Presse und Rundfunk in Hamburg unter britischer Besatzung


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Rundfunk

3. Presse
3.1. Informationsversorgung nach der Kapitulation
3.2. Alliierte Zeitungen
3.3 Lizenzpresse

Literatur

1. Einführung

„Das wichtigste und weiteste Feld der alliierten Demokratisierungsbemühungen waren die Massenmedien.“[1] In diesem Zusammenhang wurde das SHAEF-Gesetz Nr. 191 (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forces, das gemeinsame anglo-amerikanische Oberkommando) vom 24. November 1944 von General Eisenhower als Oberbefehlshaber aller westlichen Armeen für die von den Alliierten besetzten bzw. noch zu besetzenden deutschen Gebiete erlassen. Dieses Gesetz sah für die Entwicklung der deutschen Medienlandschaft drei Schritte vor[2]:

- Die Ausschaltung existierender Medieneinrichtungen (totaler „black out“)
- Ersetzung durch alliierte Sprachrohre (behelfsmäßige Zeitungen und Radioprogramme mit deutscher personeller Unterstützung)
- Neuer Aufbau in neuen Strukturen (pluralistisch und demokratisch) auf Basis von Lizenzen und unter alliierter Kontrolle

Für den ersten Schritt untersagte das Gesetzt unter anderem das „Drucken, Erzeugen, Veröffentlichen, Vertreiben, Verkaufen und Gewerbliche Verleihen von Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften, Büchern, Broschüren, Plakaten, Musikalien und sonstigen gedruckten oder (mechanisch) vervielfältigten Veröffentlichungen, von Schallplatten, sonstigen Tonaufnahmen und Lichtspielfilmen jeder Art; ferner die Tätigkeit oder den Betrieb jedes Nachrichtendienstes und Bilddienstes oder von Agenturen, von Rundfunkstationen und Rundfunkeinrichtungen, von Drahtfunksendern und Niederfrequenzübertragungsanlagen; auch die Tätigkeit in oder den Betrieb von Theatern, Lichtspieltheatern, Opernhäusern, Filmateliers, Filmlaboratorien, Filmverleihanstalten, Jahrmärkten, Zirkusunternehmungen und Karnevalsveranstaltungen jeder Art."[3] Dieses Gesetz war eine Auswirkung der alliierten Forderung nach bedingungsloser Kapitulation („unconditional surrender“), welche die Entschlossenheit ausdrückte, ganz Deutschland unter eine umfassende Kontrolle zu stellen und seiner Bevölkerung den vollen Umfang ihrer Niederlage bewusst zu machen. Laut Direktive JCS 1067 galt es, Deutschland nicht vom Nationalsozialismus zu befreien, sondern als einen besiegten Feindstaat zu besetzen. Die Deutschen sollten zu menschlicher Anständigkeit erzogen werden und in einem ersten Schritt das Ausmaß ihrer Schuld begreifen.

Presse und Rundfunk gerieten gegen Kriegsende immer mehr ins Visier der Umerziehungsplaner und spielten eine zentrale Rolle bei der Anerziehung demokratischer Denk- und Verhaltensweisen.[4] Die Briten wichen rasch von dem 3-Stufen Plan ab, da sie die Mitarbeit deutscher Redakteure für unverzichtbar hielten. Einerseits mangelte es erheblich an eigenem qualifiziertem Personal, andererseits sah man ein, dass die Akzeptanz unter der Bevölkerung deutlich wahrscheinlicher war, wenn die Berichterstattung von deutschen Redakteuren kam, wenngleich auch unter britischer Kontrolle.

2. Rundfunk

Am 3. Mai 1945 um 10.26 Uhr, nachdem Hamburg vor dem Feldmarshall Montgomery kapitulierte, wurde im Hamburger Funkhaus der Strom abgeschaltet und der „Reichssender Hamburg“ hatte seinen Betrieb einstellen müssen. Am nächsten Tag um 19 Uhr wurde der Sendebetrieb mit folgender Meldung wieder in Gang gesetzt[5]:

„This is Radio Hamburg, a station of the allied military government. Until further notice this station will provide BBC News-Bulletins (…). At 21.00 hrs you will hear the News in English. Every day, in addition to our News Broadcasts, we shall give you programms of music to suit all tastes. We shall also broadcast announcements and instructions to the German population.”[6]

Hiermit befand Hamburg sich bereits in der zweiten Phase alliierter Medienpolitik, in der das Informationsmonopol bei den Besatzungsmächten lag.[7] Da Hamburg die einzige intakte Rundfunkanlage bot und zugleich die größte Stadt der britischen Zone war, wurde es zum Zentrum des britisch kontrollierten Sendenetzes gewählt. Alle anderen Sendestandorte waren ganz oder zumindest teilweise zerstört, entweder durch die Alliierten oder durch gezielte Manöver der SS.[8]

Radio Hamburg war ein Rundfunksender auf zonaler Basis. Die tägliche Sendedauer betrug zunächst 3,5 Stunden, wurde jedoch nach nur zwei Monaten auf 10 Stunden erhöht. Das Programm bestand zunächst aus Musik, Mitteilungen der Militärregierung, Texten neuer Verordnungen und Nachrichten und wurde später durch Spezialsendungen wie Frauen- und Schulfunk-, Garten- und Landwirtschaftssendungen erweitert. Am 22. September 1945, vier Tage vor dem Kölner Sendestart, wurde Radio Hamburg in Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR) umbenannt. Im Anhang 1 befindet sich als Beispiel ein Programmschema des NWDR vom 29. November 1948.

Der Sender wurde von britischen Radiooffizieren und Technikern betreut. Die Leitung übernahm der britische Kontrolloffizier Paul Lieven. Die Soldaten der vierten Information Control Unit (ICU[9]) waren für die publizistische Übernahme des Senders verantwortlich und wurden bereits seit Winter 1944/45 durch Unterricht in Deutsch, Geschichte, Psychologie und Radiotechnik darauf vorbereitet.

Im Juni 1945 wurden bereits deutsche Programmmitarbeiter eingestellt. Sie verstanden den NWDR als ein Instrument der politischen und kulturellen Erziehung zu liberaler Demokratie, Toleranz und Kompromiss und wollten als Vermittler zwischen Besatzern und Besiegten fungieren. Entsprechend erhielten sie von den Briten relativ viel Freiraum in ihrer Arbeit. Die Strategie der indirect rule[10] wurde von den Amerikanern und Franzosen dahingehend kritisiert, sie bringe den deutschen Rundfunk-Mitarbeitern zu großen publizistischen Freiraum. Der britische Generalleutnant Sir Alex Bishop nahm zu dieser Strategie folgendermaßen Stellung:

„Our policy in regard to thisnetwork (NWDR) has not been to set up a British mouthpiece, but to create an instrument which, though serving our purposes and conforming our general ideas, could be regarded by the Germans as essentially their own.”[11]

[...]


[1] Benz, Wolfgang (2005): Demokratisierung durch Entnazifizierung und Erziehung, S. 37

[2] Vgl. Gossel, Daniel A. (1993): Die Hamburger Presse nach dem Zweiten Weltkrieg, S. 30 u. S. 35

[3] Benz, Wolfgang (2005): Demokratisierung durch Entnazifizierung und Erziehung, S. 37

[4] Vgl. Gossel, Daniel A. (1993): Die Hamburger Presse nach dem Zweiten Weltkrieg, S. 29

[5] Vgl. Bausch, Hans (1980): Rundfunkpolitik nach 1945, S.43

[6] Krüger, Carsten (1994): Zur Geschichte der (politischen) Reportage im Hörfunk, S.20

[7] Vgl. Benz, Wolfgang (2005): Demokratisierung durch Entnazifizierung und Erziehung, S. 37

[8] Vgl. Bausch, Hans (1980): Rundfunkpolitik nach 1945, S.43ff.

[9] ICU wurde zur Kontrolle der neuen deutschen Medien auf Ebene der Militärverwaltungsbezirke eingerichtet, mit Arbeitsbereichen in Rundfunk, Presse und Publikationen, Filme und „Entertainments“ Unterorganisationen der ISC (Information Service Control)

[10] Indirect rule = indirekte Herrschaft, siehe hierzu Gossel, Daniel A. (1993): Die Hamburger Presse nach dem Zweiten Weltkrieg, S. 19

[11] Krüger, Carsten (1994): Zur Geschichte der (politischen) Reportage im Hörfunk, S.22

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Presse und Rundfunk in Hamburg unter britischer Besatzung
Hochschule
Universität Hamburg  (Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Hamburg unter britischer Besatzung
Note
2,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V81787
ISBN (eBook)
9783638887182
ISBN (Buch)
9783640582655
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Presse, Rundfunk, Hamburg, Besatzung
Arbeit zitieren
Marco Vorwig (Autor), 2006, Presse und Rundfunk in Hamburg unter britischer Besatzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81787

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