Die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist noch nicht
gelungen, wie das Fazit der Bundesregierung in ihrem 2. Armuts- und
Reichtumsbericht zeigt: „Die Teilhabechancen der ausländischen Bevölkerung sind
gegenwärtig noch nicht ausreichend. Ihre ökonomische und soziale Situation
unterscheidet sich nach wie vor deutlich von der Situation der
Gesamtbevölkerung.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005: XLVI). Migranten in Deutschland sind häufiger von Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und niedrigeren
Einkommen betroffen als die deutsche Bevölkerung. Diese Entwicklung ist der
Öffentlichkeit zwar bekannt, doch worin mag die fehlende Integration der
Migranten auf dem Arbeitsmarkt begründet sein, ungeachtet dessen, dass ein
Großteil von ihnen in Deutschland geboren, mit der hiesigen Sprache
aufgewachsen und hier zu Schule gegangen ist?
Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Situation von
Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Anhand der Indikatoren
Arbeitslosen- und Sozialhilfequote und ihrer spezifischen Beschäftigungssituation
wird dargestellt, wie sehr sich die Teilhabechancen der ausländischen Bürger von
der deutschen Bevölkerung unterscheidet. Die Frage, wovon die Integration der
Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt abhängt, steht im zweiten Teil dieser
Arbeit im Fokus. Hierbei spielen die Schulbildung und im Anschluss daran die
betriebliche Ausbildung eine entscheidende Rolle, da Jugendliche hier
Qualifikationen erwerben, die ihnen den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglichen.
Der Vergleich zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen steht im
Vordergrund. Türkische Migranten bilden die größte Einwanderungsgruppe in
Deutschland und weisen in vielen Bereichen, wie beispielsweise der ökonomischen Situation der Familie und der Bildung, die größten Differenzen zu
deutschen Jugendlichen auf. Im dritten Teil wird die Studie von van Tubergen et
al. (2004) vorgestellt, die sich mit der ökonomischen Integration von Migranten
aus verschiedenen Herkunftsländern in einer Reihe von Zielländern beschäftigt.
Diese breit angelegte Studie ist die erste ihrer Art, die einige interessante Aspekte
zu der ökonomischen Integration von Einwanderern mit Hilfe von Kompositionsund
Kontexteffekten erkennen kann. Welche Faktoren fördern die Integration von
Immigranten, welche Faktoren wirken eher hinderlich? Diese Frage soll im Fazit
noch einmal speziell für die türkischen Immigranten in Deutschland beantwortet
werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die aktuelle Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt
3. Wovon hängt die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab?
3.1 Schulbildung
3.1 Berufliche Bildung
4. Wie sieht die ökonomische Integration von Migranten im Ländervergleich aus?
4.1 Kompositionseffekte
4.2 Kontexteffekte
4.3 Hypothesen und Ergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der mangelnden Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt, wobei insbesondere der Einfluss von Bildungsabschlüssen sowie die Ergebnisse einer internationalen Vergleichsstudie analysiert werden, um Unterschiede zwischen Migrantengruppen zu erklären.
- Aktuelle Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt
- Einfluss von Schulbildung auf den späteren Berufseinstieg
- Die Rolle der beruflichen Ausbildung im dualen System
- Ökonomische Integration von Migranten im internationalen Ländervergleich
- Analyse von Kompositions- und Kontexteffekten als Integrationsfaktoren
Auszug aus dem Buch
3. Wovon hängt die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab?
Der Schulerfolg spielt eine erste und entscheidende Schlüsselrolle für den späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt der Jugendlichen. Gute Schulnoten vor allem in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik und der Abschluss der Realschule oder des Gymnasiums sind die Kriterien, nach denen Arbeitgeber ihre Auszubildenden aussuchen. In vielen Ausbildungsberufen werden die Bewerbungen von Absolventen der Hauptschule direkt abgelehnt, da die Arbeitgeber ihre Lehrstellen mit Realschülern oder Gymnasiasten besetzen möchten und können.
Die Zusage für eine Lehrstelle und der erfolgreiche Abschluss einer betrieblichen Ausbildung oder eines Studiums stellen den zweiten grundlegenden Schlüsselfaktor für die Integration in den Arbeitsmarkt dar. Nur wer hier erfolgreich ist, hat Chancen auf ein sicheres und stabiles Beschäftigungsverhältnis. Für diejenigen, die diese Qualifikationen nicht aufweisen können, bieten sich zumeist nur Tätigkeiten in ungelernten Berufen, in geringfügiger Beschäftigung und Teilzeitarbeit, im schlimmsten Fall droht die Arbeitslosigkeit. Die Qualifikation durch ein Studium erleichtert den Eintritt in das Arbeitsleben ebenfalls deutlich, sie ist jedoch in dieser Arbeit nicht von Interesse, da die Aufnahme durch eine Universität oder Fachhochschule durch objektive Gegebenheiten wie Notendurchschnitt, Wartesemester usw. geregelt ist. Darüber hinaus kommt eine akademische Laufbahn nur für die Jugendlichen in Betracht, die das Gymnasium besucht haben. Die betriebliche Ausbildung hingegen ist eine Möglichkeit für die Absolventen aller Schulformen, sich Qualifikationen für den Arbeitsmarkt anzueignen, die von individuellen und subjektiven Faktoren abhängt. Schließlich muss ein Lehrstellenbewerber den Personalchef in einem persönlichen Gespräch erst von seinen Fähigkeiten überzeugen und ist somit dessen subjektiven Einstellungen unterworfen. Daher ist die Frage, ob in der beruflichen Ausbildung Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen existieren, für diese Arbeit von größerem Interesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Integration und verdeutlicht die problematische Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt anhand offizieller Berichte und Statistiken.
2. Die aktuelle Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Das Kapitel belegt durch Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten, dass Migranten ein deutlich höheres Risiko für prekäre Beschäftigungsverhältnisse tragen als die deutsche Bevölkerung.
3. Wovon hängt die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab?: Hier wird untersucht, wie Schulerfolg und betriebliche Ausbildung als entscheidende Faktoren den Eintritt in das Arbeitsleben beeinflussen.
3.1 Schulbildung: Dieser Abschnitt analysiert die ethnischen Ungleichheiten bei Bildungsübergängen und den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, PISA-Ergebnissen und Schulleistungen.
3.1 Berufliche Bildung: Es wird dargelegt, warum ausländische Jugendliche im dualen Ausbildungssystem unterrepräsentiert sind und welche Kriterien bei der Lehrstellenvergabe eine Rolle spielen.
4. Wie sieht die ökonomische Integration von Migranten im Ländervergleich aus?: Dieses Kapitel stellt eine Studie vor, die mittels Kompositions- und Kontexteffekten untersucht, warum Integrationserfolge von Migranten international variieren.
4.1 Kompositionseffekte: Erläutert werden individuelle Faktoren wie Bildung und Herkunft, die laut Humankapital-Theorie die ökonomische Position von Einwanderern bestimmen.
4.2 Kontexteffekte: Hier steht die soziologische Perspektive im Vordergrund, wie Diskriminierung und gesellschaftliche Bedingungen den Integrationserfolg von Migrantengruppen beeinflussen.
4.3 Hypothesen und Ergebnisse: Es werden die empirisch bestätigten Kompositions- und Kontexthypothesen der untersuchten Studie im Hinblick auf Erwerbsbeteiligung und Beschäftigungsquote zusammengefasst.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zur ungleichen Teilhabe am Arbeitsmarkt zusammen und ordnet diese für die Situation türkischer Migranten in Deutschland ein.
Schlüsselwörter
Migration, Arbeitsmarktintegration, prekäre Beschäftigung, Bildungsungleichheit, berufliche Ausbildung, duales System, Kompositionseffekte, Kontexteffekte, Humankapital, Diskriminierung, türkische Migranten, Schulerfolg, Arbeitslosenquote, PISA-Studie, soziale Distanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die ungleiche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am deutschen Arbeitsmarkt und untersucht die Ursachen für diese Benachteiligung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die aktuelle Beschäftigungslage, die Rolle der Schulbildung, der Zugang zum dualen Ausbildungssystem sowie internationale Vergleiche zur ökonomischen Integration.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Faktoren, die die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt beeinflussen und warum insbesondere türkische Jugendliche trotz teils langer Aufenthaltsdauer schlechtere Chancen haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es handelt sich um eine Literatur- und Studienanalyse, die insbesondere auf soziologische Theorien zur Migration sowie auf die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien (u.a. van Tubergen et al.) zurückgreift.
Welche Schwerpunkte hat der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse individueller Bildungsbiografien und die Untersuchung von sogenannten Kompositions- und Kontexteffekten auf makroökonomischer Ebene.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Migration, Humankapital, Bildungsbenachteiligung, Diskriminierung und das Konzept der Kontexteffekte.
Wie erklären sich die Ergebnisse für türkische Jugendliche?
Die Studie zeigt, dass türkische Jugendliche durch Faktoren wie Bildungsniveau, Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen häufig eine ungünstig selektierte Gruppe darstellen.
Welche Bedeutung haben "Kompositionseffekte" laut der Arbeit?
Diese Effekte beziehen sich auf individuelle Eigenschaften der Migranten (wie Qualifikationen), die darüber entscheiden, ob sie in ein Land einwandern und dort erfolgreich am Arbeitsmarkt teilhaben können.
- Quote paper
- Nadine Jäckering (Author), 2007, Die Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81918