Leben und Werk des Pietro Bembo

Eine kurze Darstellung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Vita und Werke

2. Die questione della lingua
2.1 „Prose della volgar lingua“

3. Petrarkismus
3.1 Anwendung des Petrarkismus in Bembos „Rime“
3.2 ‚Imitatio’ des Lexikon
3.3 Weitere Geschichte des Petrarkismus

4. Der Dialog
4.1 Definition des Dialogs
4.2 Geschichte des Dialogs
4.3 Der Dialog als literarische Gattung

5. Fazit

6. Bibliographie

7. Quellenverzeichnis

1. Vita und Werke

Pietro Bembo wird am 20.3.1470 als Sohn des Patriziers Bernardo Bembo und Elena Marcello in Venedig geboren. Über seine Schullaufbahn ist relativ wenig bekannt, es ist jedoch erwähnt, dass er schon früh Petrarcas Werke liest. Seinem Vater wird 1478 der Botschafterposten in Florenz angeboten, weshalb die Familie bald nach Florenz zieht, wo Bembo die florentinische Sprache kennen lernt[1]. Sie bildet später den Grundstein für seine Ideen in der questione della lingua. Von seinem Vater erhält er schon in frühen Jahren erste Einblicke in den Humanismus. Diese vertieft er auf einer Romreise 1487, auf der er seinen Vater begleitet, und die sein Interesse für die Humanisten weckt.

Neben der florentinischen lernt er früh die lateinische und auch die griechische Sprache. Schon 1490 schreibt er erste lateinische Dichtungen und 1492 folgen Briefe in lateinischer Sprache[2].

Ab April 1491 studiert Bembo bei Costantino Lascari in Messina Altgriechisch. Beim größten Gräzisten der damaligen Zeit erhält er tiefgehende Kenntnisse dieser Sprache und der Kultur der alten Griechen, womit er seine humanistische Ausbildung vollendet. Er besitzt nun ausführliches Wissen der lateinischen und griechischen Sprache und Kultur und deren Schriftsteller und Philosophen.[3]

Seine eigene philosophische Ausbildung beginnt er ab 1494 in Venedig bei Niccolò Leonico Tomeo. Dieses Philosophiestudium ist sein eigener, sowie der Wunsch seines Vaters, der ihm auch das Folgestudium bei Niccolò Leoniceno in Ferrara ermöglicht.

Er macht gegen 1496 die Bekanntschaft von Aldo Manuzio, einem der wichtigsten Buchdrucker und Publizisten der damaligen Zeit. Dieser veröffentlicht im selben Jahr Bembos Erstlingswerk „De Aetna“. Hier beschreibt Bembo in Latein die Besteigung des Ätna mit seinem Vater.[4]

In diese Zeit fällt ein Angriff französischer Truppen auf Venedig, die Bembos Entschluss bestätigt, nicht in die Politik zu wechseln, obwohl dies gemäß der Familientradition seit vielen Jahren von ihm gefordert wird.

Um das Jahr 1497 schreibt Bembo „De Virgilii Culice et Terenti fabulis“, das jedoch erst 1530 veröffentlicht wird.[5] Bei Manuzio beschäftigt sich Bembo verstärkt mit Dante und Petrarca und vertieft vor allem sein Wissen um die Werke Francesco Petrarcas, dessen Bedeutung für ihn in dieser Arbeit noch erläutert wird.[6]

Während der Zeit bei Manuzio werden viele Werke der tre corone (Dante/Petrarca/Boccaccio) veröffentlicht. Unter ihnen sind Klassiker wie die „Divina Commedia“ und die „Terze Rime“ von Dante, sowie „Le cose volgari“ von Petrarca.[7] Letztere sind von großer Bedeutung für diese Arbeit über das Leben und Werk Pietro Bembos. Als sie 1501 veröffentlicht werden, weisen sie Unterschiede zur Urfassung von Petrarca auf. Bembo scheut sich nicht, seine eigene, moderne Orthographie auf Petrarcas Werk anzuwenden, und nach den Regeln der damaligen Zeit abzuändern. Um das Volgare eines Mitglieds der tre corone zu ändern, die schon zum damaligen Zeitpunkt als Klassiker angesehen werden, bedarf es eines hohen Selbstbewusstseins und der Kenntnis um seine eigenen Fähigkeiten. Des weiteren erhält Bembo Rückendeckung von Manuzio, der „Le cose volgari“ druckt, und Bembos Normalisierung des Werkes unverändert lässt. So änderte Bembo zum Beispiel die Kommasetzung, fügte Strichpunkte ein, oder änderte Apostrophen. All dies geschah zum Wohle der besseren Lesbarkeit des Textes.

„Le cose volgari“ bleiben jedoch nicht das einzige Werk, das von Bembos Normalisierung betroffen ist. Die Texte, die bis 1503 gedruckt werden, erhalten Kommata, die in vielen Werken des bisherigen Volgare noch völlig fehlten, oder nach heutigen Vorstellungen falsch gesetzt wurden. Auch werden, wie oben erwähnt, andere syntaktische Feinheiten abgeändert oder eingefügt.

Bembos Arbeit beschränkt sich aber nicht nur auf die Modernisierung alter Texte, sondern beinhaltet auch das Verfassen eigener Werke. So vollendet er 1501 die „Asolani“ (veröffentlicht 1505), ein philosophisches Werk über die Liebe, das den Stil Boccaccios nachahmt und wie „De Aetna“ oder „De Virgilii Culice et Terenti fabulis“ in Dialogform geschrieben ist, auf welche ich in dieser Arbeit noch näher eingehen möchte. In Folge der Veröffentlichung dieses Werks entbrennt die später behandelte questione della lingua, da Bembo in den Dialogen dieses Buches im Gegensatz zu vielen anderen Gelehrten den Standpunkt vertritt, dass die Sprache der tre corone, also das Toskanisch des 14.Jahrhunderts eine wesentlich reinere und edlere Sprache sei, als das moderne des 15.Jahrhunderts, weshalb er dieses Werk auch in eben dieser Sprache verfasste. Die besonders starken Reaktionen der Gelehrten aus Florenz sind dann der Beginn der questione.

Als im Dezember 1503 sein Bruder Carlo stirbt, der an seiner Statt eine politische Laufbahn eingeschlagen hatte, muss sich Bembo dem Willen der Familie beugen, und seinerseits in die Politik gehen. Alle Versuche, einen Posten als Botschafter zu erlangen, schlagen jedoch fehl.

Nach einer Romfahrt mit seinem Vater scheitern weitere Versuche, eine Anstellung als Botschafter zu bekommen. Eigentlich sucht er auch nach einer Möglichkeit, sich ganz seinen Gedanken in Bezug auf die Literatur und das volgare zu widmen und diese zu Papier bringen zu können. So folgt er 1507 einer Einladung der Familie Rovere an deren Hof in Rom, wo er Freundschaften mit Castiglione, Giuliano de Medici oder Cesare Gonzaga pflegt.

In den folgenden Jahren lebt er ein Leben in Muße, das er mit vielen Diskussionen über die questione würzt, und zwei Werke veröffentlich, nämlich „Alma cortese“ und „Stanze“. Sie spiegeln seinen damaligen Lebenswandel wider, da sie von der Petrarca-Schiene abweichen, und eher in den Bereich der Komödie gehören.

1508 tritt er in den Dienst der Kirche mit Hilfe von Papst Julius II. Ein weiteres Mal helfen ihm hier die Kontakte des Vaters, um seine Karriere voranzubringen. Für Bembo selbst ist es jedoch wichtiger, dass ihm diese Laufbahn, im Gegensatz zu einem zeit- und reiseaufwändigen Posten als Diplomat, genug Freiraum für die Erfüllung seiner literarischen Wünsche lässt.

So schreibt er 1510 „De Guido Ubaldo Feretrio deque Elisabetha Gonzagia Urbini ducibus“, seinen Beitrag zum philosophischen Dialog über Virgil und Terenzio.

Dieses Werk bringt ihm unter den Gelehrten einen guten Ruf als Latinisten ein, wodurch er von seinem Freund Federigo Fregoso eingeladen wird, an Diskussionen über die Stellung des Latein und des Volgare teilzunehmen. Hier findet er sich in einem Kreis eingefleischter Latinisten wieder, die das Latein als alleinige Sprache der Literatur wieder beleben wollen. Es folgen lebhafte Diskussionen, in denen die Vorzüge des Lateins, des volgare der tre corone und des damaligen volgare bis ins kleinste Detail erläutert werden.[8]

1513 lernt er seine spätere Geliebte Faustina Morosina kennen, mit der er immerhin drei Kinder zeugen wird.

Unter Papst Leo X. wird er dessen Sekretär, und somit mit Aufgaben wie den Abfassungen von Bullen betraut. Eine Ernennung zum Kardinal erfolgt jedoch nicht, und 1518 wird Bembo schwer krank. Nach drei Jahren Krankheit verlässt er 1521 Rom und zieht nach Padua zu seiner Geliebten Morosina.

Hier vollendet er sein wichtigstes Werk, die „Prose della volgar lingua“, die 1525 zum ersten Mal erscheinen. Die Idee hierfür hat Bembo bereits bei seinem Aufenthalt in Urbino. Mit den „Prose“ bestätigt er seinen Versuch, das volgare der tre corone als eine dem Latein gleichwertige Sprache in der damaligen Literatur zu etablieren. Eine etwas genauere Beschreibung folgt unter Punkt 2.1.

Nach seiner Genesung führt Bembo in Padua ein eher geruhsames Leben und widmet sich Diskussionen mit anderen Gelehrten um die questione della lingua. Er schreibt keine weiteren Werke, nur noch Briefe, um mit Kollegen außerhalb der Diskussionsrunden zu kommunizieren. 1530 veröffentlicht er bei den Fratelli da Sabbio sein Gesamtwerk, zu dem die „Asolani“, die „Rime“, „De Aetna“, „De Imitatione“, „De Virgilii Culice et Terenti fabulis“ und „De Guido Ubaldo Feretrio deque Elisabetha Gonzagia Urbini ducibus“ gehören.

In den darauf folgenden Jahren nimmt Bembo unterschiedlichste Berufe in verschiedenen Städten an. Er wird Geschichtsschreiber in Florenz, später Bibliothekar an der Markusbibliothek und Historiograph in Venedig.[9] Die folgenden Jahre halten zwei schwere Schicksalsschläge für ihn bereit. 1532 stirbt sein Sohn, und 1535 seine Geliebte Morosina. Dies hält ihn aber nicht davon ab, wenig später eine Affäre mit Elisabetha Massolo Quirini einzugehen.

1539 wird er von Papst Paul III. endlich zum Kardinal ernannt, und 1541 zum Bischof von Gubbio. Schon drei Jahre später wird er Bischof von Bergamo, erfüllt seine Aufgaben aber von Rom aus.

Am 18.1.1547 stirbt Pietro Bembo und wird zwischen Papst Leo X. und Papst Clemens VII. begraben.[10]

2. Die questione della lingua

Die questione della lingua, die italienische Sprachfrage entbrennt Ende des 15. Jahrhunderts. Es ist die Frage, welche Sprache in der italienischen Literatur vorherrschen soll. Das Latein ist bis ins 13. Jahrhundert die einzig erlaubte Sprache für literarische Texte, die Volkssprache ist nur im mündlichen Bereich zu finden. Nur allmählich tauchen Texte auf, die im volgare verfasst wurden, später in größerem Ausmaß, aber stets stark regional geprägt und nicht auf ganz Italien übergreifend.[11]

„Ab etwa 1200 strömen erstmalig in massiver Form einzelsprachliche Merkmale regionaler volgare-Idiome in den Bereich der konzeptionellen und/oder medialen Schriftlichkeit in Italien“[12]

So stellt sich auch in der ersten Runde der questione nicht die Frage, ob Latein oder eine andere Sprache verwendet werden soll, sondern nur, welche Art des Latein. Die Gelehrten streiten sich hier, ob das ciceronianische oder das offene, eklektische Latein den Vorzug erhalten solle. Pietro Bembo vertritt als bekennender ‚Ciceroniano’ ersteres. Das ciceronianische Latein setzt sich auch durch, jedoch breitet sich während dieser Diskussion das volgare in der Literatur immer mehr aus. Auf Basis der tre corone schreiben viele Schriftsteller in der Volkssprache. Als aber mit dem Humanismus das Latein bis Ende des Quattrocento wieder an Bedeutung gewinnt und das Volgare zurückdrängt, lässt der zweite Teil der Sprachfrage noch einige Zeit auf sich warten.

„Innerhalb der anspruchsvollen literarischen Diskurstraditionen wird der überdachende Status des Lateins im Gefolge des Humanismus wieder erheblich gestärkt.“[13]

Aufzuhalten ist die Volkssprache trotz des Rückschlages aber nicht. So bildet sich zum Beispiel in Florenz,

„(...) der Hochburg des Humanismus, (...) im Laufe des Quattrocento ein umaneismo volgare heraus, der eine Koexistenz von Latein und Volgare innerhalb der konzeptionellen Schriftlichkeit für möglich (...) hält.“[14]

Doch der Aufstieg des Volgare geht weiter. Es kommt zum Kampf zwischen Latein und Volgare, den letzteres schließlich für sich entscheiden kann. Gegensätze, sowie Vor- bzw. Nachteile der verglichenen Sprachen sind zum Beispiel:

Künstlichkeit des Latein vs. Vertrautheit des Volgare

Regelhaftigkeit des Latein vs. Ausbaumöglichkeit des Volgare

Autonomes Latein vs. Volgare als korrumpiertes Latein[15]

Die meisten Gelehrten appellieren in Diskussionen, Briefen und Büchern schließlich größtenteils für das Volgare. Auch Pietro Bembo, der viele seiner Werke in Latein verfasste, trotzdem aber ein Verfechter des Volgare ist, beteiligt sich an dieser Diskussion. Jedoch reicht es nicht aus, sich nur für ‚das volgare ’ zu entscheiden, da gar kein einzelnes volgare existierte. Die Volkssprache ist in viele kleinere Dialekte aufgeteilt, sowie in verschiedene diachrone Sprachebenen. Das heißt, es ist nicht nur wichtig zu entscheiden, die Sprache welcher Region als Standardsprache in der Literatur verwendet werden soll, sondern auch die Sprache welches Jahrhunderts. Ferner soll das Latein als führende Sprache vor allem der hohen Literatur abgelöst werden. Doch dies kann nicht, wie oben beschrieben, mit regional stark differenzierenden Dialekten geschehen. Es muss eine allgemeingültige, auf ganz Italien anwendbare Sprache der Literatur gefunden werden. Doch dafür müssen Gelehrte und Schriftsteller zu einer Übereinkunft finden.

[...]


[1] vgl. www.wikipedia.org

[2] ebd.

[3] ebd.

[4] vgl. Hempfer, S.280

[5] ebd., S.279

[6] vgl. Pozzi, S.9

[7] vgl. www.liberliber.it

[8] vgl. www.wikipedia.org

[9] vgl. www.wikipedia.org

[10] vgl. www.wikipedia.org

[11] vgl. www.wikipedia.org

[12] LRL, S.345

[13] LRL, S.345

[14] LRL, S.346

[15] vgl. LRL, S.348

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Leben und Werk des Pietro Bembo
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Die Entdeckung der Muttersprache: Sprachdenken im 16. und 17. Jahrhundert in Italien und Frankreich
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V81536
ISBN (eBook)
9783638865906
ISBN (Buch)
9783638916325
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Werk, Pietro, Bembo, Entdeckung, Muttersprache, Sprachdenken, Jahrhundert, Italien, Frankreich
Arbeit zitieren
Alexander Blahnik (Autor:in), 2006, Leben und Werk des Pietro Bembo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81536

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