Seit dem Aufkommen der islamischen Finanzinstitutionen in ihrer modernen Form zeigt sich in den letzten dreißig Jahren weltweit eine dynamische Entwicklung im islamischen Finanzsystem. Dies wird insbesondere an der wachsenden Integration des islamischen Finanzwesens in die globale Finanzwirtschaft und der Zunahme an Kapitalmarktprodukten nach islamischem Recht deutlich. Die Thematik des „Islamic Finance“ ist eine der bedeutendsten und herausforderndsten Aufgaben der Finanzinstitutionen geworden. Denn: Als unabdingbare Voraussetzung für die Implementierung von islamischen Grundsätzen im Kapitalmarkt gilt es, die Produkte in Einklang mit dem islamischen Recht zu bringen. In einer von Zinsen bestimmten Finanzwelt ist der Transformationsprozess, indem für das islamische Finanzsystem eine zinsfreie Basis für Kapitalmarktprodukte geschaffen wird, eine schwierige Aufgabe. Islamische Gesetze mit 1400-jähriger Gültigkeit auf Kapitalmarktprodukte anzuwenden, stellt für die moderne westliche Welt ein sehr komplexes und paradoxes Phänomen dar. In diesem Zusammenhang verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, die Problematik der islamischen Rechtsanwendung zu beleuchten sowie Glaubensgrundsätze und Instrumente für ihre Umsetzung zu erläutern. Darauf aufbauend werden wesentliche Kapitalmarktprodukte nach islamischem Recht herauskristallisiert, analysiert und mit konventionellen Kapitalmarktprodukten verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Islam
2.1. Bedeutung
2.2. Der Prophet
2.3. Die fünf Grundpfeiler des Islam
2.4. Das islamische Recht (Scharia)
3. Der islamische Finanzsektor
3.1. Entstehung und Entwicklung
3.2. Islamische Glaubensgrundsätze bei finanziellen Aktivitäten
3.2.1. Haram und Halal
3.2.2. Riba
3.2.3. Gharar und Maysir
3.2.4. Zakat
3.3. Prinzipien im Finanzwesen
4. Kapitalmarktprodukte nach islamischem Recht
4.1. Schariakonforme Aktien
4.2. Islamische Investment Fonds
4.2.1. Islamischer Equity Fonds
4.2.2. UBS „Noriba Global Equity Fonds“
4.2.3. Ijarah Fonds
4.2.4. Murabaha Fonds
4.3. Die islamische Anleihe (Sukuk)
4.3.1. Die Ijarah Anleihe
4.3.2. Die Salam Anleihe
4.3.3. Islamische Anleihe am Beispiel Sachsen-Anhalt
5. Vergleich mit herkömmlichen Produkten
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Problematik der Anwendung des islamischen Rechts auf moderne Kapitalmarktprodukte zu beleuchten, die relevanten Glaubensgrundsätze und Instrumente zu erläutern sowie eine Analyse und einen Vergleich mit konventionellen Finanzprodukten durchzuführen.
- Grundlagen des islamischen Rechts (Scharia) und deren Bedeutung für Finanztransaktionen.
- Analyse der islamischen Glaubensgrundsätze (Haram, Halal, Riba, Gharar, Zakat).
- Untersuchung verschiedener Kapitalmarktprodukte wie schariakonforme Aktien, Investmentfonds und Sukuk.
- Vergleichende Betrachtung von islamischen und herkömmlichen Finanzinstrumenten hinsichtlich Performance und Risiko.
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Riba
Im Koran oder in der Sunna ist definiert was für einen Muslim halal oder haram ist. Anders verhält es sich aber um das Thema „Zinsverbot“. Nach dem Koran (2:275) hat Gott den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten. Die umstrittene Frage, die seit jeher die islamischen Rechtsgelehrten beschäftigt ist: Wie ist der erlaubte Handel vom unerlaubten „Riba“ zu trennen. „Riba“ bedeutet Zuwachs oder Wachstum und gilt als eine der größten Sünden für einen Moslem. Im Scharia-Zusammenhang wird „riba“ mit Wucher oder Zins gleichgesetzt und soll den schwächeren Menschen vor einer finanziellen Ausbeutung schützen. Zudem ist der Islam der grundlegenden Auffassung, dass sich der Faktor Kapital nicht von selbst vermehren kann und es einen trägen Faktor ohne jegliche menschliche Werte in einem ökonomischen System darstellt. Demnach ist jede Transaktion, die „riba“ enthält, strikt abzulehnen.
Im Koran taucht das „riba“-Verbot in zwölf Versen und vier Suren auf. Es sind weitere wichtige Offenbarungen zum Thema „riba“ enthalten, in denen durch Zins vermehrtes Vermögen (Koran 30:39) bzw. Zinseszins (3:130) verboten wird. Die bereits erwähnte Unklarheit des „riba“-Verbots leitet sich aus der intransparenten Definition ab. In der modernen islamischen Literatur gibt es zwei Auffassungen. Eine Sichtweise definiert „riba“ mit Schuldenwucher, die andere mit Verkaufswucher. Der Schuldenwucher ist mit den Vorschriften des Korans abgedeckt, jedoch besteht Uneinigkeit, ob Zinseinnahmen einen Zinswucher darstellen, oder ob das Erreichen eines bestimmten Prozentsatzes an Zinseinnahmen als Wucher gilt. Der klassische islamische Jurist Al-Kasani (gest. 1191) definiert „riba“ als „jeden geldwerten Vorteil bei einem gegenseitigen Vertrag, dem keine Gegenleistung gegenüber steht“, hierzu zählt der Schuldenwucher. Fraglich ist, ob diese Auffassung, die den Zeitwert des Kapitals ignoriert, den Anforderungen einer modernen Wirtschaftsauffassung genügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die dynamische Entwicklung des islamischen Finanzwesens und die Herausforderung, Kapitalmarktprodukte mit den 1400-jährigen Gesetzen des Islams in Einklang zu bringen.
2. Der Islam: Vermittelt Grundlagen zur Bedeutung des Islams, zur Rolle des Propheten Muhammad, zu den fünf Grundpfeilern und zur Scharia als Rechtsordnung.
3. Der islamische Finanzsektor: Erläutert die Entstehung, Entwicklung und die zentralen Glaubensgrundsätze bei finanziellen Aktivitäten, insbesondere die Verbote von Zinsen, Spekulation und Glücksspiel sowie die Bedeutung der Zakat.
4. Kapitalmarktprodukte nach islamischem Recht: Analysiert spezifische Instrumente wie schariakonforme Aktien, verschiedene Investmentfonds (Equity, Ijarah, Murabaha) und islamische Anleihen (Sukuk) anhand ihrer rechtlichen und praktischen Ausgestaltung.
5. Vergleich mit herkömmlichen Produkten: Gegenüberstellung der islamischen und konventionellen Finanzsysteme unter Berücksichtigung von Diversifikation, Ertragsmöglichkeiten und Risiko-Management-Systemen.
6. Schlussbetrachtung: Fazit zur Relevanz und Kompatibilität islamischer Finanzinstrumente im modernen Kapitalmarkt sowie Ausblick auf die wachsende Bedeutung in der westlichen Finanzwelt.
Schlüsselwörter
Islamische Finanzwirtschaft, Scharia, Kapitalmarktprodukte, Riba, Halal, Sukuk, Ijarah, Murabaha, Zakat, Aktienfonds, Finanzdienstleistungen, Zinsverbot, Investition, Mudarabah, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den modernen Kapitalmarktprodukten innerhalb des islamischen Finanzsystems und untersucht deren Vereinbarkeit mit den religiösen Vorgaben des islamischen Rechts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Islam, das islamische Bankwesen, spezifische Finanzinstrumente wie Sukuk oder Ijarah-Fonds und die Abgrenzung zu konventionellen Finanzprodukten.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Problematik der islamischen Rechtsanwendung auf moderne Kapitalmarktprodukte gelöst werden kann und welche Instrumente zur Umsetzung zur Verfügung stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert und die Praxisbeispiele sowie Rechtsgrundlagen aus islamischen Quellen und Fachpublikationen zusammenführt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt ausführlich die islamischen Glaubensgrundsätze, die Struktur des islamischen Finanzsektors sowie die konkrete Ausgestaltung und Funktionsweise von schariakonformen Aktien, Investmentfonds und Anleihen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Scharia-Konformität, Verbot von Zins (Riba) und Spekulation (Gharar), sowie die Funktionsweisen von Gewinnbeteiligungsmodellen wie Mudarabah.
Wie wird das Zinsverbot (Riba) im islamischen Kapitalmarkt praktisch umgangen?
Das Zinsverbot wird durch alternative Strukturen wie Veräußerungsgeschäfte, Leasing-Modelle (Ijarah) oder Gewinnbeteiligungsvereinbarungen ersetzt, bei denen ein realer Vermögensgegenstand als Basis dient.
Was zeigt das Fallbeispiel Sachsen-Anhalt in der Arbeit?
Das Beispiel verdeutlicht, wie ein deutsches Bundesland durch eine speziell konzipierte, schariakonforme Anleihe (Sukuk) internationale Investoren aus den Golfstaaten für sich gewinnen konnte.
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- Bachelor of Arts Ibrahim Cihan (Author), 2006, Kapitalmarktprodukte nach islamischem Recht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81412