Die Internationalisierung des Kapitals ist geprägt von einer langen Entwicklung wirtschaftlicher Vorgänge mit dem Ursprung auf nationalen Märkten hin zu internationalen Wirtschaftsbeziehungen global agierender Wirtschaftsakteure in einem globalen Markt mit dem Resultat eines schnellen Anwachsens des Welthandels und der zunehmenden Internationalisierung der Kapitalbeschaffung.
In dieser Arbeit soll nun diese Entwicklung von den ersten Handelsbeziehungen durch Tauschwirtschaft bis hinzu multinational tätigen Unternehmen nachvollzogen werden. Theoretisch untermauert wird diese Betrachtung durch die klassischen und neoklassischen Erklärungsansätze für Außenhandel sowie die politökonomischen Betrachtungen zum Begriff des Kapitals. Schließlich soll in die Debatte um das Thema der Globalisierung eingestiegen werden.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Klassische Ansätze
I. Theorie des absoluten Kostenvorteils
II. Theorie der komparativen Kostenvorteile
C. Neoklassik – Das Faktorproportionentheorem
D. Politökonomische Ansätze
I. Der Internationale Handel auf Grundlage der Marxschen Theorie
II. Imperialismustheorien
E. Strukturelle Voraussetzung der ungleichen Entwicklung auf dem Weltmarkt
I. Historische Entwicklung
II. Kapitalexport
III. Multinationale Unternehmung
IV. Das Wertgesetz im internationalen Maßstab
F. Weltmarkt und Konjunkturzyklus – Der industrielle Zyklus als Weltmarktzyklus
I. Empirische Befunde von Weltmarktzyklen
II. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 als Beispiel
G. Weltmarkt und längerfristige Entwicklung
H. Globalisierung
I. Ökonomische Globalisierung
II. Politische und kulturelle Globalisierung
III. Räumliche Globalisierung
IV. Technische Globalisierung
I. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die historische und theoretische Entwicklung der Internationalisierung des Kapitals, von den ersten Handelsbeziehungen bis hin zur modernen, durch Globalisierung geprägten Weltwirtschaft, wobei insbesondere die ökonomischen Ursachen und deren Auswirkungen auf die weltweite Wohlstandsverteilung untersucht werden.
- Klassische und neoklassische Außenhandelstheorien
- Politökonomische Perspektiven (Marxismus und Imperialismustheorien)
- Strukturelle Faktoren ungleicher Entwicklung auf dem Weltmarkt
- Zusammenhänge zwischen Weltmarkt, Konjunkturzyklen und Krisen
- Dimensionen und Auswirkungen der ökonomischen und technischen Globalisierung
Auszug aus dem Buch
II. Theorie der komparativen Kostenvorteile
Die Theorie der komparativen Kostenvorteile von David Ricardo (1772 – 1823) bietet die Grundlage zur Erklärung der Vorteilhaftigkeit des Handels zwischen Staaten auch in den Fällen, in denen einer der Handelspartner sämtliche Güter effizienter produziert als der andere. Im Modell wird dabei ähnlich wie bei Smith mit einigen Annahmen operiert: So wird angenommen, dass die Welt nur aus zwei Ländern A und B (Güter, die Land A exportiert muss Land B importieren) und zwei Gütern besteht. Außerdem besteht die Annahme, dass Firmen unter perfekten Wettbewerbsbedingungen produzieren. Weiterhin wird nur der Faktor Arbeit als Produktionsfaktor ins Modell mit einbezogen, das Kapital als Produktionsfaktor wird nicht betrachtet. Schließlich wird eine Faktorimmobilität angenommen. Die Vorteilhaftigkeit des Handels zwischen den Ländern hängt hier nicht von den absoluten Produktionskosten ab, sondern von den relativen Kosten der produzierten Güter zueinander. Diese Aussage hat eminente Auswirkungen auf das Konzept des internationalen Handels und bildet die Grundlage einer internationalen Spezialisierung eines Landes auf das Gut, das es relativ günstiger herstellen kann.
Am folgenden Beispiel sollen die gemachten Aussagen veranschaulicht werden: Es existieren zwei Länder A und B, die beide Tuch und Weizen produzieren. Land A verfügt über hoch entwickelte Produktionstechnologien und kann zehn Mengeneinheiten (ME) Tuch oder 100 ME Weizen pro Stunde produzieren. Land B hingegen verfügt über eine niedriger entwickelte Produktionstechnologie und kann nur eine ME Tuch oder 50 ME Weizen pro Stunde produzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Entwicklung wirtschaftlicher Vorgänge von nationalen Märkten hin zum global agierenden Kapital und setzt den theoretischen Rahmen der Arbeit.
B. Klassische Ansätze: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der klassischen Außenhandelstheorie durch Adam Smith und David Ricardo mit Fokus auf absoluten und komparativen Kostenvorteilen.
C. Neoklassik – Das Faktorproportionentheorem: Hier wird das Heckscher-Ohlin-Modell als Weiterentwicklung vorgestellt, das Handelsströme durch die unterschiedliche Faktorausstattung von Ländern erklärt.
D. Politökonomische Ansätze: Dieses Kapitel analysiert den internationalen Handel auf Basis der Marxschen Werttheorie und diskutiert Imperialismustheorien als Konsequenz kapitalistischer Expansion.
E. Strukturelle Voraussetzung der ungleichen Entwicklung auf dem Weltmarkt: Es wird die historische Entstehung und Verstetigung der Ungleichheit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern durch kapitalistische Akkumulationsprozesse beleuchtet.
F. Weltmarkt und Konjunkturzyklus – Der industrielle Zyklus als Weltmarktzyklus: Die Zusammenhänge zwischen Konjunkturschwankungen, Weltmarktzyklen und historischen Krisen wie 1929 werden untersucht.
G. Weltmarkt und längerfristige Entwicklung: Das Kapitel reflektiert die sequenzielle Natur heutiger Krisen und die zunehmende weltweite Vernetzung durch Liberalisierung.
H. Globalisierung: Es erfolgt eine Differenzierung der Globalisierung in ökonomische, politische, kulturelle, räumliche und technische Aspekte samt ihrer Auswirkungen auf die aktuelle Wirtschaftsstruktur.
I. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und plädiert für faire Handelsregeln sowie eine nationale Entwicklungspolitik zur Überwindung der Wohlstandsschere.
Schlüsselwörter
Internationalisierung, Kapitalakkumulation, Außenhandel, Komparative Kostenvorteile, Neoklassik, Marxismus, Imperialismus, Weltmarkt, Konjunkturzyklus, Globalisierung, Ungleiche Entwicklung, Terms-of-Trade, Kapitalexport, Multinationale Unternehmung, Entwicklungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess der Internationalisierung des Kapitals, seine theoretischen Hintergründe und die daraus resultierenden globalen ökonomischen Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören klassische und neoklassische Außenhandelstheorien, politökonomische Analysen der Kapitalakkumulation, Imperialismustheorien sowie die verschiedenen Dimensionen der Globalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung von den ersten nationalen Handelsbeziehungen bis zum globalisierten Weltmarkt nachzuvollziehen und die Ursachen für ungleiche Wohlstandsentwicklung kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Herangehensweise, bei der bestehende ökonomische Modelle (Smith, Ricardo, Heckscher-Ohlin) mit politökonomischen und imperialismustheoretischen Ansätzen (Marx, Lenin) konfrontiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Klassik, Neoklassik, Marxismus) und eine empirische sowie strukturanalytische Untersuchung von Welthandel, Konjunkturkrisen und Globalisierungseffekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kapitalakkumulation, komparative Kostenvorteile, Imperialismus, ungleiche Entwicklung und Globalisierung sind die prägenden Begriffe.
Warum kritisieren Sie das Modell der komparativen Kostenvorteile?
Das Modell vernachlässigt reale Faktoren wie Transportkosten, Kapitalmobilität und asymmetrische Informationen, wodurch es bei der Analyse heutiger ungleicher Wirtschaftsbeziehungen an Trennschärfe verliert.
Welche Bedeutung hat das "Leontief-Paradoxon" für die Argumentation?
Es dient als empirischer Beleg dafür, dass die Annahmen der neoklassischen Faktorproportionentheorie in der realen Weltwirtschaft oft nicht haltbar sind, da kapitalreiche Länder auch arbeitsintensive Güter importieren.
Was schlagen Sie zur Lösung der Schuldenkrise der Drittweltländer vor?
Neben umfassenden Schuldenerlassen wird eine nationale Entwicklungspolitik befürwortet, die selektive Schutzmaßnahmen für heimische Märkte zulässt, anstatt einer einseitigen und uniformen Marktöffnung.
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- Dipl.-Kfm. Ingo Schwartzer (Author), 2005, Internationalisierung des Kapitals, Entwicklung und Ursachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82040