Wissenslandkarten – Ein Instrument des Wissensmanagements


Studienarbeit, 2007

43 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielstellung
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Grundlegende Begriffsklärungen
1.4.1 Wissen
1.4.2 Wissensmanagement

2 Zum Begriff der Wissenslandkarte

3 Arten der Wissenslandkarte
3.1 Gelbe Seiten
3.2 Wissensträgerkarten
3.3 Wissensbestandskarten
3.4 Wissensanwendungskarten
3.5 Wissensstrukturkarten
3.6 Wissensentwicklungskarten

4 Vor- und Nachteile von Wissenslandkarten
4.1 Vorteile
4.2 Nachteile

5 Anwendungen in der Unternehmenspraxis
5.1 Wissensanwendungskarte der AIXTRON AG
5.2 Gemischte Wissenslandkarte bei Hoffmann-La Roche
5.3 Wissenslandkarten im SENEKA-Projekt

6 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Klassifikation von Wissenslandkarten

Abb. 2: Wissenstopographie

Abb. 3: Wissensquellenkarte

Abb. 4: Wissensanwendungskarte

Abb. 5: Wissensstrukturkarte

Abb. 6: Todesspirale einer elektronischen Wissensbasis

Abb. 7: Ausschnitt Wissenstransferkarte bei AIXTRON

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Wir ertrinken in Informationen, aber uns dürstet nach Wissen.“

(John Naisbitt, US-amerikanischer Trendforscher)

Dieses Zitat veranschaulicht eingehend die Schwierigkeiten vieler Unternehmen im heutigen Informations- bzw. Wissenszeitalter. Laut Kreibich wurden im 20. Jahrhundert mehr als 90 % aller wissenschaftlichen und technischen Informationen dieser Welt produziert.[1] Doch da Informationen allein heutzutage nicht mehr wettbewerbsentscheidend sind – im Gegenteil herrscht eher eine Informationsüberflutung – muss die entscheidende Frage lauten: Verfügt ein Unternehmen über mehr Wissen und wird dieses auch ausreichend effektiv genutzt?

Unternehmensspezifisches, erfahrungsbasiertes implizites Wissen ist heute neben relevanten Informationen mehr denn je ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Bleibt dieses Wissen ungenutzt, liegen wichtige Erfolgspotenziale brach.[2] Denn nur wer in der Lage ist, allen Mitarbeitern das integrierte Unternehmenswissen effizient zur Verfügung zu stellen, agiert schneller und erfolgreicher am Markt.[3]

Viele Unternehmen nutzen jedoch nicht einmal die Hälfte ihres vorhandenen Wissens und beklagen die fehlende Transparenz über ihre Fähigkeiten und Wissensträger.[4] Je größer und verteilter ein Unternehmen ist, desto undurchsichtiger sind dessen internen Strukturen, was wiederum eine erschwerte Kommunikation für die Mitarbeiter zur Folge hat.[5] Diese Intransparenz führt vielfach zu zeitintensiven Wissensrecherchen, unnötigen Doppelarbeiten und Behinderungen von Projekten. Obwohl ein Projekterfolg erfahrungsgemäß auch auf den Kenntnissen über und den Zugriffsmöglichkeiten auf relevante Informationsquellen und Experten basiert[6], sind die benötigten Wissensträger oftmals über das ganze Unternehmen verteilt, kennen sich gar nicht und arbeiten daher nicht zusammen.[7]

Die daraus resultierenden wesentlichen Aufgaben der Unternehmensführung liegen folglich darin, Transparenz über das unternehmensweit vorhandene Wissen zu schaffen, Wissensträger untereinander kommunikationsfähig zu machen und den Zugriff sowie die Möglichkeit der Nutzung relevanten Wissens für alle Mitarbeiter zu gewährleisten.[8] Zur Bewältigung dieser Probleme bietet sich der Einsatz einer Wissenslandkarte als praktisches Instrument des Wissensmanagements an.

1.2 Zielstellung

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser auf Basis einer intensiven Literaturrecherche einen umfassenden Überblick über Wissenslandkarten als Instrument des Wissensmanagements zu geben. Dieser wird neben den Arten der Wissenslandkarte auch deren Vor- und Nachteile beinhalten. Außerdem verdeutlichen Beispiele aus der Unternehmenspraxis das Anwendungspotenzial von Wissenslandkarten.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im Anschluss an die Einleitung und die grundlegenden Begriffsklärungen folgt in Abschnitt zwei zunächst die Vorstellung des Wissensmanagementinstrumentes Wissenslandkarte. Neben der Begriffsklärung enthält diese Erläuterung auch die Zielsetzung und den Zweck des Werkzeuges.

In Abschnitt drei werden anschließend die wichtigsten Arten der Wissenslandkarte kategorisiert und genauer vorgestellt.

Nachfolgend behandelt Abschnitt vier die Vorteile des Einsatzes einer Wissenslandkarte. Diese Nutzenbetrachtung bezieht sich dabei auch auf einzelne Kernprozesse des „Baustein“-Modells von Probst, Raub und Romhardt[9] und die mögliche Unterstützung grundlegender Wissensverteilungsstrategien innerhalb einer Unternehmung. Außerdem werden in diesem Kapitel die Nachteile von Wissenslandkarten und drohende Gefahren während ihres Einsatzes beleuchtet.

Das tatsächliche Anwendungspotenzial wird in Abschnitt fünf durch einige ausgewählte Praxisbeispiele aus verschiedenen Unternehmen veranschaulicht.

Zusammenfassung und Fazit in Abschnitt sechs schließen diese Arbeit ab.

1.4 Grundlegende Begriffsklärungen

1.4.1 Wissen

Wie zu Beginn der Problemstellung bereits deutlich wurde, ist für ein gemeinsames Begriffsverständnis eine klare Abgrenzung von Information und Wissen notwendig. Dies gestaltet sich jedoch aufgrund des fließenden Übergangs – Probst, Raub, Romhardt sprechen von einem Kontinuum[10] – beider Begriffe recht schwierig. Es gibt bis heute keine einheitliche Definition von Wissen, weshalb es vielfach zu Verwechslungen mit dem Begriff Information kommt[11].

Eine Information kann als Nachricht definiert werden, die durch die kontextbezogene Interpretation von Daten[12] einen Wert für den Empfänger besitzt.

Demgegenüber ist Wissen als anspruchsvoller, tiefgründiger und reichhaltiger zu bewerten.[13] Grundlegende Einigkeit herrscht darüber, dass es sich bei Wissen um vernetzte Informationen handelt.[14] So bezeichnen bspw. Davenport und Prusak Wissen als eine Kombination aus Erfahrungen, Wertvorstellungen, Kontextinformationen und Fachkenntnissen, die in den Köpfen der Wissensträger entsteht und angewendet wird.[15] Die folgende – weithin anerkannte und in dieser Arbeit favorisierte – Wissensdefinition wurde von Probst, Raub und Romhardt entwickelt: „Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.“[16]

Das Unternehmenswissen ist die Gesamtheit des Wissens aller Mitarbeiter und repräsentiert damit die Fähigkeiten im Unternehmen. Auch als organisationales Wissen bezeichnet, umfasst es all das für die Organisation prinzipiell zugängliche und relevante, d.h. problemlösungsorientierte Wissen in jeglicher Form. Dabei kann durch die kreative Vernetzung dieses Wissenskapitals in alltäglichen Entscheidungsprozessen durchaus mehr als die Summe der Einzelwissen entstehen.[17]

Die für diese Arbeit bedeutendste der vielfältigen Kategorisierungen von Wissensarten ist die Unterscheidung von explizitem und implizitem Wissen.

Explizites Wissen ist unabhängig von persönlichen Wissensträgern in irgendeiner Form dokumentiert und damit bewusst verfügbar.[18] Als kodifizierte Information ist es systematisch in Medien gespeichert und kann relativ leicht transportiert, reproduziert und verteilt werden. Durch die formale Darstellung bspw. in Handbüchern, Zeichnungen oder Dateien eignet sich die Explizierung jedoch nur für Wissen mit relativ geringer Komplexität und Änderungswahrscheinlichkeit.

Implizites Wissen hingegen ist immer personengebunden und im Besitz einer Einzelperson oder Gruppe, da es in den Köpfen der Individuen gespeichert ist.[19] Auch als tacit knowledge bezeichnet, ist es nicht sichtbar, liegt oft unbewusst vor und beruht auf Idealen, Werten und Erfahrungen der Wissensträger. Daher ist dieses Wissen nur schwer identifizierbar, artikulierbar und übertragbar. In Unternehmen spielt implizites Wissen eine Schlüsselrolle, denn viele Entscheidungen und insbesondere Innovationen beruhen auf dem komplexen Wissen der Mitarbeiter. Die aufwendige bzw. zum Teil sogar unmögliche Kodifizierung dieses verborgenen Expertenwissens erschwert sowohl den transparenten, unternehmensweiten Zugang als auch dessen dauerhafte Bewahrung vor Verlust.

1.4.2 Wissensmanagement

Ausgehend von der Abgrenzung der Begriffe Information und Wissen, ist die Unterscheidung von Informations- und Wissensmanagement ebenso notwendig.

Dabei ist unbedingt zu berücksichtigen, dass lediglich Informationen digitalisiert gespeichert werden können und somit keine „Wissensdatenbanken“ realisierbar sind.[20] Von daher umfasst das Wissensmanagement qualitativ höherwertige Aufgaben als die Verwaltung bzw. Verbreitung der Ressource Information und kann als komplexes strategisches Führungskonzept bezeichnet werden.[21] Auch hier liefern Probst, Raub und Romhardt eine umfassende Definition: „Wissensmanagement bildet ein integriertes Interventionskonzept, das sich mit den Möglichkeiten zur Gestaltung der organisationalen Wissensbasis befasst.“ Es beabsichtigt „die zielorientierte Nutzung und Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten, welche für den Organisationszweck als notwendig angesehen werden.“[22]

Äquivalent zu den Aufgaben des Informationsmanagements wird mit Hilfe des Wissensmanagements das unternehmensrelevante Wissen identifiziert, verteilt, bewahrt und bewertet. Darüber hinaus wird Wissen ganzheitlich, ziel- und zukunftsorientiert als wertsteigernde Ressource gestaltet und die Mitarbeiter während der Transformationsprozesse von Informationen in Wissen unterstützt. Insofern muss gewährleistet werden, dass jeder Mitarbeiter über die organisationsweit verfügbaren Wissensquellen informiert ist und die Möglichkeit hat, relevante Experten zu identifizieren und mit ihnen in Verbindung zu treten. Außerdem unterstützt ein systematisches Wissensmanagement die Organisationsmitglieder bei der Anwendung von Informationen in neuen Kontexten sowie der Verknüpfung mit bestehenden Erfahrungen und ermöglicht somit organisationsweites Lernen.[23]

2 Zum Begriff der Wissenslandkarte

Die Erläuterung des Begriffes Wissenslandkarte gestaltet sich aufgrund der verschiedenen in der Literatur verwendeten Definitionen ebenfalls verhältnismäßig schwierig. Dieser Umstand wird bereits durch die synonyme Verwendung der Begriffe „Wissenslandkarte“, „Wissenskarte“ oder „knowledge map“ deutlich.[24]

Die hinter der Wissenslandkarte stehende Idee der grafischen Abbildung einer relevanten Handlungsumgebung ist altbekannt.[25] Im Unterschied zu Landkarten im ursprünglichen Sinn werden hierbei jedoch nicht geografische Territorien, sondern die Wissensbestände in einem Unternehmen kartographiert.

So definiert Eppler Wissenslandkarten allgemein als grafische Verzeichnisse von Wissensträgern, Wissensbeständen, Wissensstrukturen, Wissensanwendungen oder der Wissensentwicklung.[26] Lehner erweitert in seiner Definition die grafische Darstellung um Textelemente: „Wissenskarten bzw. Wissenslandkarten stellen das im Unternehmen vorhandene Wissen samt Vernetzungen textuell und/oder grafisch in strukturierter Form dar.“[27] Ferner weisen Davenport und Prusak als auch Jetter darauf hin, dass Wissenslandkarten kein Wissen an sich speichern, sondern „Wissen über Wissen“ in Form von Wegweisern auf die Wissensstandorte.[28] Aufgrund dieses Metawissens[29] bezeichnet Roehl die Wissenslandkarte als genuines, problemlösungsorientiertes Instrument der Wissensorganisation.[30]

Für Eppler haben alle Wissenslandkarten – unabhängig von ihrer Art und Visualisierungsform – einen einheitlichen Aufbau, der aus einer Grundarchitektur und den Wissens-Elementen besteht.[31] Die Grundarchitektur dient dabei der Positionierung des Wissens und stellt idealerweise einen allgemein geteilten Kontext dar, den alle Nutzer verstehen können. Dies kann bspw. das Geschäftsmodell des Unternehmens, dessen Aufbau- oder Ablauforganisation entsprechend der Wertschöpfungskette oder auch eine einfache Landkarte sein. Die konkreten Wissenskomponenten werden in diese Grundschicht eingetragen, gruppiert und verlinkt. Es handelt sich dabei u. a. um Expertensteckbriefe, Datenbanken, Intranet-Seiten, Applikationen, aber auch kodifiziertes Wissen wie Handbücher oder Dokumente.

Egal ob sie für die Entwicklung, Verteilung, Nutzung oder Bewertung von Wissen relevant sind, zeigt die Wissenslandkarte ihre Beziehungen zueinander, die physischen Speicherorte und ihre Qualität (bspw. durch Entfernungen oder Größe). Die dabei verwendeten Visualisierungsformen variieren zwischen hierarchischen oder netzförmigen Graphen, Bäumen, Matrizen oder Karten. Damit vereint die Wissenslandkarte sowohl den Ansatz der Wissensvisualisierung als auch das Hypermedia-Konzept mit seinen Navigationsmöglichkeiten in sich.[32]

Laut Davenport und Prusak liegt der vorrangige Zweck einer Wissenslandkarte darin, den Mitarbeitern bei der Suche nach „sachdienlicher Unterstützung“ zu helfen[33], indem sie den Zugang zu sonst schwer oder gar nicht auffindbaren Wissensquellen erleichtern. Daneben werden mit dem Einsatz einer Wissenslandkarte jedoch noch weitere Ziele verfolgt. So dient sie der Erhöhung der Wissenstransparenz, indem sie genutzte und ungenutzte Wissenspotenziale im Unternehmen sichtbar macht. Ausgehend von dieser Bestandaufnahme des Ist-Zustandes der organisationalen Wissensbasis lassen sich anschließend Wissensbedarfe und eventuell daraus resultierende Wissenslücken analysieren[34]. Aufgrund dieser Funktionen unterscheidet Jetter Wissenslandkarten, die der Wissensentdeckung dienen von solchen, die die Wissensbewertung unterstützen.[35] Ein weiteres Ziel besteht in der Vereinfachung und Strukturierung eines komplexen Wissensgebietes, um die Einordnung neuen Wissens in bestehende Wissensbestände zu erleichtern. Außerdem bezwecken Wissenslandkarten insbesondere in ihrer Erstellungsphase die Identifikation und Dokumentation des Wissensflusses[36] innerhalb wissensintensiver Kernprozesse. Zum Zweck des Wissenstransfers dienen Wissenslandkarten im E-Learning dem Ziel, relevante Informationen informationstechnisch zu verarbeiten, bereitzustellen, suchbar und nutzbar zu machen.[37] Letztendlich können Wissenslandkarten auch als geeignetes Instrument zur Erfolgskontrolle der Wissensentwicklung bzw. Wissensveränderung[38] im Unternehmen eingesetzt werden.

3 Arten der Wissenslandkarte

Wie schon die vielfältigen Ziele erkennen lassen, gibt es ein Vielzahl verschiedener Arten der Wissenslandkarte und unterschiedlichste Kategorisierungsansätze.

So unterscheidet Haun bspw. individuelle und kollektive Wissenskarten voneinander.[39] Dabei zählt er Assoziations-, Taxonomie-, Kausal-, Argumentations- und Schemakarten zu den Individualkarten, die jedoch im Wissensmanagementkontext weniger Bedeutung haben und daher in dieser Arbeit nicht behandelt werden. Wissensträger-, Wissensbestands-, Wissensfluss- und Wissensstrukturkarten sowie die Wissenshistorisierung ordnet er den kollektiven Wissenskarten zu.

Im Folgenden wird die Typologie von Schuhbauer und Schwinghammer[40] als Grundlage der Betrachtung der einzelnen Arten der Wissenslandkarten herangezogen. Diese Klassifikation teilt insgesamt zwölf Wissenslandkarten in vier Gruppen ein und stellt sie in Beziehung zueinander. Eine dementsprechende Wissenslandkarte – selbst eine Wissensstrukturkarte – zeigt die folgende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Klassifikation von Wissenslandkarten[41]

Wie aus der Wissenslandkarte erkennbar ist, kategorisieren Schuhbauer und Schwinghammer die Kartenarten anhand ihrer Funktion in Wissenslandkarten, die

- der Wissensidentifikation dienen, indem sie Wissensträger visualisieren,
- der Wissenslokalisation dienen, indem sie Wissensbestände visualisieren,
- helfen Wissen anzuwenden, indem sie Wissensprozesse visualisieren oder
- helfen Wissen zu erwerben, indem sie Wissensstrukturen visualisieren.

Die Wissensbeschaffungskarte ordnen sie keiner Gruppe zu, da sie fehlendes und nicht bestehendes Wissen kartographiert.[42] Nach einer vorherigen Festlegung der Wissensziele und einem Soll-Ist-Abgleich der organisationalen Wissensbasis, macht eine solche Wissenslandkarte vorhandene Fähigkeitsdefizite und Wissenslücken deutlich. Sie kann damit Ausgangspunkt für Maßnahmen des externen Wissenserwerbs und der internen Wissensentwicklung sein.[43]

In den folgenden Abschnitten werden die wichtigsten Arten der Wissenslandkarte genauer beschrieben und zum Teil durch Grafiken veranschaulicht. Zunächst soll jedoch kurz auf die im Zusammenhang mit Wissenslandkarten vielfach erwähnten „Gelben Seiten“ eingegangen werden, um diese eindeutig abzugrenzen.

3.1 Gelbe Seiten

Wie bereits in Kapitel zwei erwähnt, werden Gelbe Seiten („Yellow Pages“) vielfach mit Wissenslandkarten gleichgesetzt, als Sonderform bezeichnet oder als Anwendungsbeispiel angeführt. Auch als Expertenverzeichnis oder Wissensbranchenbuch bezeichnet, nutzen Unternehmen Gelbe Seiten als Dokumentation von Wissensträgern und deren Kompetenzen. Neben dem Wissensgebiet und den Kontaktdaten können außerdem weitere Angaben über die Fach-, Methoden-, Sozial- und persönliche Kompetenz des Experten aufgeführt werden[44]. Mittels einer vierstufigen Skala, die von Grundwissen (0) bis Expertenwissen (3) reicht, kann ein Wissenssuchender auch die Ausprägung der Kompetenzen erkennen. Somit ermöglichen Gelbe Seiten den einfachen und problemorientierten Zugriff auf intern vorhandene Expertise und können den Suchaufwand nach geeigneten Ansprechpartnern senken.[45] Grundsätzlich sind sie einfacher als Wissenslandkarten zu realisieren, da sie in Papierform vorliegen können und eine Verbreitung via Intranet nicht zwingend erforderlich ist. In dieser üblichen Form eines Telefonbuches kommt es jedoch zu keiner Form der Wissensvisualisierung. Per Definition handelt es sich bei Gelben Seiten also letztlich nicht um Wissenslandkarten, da die Visualisierung ein zentraler Aspekt der Definition einer Wissenslandkarte ist. Sie können jedoch als verlinkte Datenbank ein Teil einer Wissenslandkarte sein.

3.2 Wissensträgerkarten

Wissensträgerkarten sind eine einfache Form von Wissenslandkarten und zielen auf die Identifizierung von Wissensträgern bzw. Experten innerhalb und / oder außerhalb eines Unternehmens ab. Zu den Wissensträgern zählen dabei alle Personen, die für das Unternehmen relevante Kompetenzen und Informationen besitzen.[46] Da dieses individuelle Wissen jedoch kaum kodifizier- oder übertragbar ist, wird auf den jeweiligen Wissensträger verwiesen, anstatt dessen Wissen zu explizieren. Ziel einer solchen Wissensträgerkarte ist es, eine interne Wissenstransparenz zu schaffen, indem dokumentiert wird, wer über welches Wissen verfügt. Außerdem soll die grafische Darstellung den Nutzern zu einem schnellen Überblick über die verfügbaren Wissensträger eines Wissensgebietes verhelfen.

Dazu werden in der Wissensträgerkarte die Personen mit ihren jeweiligen Wissensgebieten aufgeführt. Als Grundlage einer solchen Wissenslandkarte können die wissensintensiven Gebiete oder Kernkompetenzen des Unternehmens dienen, die weiter in Untergebiete oder Querschnittsaufgaben untergliedert werden können. In die daraus erstellte grafische Oberfläche erfolgt dann die Einordnung der Experten entsprechend ihres Wissens. Die Personen werden üblicherweise namentlich eingetragen und können durch die Verlinkung zu einem e-Mail-Programm direkt kontaktiert werden. Durch die Einführung einer Zwischenebene in Form von elektronischen Visitenkarten kann der Benutzer außerdem weitere Informationen wie Anschrift oder Projekterfahrungen des Experten per Mausklick erfahren.[47] Da die Wissensträgerkarte nicht nur Experten innerhalb des Unternehmens kartographieren kann, ist eine Klassifizierung anhand farblicher Kennzeichnungen oder einer Legende empfehlenswert. Die Einbindung als Hypertext-Dokument in das Intranet ermöglicht den effektiven unternehmensweiten Einsatz und verhilft „über die Identifizierung des ,gewusst wo’ zum ,gewusst wie’“[48].

Laut Eppler kann die Wissensträgerkarte weiter unterteilt werden in Wissenstopographien, Kompetenzkarten, Pointer Systeme und Wissensquellenkarten.[49]

Mit Hilfe von Wissenstopographien lassen sich Wissenslücken auf individueller oder kollektiver Ebene bewerten.[50] Dazu werden den Wissensträgern (auf der y-Achse) Kenntnisse bzw. Wissensgebiete (auf der x-Achse) in einer Wissensmatrix bzw. Tabelle gegenübergestellt. Um zu veranschaulichen, in welcher Ausprägung welche Art von Wissen bei welcher Person in der Organisation vorhanden ist, variiert bspw. die Größe einer geometrischen Figur. Durch diese grafische Aufbereitung ist es möglich, Defizite im Wissensprofil der einzelnen Mitarbeiter und damit für das gesamte Unternehmen sichtbar zu machen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Außerdem liefert diese visualisierte Wissensbilanz Hinweise auf im Unternehmen vorhandene Kernkompetenzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die folgende Abbildung zeigt eine einfache Wissenstopographie mit den Fachkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter eines kleinen Beratungsunternehmens.

Abb. 2: Wissenstopographie[51]

Diese Karte veranschaulicht die Wissensausprägungen der Mitarbeiter in den einzelnen Geschäftsbereichen des Unternehmens. Große Balken stehen dabei für Expertenwissen, wenn dieser Mitarbeiter schon viele Projekte in diesem Bereich durchgeführt hat, kleine Balken symbolisieren Generalistenwissen bei eher geringer Projektanzahl.[52] Die gestreiften Balken zeigen außerdem die Fachverantwortung für einen Bereich an. Wie jede Wissenslandkarte ist auch diese interaktiv und liefert per Mausklick weitere Informationen über die aufgeführten Personen. Aus der Wissenstopographie ist erkennbar, dass Knut B. Popper ein wichtiger Wissensträger für das Unternehmen ist, da er in allen Kernbereichen Fachwissen besitzt. Außerdem besitzt er im Bereich Mergers & Acquisitions ein so genanntes Wissensmonopol, d.h. er ist der einzige Mitarbeiter, der dieses kritische Wissen abdeckt.[53] Er sollte daher mit geeigneten Maßnahmen langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Außerdem zeigt sich, dass Otto Brenner lediglich im Bereich Rechnungslegung Erfahrungen gesammelt hat und von daher Weiterbildungsmaßnahmen oder gezielte Projektzuteilungen für die anderen Bereiche sinnvoll wären. Für das Gesamtunternehmen kann aus der Karte eine Wissenslücke im Bereich M & A festgestellt werden, da hier kein Spezialistenwissen vorhanden ist. Dies kann zur Entscheidungsunterstützung des Managements bezüglich der Entwicklung dieses Bereiches herangezogen werden. Im Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Zieldefinition können Wissenstopographien damit sowohl Hinweise auf notwendige individuelle und organisationale Wissensentwicklungsprojekte geben als auch Instrument der Erfolgskontrolle sein.[54]

Kompetenzkarten bilden neben den Erfahrungen der Mitarbeiter auch deren Tätigkeiten und insbesondere ihre Kompetenzen, d.h. Verantwortlichkeiten ab. Weiterhin schaffen sie Transparenz, indem sie auch das Vorgehen, die Aufgaben und die einzusetzenden Methoden innerhalb eines Prozesses abbilden.[55] Daraus kann man zum einen den Wissensfluss im Unternehmen analysieren und zum anderen zentrale Entscheidungs- und Wissensträger identifizieren. Außerdem enthalten sie solche Kernprozesse im Unternehmen, in denen ähnliche Ressourcen und Fähigkeiten auftreten und die somit für die Wissensentwicklung und den Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens von Bedeutung sind.[56]

[...]


[1] Vgl. Kreibich, R. (1986),

[2] Vgl. Oelsnitz, D. von der / Hahmann, M. (2003),

[3] Vgl. Röttges-Paslack, S. / Brentrup, A. (2004),

[4] Vgl. Herbst, D. (2000), S. 20; Oelsnitz, D. von der / Hahmann, M. (2003),

[5] Vgl. Guretzky, B. von (2001a)

[6] Vgl. Lauterbacher, H. (2004),

[7] Vgl. Schütt, P. (1999),

[8] Vgl. Nohr, H. (2000), S. 4; Hofmann, J. (2005), S. 5; Lehner, F. (2000),

[9] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003), S. 25 ff.

[10] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[11] Vgl. Prusak, L. (2006),

[12] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[13] Vgl. Davenport, T. H. / Prusak, L. (1999),

[14] Vgl. Heinrich, L. J. / Lehner, F. (2005), S.19; Herbst, D. (2000), S. 9; North, K. (2005),

[15] Vgl. Davenport, T. H. / Prusak, L. (1999),

[16] Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[17] Vgl. Herbst, D. (2000),

[18] Vgl. zu diesem Absatz Herbst, D. (2000), S. 15; North, K. (2005), S. 43; Schütt, P. (2000),

[19] Vgl. zu diesem Absatz Schütt, P. (2000), S. 79; North, K. (2005), S. 43; Nohr, H. (2000),

[20] Vgl. North, K. (2005),

[21] Vgl. Herbst, D. (2000),

[22] Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[23] Vgl. Eppler, M. J. (2002),

[24] Oft werden irrtümlich auch „Gelbe Seiten“ mit Wissenslandkarten gleichgesetzt. (vgl. Kap. 3.1)

[25] Vgl. Eppler, M. J. (2002),

[26] Vgl. Eppler, M. J. (2001),

[27] Lehner, F. (2000),

[28] Vgl. Davenport, T. H. / Prusak, L. (1999), S. 152; Jetter, A. (2006),

[29] Metawissen bezeichnet hierbei Wissen über ein bestimmtes, mit einem Objekt in Verbindung zu bringendes Wissens und befindet sich damit auf einer höherwertigen Wissensebene als das Objektwissen selbst. Vgl. Lack, T. (2004),

[30] Vgl. Roehl, H. (2000), S. 163, 235

[31] Vgl. zu diesem Abschnitt Eppler, M. J. (2002), S. 40-41; Eppler, M. J. (2001),

[32] Vgl. Nohr, H. (2000),

[33] Vgl. Davenport, T. H. / Prusak, L. (1999),

[34] Vgl. Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005),

[35] Vgl. Jetter, A. (2006),

[36] Vgl. Haun, M. (2002),

[37] Vgl. Dilg-Gruschinski, K. / Frank, S. (2004)

[38] Vgl. Mandl, H. / Fischer, F. (2000),

[39] Vgl. zu diesem Abschnitt Haun, M. (2002),

[40] Vgl. Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005), S. 68 ff.

[41] in Ahnlehnung an Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005),

[42] Vgl. Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005),

[43] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[44] Vgl. Guretzky, B. von (2001b)

[45] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[46] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003), S. 81; Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005),

[47] Vgl. Nohr, H. (2000),

[48] Vgl. Nohr, H. (2000),

[49] Vgl. Eppler, M. J. (1997),

[50] Vgl. zu diesem Abschnitt Schuhbauer, H. / Schwinghammer, J. (2005), S. 69-70; Eppler, M. J. (1997),

[51] in Anlehnung an Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[52] Vgl. für diese Erläuterungen Eppler, M. J. (2002),

[53] Vgl. Lehner, F. (2000),

[54] Vgl. Nohr, H. (2000),

[55] Vgl. Probst, G. / Raub, S. / Romhardt, K. (2003),

[56] Vgl. Herbst, D. (2000),

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Wissenslandkarten – Ein Instrument des Wissensmanagements
Hochschule
Technische Universität Ilmenau  (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
43
Katalognummer
V81434
ISBN (eBook)
9783638862042
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenslandkarten, Instrument, Wissensmanagements
Arbeit zitieren
Christina Simon (Autor), 2007, Wissenslandkarten – Ein Instrument des Wissensmanagements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81434

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