Gattungsspezifische Elemente der comedia de capa y espada und der comedia palatina am Beispiel von L'dama bob aund El perro del hortelano


Seminararbeit, 2002
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. La dama boba als typische comedia de capa y espada
2.1. Kurze Anmerkung zum Titel
2.2. Spezifische Elemente der comedia de capa y espada
2.3. Die Figurenkonstellation
2.4. Die Intrigenführung
2.5. Die Liebesproblematik

3. El perro del hortelano als Beispiel für die comedia palatina
3.1.Kurze Anmerkung zum Titel
3.2. Spezifische Elemente der comedia palatina
3.3. Die Figurenkonstellation
3.4. Die Intrigenführung
3.5. Die Liebesproblematik

4. Abschließender Vergleich der beiden Stücke
4.1. Gemeinsame Elemente
4.2. Unterschiede

Bibliographie

1. Einleitung

Diese Arbeit verfolgt das Ziel die gattungsspezifischen Elemente der spanischen Barockkomödie am Beispiel von zwei Dramen Lope de Vegas darzustellen: La dama boba, als Mantel- und Degenstück, und El perro del hortelano als Beispiel für die Palastkomödie. Mantel- und Degenstück und Palastkomödie sind Varianten der Sittenkomödie[1], die - neben dem Ehrendrama, dem historischen Drama und anderen - zu den verschiedenen Formen des Barockdramas gehört. Außerdem ist die Palastkomödie auch eine Variante des Mantel- und Degenstückes.

Das Manuscript von La dama boba stammt von 28 April 1613. Zu der Zeit befand sich Lope im Dienst des Herzogs von Sessa. Er schrieb das Autograph für seine Bekannte- Schauspielerin Jerónima de Burgos. Die Komödie wurde im Jahr 1613 im Corral del Principe ( Madrider Theater seit 1582) von der Truppe Cristóbal Ortiz uraufgeführt. Cristóbal Ortiz spielte den Liseo und Jerónima de Burgos trat als Nise auf. Das Stück erschien etwas später 1617 in Novena parte de las comedias.

Von El perro del hortelano[2] existiert kein Manuscript. Man schreibt das Stück der Schaffensperiode zwischen 1613 und 1615 zu. Zum ersten Mal erschien die Komödie 1618 in Onzena parte de las Comedias.

2. La dama boba als typische comedia de capa y espada

Im Folgenden werden anhand von La dama boba die spezifischen Elemente des Mantel- und Degenstückes genauer dargestellt.

2.1. Kurze Anmerkung zum Titel

La dama boba bezieht sich auf die Protagonistin Finea, deren Charakter sich im Laufe des Stückes ändert. Schon der Titel trägt einen Widerspruch in sich, denn dama ist ein Adelstitel,

bobo jedoch ist die Bezeichnung für etwas tölpelhaftes, bäuerliches, für etwas, was eine dama niemals sein kann. Durch das Zusammenfügen der beiden Bezeichnungen verweist der Titel bereits auf die Entwicklung, die Finea im Laufe des Stückes durchmacht: durch die Liebe wird aus der dummen eine kluge Dame.

2.2. Spezifische Elemente der comedia de capa y espada

Die Mantel- und Degenstücke haben ein gewisses Schema, das Lope erlaubte viele Stücke innerhalb kürzester Zeit zu produzieren.

Die deutsche Übersetzung von „Mantel- und Degenstück“ ist comedia de capa y espada. Dieser Titel nennt zwei für diese Komödie typische Requisiten: la capa und la espada. Als capa bezeichnet man einen Umhang ,der damals selbstverständliches Attribut aller Kavaliere und vornehmen Bürger war. Dieser „Mantel“ war ein Zeichen der Eleganz, mit dem sich aber auch das Gesicht bzw. die Identität gut verdecken ließ. Die Espada - der Degen - war ein Symbol der Aristokratie, angefangen vom duque bis zum hidalgo aus dem Dorf.

Die Figuren der comedia de capa y espada gehören zwei sozialen Schichten an, dem niederen Adel und der Dienerschaft. Im Mittelpunkt des Stückes stehen ein oder mehrere Liebespaare. Es gibt immer eine dama (in La dama boba Finea) und einen galán (in La dama boba Laurencio), die durch eine Liebesgeschichte verbunden sind, oftmals kommen dazu auch andere damas (in La dama boba Nise) und galanes (in La dama boba Liseo, Duardo, Feniso). Auch mehrere sich überkreuzende Liebeshandlungen sind typisch für das Mantel- und Degenstück.[3] Den Hauptpersonen zugeordnet sind die Diener-Paare, die sich wie Spiegelbilder ihrer Herrschaften verhalten.

Daneben ist die Figur des gracioso von großer Bedeutung. Der Vorläufer des gracioso war der bobo, d.h. eine naive, dumme, unbeholfene, aber nicht intrigante Figur. Daraus entwickelte sich die Figur des gracioso. Der gracioso ist ein wortreicher Begleiter seines Herren und stellt einen gewissen Kontrast zu ihm dar, aber auch eine harmonische Ergänzung als allwissender Ratgeber. Er stammt aus dem Volk, und seine Interessen beziehen sich rein auf die körperliche Genüsse, z.B. Essen, Trinken, körperliche Liebe. Er spricht mit jedem, inklusive seinem Herren, als ob er seinesgleichen wäre und missachtet die gesellschaftlichen Normen. In La dama boba übernimmt Turín die Funktion des gracioso. Er kommentiert alle Handlungen seines Herren: „A ser dejar de querer / a Nise, fuera el mejor“.[4] Er nimmt seinen Herrn auch nicht ganz ernst und kritisiert ihn sogar.

Eine weitere typische Figur ist eine Art männlicher Aufpasser, der Autorität und Macht der alten Führungsschicht (los viejos) repräsentiert. Das ist oftmals der Vater oder Onkel, selten der Bruder. In La dama boba ist diese Figur durch den Vater der beiden Schwestern Otavio dargestellt.[5]

Die comedia de capa y espada ist eine Liebes- und Intrigenkomödie. Es entstehen Hindernisse und komplizierte Verwicklungen auf dem Weg des Paares zum Glücklichsein. Am Ende kommt es trotz allem zum glücklichem Ende und oftmals zur Doppelhochzeit, wobei diese nicht immer alle Paare zufrieden stellt.

2.3. Die Figurenkonstellation (siehe Schema 1 und 2 Seite 6)

Die große Anzahl der handelnden Figuren ist ein typisches Merkmal des spanischen Barockdramas, im Unterschied zum französischen klassischen Drama.

Die Figurenkonstellation von La dama boba wird anhand von zwei Schemata anschaulich. Das erste zeigt die Einteilung der Figuren nach der sozialen Stellung, dem Alter, den familiären Bindungen, und den Vermögensverhältnissen. Es gibt zwei soziale Schichten, den niederen Adel und die Dienerschaft. Die viejos, die sich oben im Schema befinden, üben traditionellerweise den Einfluß auf die jüngere Generation aus, die im Mittelpunkt der Handlung steht. So wird z.B. die Hochzeit von Finea und Liseo schon bevor der Bräutigam die Braut zu Gesicht bekommt, vom Vater der Finea geplant. Die Funktion des gracioso im Stück übernimmt Turín, der Diener Liseos.

Das zweite Schema stellt die Gefühlsbeziehungen zwischen den Figuren und auch die

mudanzas innerhalb des Stückes dar. Zu Beginn sind beide Töchter schön, allerdings hat

Finea eine reiche Mitgift, ist aber dumm, und Nise ist sehr intelligent, aber nicht besonders reich. Im Stück verwickeln sich zahlreiche Liebesbeziehungen miteinander. Es ergibt sich eine Art Liebeskette: Liseo soll Finea heiraten, Laurencio wirbt um ihre Schwester Nise. Als er beginnt sich aus Geldgründen für Finea zu interessieren, verliebt sich diese in ihn. Diese Verwirrungen lösen sich letztendlich im Wohlgefallen auf, wenn auch nicht nach den Vorstellungen aller; lediglich Finea erhält ihren Wunschpartner. Sie heiratet Laurencio, ihre Schwester Liseo. Die Liebesbeziehungen der Dienerschaft ( Pedro und Clara bzw. Celia und Turin) spiegeln die Liebesbeziehungen zwischen den Herren wider.

[...]


[1] Sittenstück, Bez.für ein Drama, das zeitgenössische Gebräuche, Moden, sinnentleerte oder korrumpierte Sitten...in kritischer Absicht darstellt. Meist sind es sog. Sittenkomödien, die in karikierten Typen und Situationen die zu tadelnden Sitten dem Lachen ausliefern.(vgl. Schweikle G. und I. Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart 1984 )

[2] Das Stück erschien auch unter dem Titel „Amar por ver amar“ und „La condesa de Belflor“.

[3] vgl. Matzat, W. „Lope de Vega : La dama boba“ in Das spanische Theater. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, hg. von V.Roloff und H.Wetzlaff-Eggebert, Düsseldorf 1988, S. 90-104

[4] siehe Lope de Vega, La dama boba, hg.von Diego Marín,Madrid 2000. III.7,V.2334-2335

[5] vgl. 2.3. Die Figurenkonstellation (Anmerkungen zu Schema 1); 2.4. Die Intrigenführung

.

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Details

Titel
Gattungsspezifische Elemente der comedia de capa y espada und der comedia palatina am Beispiel von L'dama bob aund El perro del hortelano
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für romanische Philologie)
Veranstaltung
PS : Lope de Vega
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V8142
ISBN (eBook)
9783638152037
ISBN (Buch)
9783656380757
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gattungsspezifische, Elemente, Beispiel, Lope, Vega
Arbeit zitieren
Margarita Engelbrecht (Autor), 2002, Gattungsspezifische Elemente der comedia de capa y espada und der comedia palatina am Beispiel von L'dama bob aund El perro del hortelano, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8142

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