Lokalisierung von Filmen für das deutsche Publikum anhand ausgewählter Filmpassagen


Diplomarbeit, 2007

101 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Intention und Aufbau der Arbeit
1.2 Begriffliche Abgrenzung
1.2.1 Globalisierung
1.2.2 Internationalisierung
1.2.3 Lokalisierung
1.2.3.1 Softwarelokalisierung
1.2.3.2 Website-Lokalisierung
1.2.3.3 Synchronisation

2 Globaler Markt
2.1 Lokalisierungsindustrie
2.2 Filmindustrie

3 Interkulturelle Kommunikation durch Synchronisation
3.1 Zum Kulturbegriff
3.2 Kultur und Kommunikation in Filmen

4 Einflussfaktoren bei der Synchronisation
4.1 Synchronisationsformen
4.1.1 Dubbing
4.1.2 Untertitelung
4.1.3 Voice-Over
4.2 Einfluss der Zensuranstalten
4.2.1 Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
4.2.2 Filmbewertungsstelle Wiesbaden
4.3 Einfluss des Publikums
4.4 Einfluss des Auftraggebers

5 Arten der Synchronität
5.1 Lippensynchronität
5.1.1 Quantitative Lippensynchronität
5.1.2 Qualitative Lippensynchronität
5.1.2.1 Problematische Vokale
5.1.2.2 Problematische Konsonanten
5.2 Synchronität von Sprache und Gesten

6 Synchronisationsprozess
6.1 Vorbereitung der Studioarbeit
6.1.1 Projektmanagement
6.1.2 Übertragung der Texte in die Zielsprache
6.1.2.1 Rohübersetzung
6.1.2.2 Synchronübersetzung
6.1.3 Vorbereitung der zu synchronisierenden Filmteile
6.1.3.1 Erstellung der Takes
6.1.3.2 Casting und Zeitplan der Sprecher
6.2 Arbeiten im Studio
6.2.1 Aufnahme der zielsprachigen Dialoge
6.2.2 Nachbearbeitung von Bild und Ton

7 Kontrastive Analyse ausgewählter Filme
7.1 Analysematerial
7.2 Zielstellung der Analyse
7.3 Analyse US-amerikanischer Spielfilme
7.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

8 Resümee und Ausblick

Bibliographie

1 Einleitung

In einer globalen Welt gehört der Konsum ausländischer Produkte zum Alltag. International tätige Unternehmen versuchen stets, ihre Produkte in der ganzen Welt zu vermarkten. So ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass die Verpackung von Kellogg’s Smacks oder Coca Cola in deutsch vorliegt und die Nährwertangaben in der in Deutschland üblichen Form bereitgestellt werden. Nur wenige Menschen sind sich darüber im Klaren, dass es sich bei diesen Marken um ausländische Produkte handelt. Einerseits liegt dies daran, dass diese Produkte schon seit Längerem in unseren Märkten erhältlich sind. Andererseits aber werden diese Produkte (in diesem Fall die Verpackung) gezielt an die Sprache und Kultur Deutschlands angepasst. Dabei ist die Anpassung häufig so gut, dass die Produkte nicht mehr fremd, sondern heimisch wirken. Diese gezielte sprachliche und kulturelle Anpassung geht weit über die Produktpalette von Supermärkten hinaus und findet sich in vielen anderen Wirtschaftszweigen wieder, u.a. in der Softwareindustrie.

Die Softwareindustrie hat in den letzten 20 Jahren eine starke Veränderung erfahren. Die rasante Entwicklung in dieser Branche hat dazu geführt, dass Benutzer von Software immer höhere Anforderungen an die Produkte stellen. Dass die Software und die dazugehörige Dokumentation in der Sprache der Nutzer vorliegen, gilt als selbstverständlich. Die sprachliche Anpassung beinhaltet gleichzeitig eine kulturelle Anpassung, die sich darin äußert, dass landesübliche Konventionen für die Darstellung von z. B. Datums- oder Währungsangaben berücksichtigt werden. Die aufwendige Anpassung schafft ein Produkt, das die sprachlichen und kulturellen Eigenarten des Zielmarktes möglichst authentisch wiedergibt. Nur beim näheren Hinsehen fällt auf, dass es sich bei der Software um ein Produkt handelt, das außerhalb nationaler Grenzen hergestellt wurde.

Ein gutes Beispiel für ein solches Produkt stellen die Internetbrowser Firefox der Mozilla Corporation und der Internet Explorer von Microsoft dar. In beiden Browsern befindet sich in der Navigationsleiste ein Haussymbol. Dieses Symbol steht im Deutschen für die Startseite. Die Verknüpfung von Haus und Startseite ist zwar nicht absolut abwegig, sie kann jedoch den eigentlichen Gedanken nicht wiedergeben, der von den amerikanischen Softwareherstellern beabsichtigt war. Das Haussymbol steht im Englischen für die vom Nutzer vordefinierte Home- page einer Website. Dieses Symbol hindert den deutschen Nutzer zwar nicht daran, den Internetbrowser korrekt zu benutzen. Es stellt aber eine Einschränkung hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit des Produkts dar und macht auf die Problematik aufmerksam, die mit der Anpassung ausländischer Software verbunden ist.

Diese Problematik liegt darin begründet, dass Software ein Produkt ist, das aus einem bestimmten Kulturkreis stammt. Bestimmte Inhalte (in diesem Fall die verwendeten Symbole) sind stark von der Ausgangskultur geprägt. Da sie nicht verändert werden können, muss ein Weg gefunden werden, dem zielsprachigen Nutzer diese kulturspezifischen Inhalte auf eine andere Art und Weise verständlich zu machen. Dies erfolgt auf der sprachlichen Ebene.

Die Anpassung ausländischer Filme steht vor dem gleichen Problem. Ausländische Filme enthalten kulturspezifische Inhalte, die dem deutschen Publikum möglicherweise unbekannt und somit unverständlich sind. Diese Inhalte kommen nicht nur auf der sprachlichen Ebene zum Vorschein. Bei Filmen sind sie vor allem in Bildern zu finden. Da die Bilder nicht verändert werden können, muss das Verständlichmachen der unbekannten Inhalte mit Hilfe sprachlicher Mittel erfolgen.

Die Parallele, die zwischen Software und Filmen besteht, ist der Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit. Die Annahme ist dabei, dass die unterschiedlichen Prozesse, in denen Software und Filme für ein Zielpublikum aus einem anderen Kulturkreis angepasst werden, vor ähnlichen Problemen und Schwierigkeiten stehen.

1.1 Intention und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit soll eine Einführung in die Anpassung von ausländischen Filmen für das deutsche Publikum aus der Perspektive der Lokalisierung darstellen. Zur Feststellung der Kulturspezifika und ihrer Übertragung wird die Synchronisation im Laufe dieser Arbeit als eine Form der Lokalisierung von Filmen dargestellt. Die Lokalisierung ist ebenso wie die Synchronisation eine besondere Form der Übersetzung. Beide haben den reibungslosen Ablauf interkultureller Kommunikation zum Ziel. Darüber hinaus wird im Laufe der Arbeit auf Analogien zur Softwarelokalisierung eingegangen, mit denen zu rechnen ist, da es sich sowohl bei Software aber auch bei Filmen um technische Medien handelt, deren Anpassung an den Zielmarkt mit bestimmten Einschränkungen verbunden ist. Trotz der Parallele wird der technische Aspekt nicht weiter thematisiert. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den sprachlichen Teil der Übertragung kulturspezifischer Inhalte und Konventionen.

Ein Schwerpunkt liegt in der Darstellung der heutigen Synchronisationspraxis. Den Einstieg in die Thematik stellt die globale Situation dar, die die Anpassung von Filmen notwendig macht (Kap. 2). Da ausländische Filme nicht mehr aus den deutschen Kinos wegzudenken sind, müssen sie an unsere Sprache und unsere kulturellen Eigenheiten angepasst werden. Die Synchronisation, die diese Aufgabe der Anpassung übernimmt, wird zu einem Vermittler zwischen den Sprachen und Kulturen. Durch sie wird interkulturelle Kommunikation ermöglicht. Die Begriffe Kultur und Kommunikation werden in Kapitel 3 näher erläutert. In Kapitel 4 werden die verschiedenen, in Deutschland gängigen, Synchronisationsformen dargestellt. Darüber hinaus werden sowohl die Einflüsse von Zensuranstalten als auch die Anforderungen der Auftraggeber und die Wünsche der Endverbraucher dargelegt. Anschließend werden in Kapitel 5 Faktoren aufgeführt, die die Produktion der zielsprachigen Dialoge beeinflussen. Diese Faktoren betreffen die verschiedenen Arten der Synchronität. Die drei wichtigsten (Quantitative Lippensynchronität, Qualitative Lippensynchronität sowie die Synchronität von Sprache und Gesten) werden in diesem Kapitel demonstriert. Kapitel 6 beschreibt den Synchronisationsprozess. Dabei werden die einzelnen Etappen vom Projektmanagement bis zur abschließenden Mischung von Bild und Ton beleuchtet.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Untersuchung ausländischen Filmmaterials, das bereits einer Anpassung unterzogen wurde (Kap. 7). Ziel dabei wird es sein, anhand ausgewählter Dialoge und des Bildmaterials aufzuzeigen, wie die Übertragung kulturspezifischer Inhalte, die sich einerseits sprachlich und andererseits in Bildern äußern, realisiert wurde, ohne auf die Qualität der übertragenen Inhalte einzugehen. Da das besondere Augenmerk auf der Untersuchung der kulturspezifischen Inhalte liegt, wird sich die Untersuchung der Synchronität auf besonders auffällige Textstellen beschränken. Abschließend erfolgt eine vergleichende Analyse der Filme im Hinblick auf besondere Auffälligkeiten, zur weiteren Charakterisierung synchronisierter Filme. Als Analysematerial dienen zehn US-amerikanische Spielfilme, die zwischen 1999 und 2006 erschienen sind.

1.2 Begriffliche Abgrenzung

Zur Veranschaulichung und Einordnung der Synchronisation als eine Form der Lokalisierung wird das folgende Modell (Abb. 1.1) verwendet, das eigens für diese Arbeit entworfen wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.1: Synchronisation als eine Form der Lokalisierung

1.2.1 Globalisierung

Globalisierung beschreibt in erster Linie das Streben eines Unternehmens danach, seine Produkte außerhalb der nationalen Märkte anzubieten. Dies schließt alle betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Aktivitäten mit ein, die technische, wirtschaftliche und gesetzliche Aspekte der regionalen Zielmärkte betreffen. Dazu zählen internationales Marketing und internationaler Vertrieb. In einem Unternehmen sind hierfür die Marketingabteilungen zuständig.[1] Aufgrund des Wunsches eines Unternehmens, seine Produkte auf anderen regionalen Märkten anzubieten, wird Internationalisierung und Lokalisierung notwendig.

1.2.2 Internationalisierung

Unter Internationalisierung wird die Entwicklung eines Produkts mit Hinblick auf eine leichte Anpassung an die Zielmärkte verstanden. Durch Internationalisierung soll der Lokalisierungsprozess begünstigt und beschleunigt werden.[2]

Bei der Produktion von Software steht bereits in der Entwicklungsphase fest, dass das fertige Produkt auf dem internationalen Markt angeboten wird. Da Software überwiegend in englischer Sprache produziert wird und somit für die Zielmärkte angepasst werden muss, kann die Internationalisierung den Aufwand bei der tatsächlichen Anpassung des Produkts, der Softwarelokalisierung, bedeutend verringern. Konkret äußert sich die Internationalisierung von Software u.a. darin, dass Elemente, die später angepasst werden müssen, im Programmcode nicht fest codiert werden. Bei der Dokumentation wird mit Hilfe von kontrollierter Sprache versucht, einen möglichst kulturneutralen Text zu formulieren.

In Filmen ist eine Internationalisierung des Produkts in technischer Hinsicht nicht gegeben. Von einer Internationalisierung im Hinblick auf eine positive Beeinflussung des gesamten Synchronisationsprozesses kann jedoch gesprochen werden, wenn bereits bei der Produktion des Films in der Ausgangssprache festgelegt wird, ob dieser später auf dem internationalen Markt erscheinen wird. Auf diese Weise kann eine frühzeitige Planung der Synchronisation stattfinden, so dass auch gleichzeitig die zusätzlichen Kosten für die Synchronisation mit einkalkuliert werden können. Entscheidet sich ein Auftraggeber kurzfristig einen Film synchronisieren zu lassen (dies kann der Fall sein, wenn ein Film überraschend sehr erfolgreich im Ausgangsland war), so ist die anschließende Synchronisierung des Films mit hohem Zeitdruck und wenig Budget verbunden. Dies wirkt sich negativ auf den gesamten Synchronisationsprozess aus.

1.2.3 Lokalisierung

Lokalisierung beschreibt den tatsächlichen Prozess, in dem ein Produkt an die Sprache und Kultur des Ziellandes angepasst wird.[3] Je nach Produkt unterscheidet sich der Anpassungsprozess. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden unter Lokalisierung alle Prozesse verstanden, die darauf abzielen, ein ausgangssprachliches Produkt an die sprachlichen und kulturellen Gegebenheiten des entsprechenden Ziellandes anzupassen. In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt zwar auf dem Synchronisa­tionsprozess, dennoch werden sowohl die Software- als auch die Website-Lokalisierung Beachtung finden.

1.2.3.1 Softwarelokalisierung

Bei der Softwarelokalisierung werden Softwareprodukte (Software und die dazugehörige Dokumentation) an die Gegebenheiten der regionalen Zielmärkte angepasst. Bei der Anpassung der Software werden z.B. Textelemente, die auf der Benutzeroberfläche zu sehen sind, übersetzt. Ferner werden Kulturspezifika, wie Datumsangaben, Maßeinheiten und Adressformate, angepasst. Die Lokalisierung der Dokumentation umfasst die Anpassung der Dokumentation in Papierform (Handbücher, Installationsanweisungen, Garantiekarten usw.) sowie der Onlinedokumentation.

1.2.3.2 Website-Lokalisierung

Die Website-Lokalisierung verfolgt das gleiche Ziel wie die Softwarelokalisierung. Dies besteht darin, Websites sprachlich und kulturell für das Publikum des Zielmarktes anzupassen. Der Unterschied zur Softwarelokalisierung liegt im Medium selber und im Anpassungsprozess.

1.2.3.3 Synchronisation

Im Allgemeinen beschreibt Synchronisation in der Filmindustrie alle Operationen, die darauf abzielen, Bild und Ton eines Films so zu gestalten, dass sie eine Einheit bilden.[4] Dies wird mit Hilfe unterschiedlicher Synchronisationstypen erreicht.

Für diese Diplomarbeit, die sich mit der Untersuchung ausländischer Filme beschäftigt, die auf dem deutschen Markt angeboten werden, ist insbesondere der Synchronisationstyp Postsynchronisation von Interesse. Dieser Typ der Synchronisation beschäftigt sich mit der Nachbearbeitung des Bild- und Tonmaterials und findet statt, nachdem alle Szenen eines Films gedreht wurden. Ausländische Filme, die den deutschen Markt erreichen, unterliegen grundsätzlich einer zweifachen Postsynchronisation. Erstens findet eine Postsynchronisation im Ausgangsland statt, wenn Szenen des Films eine schlechte Tonqualität in der Ausgangssprache aufweisen. Dies ist häufig bei Aufnahmen im Freien der Fall, wenn Dialoge aufgrund der Geräusche aus der Umgebung schwer verständlich sind. Im zweiten Prozess der Postsynchronisation, der im Zielland stattfindet, werden die neuen, zielsprachigen Dialoge angefertigt und anschließend aufgenommen. Dieser Prozess, in dem die ausgangssprachige Version des Films in die Zielsprache übertragen wird, bildet den Interessenschwerpunkt dieser Arbeit.

Obwohl der Begriff Synchronisation alle Bearbeitungsformen umfasst, wird im Laufe dieser Arbeit unter Synchronisation der Prozess verstanden, in dem lippensynchrone Fassungen eines ausländischen Films für das deutsche Publikum produziert werden.

Den Einstieg in die Thematik stellt die globale Situation dar, die die Anpassung ausländischer Produkte an die Zielmärkte notwendig macht.

[...]


[1] Vgl. Schmitz (2000:2)

[2] Vgl. Schmitz (2000:2)

[3] Vgl. Schmitz (2000:3)

[4] Vgl. Toepser-Ziegert (1978:1)

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Lokalisierung von Filmen für das deutsche Publikum anhand ausgewählter Filmpassagen
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Anhalt in Köthen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
101
Katalognummer
V81897
ISBN (eBook)
9783638840156
ISBN (Buch)
9783638840408
Dateigröße
2129 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lokalisierung, Filmen, Publikum, Filmpassagen
Arbeit zitieren
Radoslaw Turulski (Autor), 2007, Lokalisierung von Filmen für das deutsche Publikum anhand ausgewählter Filmpassagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81897

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