Ausgehend von der These, dass bei der massenmedialen Wirklichkeitskonstruktion im „Fall Hohmann“ Methoden zur Anwendung kamen, die durch den Analyseansatz der Ethnomethodologie betrachtet werden können, soll in dieser Arbeit der Forschungsfrage nachgegangen werden, wie im vorliegenden Fall soziale Wirklichkeit konstruiert wurde. Eine Wirklichkeit, die in ihrer realen Konsequenz den Hauptakteur Martin Hohmann um das politische Amt brachte.
Ob es überhaupt der Fall war, dass Methoden zur Wirklichkeitskonstruktion zur Anwendung kamen, soll die Analyse von Zeitungen, Zeitschriften und der ARD- Tagesschau vom 30.10.2003 zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethnomethodologie als Analysesystem massenmedialer Wirklichkeitskonstruktion
3. Form der Datenaufbereitung
3.1 Vorbetrachtungen
3.2 Kategoriensystem
4. Theoretische Grundlagen für das Scheitern der gemeinsamen Sinnklärung
5. Absicherung der Reflexivitätsprozesse
5.1 Immunisierungsstrategien
5.2 Versuch der Entproblematisierung
5.3 Ausgrenzung
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer Medienanalyse, wie im sogenannten "Fall Hohmann" soziale Wirklichkeit konstruiert wurde, die letztlich zum Verlust des politischen Amtes des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann führte. Dabei wird der Frage nachgegangen, durch welche Mechanismen die Interpretation der Massenmedien und politischer Akteure die Deutungshoheit über die umstrittene Rede erlangen und gegen alternative Wirklichkeitsbeschreibungen durchsetzen konnte.
- Analyse der massenmedialen Wirklichkeitskonstruktion im Kontext des "Fall Hohmann".
- Anwendung ethnomethodologischer Analyseansätze zur Untersuchung sozialer Wirklichkeit auf Mikroebene.
- Verknüpfung der Mikroebene mit institutionellen Strukturen und Funktionen auf der Mesoebene.
- Untersuchung von Immunisierungs-, Entproblematisierungs- und Ausgrenzungsstrategien in der Berichterstattung.
- Darstellung der Rolle von Medien und Politikern bei der Etikettierung Hohmanns zum Außenseiter.
Auszug aus dem Buch
4. Theoretische Grundlagen für das Scheitern der gemeinsamen Sinnklärung
Dieser Gliederungspunkt stellt für die gesamte weitere Arbeit eine Grundlage dar, da er einen Schritt zur Klärung der Basisstruktur der weiteren sozialen Interaktion im Fall Hohmann bedeutet.
Es soll mit Hilfe des Interpretationsverfahrens verdeutlicht werden, wie der Sinn der Rede von Martin Hohmann vom 3. Oktober 2003 entindexikalisiert wurde. Die Worte Hohmanns, die verwendeten Zeichen, konnte einzeln betrachtet zu einer anderen Wirklichkeitsauffassung führen, als es die Zeichen im Kontext taten. Diese These findet ihren Beweis in einer Aussage von Herrn Vasters. Dieser lies sich im Spiegel vom 17.11.2003 zitieren. Sinngemäß sagte er, dass ihm während der Rede Hohmanns, bei welcher er direkt anwesend war, nicht ganz wohl gewesen sei. Wohler wurde ihm erst wieder, als der Redner zu dem Schluss kam, dass weder die Deutschen noch die Juden als „Tätervolk“ bezeichnet werden könnten.
Die Sinnbildung ist somit situativ an den Kontext gebunden. Die gegenseitige Konstitution von Sinn und Kontext führt zur Reflexivität. Um die Reflexivität bewältigen zu können, verfahren die an der Interaktion beteiligten Menschen nach bestimmten Regeln und Hintergrunderwartungen. Dies bedarf einer fortlaufenden Interpretation der Zeichen.
Wie ist mit diesem Wissen zu erklären, dass die direkten Zuhörer der Rede die selbige nicht als Skandal auffassten, weil wie ein Neuhofer Bürger sagte: „Hohmann am 3. Oktober immer so gesprochen hatte“, die Mitglieder der Ethnie Bundestag und die Medien sich aber von Hohmann distanzierten?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den "Fall Hohmann" ein, thematisiert die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Rede durch direkte Zuhörer und die mediale Kampagne und formuliert die Forschungsfrage zur Konstruktion sozialer Wirklichkeit.
2. Ethnomethodologie als Analysesystem massenmedialer Wirklichkeitskonstruktion: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Ansatz der Ethnomethodologie als geeignetes Instrument, um die methodische Hervorbringung sozialer Wirklichkeit in Alltagssituationen zu analysieren.
3. Form der Datenaufbereitung: Hier werden die methodischen Grundlagen der quantitativen Inhaltsanalyse sowie das deduktive Vorgehen und die Auswahlkriterien für die untersuchten Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtensendung) dargelegt.
4. Theoretische Grundlagen für das Scheitern der gemeinsamen Sinnklärung: Das Kapitel untersucht anhand des Interpretationsverfahrens, warum die Entindexikalisierung der Hohmann-Rede durch Medien und Politik scheiterte und zu einer fremden Deutung der Aussagen führte.
5. Absicherung der Reflexivitätsprozesse: Dieser Hauptteil analysiert die Mechanismen der "politics of reality", konkret Immunisierungsstrategien, Versuche der Entproblematisierung und schließlich Ausgrenzungsmethoden, die zur Festschreibung einer bestimmten Wirklichkeit führten.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die frühzeitige Etikettierung Hohmanns zum Außenseiter jede Entproblematisierung verhinderte und die institutionellen Bürden der CDU ein Festhalten an Hohmann unmöglich machten.
Schlüsselwörter
Hohmann-Affäre, Ethnomethodologie, Wirklichkeitskonstruktion, Massenmedien, Reflexivitätsprozesse, Entindexikalisierung, Außenseiter-Etikettierung, Institutionalität, politics of reality, Immunisierungsstrategien, Entproblematisierung, Ausgrenzung, CDU, Deutungsmuster, Mikroebene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Medien und politische Akteure durch die Konstruktion einer spezifischen sozialen Wirklichkeit den Fall des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann nach dessen umstrittener Rede herbeiführten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ethnomethodologie, mediale Wirklichkeitskonstruktion, institutionelle Prozesse innerhalb der CDU und die Strategien der "politics of reality" zur Ausgrenzung von Personen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie wurde im "Fall Hohmann" soziale Wirklichkeit konstruiert, die den Abgeordneten letztlich um sein politisches Amt brachte?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deduktiven Forschungsansatz mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse von ausgewählten Medienberichten (Zeitungen, Zeitschriften, ARD-Tagesschau) basierend auf ethnomethodologischen Theorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Scheitern der gemeinsamen Sinnklärung der Hohmann-Rede und untersucht detailliert Methoden wie Immunisierungsstrategien, Entproblematisierung und Ausgrenzung, die zur Festigung der medialen Wirklichkeit beitrugen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Hohmann-Affäre, Ethnomethodologie, Wirklichkeitskonstruktion, Außenseiter-Etikettierung und politische Kommunikation.
Warum konnte sich Hohmanns eigene Deutung der Rede nicht durchsetzen?
Aufgrund der fehlenden Bereitschaft zur Vertauschbarkeit der Standpunkte und der frühzeitigen Etikettierung als Antisemit wurde seine Rede nicht im ursprünglichen Kontext entindexikalisiert, sondern konsequent als "Skandal" interpretiert.
Welche Rolle spielten institutionelle Faktoren bei der Entscheidung der CDU?
Die CDU stand unter enormem medialen Druck; das Festhalten an Hohmann hätte die Institution CDU selbst in den Generalverdacht des Antisemitismus gebracht, was die Partei durch den Ausschluss abwenden wollte.
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- Thomas Koneczny (Author), 2007, Die Hohmann-Affäre - Massenmediale Wirklichkeitskonstruktion und ihre realen Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81744