Der Textilhandel zwischen Morgenland und Abendland im Gefolge der Kreuzzüge im Hochmittelalter


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Welt vor den Kreuzzügen
2.1. Die arabische Welt
2.2. Die byzantinische Welt
2.3. Die europäische Welt

3. Die Kreuzzüge

4. Der Textilhandel zwischen Morgenland und Abendland im Vorfeld der Kreuzzüge

5. Die Auswirkungen der Kreuzzüge auf die Entwicklung des Textilhandels zwischen Morgenland und Abendland
5.1. Wie kam es durch die Kreuzzüge zum Austausch von Textilien?
5.2. Wer handelte mit den Textilien?
5.3. Das Textilland Ägypten
5.4. Die Seidenmetropole Konstantinopel
5.5. Die Textilindustrie in Europa

6. Einflüsse im Textilbereich auf das Abendland im Gefolge der Kreuzzüge

7. Literaturverzeichnis

8. Anlage

1. Einleitung

Heute ist es selbstverständlich, dass die Kleidung, die wir kaufen, aus Herstellungsländern stammen, die sich über die gesamte Welt verteilen. Die Menschen im Hochmittelalter hatten keine solch umfassende Auswahl. In Europa gab es Wolle aus Werkstoff, die Menschen trugen bis ins Hochmittelalter hinein eher unscheinbare Kutten. Höchstens durch politische Beziehungen kam in Einzelfällen ein buntes, exotisches Kleidungsstück aus dem viel höher entwickelten Orient nach Europa. Und wenn ein solches orientalisches Wunderwerk den Weg nach Europa fand, war es ein absolutes Privileg für die Hochfinanz oder den Hochadel - nicht zu vergessen die kirchlichen Würdenträger. Der Handel war sehr spärlich. Er scheiterte an der Distanz und oft an religiösen und dadurch weltanschaulichen Geisteshaltungen. Die Kreuzzüge änderten das alles. Hatten die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa und Venedig den Handel schon vor den Kreuzzügen intensiviert, so trieben sie ihn während und im Gefolge dieser Religionskriege in ungeahnte Höhen. Es kam zum kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Morgenland und Abendland, von dem vor allem das wirtschaftlich, technologisch rückständige Europa und seine Menschen profitierte. Diese Arbeit zeigt auf, wie sich die Welt vor den Kreuzzügen aufteilte und wie sie sich veränderte durch diese Feldzüge - immer im Blick auf den Textilhandel und die sich daraus ableitenden Folgen für die einzelnen Regionen.

2. Die Welt vor den Kreuzzügen

2.1. Die arabische Welt

Die islamisch-orientalische Feudalgesellschaft stellte sich als die dominierende Macht im Mittelmeerraum dar am Vorabend der Kreuzzüge. Erfolgreiche Eroberungszüge der Nachfolger des Religionsgründers Mohammed erweiterten das Einflussgebiet des Islams im 7./8. Jahrhundert massiv. Das arabische Kalifat bestand aus Syrien, Palästina, Ägypten, Nordafrika, Spanien, Sizilien, Irak, Persien, Transkaukasien und bedeutenden Teilen Mittelasiens. Mit einer toleranten Politik gegenüber den nicht-islamischen Menschen in den eroberten Gebieten schuf das Kalifat eine positive Basis für ein friedliches Zusammenleben. Das Kalifat war gegenüber Europa in wirtschaftlicher, kultureller und herrschaftlicher Sicht überlegen1. Galt im Mittelalter in Europa eine Stadt mit 50 000 Einwohnern als Weltstadt2, so soll Bagdad schon im 9. Jahrhundert eine Bevölkerungszahl von 300000 erreicht haben3. Bekannt war die Handwerkskunst im Textilbereich. Die Produktionsstätten belieferten das gesamte Kalifat, Asien und im bescheidenen Rahmen Europa. Produziert wurden Stoffe auf der Basis von Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide. Berühmt waren die Teppichwebereien Persiens, Aserbaidshans und Bucharas. Weltbekannt waren die persischen und mittelasiatischen Baumwoll- und Seidenprodukte. Dieses Wissen exportierten die islamischen Herrscher auch in die eroberten Gebiete, so dass zum Beispiel Ägypten bekannt wurde für sein bedrucktes Leinen und mit Goldfäden durchsetzte Stoffe. Sizilien entwickelte sich - wenn auch erst später - zum Zentrum der Seiden- und Goldstickerei.

2.2. Die byzantinische Welt

Das Vordringen des Islam geschah vor allem auf Kosten des byzantinischen Reichs. Dennoch behielt sich das Reich ein großes Einflussgebiet, zu dem Kleinasien, die griechische Inselwelt mit Teilen des Balkans zählte. Riesiges Handelszentrum war die Haupstadt Konstantinopel, die schon im 6. Jahrhundert 400000 Einwohner hatte4. Die Handwerker stellten luxuriöse Gewebe her. Kaufleute aus aller Welt kauften und verkauften hier ihre Waren. Es gab den Austausch zwischen Osteuropa, dem Orient, Asien, China, Afrika und Westeuropa. Aber nur an diesem Ort, denn die byzantinischen Kaiser verhinderten den Weiterzug der europäischen Händler in den Orient, dem Ursprungsort ihrer Waren. Der Grund dafür lag im Willen der Sicherung der Monopolstellung als Handelszentrum5.

2.3. Die europäische Welt

West- und Mitteleuropa lag vor den Kreuzzügen am Rand der Weltgeschichte und konnte in mehreren Bereichen nicht mit Byzanz und der arabischen Welt mithalten. Der Handel war in frühmittelalterlicher Zeit vor allem auf Luxusgüter beschränkt. Seidenstoffe oder Teppiche dienten vor allem der Ausstattung von Kirchen. Berühmtheit bis nach Asien erlangten die friesischen Tücher. Textilindustrie etablierte sich in Friesland, Englang und Flandern6.

3. Die Kreuzzüge

Ein Sammelsurium von Gründen führte im 11. Jahrhundert in Europa zu einer Entwicklung, die im Gedanken an den Heiligen Krieg gegen die arabische und die byzantinische Welt mündete. Am Ende stand am 27. November 1095 eine öffentliche Rede von Papst Urban II. beim Kirchenkonzil in Clermont (Südfrankreich). Der Augenzeuge Fulcher von Chartres notierte die Rede7: "[...] Es ist unabweislich, unseren Brüdern im Orient eiligst die so oft versprochene und so dringend notwendige Hilfe zu bringen. Die Türen und Araber haben sie angegriffen und sind in das Gebiet von Romanien vorgestoßen bis in jenen Teil des Mittelmeeres, den man den Arm Sankt Georgs nennt; und indem sie immer tiefer eindrangen in das Land dieser Christern, haben sie dies siebenmal in der Schlacht besiegt, haben eine große Anzahl von ihnen getötet und gefangengenommen, haben die Kirchen zerstört und das Land verwüstet. Wenn ihr ihnen jetzt keinen Widerstand entgegensetzt, so werden die treuen Dienser Gottes im Orient ihrem Ansturm nicht länger gewachsen sein.[...]" Der Historiker Jacques Le Goff8 gibt eine viel einfachere Erklärung für die Expansionsgelüste der Europäer ab: "Es ist wirklich ein Armenaufstand, der da in der Mitte des 11. Jahrhunderts den noch primitiven Westen vom byzantinischen Nährboden loslässt. Angesichts der byzantinischen Reichtümer empfindet der Lateiner Bewunderung, Neid, Zurücksetzung, Hass.

[...]


1 Autor Martin Erbstösser schrieb sein Buch "Die Kreuzzüge. Eine Kulturgeschichte" in der Deutschen Demokratischen Republik, weshalb gerade seine Aussagen zu Herrschaftssystem mit Vorsicht zu betrachten sind, da sie ideologisch geprägt sind.

2 Irsliger, Franz: Ü berlegungen zur Konstruktion und Interpretation mittelalterlicher Stadttypen, in: Johanek, Peter und Post, Franz-Joseph (Hgg.): Vielerlei Städte. Der Stadtbegriff. Köln 2004, S. 107-119. Hier: S. 108.

3 Erbstösser, Martin: Die Kreuzzüge. Eine Kulturgeschichte. Leipzig 1977. S. 12.

4 Ebd., S. 36.

5 Kulischer, Dr. Josef: Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, in: von Below, G. und Meinecke, F.: Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte. München und Berlin 1928. S. 80.

6 Ebd., S. 84.

7 Erbstösser, Martin: Die Kreuzzüge. Eine Kulturgeschichte. S. 74

8 Le Goff, Jacques: Das Hochmittelalter. Frankfurt 1965. S. 14.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Textilhandel zwischen Morgenland und Abendland im Gefolge der Kreuzzüge im Hochmittelalter
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V82074
ISBN (eBook)
9783638884259
Dateigröße
1475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textilhandel, Morgenland, Abendland, Gefolge, Kreuzzüge, Hochmittelalter
Arbeit zitieren
BA Axel Huber (Autor), 2007, Der Textilhandel zwischen Morgenland und Abendland im Gefolge der Kreuzzüge im Hochmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82074

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