Die Phasentheorie bei Johann Amos Comenius und Rudolf Steiner im Vergleich


Seminararbeit, 2002
25 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung
1.1 Die Person Johann Amos Comenius
1.2 Die Person Rudolf Steiner
1.3 Einführung in die Thematik

2 Die Altersstufentheorie nach J.A. Comenius
2.1 Die „Schule des vorgeburtlichen Werdens“(Schola Geniturae)
2.2 Die „Mutterschule“(Schola Materna)
2.3 Die „Schule des Knabenalters“(Schola Pueritiae)
2.4 Die „Schule der Reifezeit“(Schola Adolescentiae)
2.5 Die „Akademie“
2.6 Die folgenden „Schulen“ des Lebens

3 Die anthroposophische Entwicklungslehre R. Steiners
3.1 Das erste Jahrsiebt
3.2 Das zweite Jahrsiebt
3.3 Das dritte Jahrsiebt
3.4 Das vierte Jahrsiebt
3.5 Die folgende Genese

4 Der Vergleich der beiden Theorien
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Alterstufentheorien
4.2 Resümee des Vergleichs beider Theorien

5 Schlussbetrachtung

- Literaturverzeichnis

- Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Die Person Johann Amos Comenius

Jan Amos Komensky wird am 28. März im Jahre 1592 als Sohn des angesehenen Bürgers Martin Komensky und seiner Frau Anna in der ostmährischen Ortschaft Nivnice geboren. Erst im Mannesalter ändert er seinen Namen in Johann Amos Comenius, unter dem er auch bekannt wird. Johann Amos Comenius ist die latinisierte Form seines Namens, wie es damals bei humanistischen Gelehrten üblich war. Er begegnet im Laufe seines Aufenthaltes an verschiedenen Universitäten nicht nur theologischen Lehrfragen, sondern kommt auch in Kontakt mit den Klassikern der Antike und mit der modernen Pädagogik des Johann Heinrich Alsted. Die Begegnung mit J.H. Alsted prägt J.A. Comenius besonders. J.H. Alsted glaubt, mit Hilfe seiner neuen Didaktik jedem alles beibringen zu können, wenn man nur den richtigen Weg des Lehrens und Lernens einhielte. J.A. Comenius verfolgt diesen Gedanken zeitlebens weiter und arbeitet ihn aus. Er nimmt die gesamte zeitgenössische Theologie, Philosophie und Naturwissenschaft in sein Denken auf.

J.A. Comenius hat eine ambivalente Einstellung zur Pädagogik, die er nie als seine Hauptaufgabe sieht, die ihn aber doch immer wieder reizt. Die „Pansophie“ steht vielmehr im Vordergrund seiner Interessen, in die er auch immer wieder Zeit investiert. Den größten Abschnitt seines Lebens, fünf Jahrzehnte, verbringt er auf Wanderschaft im Exil. Am 15. November 1670 stirbt J.A. Comenius achtundsiebzigjährig in Amsterdam (vgl. Flitner 1970, S.221ff).

Seine pädagogischen, sowie politischen Vorstellungen lassen sich zusammenfassend wie folgt beschreiben: J.A. Comenius ist als bedeutender Humanist und als ein früher Reformer auf dem Sektor des Bildungswesens in die Geschichte eingegangen. Sein Ziel war es, jedem eine umfassende Allgemeinbildung zu ermöglichen. "... allen ist der Weg von Gott gewiesen. Aber er ist mit Schlingen verlegt und durch die verschiedensten Hindernisse verrammelt. So ergibt sich die Notwendigkeit, alle Menschen vorsorglich auf diese Dinge aufmerksam zu machen und sie zu belehren, damit wir, wenn möglich, die Torheit aus unserem Geschlechte verbannen, auf dass künftig nicht mehr die bekannte Klage weiser Männer laut werde, dass alles voller Toren sei." (zit. nach: Comenius 1991, S.15).

1.2 Die Person Rudolf Steiner

Rudolf Steiner wird im Februar 1861 als Sohn eines Bahnbeamten in Kraljevec (heute Kroatien) geboren. Durch ständige Versetzungen seines Vaters im damaligen Österreich-Ungarn fasst Steiner in seiner Kindheit an keinem Ort richtig Fuß und findet früh Freude am Lernen. Sein Interesse gilt den Naturwissenschaften, der Philosophie und der Geschichte. 1891 veröffentlicht er eine philosophische Dissertation in Rostock mit seinem später unter dem Titel „Wahrheit und Wissenschaft -Vorspiel einer Philosophie der Freiheit“ erschienen Werk. In dieser Zeit entstehen mehrere philosophische und philosophiegeschichtliche Schriften, unter ihnen auch die „Philosophie der Freiheit“ von 1894. Sein Habilitationsversuch von 1894 scheitert. Sehr intensiv beschäftigt sich R. Steiner außerdem mit den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes, die er im Rahmen seiner Mitarbeit im Weimarer Goethe-Schiller-Archiv herausgibt. R. Steiner legt im weiteren Verlauf seines Lebens den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten auf Forschungen in der ,,geistigen Welt". Er erforscht auf hellseherische Art und Weise die menschliche Seele, die Zusammenhänge und die geistigen Hintergründe der Welt und der Menschheit, vor allem wird das Christentum und die Person des Jesus von Nazareth von ihm esoterisch betrachtet (vgl. Wehr 1994, S 27ff).

Von 1899 bis 1904 lehrt er an der Arbeiter-Bildungsschule in Berlin. Ab 1901 beginnt seine Vortragstätigkeit zunächst innerhalb der Theosophischen Gesellschaft. Nach seiner Trennung von der Theosophischen Gesellschaft im Jahre 1913, er ist ab 1902 Generalsekretär der deutschen Sektion, widmet er seine Arbeit der Anthroposophischen Gesellschaft (seit 1923: „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“). Das Wort ,,Anthroposophie" setzt sich aus den griechischen Wörtern ,,anthropos", der Mensch, und ,,sophia", die Weisheit, zusammen. Er verwendet diesen Begriff, weil es das Ziel seiner Forschung ist, zum Bewusstsein vom wahren Wesen des Menschen zu kommen.

Die auf den Gedanken und hellseherischen Beobachtungen Steiners begründete Weltanschauung der Anthroposophie ist als sein Lebenswerk zu betrachten. Die „Anthroposophie“ hat neue, unorthodoxe und teilweise seltsam esoterisch anmutende Impulse für die Agrarwissenschaft (,,Biologisch-dynamische Landwirtschaft"), die Soziologie (,,Sozialen Frage und Dreigliederung des sozialen Organismus"), die Medizin (eine etwas abgewandelte Form der Homöopathie), die Arbeit mit Behinderten (,,Heilpädagogik") und die in den folgenden Aufzeichnungen näher betrachtete Waldorf-Bewegung gegeben, die heute weitgehend unabhängig von den populärwissenschaftlichen Richtungen dieser Wissenschaften erforscht und praktiziert werden (vgl. Lindenberg 1992, S.11ff).

1.3 Einführung in die Thematik

In den folgenden Ausführungen liegt der Schwerpunkt auf den von beiden oben vorgestellten Persönlichkeiten verfassten Alterstufentheorien. Diese sollen vorgestellt, erläutert und miteinander verglichen werden. Hierzu werden die Vorstellungen von J.A. Comenius und R. Steiner im Bezug auf die menschliche Entwicklung unter dem Gesichtpunkt der Lebensphasen bzw. altersgerechten Bildung und Erziehung näher erläutert. Im Abschnitt vier dieser Arbeit werden dann beide Alterstufentheorien miteinander verglichen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten explizit herausgearbeitet.

2 Die Altersstufentheorie nach J.A. Comenius

J.A. Comenius nimmt in seiner „Pampaedia“ eine Aufteilung des Menschenlebens in sieben bzw. acht verschiedene Phasen vor, in Abhängigkeit vom jeweiligen Lebensalter. „Pampaedia meint die auf das Ganze bezogene Pflege (cultura universalis) des ganzen Menschengeschlechts. Bei den Griechen bedeutet paideia Unterweisung (institutio) und Zucht (disciplina), wodurch die Menschen aus dem Zustand roher Unvollkommenheit herausgeführt werden (erudire), und pan bezeichnet den Bezug zum Ganzen (universalitas). So geht es hier also darum, daß alle Menschen über das All gründlich belehrt werden" (zit. nach: Ballauff/Schaller 1970, S.189).

Durch diese „Allerziehung“ gilt es zum „Pansophen“ zu werden, nicht für sich selbst allein, sondern "dem Ganzen" dienend, der Welt nämlich, die verbessert werden muss. Die Verbesserung des Menschen durch Erziehung und Bildung ist nach J.A. Comenius der erste Schritt zum Reich Gottes auf Erden, zu der Vergöttlichung der Welt (vgl. Alt 1953, S. 51ff).

Die „Allerziehung“ basiert auf den Prinzipien "omnes, omnia, omnino" (alle, alles, allumfassend). Durch den Begriff "omnes" macht J.A. Comenius deutlich, dass seine Philosophie ausnahmslos jeden Menschen einschließt, da alle dasselbe von Gott gewiesene Ziel haben, nämlich das Leben in der sie erwartenden Welt. Mit der Kategorie "omnia" weist er auf das Ziel einer enzyklopädischen Unterweisung hin. So soll der Mensch in allem unterrichtet werden, was an Wertvollem erlernbar ist. Dies soll mit Hilfe seines Verstandes (ratio) geschehen, um die Zusammenhänge richtig zu erkennen, sowie in seinem Handeln (operatio) verankert sein, und durch die Rede (oratio) bzw. seine Sprache, um dies in angemessener Art und Weise darlegen zu können. Wenn sich in Folge dieser Handlungsweise die Liebe zum „Guten“ gefestigt hat, kann sich endlich auch das Wort Gottes erfüllen, nach dem jeder Mensch „mit Salz gesalzen werden soll“. Zur Erläuterung soll gesagt sein, dass in den einzelnen Buchstaben des lateinischen Wortes für Salz („sal“) bereits die Bedeutsamkeit und die Verknüpfung von „scire“, „agere“, „loqui“ (wissen, handeln, sprechen ) ausgedrückt ist. Ihren allumfassenden Charakter erhalten die Grundsätze des "omnes et omnia" schließlich nur dann, wenn auch das Merkmal des "omnino" mit einbezogen wird. Denn umfassend, gründlich und fundiert sollen die Menschen unterwiesen und erzogen werden (vgl. Schaller 1977, S.13ff).

Die Erziehungsziele eines "Omnes, omnia, omnino" könnten erreicht werden durch lebenslanges Lernen und lebenslange Unterweisung und so teilt Comenius unser Erdenleben in sieben bzw. acht aufeinander aufbauende Schulen bzw. Phasen auf.

Die ersten vier Phasen umfassen das Kindesalter, das Knabenalter, das Jünglingsalter und das frühe Mannesalter. J.A. Comenius geht hier im engeren Sinne speziell auf die Aufgaben der Eltern, sowie die der Lehrer ein und versucht eine ganzheitliche Entwicklung des Kindes bzw. eines jungen Menschen darzustellen. So spielen nicht nur Erziehungsfragen und Bildung eine wichtige Rolle, sondern auch Glaube, Religion und gesundheitliche bzw. körperliche Aspekte (vgl. Comenius 1970, S.193ff). Den Zeitraum, den J.A. Comenius zu Grunde legt, beläuft sich auf ca. vierundzwanzig Jahre.

2.1 Die „Schule des vorgeburtlichen Werdens“ (Schola Geniturae)

Die „Pampaedia“ des J.A. Comenius beginnt mit Darstellung der Sorge um das ungeborene Leben. Das Menschenleben beginnt demnach mit der Empfängnis und der ersten Gestaltung des Menschen im Mutterleib, sie ist die Lebensphase, die mit „ (…) dem Jahresbeginn und dem Januar gut zu vergleichen ist (…)“ (zit. nach: Scheuerl 1992, S.31).

Eine Aufgabe des Menschen ist nach J.A. Comenius die Fortpflanzung und somit Kinder für Gott zu zeugen, die wertvolle Schätze des Schöpfers sind. Er formuliert für den Menschen eine Art Leitfaden, durch den der Mensch seiner Menschlichkeit gerecht werden kann. Dieser beinhaltet das Verbot geschlechtliche Beziehungen außerhalb der Ehe zu pflegen, er mahnt die Ehre und die Frömmigkeit hochzuhalten und einen ehrenhaften Tod zu sterben (vgl. Comenius 1970, S.157ff). Wichtig im Leben sind Leitbilder, womit J.A. Comenius darstellen will, dass man gutes Beispiel für andere sein soll. Junge Menschen müssen von Schlechtem fern gehalten werden und ihnen soll durch die Eltern eine fromme und heilige Lebensweise als Beispiel dargeboten werden (vgl. Comenius 1970, S.42ff).

Des Weiteren vermittelt er Regeln für die werdenden Eltern. Keine zu jungen Frauen und Männer sollen den Bund der Ehe eingehen, denn die Ehe dient dem Zweck Kinder zu gebären. Von den werdenden Eltern wird eine enthaltsame Lebensweise erwartet. Ein heiliger Lebenswandel wird empfohlen und es soll nichts getan werden, was dem werdenden Kind schaden zufügen könnte. Nach einer glücklichen Geburt sollen Vater und Mutter Gott danken und ihn bitten, Krankheit oder Tod abzuwenden (vgl. Comenius 1970, S.172 ff).

2.2 Die „Mutterschule“ (Schola Materna)

J.A. Comenius definiert Kleinkind folgendermaßen: ,,Ein Kleinkind ist ein noch nicht ausgewachsener, eben erst auf die Welt gekommener Mensch, ungeformt in allen Stücken und im Bezug auf das Ganze der Formung bedürftig."(zit. nach: Comenius 1991, S.157). Da für ihn ein wirklich geformter Mensch das lebende Abbild Gottes ist, gibt er drei grundlegende Regeln an, mit deren Hilfe der Mensch zu seiner Bestimmung gelangt. Die erste Regel sind die Gebote Gottes, die zweite ist der innere Wille nach einer Verbesserung der Lebensgrundlagen und die dritte der Grundsatz, dass wir für unsere Kinder so sorgen sollen, wie für uns selbst. (vgl. Comenius 1991, S.195).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Phasentheorie bei Johann Amos Comenius und Rudolf Steiner im Vergleich
Hochschule
Universität Hamburg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Allgemeine Pädagogik, Pädagogische Ideengeschichte Teil III
Note
1,2
Autor
Jahr
2002
Seiten
25
Katalognummer
V8167
ISBN (eBook)
9783638152143
ISBN (Buch)
9783640870899
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Comenius, Steiner, Phasentheorie, Theorie, Altersufentheorien
Arbeit zitieren
Christian Schäfer (Autor), 2002, Die Phasentheorie bei Johann Amos Comenius und Rudolf Steiner im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8167

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