleiben. Wasserkraftwerke haben hohe Investitionskosten, sind aber durch ihre Langlebigkeit rentabel.[71] Es gibt drei Kraftwerkstypen zur Umwandlung von mechanischer Energie in elektrische Energie: Laufkraft-, Speicherkraft- und Pumpspeicherwer- ke.[72]

Weltweit sind erst etwa 20 % des nutzbaren (geschätzten) Wasserkraftpotentials ausgebaut. Die Unterschiede in den einzelnen Erdteilen sind hoch:[73] während in Europa mehr als die Hälfte des Potentials der Wasserkraftnutzung installiert ist, beträgt der Anteil in Afrika nur etwa 10 %.[74]

Ebenso gibt es zwischen den Ländern unterschiedliche Anteile, den die Wasserkraft zur jeweiligen Gesamtstromerzeugung beiträgt. Norwegen z.B. gewinnt fast den kompletten Strom aus Wasserkraft, in Deutschland beträgt der Anteil dagegen nur knapp unter 5 %.[75]

I.C.3. Windenergie

Windenergie ist „kostenlose“ Energie, aber auch unberechenbar.[76] „Die Ursachen der Entstehung des Windes als ausgleichende Strömung der Lufthülle liegen in der örtlich ungleichen Aufhei- zung durch die Sonneneinstrahlung begründet (…).“[77] Die Windrichtung wird außerdem durch die CORIOLIS-Kraft beeinflusst, die durch die Erdrotation entsteht.[78] Da es sich beim Wind um eine nicht kalkulierbare Ressource handelt, wäre es unvernünftig, nur auf Windenergie zu set- zen.[79] Die Energie, die durch den Wind erzeugt wird, ist Bewegungsenergie. Diese beläuft sich nach Schätzungen auf 1,5 % bis 2,5 % der eingestrahlten Sonnenenergie, wovon theoretisch je- doch nur 3 % nutzbar sind, was dem 50-fachen Verbrauch von Elektrizität weltweit entspricht.[80] Die weltweit höchsten durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten befinden sich an Küsten, z.B. den Westküsten Südamerikas und Nordafrikas sowie in den Polargebieten.[81] In Deutschland weht der Wind am beständigsten auf See, viele Windparks werden darum in der Nord- und Ost- see gebaut.[82]

Nutzbar gemacht wird die im Wind enthaltene Energie durch einen Windkraftkonverter. Dieser wandelt die Energie der strömenden Luftmasse in für Menschen nutzbare Energie um. Der Rotor einer Windkraftanlage bremst die Luftmassen und wird dadurch angetrieben. Aus der Energie in der Luft ist damit kinetische Energie[83] geworden.[84]

Für den Bau einer Windkraftanlage sind allerdings viele Kriterien zu bedenken, wie z.B. die kli- matischen Voraussetzungen sowie die örtliche Akzeptanz, da Windkraftanlagen sehr stark das Landschaftsbild verändern können und es zu einem hohen Geräuschpegel bei dem Betrieb der Anlage kommt.[85]

I.C.4. Biomasse

Biomasse ist die organische Substanz von Tieren und Pflanzen. Sie wird durch die Fähigkeit der Pflanzen zur Photosynthese aufgebaut, d.h., dass die Pflanzen mit Hilfe von Sonnenlicht und Chlorophyll Kohlenstoff aus dem CO2 der Luft an sich binden.[86] Bei diesem Vorgang wird eine beträchtliche Menge Energie gebunden. Zwei Tonnen Biomasse haben ungefähr soviel Energie wie eine Tonne Steinkohle[87] „Der weltweite jährliche Zuwachs an Biomasse mit der ihr gespeicherten Energie übertrifft das Mehrfache des Weltenergieverbrauchs.“[88]

Man unterscheidet bei der Biomasse zwischen nachwachsenden Rohstoffen und organischen Reststoffen. Schnell nachwachsende Rohstoffe mit hohem Kohlenstoffanteil (z.B.: Getreide, Rüben, Zuckerrohr) können durch Vergärung und Verzuckerung in Bioalkohol (Ethanol) umgewandelt werden.[89] Ölhaltige Pflanzen (u.a. Raps und Sonnenblumen) liefern durch Auspressung Öle, welche zu Biodiesel weiterverarbeitet werden können.[90] Biodiesel ersetzt herkömmlichen Dieselkraftstoff derzeit bereits in Bussen im Nahverkehr.[91]

Der wichtigste Vorteil der Pflanzenenergie ist, dass es hier weder ein CO2 Problem noch einen Treibhauseffekt gibt. Die Pflanzen nehmen genauso viel CO2 aus der Luft auf wie beim Verbrennen und Vergasen freigesetzt wird - somit entsteht ein geschlossener CO2-Kreislauf.[92] Schätzungsweise 1300 Mtoe Biomasse werden jährlich energetisch genutzt. In den Industrielän- dern hat Biomasse eine vergleichsweise geringe Bedeutung mit einem Anteil von rund 3 % des Primärenergieaufkommens. Skandinavische Länder sind hier, durch den Gebrauch von Brenn- holz, mit fast 15 % Spitzenreiter. Durch die Energienutzung von Holz und Abfällen deckt die Biomasse schätzungsweise ein Drittel der Energieversorgung von Entwicklungsländern.[93]

I.C.5. Geothermische Energie

„Die Entstehungsgeschichte der Erde führt dazu, dass im Inneren der Erde eine Temperatur von ca. 5000o C herrscht.“[94] Die Temperatur im Erdinneren nimmt vom Erdkern, der von der Erd- kruste und dem Erdmantel umgeben ist, bis zur Erdoberfläche hin ab. Dies hat einen Wärme- strom zur Folge, der durch den Zerfall von radioaktiven Mineralien in der Erdkruste verstärkt wird. Die Wärmestromdichte ist sehr klein, im Allgemeinen nur 0,06 W/m2[95], wodurch eine di- rekte Nutzung nicht in Frage kommt.[96] Die Nutzung dieser Energieart beschränkt sich daher auf Gebiete mit geothermischen Anomalien, bei denen es schon nahe der Erdoberfläche zu erhöhten Temperaturen kommt[97] Das größte geothermische Kraftwerk ist „The Geysers“ in Kalifornien (USA), in welchem seit 1920 über 250 Bohrungen durchgeführt und eine Gesamtleistung von 2000 MW erreicht wurde. Eine große Bedeutung hat die Geothermik auch in Is- land.[98].Grundsätzlich sollte die Bedeutung von Geothermik jedoch nicht überschätzt werden. Einige regionale Lösungen können von immenser Bedeutung sein, da diese Energieform „rund um die Uhr“ bereitsteht.[99] Die Erschließung neuer Anlagen ist allerdings mit hohen Kosten ver- bunden, und es wird dazu ein hoher Platzbedarf benötigt[100]. Aus diesen Gründen ist die Geo- thermik für die meisten Länder eine unwirtschaftliche Energiegewinnungsform.

II. Energieverbrauch

II.A. Allgemeine Energiepreisentwicklung

II.A.1. Energieströme

Während es innerhalb der EU zu Exporten und Importen von Elektrizität kommt,[101] werden weltweit hauptsächlich die fossilen Energiearten transportiert. Die Energieimportabhängigkeit der EU könnte in den nächsten 25 Jahren von 50 % auf beinahe 70 % steigen. Die Europäische Kommission sieht dies als einen „Brennpunkt der Sorge" an.[102]

II.A.1.a. Kohle

In Europa ist die Förderung durch die geologischen Bedingungen sowie durch die Sicherheits- und Sozialstandards teuer und nicht wettbewerbsfähig. Frankreich hatte bereits 1984 beschlos sen, die Steinkohleförderung im Jahr 2005 zu beenden, während Spanien die Kohleförderung um ein Drittel bis 2006 verringern will und England die Kohleförderung bereits vollständig privati- siert hat. Nur Deutschland hat sich zu einer nachhaltigen Kohleförderung mit den kohlepoliti- schen Beschlüssen vom 13. März 1997 bekannt.[103] Das fehlende Angebot muss importiert wer- den. Europa muss sich ebenfalls mit der Nachfragekonkurrenz aus dem asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum auseinandersetzen. „Der Wirtschaftsboom Chinas treibt den Strombedarf mit jährlichen Zuwachsraten von 10 % in die Höhe. Im chinesischen Strommix dominiert die Kohle mit einem Anteil von rund drei Vierteln. Die chinesischen Planungen sehen eine Verdoppelung der Stromkapazitäten bis zum Jahr 2010 vor.“[104] International gilt, dass nur ein kleiner Teil der Weltkohleförderung für den Handel zur Verfügung steht, über 90 % der Weltförderung werden von den Förderländern selber verbraucht.[105] „Der Transport von Braunkohle ist aufgrund ihres geringen Heizwertes über größere Entfernungen unwirtschaftlich.“[106] Braunkohle wird aus die- sem Grund häufig direkt vor Ort verstromt oder in Brikettfabriken weiterverarbeitet. „Der höhere Heizwert der Steinkohle rechtfertigt deren Transport über größere Entfernungen mit Bahn und Schiff.“[107] Bedingt durch hohe Transportkosten pro Energieeinheit, entspricht der Anteil der Kohleförderung, der international ausgetauscht wird, nur etwa der Hälfte des Erdöls und nur ei- nem Sechstel des Handels mit Erdgas.[108] Das Weltmarktangebot von Kohle ist zu 70 % auf drei Exportgebiete konzentriert: Australien für Lieferungen im Asia Pacific Wirtschaftsraum, die USA, die sich an ihrem Binnenmarkt orientieren und Südafrika, das nach Europa liefert.

II.A.1.b. Erdöl

Das Ergebnis der Diskrepanz zwischen Rohölgewinnung und Mineralölverbrauch sind gewaltige Transportströme. „Sie haben sich mit der mengenmäßigen Entwicklung des Verbrauchs verstärkt und mit der Entwicklung neuer Förderregionen verschoben.“[109] Öl ist das mit Abstand bedeu- tendste Welthandelsgut. Die geographische Konzentration der Erdölvorräte im Mittleren Osten und der weltweite Verbrauch haben zur Folge, dass Erdöl entweder über den Seeweg[110] oder durch Pipelines transportiert werden muss. Das Ölpipelinenetz ist zwischen 1976 bis 1994 um ca. 190.000 km auf ca. 700.000 km gewachsen. Aktuelle Superpipelineprojekte wie die Baku Tiblisi-Ceyhan Pipeline sind zwar umweltpolitisch umstritten,[111] erweitern die Öltransfermög- lichkeiten jedoch beachtlich.[112] Besonders die Rolle des Middle East wird hier deutlich. Die weltweite Abhängigkeit vom Öl dieses Wirtschaftsraumes zeigt sich dadurch, dass die westli- chen Länder zwischen 10 % (USA) und 77 % (Japan) ihres Erdölbedarfs durch den Middle East decken. Auch China bezieht schon über 17 % seines Ölverbrauches aus diesem Wirtschafts- raum,[113] der mit einem Anteil von 41,4 % der Ölexporte weltweit führend ist.[114] Mengenmäßig am meisten Erdöl importiert wird durch die USA (26,8 %) und Japan (11,6 %).[115]

II.A.1.c. Erdgas

Erdgas gilt als die Ölalternative der Zukunft, da die Reichweite der bekannten Reserven und Ressourcen ein Vielfaches von Erdöl beträgt.[116] Erdgas kann über Pipelines oder in verflüssigter Form mit dem Schiff transportiert werden. Für Entfernungen von mehr als 3000 km bzw. bei der Überbrückung von Meeren stellt der Schiffstransport verflüssigten Erdgases eine Alternative dar, wobei die Etappen Verflüssigung, Transport und Wiederverdampfung relativ hohe energetische Verluste im Bereich von 12 % bis 20 % der transportierten Energie verursachen. Japan wird ü- berwiegend auf diese Weise versorgt.[117] Man kann den erheblichen Mehraufwand auch am Preis von Erdgas ablesen. Historisch gesehen ist der Preis von europäischem Erdgas, das über Pipeli- nes transportiert wird, schon immer preiswerter gewesen als das Erdgas in Japan, welches erst verflüssigt werden musste.[118] Die größten Erdgasexporteure waren 2003 die Russische Fördera- tion, Kanada und Norwegen. Die größten Importeure sind USA, Deutschland und Japan.[119]

II.A.2. Energieverbrauch

Der Weltenergieverbrauch hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als verdoppelt. Die klassischen fossilen Energieformen wurden in dieser Zeit entweder nahezu konstant auf hohem Niveau ver- wendet (Kohle), oder die Produktion wurde erheblich verstärkt (Erdgas, Erdöl). „Unter den fünf Energieträgern Erdöl, Gas, Kohle, Kernenergie und Wasserkraft, die in der Weltenergiebilanz Angebot und Nachfrage der Energiemärkte bestimmen, hat das Mineralöl seine heute führende Position erst während des Zweiten Weltkrieges übernommen.“[120] Neu dazugekommen ist die Nuklearenergie, die in bestimmten Bereichen der Erde auch einen hohen Beitrag zur Energiegewinnung leistet (vor allem USA und Frankreich). Eine Nebenrolle spielen im Moment, bis zum versiegen der ersten Ölquellen, auch noch die regenerativen Energien.[121]

Im Jahr 2003 wurden, ohne den Anteil an regenerativen Energien zu berücksichtigen[122], 37,3 % der Weltenergie durch Öl, 23,9 % der Weltenergie durch Erdgas und 26,5 % der Weltenergie durch Kohle erzeugt. Bedenklich ist weiterhin, dass S. & Cent. America und Africa weniger als 8 % der Weltenergie verbrauchen. Dies verdeutlicht die großen Wohlstandsunterschiede zwischen den Kontinenten.[123]

II.A.2.a. Länder mit hohem Verbrauch - in absoluten Zahlen

In der Gesamtsumme aller Primärenergiearten haben die USA den mit Abstand am größten Ener- gieverbrauch (2297,8 Mtoe). China ist mit deutlichem Abstand auf Platz zwei mit 1178,2 Mtoe, obwohl China mehr als die 4-fache Einwohnerzahl besitzt. An dritter Stelle ist die Russische Förderation, die mehr als die Hälfte ihres Primärenergieverbrauchs von 670,8 Mtoe durch Erdgas deckt. An vierter und fünfter Stelle stehen Japan und Indien mit 504,8 Mtoe bzw. 345,4 Mtoe. Deutschland ist auf Platz sechs knapp dahinter (332,2 Mtoe).[124]

- in relativen Zahlen

Wird der Energieverbrauch relativ zur Einwohnerzahl gemessen, ist das Ergebnis ein Quotient, der den Verbrauch von Tonnen Öl (äqu.) pro Einwohner des jeweiligen Landes anzeigt. Betrach- tet man diesen Quotient als Verhältnis der gesamten Primärenergie (in Mtoe) pro Einwohner, haben die Vereinigten Arabischen Emirate den höchsten Pro-Kopf-Energieverbrauch weltweit (16,56), gefolgt von Island (9,29) und Kanada (9,22). Die USA sind bei dem Pro-Kopf- Verbrauch auf Platz 6.[125]

II.A.2.b. Länder mit niedrigem Verbrauch

Beim Betrachten dieses Quotienten ergibt sich das Bild, dass die so genannten Dritte-Welt- Länder einen sehr niedrigen Pro-Kopf-Energiekonsum haben. Afrika (ohne Südafrika, Ägypten und Algerien)

[...]

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Details

Titel
Weltenergiewirtschaft. Energiequellen und Energieverbrauch
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Geld, Währung und Kredit
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
62
Katalognummer
V81294
ISBN (eBook)
9783638858229
ISBN (Buch)
9783638855662
Dateigröße
2275 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausgezeichnete Arbeit, Enthält umfassenden Anhang mit Auswertungen aktueller Daten von fossilen, nuklearen und regenerativen Energien.
Schlagworte
Weltenergiewirtschaft, Energiequellen, Energieverbrauch, Geld, Währung, Kredit
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Markus Vetter (Autor), 2004, Weltenergiewirtschaft. Energiequellen und Energieverbrauch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81294

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