Transnational Kooperation als Marketingstrategie im Kulturtourismus. Das Beispiel: Die Hansestadt Lübeck in der Ostseeregion


Diplomarbeit, 2001
126 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kartenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Fotoverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problematik
1.2. Methodik
1.3. Literatur/Publikationen

2. Definitionen
2.1. Transnationale Kooperation
2.2. Marketingstrategie
2.3. Kulturtourismus
2.4. Hansestadt Lübeck
2.4.1. Geographische Angaben
2.4.2. Physiogeographische Grundlagen
2.4.3. Stadtgründung und -entwicklung
2.5. Ostseeregion

3. Transnationale Kooperationen und Netzwerke
3.1. Warum Kooperation?
3.1.1. Zwei Formen der Kooperation
3.1.2. Drei Phasen der Kooperation
3.1.3. Kooperation und Marketing
3.2. Netzwerkansatz
3.2.1. Definition „Netzwerk“
3.2.2. Netzwerk und Kooperation
3.2.3. Netzwerkmodell
3.2.4. Regionale Netzwerke
3.2.5. Städtenetze

4. Arbeitsgemeinschaft HOLM
4.1. Mitglieder
4.2. Ausgangslage und Motivation
4.3. Organisation und Aufgabenverteilung
4.3.1. Leitungsgremien
4.3.2. Arbeitsgremien
4.3.3. Geschäftsstelle
4.4. Zehn Städtenetzkriterien

5. EU - Projekt „HOLM - Pearls of the North“
5.1. Beschreibung
5.2. Präsentation der Teilnehmer
5.2.1. Lübeck
5.2.1. Lübeck
5.2.2 Andere Projektteilnehmer
5.2.2.1. Ostholstein
5.2.2.2. Schleswig
5.2.2.3. Nordwestmecklenburg
5.2.2.4. Hansestadt Wismar
5.2.2.5. Schwerin
5.2.2.6. Karlskrona
5.2.2.7. Kalmar
5.2.2.8. Växjö
5.2.2.9. Halden/Østfold
5.3. Organisationsstruktur
5.3.1. „Perlen“
5.3.2. Nachhaltigkeit
5.4. Interreg II C – Ostseeraum

6. Marketingstrategien
6.1. Ziele im kulturtouristischen Marketing
6.2. Das Angebot
6.3. Zielgrößen
6.3.1. Leitbild
6.3.2. Image
6.3.3. Bekanntheit
6.3.4. Positionierung
6.3.5. Corporate Identity
6.3.6. Corporate Design
6.3.7. Kommunikation
6.4. Ausgewählte Probleme in der Arbeitsgemeinschaft und im Projekt
6.4.1. Kein Nutzen
6.4.2. Fehlende Motivation
6.4.3. Mangelndes Vertrauen
6.4.4. Mangelnder Informationsaustausch und Kommunikation
6.4.5. Wechselnde Akteure
6.4.6 Keine Identität
6.4.7. Mangelndes Interesse

7. Andere Organisationen
7.1. Baltic Sea Tourism Commission
7.2. Union of the Baltic Cities
7.3. Deutsches Küstenland e.V
7.4. PROTOUR e.V
7.5. REWAS e.V
7.6. Ostseebäderverband Schleswig-Holstein e.V
7.7. Deutsche Zentrale für Tourismus e.V
7.8. Landesregierung Schleswig-Holstein
7.8.1. Landesplanung und kommunale Planung
7.8.2. Kulturangebote
7.8.3. Sport
7.8.4. Marketing
7.8.5. Tourismuspolitik
7.9. Zusammenfassung

8. Ziele und Empfehlungen im Handlungsfeld Kultur und Tourismus
8.1. Begründung
8.2. Finanzierung, Paketangebote und koordinierte Vermarktungsansätze
8.2.1. Finanzierung
8.2.2. Paketangebote
8.2.3. Koordinierte Vermarktungsansätze
8.2.3.1. „Balder“
8.2.3.2. „Smart“
8.3. Perlenkette
8.3.1. Lübecker „Perlen“
8.3.2. Auswahl und Anzahl der „Perlen“
8.3.3. Zusammenhang der „Perlen“
8.3.4. Themenvorschläge
8.3.4.1. Eine Tour zu historischen Siedlungsplätzen
8.3.4.1. Eine Tour zu historischen Siedlungsplätzen
8.3.4.2. Backsteingotik
8.3.4.3 LiteraTOUR
8.3.4.4. Ars Baltica
8.3.4.5. Weitere Vorschläge
8.3.5. Events
8.4. Qualitätsmanagement-Leitlinien
8.5. Qualifizierungsangebote
8.5.1. Tourismuskonzeption Schleswig-Holstein
8.5.2. „Baltic Tourism Academy“ (BTA)
8.5.3. Pro Baltica
8.5.4. Weitere Organisationen
8.6. Überblick

9. Zusammenfassung und Ausblick

10. Literatur

11. Anhang
1. Fragebogen
2. Ostseekooperation in der öffentlichen Wahrnehmung (Presseschlagzeilen)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Marketingstrategie

Abb. 2: Netzwerkmodell im Kulturtourismus

Abb. 3: Kontext zwischen Kooperation, Städtenetz und Netzwerk

Abb. 4: Grundmuster HOLM

Abb. 5: Organigramm LTZ/LTS

Abb. 6: Entwicklung Marketingbudget 1991-2001

Abb. 7: HOLM – ein nationales und transnationales Projekt

Abb. 8: Netzwerkmodell HOLM

Abb. 9: Von regionalen USP zur überregionalen ULP

Abb. 10: Logo „Pearls of the North“

Abb. 11: Vertrauen und Kosten

Abb. 12: Netzwerkmodell transnationaler Organisationen

Abb. 13:Netzwerkmodell in der Perlenkette „Völker in der Ostseeregion“

Kartenverzeichnis

Karte 1: Ostseeregion

Karte 2: Schleswig-Holstein

Karte 3: Ostholstein

Karte 4: Nordwestmecklenburg

Karte 5: Karlskrona - Kalmar - Växjö - Halden

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Übersicht Projektteilnehmer

Tab. 2: Kooperationsmarkt der DZT

Tab. 3: Mitgliedschaften in Organisationen

Tab. 4: Perlenkette

Tab. 5: „Perlen“-Zusammenhang

Tab. 6: Besucherzahlen der „Perlen“

Tab. 7: Events in der Ostseeregion

Tab. 8: Transnationale Projekte

Fotoverzeichnis

Foto 1: Holstentor

Foto 2: Historische Altstadt

Foto 3: Buddenbrookhaus

Foto 4: Burgkloster

Foto 5: St. Annen-Museum

1. Einleitung

1.1. Problematik

Vor dem Hintergrund der europäischen Einigung hat die Ostseeregion einen hohen Stellenwert, könne sie doch im Zuge der Erweiterungen der Europäischen Union zu „dem europäischen Binnenmeer“ und „einer der Zukunftsregionen Europas“ werden (Schultheiß S. 27 und Kindsmüller S. 37 in Wellmann).

Elf Jahre sind mittlerweile seit dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ zwischen Ost und West vergangen und transnationale Kooperation habe sich zum „Tagesgeschäft“ entwickelt, viele würden sich aber auch noch schwer tun (vgl. Wellmann S. 7). Dabei kommt der Zusammenarbeit im Tourismus eine immer größere Bedeutung zu, kann dieser doch als „Zukunftsindustrie des 21. Jahrhunderts“ (Opaschowski S. 26) einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Und weil die Ostseeregion nicht dauerhaftes schönes Wetter garantieren kann (vgl. Kapitel 2.5), spielt der Kulturtourismus, auch als saisonverlängernde Maßnahme, eine wesentliche Rolle. Lübeck kann dabei seine Position als „Tor zur Ostsee“ festigen und ausbauen.

Das Thema der Diplom-Arbeit wurde von der Lübeck und Travemünde Tourismus-Zentrale (LTZ) angeregt. Sie ist Mitglied diverser transnationaler Organisationen in der Ostseeregion und verfolgt damit eine Strategie zur Vermarktung der Hansestadt Lübeck. Ausgangspunkt war die Frage nach der Notwendigkeit einer Mitarbeit im Interreg-II-C-Projekt „HOLM – Pearls of the North“ der Europäischen Union (EU), mit Teilnehmern aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Schweden und Norwegen, welches zum großen Teil identische Ziele anderer Projekte verfolgt, in denen die LTZ bereits aktiv ist. Aufmerksamkeit erregte das HOLM-Projekt beim Verfasser im Rahmen eines Praktikums in der LTZ 1998. Während der daran anschließenden Tätigkeit in dem Unternehmen wurde das Projekt aktiv begleitet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind in diese Arbeit eingeflossen.

Bereits die ersten Nachfragen bei anderen transnationalen Projekten ergaben, daß dort enge thematische Zusammenhänge zum HOLM-Projekt existieren. Allerdings scheint die Motivation einer Kooperation, sowohl innerhalb des HOLM-Projektes als auch mit anderen Projekten, eher gering zu sein, wie im Hauptteil noch gezeigt wird. Weiterhin konnte ermittelt werden, daß die Anzahl transnationaler Kooperationen mittlerweile unübersichtlich geworden ist, so daß niemand der befragten Experten auf dem Gebiet der Ostseekooperation weder die genaue Anzahl, noch deren konkrete Aufgaben kennen. Es fehlt eindeutig eine Koordinationsstelle.

Die Problematik läßt sich nahezu auf alle Akteursebenen anwenden: So faßt Wellmann (S. 7) vom Schleswig-Holsteinischen Institut für Friedenswissenschaften zusammen: „Mittlerweile ist in der Ostseeregion ein nur noch schwer überschaubares Geflecht von großen und kleinen Organisationen, informellen Netzwerken, dauerhaften Partnerschaften und punktuellen Kooperationsbeziehungen entstanden.“

Dies bestätigt der Geschäftsführer der „Baltic Sea Tourism Commission“ (BTC): „Es gibt sehr viele Organisationen im Ostseeraum und die eine weiß von der anderen nicht, was sie macht“ (e-mail vom 23.11.1999).

Nach Mitteilung des Europaministeriums des Landes Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile rund 70 Organisationen, Gremien und Initiativen auf staatlicher und nicht-staatlicher Ebene (Europa ABC, Blatt 3, Stand Ende 1999). Auf Nachfrage im Ministerium stellte sich heraus, daß selbst dort die genaue Anzahl nicht bekannt sei und es auch keine Übersicht über diese Organisationen usw. gebe. Der Wert ergebe sich nur aus einer Schätzung.

Die Angaben der Mitarbeiter des HOLM-Projektes im Fragebogen variieren von „zehn“ bis „mehrere tausend“.

In der europäischen Raumordnung sieht Ahlke (S. 374) das Hauptproblem in der großen Heterogenität der Interreg-II-C-Initiativen: hier biete sich ein „breites Themenspektrum mit einer Vielzahl unterschiedlicher Projektarten sowie große Aktionsräume mit einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure und Interessen. Es bestehe die Gefahr, daß aufgrund der zu großen Anzahl kleinerer Projekte, die untereinander wenig Gemeinsamkeiten aufweisen, keine klare Profilierung möglich sei. Es sollte ein „raumordnerischer Mehrwert“ entstehen und dieser auch als solcher erkannt werden.

Die Ostseekonferenz der Gewerkschaften bemerkt im Juli 1999, daß auch „die Vielzahl der heute in der Ostseeregion durchgeführten gewerkschaftlichen Projekte (...) die Frage nach Formen und Strukturen der Koordinierung (...) aufwerfen“ und daß es „bislang nur wenige Ansätze einer Vernetzung, eines Erfahrungsaustausches oder der Herstellung von Synergien gibt“ (Vision Ostsee 2010, S. 7).

Thomas (S. 115) bemängelt, daß es „kein Gesamtkonzept für eine europäische Tourismuspolitik“ gebe. „Eine Vielzahl von Akteuren innerhalb der Kommission“ (Generaldirektionen) beschäftige sich in „unkoordinierter Weise mehr oder weniger mit dem Tourismus.“ Diese seien „oft (...) über die aktuellsten touristischen Projekte der einzelnen Akteure nicht informiert, so daß die Gefahr gegenläufiger Aktionen und unzureichend wahrgenommenen Synergieeffekte hoch“ sei. Die dadurch bedingten Informations- und Koordinationsprobleme würden nach ihrer Meinung ein zusammenhängendes Vorgehen innerhalb der Kommission verhindern.

Schließlich sieht Fürst (S. 56) sogar Gründe für das Scheitern transnationaler Kooperationen in der zu großen Anzahl der Teilnehmer an den EU-Projekten, der Heterogenität in den Interessen und Ungleichheit in der Bereitschaft, für die regionale Kooperation Zeit und Personal zu investieren.

Daraus läßt sich die These ableiten: Es gibt eine unüberschaubare Anzahl transnationaler Kooperationen auf dem Gebiet des Kulturtourismus in der Ostseeregion, die trotz teilweise identischer Methoden und Ziele nicht miteinander kooperieren.

Welchen Beitrag zur Problemlösung kann hierzu die Geographie leisten? Diese Arbeit untersucht anhand des HOLM-Projektes, inwieweit eine Kooperation auf dem Gebiet des Kulturtourismus erfolgt. Im Vergleich dazu werden andere ausgewählte Projekte beschrieben, die den Verantwortlichen erlauben, Zusammenhänge sowohl innerhalb als auch außerhalb des Projektes zu erkennen und daraus entstehende Synergien, wie z.B. optimale Ausnutzung von finanziellen und personellen Ressourcen, zu nutzen.

Die Notwendigkeit des vernetzten Denkens im Tourismus betont Müller (in Haedrich, S. 485): „Was wir brauchen, ist mehr Einsicht und Verständnis für die Zusammenhänge, für Ursachen und Wirkungen. Im Tourismus als „Querschnittsdisziplin“ verbindet sich alles mit allem. Alle tourismuspolitischen Entscheidungen sind Entscheidungen in einem komplexen System. Doch in unserer Zeit der Spezialisierung haben wir weitgehend verlernt, in Zusammenhängen zu denken. (...) Unser Blickpunkt hat sich von der Betrachtung starrer Strukturen zu lösen und muß sich vermehrt flexiblen Prozessen zuwenden. Vernetztes Denken einerseits und Prozeßdenken andererseits ist vonnöten, wenn wir übergeordnete Steuerungs- oder Regelungsprinzipien erkennen wollen. Die Forderung nach globalem Denken wird auch in Tourismuskreisen immer lauter. Doch diese Denkweise will geübt sein.“

Auch die Geographie ist eine „Querschnittsdisziplin“; sie kann Zusammenhänge für eine optimale touristische Entwicklung von Regionen aufzeigen und somit einen wichtigen Beitrag als Koordinator zwischen den im Tourismus beteiligten Akteuren leisten.

1.2. Methodik

Die dieser Arbeit zugrundeliegenden Erkenntnisse wurden auf mannigfaltige Weise gewonnen: Neben der Literatur- und Internetrecherche wurden Experten-Interviews geführt sowie aktiv an Kongressen, Workshops und sonstigen Sitzungen teilgenommen. Darüber hinaus wurde für die Mitarbeiter am HOLM-Projekt ein zweiteiliger Fragebogen entwickelt. Dieser erforscht zum einen deren Kenntnisse und Ansichten zu transnationalen Projekten im Allgemeinen, zum anderen speziell die Kooperation innerhalb der „Pearls of the North“ und orientiert sich dabei an Erkenntnissen aus der Literaturrecherche sowie Projektuntersuchungen. Die Namen der Projektmitarbeiter wurden einer Liste des Projektkoordinators entnommen, die allen Teilnehmern zur Verfügung steht, sich aber während der Befragung als nicht mehr aktuell und fehlerhaft herausstellte. So wurde 36 Mitarbeitern ein Fragebogen zugesandt, von denen nicht mehr alle am Projekt beteiligt waren. Schließlich wurden zehn beantwortet, was einer Rücklaufquote von 28 Prozent entspricht. Bei der Auswertung werden aufgrund der übersichtlicheren Darstellbarkeit nur die Städtenamen erwähnt.

Die Ergebnisse des Fragebogens werden den jeweiligen Kapiteln zugeordnet.

Nach der Einleitung werden in Kapitel 2 die in dem Titel der Arbeit verwendeten Begriffe definiert. In Kapitel 3 werden Kooperationen, Netzwerke und Städtenetze beschrieben. Daraufhin wird in Kapitel 4 die Arbeitsgemeinschaft HOLM und in Kapitel 5 das HOLM-Projekt “Pearls of the North“ als Hauptuntersuchungsgegenstand in dieser Arbeit dargestellt, woran sich die Untersuchung der Marketingstrategie und von Problemen anschließt. In Kapitel 7 werden acht weitere Organisationen, Kooperationen und Initiativen behandelt, die in einem thematischen Kontext mit HOLM stehen. Den Abschluß des Hauptteils bildet in Kapitel 8 der kritische Vergleich der angestrebten Projektergebnisse mit dem Status Quo (Anfang 2001) sowie die Unterbreitung von Handlungsempfehlungen.

Im Schlußteil werden die Arbeitsergebnisse zusammengefaßt und ein Ausblick gegeben.

1.3. Literatur/Publikationen

Literatur speziell zu kulturtouristischen Kooperationen in der Ostseeregion konnte nicht ermittelt werden. Daher stützt sich die Theorie dieser Arbeit auf Werke zu Kooperationen touristischer Unternehmen (Freyer) sowie internationalem und regionalem Kulturtourismus und Marketing (Freyer, Lieb, Meyer, Heinze u.a.). Der Netzwerkansatz basiert überwiegend auf Arbeiten von Hagedorn und Specht sowie auf Publikationen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.

Informationen zur Ostseekooperation wurden aus Veröffentlichungen der Landesregierung und des Europaministeriums des Landes Schleswig-Holstein entnommen, auch wurden die Raumordnungsberichte Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns sowie die Tourismuskonzeption Schleswig-Holsteins 1996 zur Untersuchung herangezogen.

Anhand von Protokollen von Workshops und sonstigen Arbeitssitzungen werden die Arbeitsweise des Projektes und Stellungnahmen der Teilnehmer dargestellt.

Erkenntnisse über andere Organisationen wurden intensiv im Internet über die entsprechenden Homepages und per e-mail recherchiert.

Ergänzende Informationen, vor allem über Städte, Kreise und Länder, wurden diversen Broschüren, Statistiken und Presseartikeln entnommen.

2. Definitionen

2.1. Transnationale Kooperation

Der Begriff „Transnationale Kooperation“ wurde aus der europäischen Raumordnungspolitik übernommen. Übersetzt bedeutet transnational „überstaatlich“. In der Politikwissenschaft wird dieser Begriff synonym mit „grenzüberschreitend“ verwendet (Kleger, S. 288).

Der Begriff der Kooperation wird in der wissenschaftlichen Diskussion uneinheitlich benutzt. Nach Freyer (1997, S. 512) ist eine Kooperation eine „freiwillige, überbetriebliche und/oder zwischenbetriebliche Zusammenarbeit selbständiger Unternehmen.“ Und Wellmann (S. 7) faßt transnationale Kooperation als „eine nicht an nationalstaatlichen Grenzen orientierte, sondern diese überspringende Zusammenarbeit der unterschiedlichsten nicht-staatlichen Akteure.“

Übertragen auf den Untersuchungsraum wird hier die gemeinsame Leistungserbringung im Funktionsbereich Kulturtourismus zwischen Städten und Kreisen untereinander verstanden, wobei als das wesentlichste Merkmal der gegenseitige Austausch von Wissen und Informationen angesehen werden kann (vgl. Specht, S. 59).

2.2. Marketingstrategie

Touristisches Marketing ist die Vermarktung von Angeboten für Touristen. In der LTZ gibt es die Abteilung „Marketing“, die sich mit eben dieser Vermarktung befaßt.

Im Rahmen der Projekte sollen diverse Ziele mit Hilfe einer Strategie erreicht werden. Strategie ist laut Fremdwörter-Duden „eine genau geplante Verfahrensweise.“ Demnach ist eine Marketingstrategie das gesamte Planungsprogramm, das zu einer Zielerreichung führt.

Folglich ist die transnationale Kooperation zwischen Kooperationspartnern innerhalb der hier zu untersuchenden Projekte bzw. Organisationen in Anlehnung an Haedrich (S. 284) als „Stil einer Binnenmarketing-Strategie“ zu bezeichnen.

Abb. 1: Marketingstrategie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Kulturtourismus

In der untersuchten Literatur findet sich eine Vielzahl von Definitionen. Hier soll die folgende gelten: „Dieser nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orte und in Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezifisches Informationsmaterial nahezubringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus. Erst durch die touristische Aufbereitung bzw. Inszenierung im Sinne der Besucherbedürfnisse wird aus den kulturellen Ressourcen der Stadt ein vermarktungsfähiges und konsumierbares kulturtouristisches Angebot“ (Becker: Kulturtourismus 1993,S. 8, zitiert nach Wolber in Heinze, S. 127). Diese Definition habe nach Thomas (S. 80) „den Vorteil, daß sie nicht länderbezogen ist, sondern transnational auch auf andere europäische Staaten angewendet werden kann.“

2.4. Hansestadt Lübeck

Zu Beginn werden allgemeine geographische Angaben gemacht. Als Basis für den heutigen Kulturtourismus werden dann physiogeographische Grundlagen sowie Erläuterungen zur Stadthistorie und –physionomie genannt und im Hauptteil vertieft. Die am HOLM-Projekt beteiligten Institutionen aus Kultur und Tourismus werden in der Projektbeschreibung im Kapitel 5.2.1 vorgestellt.

2.4.1. Geographische Angaben

Lübeck ist eine von vier kreisfreien Städten im Bundesland Schleswig-Holstein. Sie befindet sich auf 53°51‘38‘‘ nördliche Breite und 10°43‘46‘‘ östlicher Länge, die mittlere Höhe beträgt 11 m, der höchste natürliche Punkt 37 m über dem Meeresspiegel. Die Stadtfläche mißt 21.414 ha, davon sind 4.406 ha bebaut. Die Ausdehnung des Stadtgebietes von Nordost nach Südwest beträgt 29 km und von Nordwest nach Südost 11 km. Der Umfang liegt bei 120 km (Quelle: Hansestadt Lübeck im Zahlenbild 2000).

2.4.2. Physiogeographische Grundlagen

Lübeck liegt in einem ehemaligen Eisstausee, eingebettet in den Jungmoränen der Weichsel-Eiszeit. Der Hügel der Altstadt, in seinem höchsten Punkt 16 Meter über NN hoch, ist von Erosionstälern umgeben, in denen die Flüsse Trave und Wakenitz fließen. Diese verleihen der Altstadt ihre Insellage (vgl. Bähr 1978).

2.4.3. Stadtgründung und -entwicklung

1143 erfolgte die Stadtgründung durch Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein. Er fand eine verlassene Burg[1], strategisch günstig gelegen, auf einem Hügel der Halbinsel „Buku“ vor. Der Name Lübeck wurde von „Liubice“ (= die Liebliche) von der alten slawischen Siedlung im Norden an der Mündung der Schwartau in die Trave übernommen.

1160 verlegte der Bischof seinen Sitz aus Sicherheitsgründen von Oldenburg nach Lübeck. 1163 wurde der Vorläufer des heutigen Domes am südlichen Ende des Stadthügels errichtet, erst aus Holz, zehn Jahre später aus Backstein. Die Lücken zwischen der herzöglichen Burg im Norden, dem Markt in der Mitte und dem Dom im Süden schlossen sich im Verlauf der nächsten hundert Jahre. Die Fassaden aus Treppen- und Stufengiebeln wurden fast ohne Zwischenräume aneinander gefügt, so daß ein einheitliches Stadtbild entstand.

Das Lübsche Recht nahmen sich ca. 100 Ostseestädte zum Muster, z.B. Wismar. Den wirtschaftlichen Aufschwung verdankt Lübeck vor allem seiner geographischen Lage am Schnittpunkt früherer Handelswege zwischen Ost und West und Nord und Süd. Die Routen führten von Rußland bis Spanien, Frankreich und Portugal sowie von Skandinavien nach Italien. Endpunkte dieser Nord-Süd-Verbindungen waren Barcelona, Genua und Venedig.

2.5. Ostseeregion

In der hier untersuchten Literatur finden sich sowohl der Terminus „Ostseeregion“ als auch „Ostseeraum“. Hier soll der Begriff „Ostseeregion“ verwendet werden.

Einige Historiker verwenden den Begriff Ostseeregion synonym mit Nordosteuropa und betrachten dabei die Ostsee als „die historische Klammer“ zwischen „Norddeutschland, fenno-skandinavisches Nordeuropa, östliches Ostmitteleuropa und Nordwestrussland“ (vgl. Troebst in Wellmann, S. 13/14). Kindsmüller sieht in der Ostseeregion in erster Linie einen „Kulturraum“ (in Wellmann, S. 40).

Die BTC definiert Ostseeregion in Anlehnung an das EU-Programm „Vision and Strategies around the Baltic Sea (VASAB 2010): „Das Gebiet als solches beinhaltet Polen, die beiden russischen Städte St. Petersburg und Kaliningrad mit Umgebung, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Berlin und Hamburg.“ Dieser Definition soll sich hier angeschlossen werden.[2]

Karte 1: Ostseeregion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf

Über die Bedeutung der Ostseeregion für den Tourismus schreibt die BTC:

“The Baltic Sea region is a rapidly growing tourism destination in Northern Europe. Nearly 80 million people live in the region and an increasing number of visitors are discovering the wealth of natural and cultural diversity that is available around the Baltic Sea. Today, tourism is a complement to the economies of Western Europe, and is becoming an attractive opportunity to transitional countries in central and Eastern Europe” (Quelle: www.baltic-tourism.com, Abfrage 19.09.2000).

Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten ist dabei dem Kulturtourismus ein hoher Stellenwert einzuräumen: Die südliche Ostseeregion befindet sich in der C-Klima-Zone (nach Köppen) und wird in der freien Atmosphäre ganzjährig von mittleren westlichen Winden überweht. Diese sogenannte atmosphärische Westwinddrift verfrachtet vom Atlantik her relativ feuchte und gemäßigt warme Luftmassen in die Ostseeregion, die aufgrund der flachen Landumgebung die südwestliche, südliche und zentrale Ostsee ganzjährig beeinflussen. Auch regnet diese Feuchte in diesen Gebieten innerhalb von Tiefdruckstörungen an den sie begleitenden Fronten aus (vgl. Defant in Newig, S. 88-91).

3. Transnationale Kooperationen und Netzwerke

Hier werden die Notwendigkeit von transnationaler Kooperation erläutert und daraus über den allgemeinen Netzwerkansatz ein kulturtouristisches Netzwerkmodell als geographische Kategorie abgeleitet. Den Übergang zur Arbeitsgemeinschaft HOLM bildet die Kooperationsform „Städtenetze“.

3.1. Warum Kooperation?

Petermann (S. 125) begründet die Notwendigkeit transnationaler Kooperationen mit den „gewandelten Rahmenbedingungen im Globalisierungsprozeß“, durch den sich „neue Anforderungen an die touristischen Unternehmen, Organisationen und Destinationen in Deutschland“ stellen würden. „Komplexe Erwartungen und gestiegene Ansprüche des Touristen an Information, Qualität, Service, Erlebniswert, Komfort, Sicherheit und Kontaktmöglichkeiten“ würden „individuelle und zielgruppenspezifische Angebote und damit kontinuierliche Verbesserungen und Anpassungen der Angebotspalette im Dienstleistungsbereich Tourismus“ erfordern.

Traditionelle Destinationen innerhalb Europas würden zu Zielen von Kurztrips und das Inland zu einem Tagesausflugsziel werden. Der Handlungsbedarf bei den Verantwortlichen sei somit erheblich.

Die Einzelstaaten, der Ostseerat (ein Zusammenschluß der Ostseeanrainerstaaten) und die EU bestimmen die Rahmenbedingungen für die Ostseekooperation. Mit Leben erfüllt können sie aber nur durch eine transnationale Zusammenarbeit der unterschiedlichsten nicht-staatlichen Akteure.

Engholm (in Wellmann, S. 70) bezeichnet Kultur als „Wegweiser“ für die Entwicklung Nordosteuropas.[3] Gemeinsamkeiten in der Geschichte und Kultur Nordosteuropas würden gute Grundlagen für eine intensive regionale Zusammenarbeit und Vernetzung bieten; gleichwohl würden deutliche Unterschiede in „Sprache, Kultur, Recht und Alltagsgewohnheiten“ existieren. Auch seien die Interessen keineswegs überall gleichgerichtet. Die Fähigkeit und die Bereitschaft, die Vielfalt zu erkennen, zu akzeptieren und so zu berücksichtigen, daß sie nicht zur Barriere für Zusammenarbeit würden, seien nicht automatisch gegeben, sondern müßten erst entwickelt und gelernt werden (vgl. auch Wellmann, S. 7-8).

Lübeck muß die Herausforderungen und Chancen nutzen und kann dabei als Vorreiter fungieren, ist die Stadt doch Keimzelle vieler Kooperationen in der Ostseeregion.

3.1.1. Zwei Formen der Kooperation

Fürst (S. 53) differenziert zwischen „projekt-“ und „regionsbezogener“ Kooperation: Die projektbezogene Kooperation findet ihren Ausgang in Projekten, die mehrere Akteure gemeinsam bearbeiten wollen. Bezug ist das Projekt, das die Kooperationspartner „selektiv rekrutiert“. Regionsbezogene Kooperation richtet sich auf „Entwicklungsperspektiven“ einer Region, aus der sich die Mitglieder der Kooperation zusammenstellen. Fürst weist aber darauf hin, daß eine exakte Trennung nicht immer möglich sei.

Die Anstöße zu dieser Kooperation stammen zum einen aus der Region selbst und zum anderen auf das Projekt bezogen von außerhalb der Region.

3.1.2. Drei Phasen der Kooperation

Fürst unterscheidet drei Phasenverläufe einer Kooperation (S. 54/55):

1. Die Initialphase findet vergleichsweise hochrangige Aufmerksamkeit. Niemand kann sich erlauben, nicht dabei zu sein, wie z.B. bei der Auftaktveranstaltung zum HOLM-Projekt in Lübeck 1999 (vgl. 4.1).
2. In der Entwicklungsphase besteht die Möglichkeit des Scheiterns bei Nichterfüllung der Erwartungen der Kooperationspartner.
3. Und in der Saturierungsphase werden sowohl die verbliebenen Kooperationspartner als auch die -themen selektiver, d.h. die Ziele sollten für alle abgestimmt und erreichbar sein.

3.1.3. Kooperation und Marketing

Die Entwicklung einer Kooperationsbeziehung zwischen Leistungsträgern definiert Lieb als „Beziehungsmarketing“ (S. 135), wobei sowohl die individuellen Leistungsstandards als auch der Einsatz von Koordinationsinstrumenten verbessert werden sollten. Länger andauernde und somit nachhaltige Kooperationen und angepaßte Zielvorstellungen sollen im Ergebnis zu gegenseitigem Vertrauen führen. D.h. wenn HOLM nach Ende der Projektlaufzeit ohne Ergebnis dasteht, könnte aus den Fehlern gelernt und ein neuer Anlauf genommen werden. Grundvoraussetzung der Kooperationspartner ist eine entsprechende Leistungsfähigkeit. Denn je konstruktiver und vertrauensvoller die Projektpartner kooperieren und je angepaßter die Zielvorstellungen sind, desto schneller und effektiver können die Partner ihre jeweiligen Wertesysteme angleichen und ihre jeweiligen Kompetenzvorteile in die Kooperation einbringen (vgl. Lieb S. 149). Funktioniert die Kooperation gut, steigt die Motivation der Projektpartner und die gemeinsam gesetzten Qualitätsziele können zur Verhaltensorientierung für deren Umsetzung genutzt werden.

3.2. Netzwerkansatz

Netzwerke finden sich nach Hagedorn/Meyer[4] heute „in allen gesellschaftlichen Bereichen, ob in technischer, kultureller, sozialer, politischer, unternehmerischer oder auch krimineller Ausprägung.“ Mit dem Netzwerkbegriff sind unterschiedliche (Be-) Deutungen, Erwartungen und Vorstellungen verbunden. Somit ist die „theoretische und praktische Interpretation von Netzwerken stets durch die jeweiligen Interessen der Netzwerkakteure und ihres situativen Kontextes“ bestimmt. Historisch gesehen sind Netzwerke „technisch-infrastrukturelle Konstruktionen“, wie z.B. Schienen- und Straßennetze, Strom- und Telefonnetze oder derzeit insbesondere das Internet.

3.2.1. Definition „Netzwerk“

Die folgenden Ausführungen orientieren sich ausschließlich an Specht:

„Ein Netzwerk kann (...) als eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform unterschiedlicher Aktivitäten dargestellt werden, die sich durch komplex-reziproke, (...) kooperative (...) und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen Unternehmen auszeichnet (...). Kooperationen als eine gemeinsame Ausübung betrieblicher Funktionen stellen lediglich eine spezifische Interaktionsform innerhalb eines Netzwerkes dar“ (S. 58/59).

Demnach wäre ein kulturtouristisches Netzwerk eine Verflechtung verschiedenartiger Akteure aus den Bereichen Kultur und Tourismus, die in Wechselwirkung zueinander stehen. Ein Netzwerk kann als loser Zusammenschluß, eingetragener Verein, GmbH usw. organisiert sein. Die Netzwerkpartner verfolgen ihre eigenen Interessen, koordinieren jedoch ihr jeweiliges Handeln zum Zwecke des Erreichens gemeinsamer Ziele, wobei intensive Kommunikation eine wichtige Rolle spielt.[5]

3.2.2. Netzwerk und Kooperation

Das verbindende Element zwischen Netzwerk und Kooperationen bestehe darin, daß Kooperationen sowohl als der Input als auch der Output eines Netzwerkes angesehen werden könnten. Netzwerke seien somit das Resultat einer Kooperationsstrategie (vgl. Abb. 3). Eine Kooperation ist eher durch die Beziehung zwischen zwei Akteuren gekennzeichnet, ein Netzwerk dagegen verkörpert „vermaschte Strukturen“ zwischen mehr als zwei Akteuren (S. 59).

3.2.3. Netzwerkmodell

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Funktionsweise eines Netzwerkes im Kulturtourismus, das sich aus drei Basisklassen von Variablen zusammensetzt: Akteuren, Potentiale und Aktivitäten. Es soll gleichzeitig als Modell für die weiteren hier in der Arbeit genannten Vernetzungen dienen.

Abb. 2: Netzwerkmodell im Kulturtourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Netzwerk zeichnet sich durch bestimmte „Aktivitäten/Potentiale-Kombinationen und deren Abhängigkeit untereinander aus“ (S. 60). Resultate gegenseitiger Abstimmungen und Anpassungen in Netzwerkbeziehungen seien Stabilität und Kontinuität. Die Kooperationspartner sollten an Strategien und Mechanismen interessiert sein, die der Kontinuität der Kooperation förderlich sind.

Gegenüber hierarchischen Formen der Zusammenarbeit verfügten Netzwerke über ein höheres Maß an Redundanz, was ihre Flexibilität erheblich erhöhe. Bei Netzwerkbeziehungen könne zwischen sehr engen Bindungen zu einigen wenigen Kooperationspartnern und eher losen Beziehungen zu einem größeren Kreis von Akteuren unterschieden werden.

Gerade in der Entwicklungsphase, die mit großer Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung einer Kooperation behaftet sei, sei es von Vorteil, sich mehrere alternative Optionen offenzuhalten, anstatt sich frühzeitig auf einen oder wenige Partner festzulegen. Weiterhin sichere Redundanz zum einen den Zugang zu komplementären Potentialen selbst dann, wenn ein Tauschpartner ausfallen sollte, und zum anderen würden Netzwerkbeziehungen im Unterschied zu hierarchischen Beziehungen die Möglichkeit eröffnen, an Lerneffekten der Tauschpartner zu partizipieren, die aus deren Beziehung zu Dritten resultierten. In diesem Zusammenhang könne von einem (regionalen) Lernsystem gesprochen werden.

Durch eine Kooperation könne individuell begrenzte Kompetenz, hier Marketing- bzw. Kulturkompetenz, ausgedehnt werden. Es würden sich dann Netzwerke aus Akteuren (Tourismus und Kultur) bilden, die über vertikale Aktivitäten (touristische Leistungen) miteinander verbunden sind.

Eine weitere Stärke von Kooperationen liege in der Möglichkeit der leichteren Durchsetzung von Akteursnormen und –standards.

Aufgrund dieser beschriebenen Vorteile sollte es im Interesse der Akteure sein, durch Netzwerkbeziehungen die ökonomischen Unsicherheiten neuer gemeinsamer Produkte (siehe Kapitel 8) zu reduzieren und damit Zeit und Geld einzusparen. Allerdings sei hierzu Vertrauen zwischen den Kooperationspartnern notwendig, denn nur durch eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens könne die Dichte der informellen Kommunikation erheblich gesteigert werden, und es seien auch bessere Möglichkeiten zur Entwicklung von Folgeinvestitionen gegeben (vgl. S. 62/63).

3.2.4. Regionale Netzwerke

Regionale Netzwerke können als Verortung von Verflechtungsbeziehungen in einem räumlich geschlossenen System definiert werden.

Kooperationen basierten zum größten Teil auf dem Austausch von Wissen in Form von wechselseitigen Informations- und Kommunikationsströmen. Wissen sei hierbei in zwei Arten zu differenzieren, in implizites und explizites Wissen. Explizites Wissen könne in Medien gespeichert und mittels Datenübertragung schnell und ohne nennenswerten Kostenaufwand über weite Distanzen transportiert werden (z.B. Internet). Impliziertes Wissen sei dagegen schwer formalisierbar, kommunizierbar und teilbar, weil es in den Köpfen einzelner Personen gespeichert sei (Gedanken oder Erfahrungen).

Der Austausch von strategischen Informationen brauche eine enge Vertrauensbasis zwischen den Akteuren. Dieses Vertrauen könne nur durch ständige Interaktion über einen längeren Zeitraum hinweg erreicht werden.[6] Dabei habe Vertrauen z.B. bei den Grundsatzentscheidungen der Strategien keine räumliche Dimension, d.h. Netzwerke müssen nicht zwangsläufig räumlich zu denken sein, sondern können auch kulturell, thematisch oder organisatorisch gesehen werden (vgl. ebd.).

Die Interaktion zwischen der lokalen und globalen Ebene betrachte man als Kern von Faktoren, die die zukünftige Organisation, auch von kulturtouristischen Organisationen, bestimmen werde. Die Region werde dadurch Bezugspunkt von Strategien, sie würden zunehmend in organisationsinterne vernetzte Strukturen eingebunden werden (vgl. ebd).

3.2.5. Städtenetze

Städtenetze werden hier als angewandtes Beispiel des Netzwerkansatzes verstanden.

„Städtenetze sind Kooperationsformen von Kommunen einer Region, bei der die Partner freiwillig und gleichberechtigt ihre Fähigkeiten und Potentiale bündeln und ergänzen, um gemeinsam ihre Aufgaben besser erfüllen zu können“ (Quelle: www.staedtenetzforum.de/site1, Abfrage 19.01.2000).

Der aktuelle Ansatz, der die kooperative Zusammenarbeit zwischen den Städten in den Mittelpunkt stellt, unterscheidet sich gegenüber bereits vorher existierenden städtischen Verbindungen „vor allem aufgrund seiner Konzentration auf aktive immaterielle Beziehungen und sozio-ökonomische Verflechtungen zwischen den einzelnen Städten, die auf die Erzielung längerfristig raumwirksamer Effekte angelegt sind“ (Spangenberger, S. 313ff).

Abb. 3: Kontext zwischen Kooperation, Städtenetz und Netzwerk

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Städtenetze stellten laut BBR eine Erprobung neuer Formen der kommunalen Kooperation dar, die für die weiteren regionalen Entwicklungen neue Impulse geben könnten. Hierbei solle das Zentrale-Orte-Netz durch ein flexibles Element zur Erzeugung von Synergien und Ressourceneinsparung ergänzt werden.

Insgesamt wurden bis 1998 zwölf Städtenetze mit mehr als 50 Städten als Modellvorhaben des BBR gefördert und durch das Institut „Raum und Energie“ (vgl. Kapitel 4.3.3) moderiert. Seit 1999 existiert ein „kontinuierlicher, bundesweiter Erfahrungsaustausch im Rahmen des „FORUM Städtenetze“ (Quelle: www.bbr.bund.de/moro/staedtenet, Abfrage 19.01.2000).

Netzstrukturen seien nach Ansicht des BBR auf die Beteiligung gewichtiger Akteure angewiesen (Ex perimenteller Wo hnungs- und St ädtebau - Informationen, S.5), sollten aber im Sinne der Nachhaltigkeit „personenunabhängige“ Strukturen aufbauen. Dabei sei es durchaus gewünscht, bereits vorhandene Strukturen einzubeziehen. Da Lübeck in vielen Kooperationen tätig ist, kommt ihr eine besondere aktive Rolle hinsichtlich einer Koordination der Netzakteure zu.

4. Arbeitsgemeinschaft HOLM

Die hier verwendeten Angaben beziehen sich auf Veröffentlichungen des BBR und des „Forums Städtenetze“. In diesem Kapitel werden die HOLM-Mitglieder, -Ziele, -Motivation und Organisation dargestellt. Am Ende werden die Städtenetzkriterien auf HOLM übertragen und analysiert.

4.1. Mitglieder

In HOLM sind drei Städte und zehn Landkreise bzw. kreisfreie Städte aus Schleswig- HOL stein und M ecklenburg-Vorpommern beteiligt.[7]

Zu den raum- und siedlungsstrukturellen Eigenschaften der HOLM-Partner zählen unterschiedliche Zentralitätsstufen, da Lübeck und Schwerin Oberzentren sind und Wismar ein Mittelzentrum ist. Die Arbeit war zu Beginn ausschließlich auf unverbindlichen Meinungsaustausch begrenzt. Bei Beginn konkreter und verpflichtender Projektarbeit schieden drei Landkreise aus. Eine nähere Präsentation der Partner erfolgt in Kapitel 5.3.

4.2. Ausgangslage und Motivation

Die Ausgangslage der Netzbildung HOLM waren die ursprünglich (1991) fehlenden regionalen Kooperationsstrukturen über die ehemalige innerdeutsche Grenze hinweg, die Chancen aus der Lage im Nachbarschaftsraum der metropolen Regionen Hamburg und Berlin sowie die Entwicklungsdynamik im Ostseeraum aus EU-Erweiterungen und Ostöffnung.

Als Motivation diente dabei die Zusammenarbeit von Städten und Kreisen, IHKs und DGB-Gliederungen über die Landesgrenzen von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hinweg, die gemeinsame Gestaltung des Zusammenwachsens über den nördlichsten Teil der ehemaligen innerdeutschen Grenze hinweg und ein

Modellcharakter für eine konkrete, von den Gebietskörperschaften getragene Entwicklung in der Ostseeregion (vgl. Werkstatt: Praxis S. 41).

In der Initialphase war interkommunale Kooperation außerhalb formaler Strukturen nicht üblich, es fehlte weitgehend eine informelle Kommunikationskultur und Informationsaustausch fand kaum statt. Kooperation erschien abgesehen von deren Initiatoren zunächst bestenfalls als zusätzliche Belastung, oft auch als Störfaktor (vgl. Kapitel 6.4).

Die Arbeitsgemeinschaft möchte sich künftig auf die Kooperation in ausgewählten Handlungsfeldern mit konkreten Schlüsselprojekten konzentrieren, wobei z. Zt. nur das hier untersuchte Projekt im Handlungsfeld „Kultur und Tourismus“ existiert. HOLM möchte parallel kontinuierlich ein regionales Leitbild entwickeln und dieses fortschreiben. HOLM versteht sich als Teil eines „Hansenetzes“, orientiert sich an der raumordnerischen Leitidee der „Städtenetze“ und nahm entsprechend am Forschungsfeld „Städtenetze“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen teil.

Fragebogen: Schwerin und Wismar sind mit dem Modellvorhaben „Städtenetze“ vertraut, Lübeck und Ostholstein nicht. Hier wurden nur die deutschen Teilnehmer befragt.

4.3. Organisation und Aufgabenverteilung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Grundmuster HOLM

Quelle: Werkstatt: Praxis S. 57

4.3.1. Leitungsgremien

In diesen können neben den Vertretern der Städte und Landkreise auch weitere Akteure, wie z.B. Kammern und Verbände, vertreten sein. Bei HOLM beschränkt sich dies auf die Bürgermeisterebene. Wo immer Netzpartner in den Lenkungsgremien auf unterschiedlicher Ebene oder mit häufig wechselnden Personen vertreten seien, leide der notwendige Vertrauensaufbau, vor allem aber der Informations- und Motivationsfluß bei den „schwächer“ repräsentierten Partnern (vgl. Kapitel 6). Bei HOLM gab es bis zur Assoziierung in das Forschungsfeld lediglich lose Mitgliedertreffen.

[...]


[1] Heute Standort des Burgklosters, siehe Kapitel 8.3.1

[2] Strenggenommen liegen in der Bundesrepublik Deutschland nur die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee. Auch innerhalb dieser beiden Bundesländer gibt es Landkreise, die keine Ostseeküste haben, z.B. Nordfriesland und Parchim. Und selbst innerhalb der Landkreise, die an der Ostsee grenzen, gibt es Gemeinden, die im Binnenland liegen, z.B. Eutin und Grevesmühlen.

[3] Kritisch merkt Engholm aber an, daß die kulturelle Dimension im heutigen Netzwerk des Nordens nur eine untergeordnete Rolle spiele; sie werde zumeist als Marketing- oder Imagefaktor dem Ökonomischen und Politischen untergeordnet. Dennoch eigne sich die Kultur als Integrationsfaktor auf einer unteren Ebene.

[4] in www.grimme-institut.de/scripts/bildung/netzwerk, Abfrage 16.03.2000, keine Seitenangaben

Obwohl die Autoren Netzwerke durchaus positiv als „Symbole des Aufbruches“ titulieren, setzen sie sich sehr kritisch mit der Thematik auseinander; werde der Begriff doch „gegenwärtig (...) geradezu inflationär verwendet“ und führe die „Netzwerk-Verheißung oftmals zu Enttäuschungen“ usw. Dieser Zwiespalt soll hier aber nicht weiter vertieft werden.

[5] vgl. Netzwerke im Tourismus in Baden-Württemberg, www.tiss.zdv.uni-tuebingen.de, Abfrage 05.03.2000

[6] vgl. Kapitel 6.4.3 und Pohl in Heinritz, S. 135: „Reziprozität setzt (...) Vertrauen voraus. Persönliche Beziehungen, allmählich aufgebaute oder schon traditionell vorhandene, mehr oder weniger freundschaftliche Beziehungen sind Teil des Geschehens.“

[7] Wismar, Lübeck, Schwerin, Kreis Herzogtum Lauenburg, Kreis Ludwigslust, Kreis Nordwestmecklenburg, Kreis Ostholstein, Kreis Segeberg, Industrie- und Handelskammern Lübeck und Schwerin, Deutscher Gewerkschaftsbund Landesbezirk Mecklenburg-Vorpommern.

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
Transnational Kooperation als Marketingstrategie im Kulturtourismus. Das Beispiel: Die Hansestadt Lübeck in der Ostseeregion
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geographie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
126
Katalognummer
V8192
ISBN (eBook)
9783638152341
ISBN (Buch)
9783656460145
Dateigröße
3723 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographie; Netzwerke; Interreg; Raumplaung; Raumordnung; Europäische Union
Arbeit zitieren
Thomas Versec (Autor), 2001, Transnational Kooperation als Marketingstrategie im Kulturtourismus. Das Beispiel: Die Hansestadt Lübeck in der Ostseeregion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8192

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