Demographischer Wandel und soziale Infrastruktur

Freizeit und Kultur


Seminararbeit, 2006
28 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen der zentralen Begriffe
2.1 Infrastruktur
2.2 Soziale Infrastruktur
2.3 Freizeitinfrastruktur und Kulturinfrastruktur

3 Entwicklung der Freizeitinfrastruktur

4 Freizeitinfrastruktur: Das Angebot
4.1 Stadt vs. Land
4.2 Kommunale Finanzierung vs. Private Finanzierung
4.3 Westdeutschland vs. Ostdeutschland

5 Die Rahmenbedingungen - Die Nachfrage
5.1 Demographischer Wandel
5.1.1 Geburtenrückgang
5.1.2 Zunehmende Alterung
5.1.3 Zuwanderung
5.2 Gesellschaftliche Trends
5.2.1 Die Soziodemographie
5.2.2 Die Arbeits- und Freizeit
5.2.3 Die Gesundheit
5.2.4 Der Wertwandel

6 Reaktionen auf die veränderte Nachfrage

7 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Freizeitrelevante Infrastruktur - Überblick

Abbildung 2: Freizeit und Erlebnisbäder 1999

Abbildung 3: Betrieb von Multiplexkinos 1990-1998, Bau und Planung 1998

Abbildung 4: Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland

Abbildung 5: Demographische Prozesse und politische Reaktionen

1 Einleitung

Der demographische Wandel ist seit geraumer Zeit ein intensiv diskutiertes Thema. Es wird debattiert wie genau und vor allem wie schnell sich die Bevölkerungsstruktur verändern wird. Welche Auswirkungen wird dies auf die Gesellschaft haben? Abgesehen von den Problemen die sich aus dem Generationenvertrag für die sozialen Sicherungssysteme ergeben werden, können zahlreiche weitere betroffene Ebenen angeführt werden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur und hier insbesondere mit dem Bereich der Freizeit und Kultur.

Was ist unter Infrastruktur überhaupt zu verstehen und was bedeutet soziale Infrastruktur? Mit dieser Frage wird sich das zweite Kapitel beschäftigen, um eine definitorische Grundlage für den Text zu erarbeiten. Das dritte Kapitel stellt die Entwicklung der Freizeitinfrastruktur dar, was die Verständnisgrundlage für das vierte Kapitel sein wird. In diesem wird das aktuelle Infrastrukturangebot aufgezeigt, um im darauf folgenden Unterpunkt auf den demographischen Wandel einzugehen. Denn nur mit dem Verständnis über die bevorstehenden Strukturveränderungen kann auch der momentane Wertewandel in der Gesellschaft nachvollzogen werden. Das Wissen aus diesem Kapitel ermöglicht es dem Leser, die Auswirkungen auf die Infrastruktur im sechsten Kapitel nach zu vollziehen. Welche Bereiche der Freizeiteinrichtungen sind besonders betroffen? Gibt es Unterschiede in den Regionen und verhält sich die Nachfrageentwicklung auf dem Land genauso wie in der Stadt? Sind die Probleme erkannt, dann können die Problemlösungsansätze des gleichen Kapitels eine Hilfestellung bieten, sich den entgegenstehenden Herausforderungen frühzeitig zu widmen. Das letzte Kapitel versucht, die gewonnen Kenntnisse noch einmal zusammen zu fassen und beschreibt, warum es so wichtig ist, möglichst früh mit der Zukunftsplanung zu beginnen.

2 Definitionen der zentralen Begriffe

Bevor im einzelnen auf die Thematik eingegangen wird, werden die zentralen Begriffe der Arbeit kurz definiert. Es wird dabei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, vielmehr soll dem Leser dadurch die Einordnung der im Text angesprochenen Inhalte in den Gesamtkomplex der Seminararbeitsthematik ermöglicht werden. Zum Ende des Kapitels verlangt das Thema der vorliegenden Arbeit einen besonderen Fokus auf die Freizeitinfrastruktur und eine Erläuterung, wie sich die Kultur in den Kontext einbindet.

2.1 Infrastruktur

Auch wenn bis heute in der Wissenschaft Uneinigkeit über eine allgemeine Definition des Begriffs besteht[1], kann die Definition von Jochimsen aus dem Jahr 1966 als umfassend und hier als geeignet angesehen werden: Er nennt Infrastruktur (im Folgenden IS) „die Gesamtheit der materiellen, institutionellen und personellen Einrichtungen und Gegebenheiten, die der Arbeitsteiligen Wirtschaft [...] zur Verfügung stehen. Mit Infrastruktur werden somit die wachstums-, integrations-, ver-, und entsorgungsnotwendigen Basisfunktionen einer Wirtschaft beschrieben“[2]. Wie sich im Verlauf der Ausführungen zeigen wird, spielt für die Freizeitinfrastruktur (fortan FIS) besonders die wachstums- und integrationsorientierte Komponente eine Rolle.

2.2 Soziale Infrastruktur

Hierunter fallen insbesondere die für die Ausübung der menschlichen Grunddaseinsfunktionen notwendigen Einrichtungen, die neben der zuvor bereits erwähnten wirtschaftlichen auch die soziale Entwicklung des Raumes ermöglichen.[3] Es können demnach Gemeindebedarfseinrichtungen wie Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, Einrichtungen der Jugendpflege, solche der Sozial- und Gesundheitsfürsorge, der Seelsorge, Einrichtungen der Sicherheit und kulturelle Einrichtungen exemplarisch genannt werden. Da sich andere Seminararbeiten mit dem Thema der Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur als Teil der sozialen IS beschäftigen, soll an dieser Stelle lediglich auf den Anhang mit einer erweiterten Auflistung entsprechender Einrichtungen verwiesen werden.[4]

2.3 Freizeitinfrastruktur und Kulturinfrastruktur

Während IS allgemein die Ver- und Entsorgung sicherstellen soll, definiert sich die FIS laut Puhe als notwendige Basis, auf die ein „vielfältigen Freizeitlebens aufbauen kann aber nicht notwendigerweise muss“[5]. In ihrem Versuch, die FIS zu systematisieren, zählen Köhl und Turowski lediglich die materielle IS in ihr Forschungsvorhaben ein, während sie den Komplex der personellen und institutionellen FIS weitestgehend außen vor lassen. Sie beziehen folglich die primär und sekundär nutzbaren Einrichtungen in die Untersuchung ein.[6] Agricola konkretisiert den Ansatz, indem er als Beispiel für öffentliche FIS im engeren Sinne „Anlagen und (Frei-) Räume für Kultur, Sport, Spiel, Geselligkeit, Unterhaltung, Naherholung und Fremdenverkehr, aber auch Verkehrswege (Wander- und Radwegenetze, Wasserwege, Erschließungsstraßen, Park- und Abstellplätze)“[7] anführt. Zur Vervollständigung sei noch die Landschaft mit ihren verschiedenen Formen als FIS im weiteren Sinne erwähnt. Es sei weiterhin auf die der öffentlichen FIS gegenüber stehende private FIS hingewiesen, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer eingegangen wird.

Wie den unterschiedlichen Definitionsansätzen zu entnehmen ist, lassen dich unter FIS eine Vielfalt von Einrichtungen subsumieren. Auch wenn es nicht Ziel der Arbeit sein kann, einen kompletten Katalog von FIS-Einrichtungen zu liefern, soll folgende Graphik zumindest noch die Kultureinrichtungen (als einen Teil der Freizeiteinrichtungen, welche wiederum zur freizeitrelevanten IS gezählt werden) herausstellen und einen möglichst komplexen Überblick freizeitrelevanter IS darstellen. Nach einem kurzen historischen Überblick soll im weiteren Verlauf der Arbeit an exemplarischen Einrichtungen allgemein verdeutlicht werden, wie der demographische Wandel Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Infrastrukturen nimmt.

Abbildung 1: Freizeitrelevante Infrastruktur - Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Agricola 2001, S. 214

3 Entwicklung der Freizeitinfrastruktur

Obwohl Freizeit in der vorindustriellen Zeit ein Privileg der Stände war und in ansehnlichen Parks und Schlössern genossen wurde fand eine umfangreiche Planung für die Freizeitgestaltung mit z.B. Theatern, Opern, Volkbüchereien, Tanzpalästen statt. In der frühen Industriegesellschaft galt Freizeit als Instrument der Volksgesundheit im Interesse der Erhaltung der Arbeitskraft. Erste Vergnügungsparks („Lunapark“) und Hallenbäder entstanden parallel zur Turnbewegung. In der späten Industriegesellschaft diversifizierte sich der Freizeitbereich aus und es entwickelten sich spezielle Teilsegmente wie Leistungs- und Breitensport, erste Ansätze einer kommerzialisierten Freizeit, gesundheitsfördernde Aktivitäten und einige mehr. In den Zwanzigerjahren und zu Beginn des Dritten Reiches kamen Sportarenen, Kinos, Ferienanlagen und die ersten Großveranstaltungshallen hinzu. Während in der Nachkriegszeit zunächst der Aufbau der Wohninfrastruktur im Vordergrund stand, griff in den 70er Jahren der „Goldene Plan“. Er sollte eine flächendeckende Ausstattung der Gemeinden mit FIS sicherstellen. Begünstigt durch Förderprogramme von Bund und Ländern hat Deutschland heute eine weltweit einmalige IS-Ausstattung, deren tatsächlicher Bedarf (und das nicht nur bedingt durch den weiter unten angesprochenen demographischen Wandel) kritisch hinterfragt werden muss. Die Entwicklung in der DDR verlief (besonders im sportlichen Bereich) meist zugunsten professioneller Einrichtungen und Ausstattungen für Leistungsorientierte.[8]

4 Freizeitinfrastruktur: Das Angebot

Im obigen Abschnitt wurde die Entwicklung der FIS-Ausstattung skizziert, was uns verdeutlicht hat, dass das heutige vorhandene Angebot stark von gesellschaftlichen oder vielmehr politischen Leitbildern geprägt ist. Es wurden die Förderprogramme von Bund und Ländern angesprochen, so dass davon auszugehen ist, dass der Aus- und Aufbau der IS zwar flächendeckend, aber dennoch nicht überall gleich vollzogen wurde. Dieses Kapitel widmet sich daher zum einen dem Vergleich der städtischen mit der ländlichen FIS-Ausstattung, zum anderen einer kurzen Ost/West-Deutschland-Gegenüberstellung. Die Überlegungen sollen vom Gedanken zum Unterschied zwischen kommunaler und privatwirtschaftlich finanzierter Infrastruktur begleitet werden, denn wie sich herausstellen wird, verfolgen die Trägerschaften oft unterschiedliche Ziele.

4.1 Stadt vs. Land

FIS kann unabhängig von den genannten Unterscheidungsfaktoren zunächst in verschiedene Einrichtungsarten gegliedert werden:

- Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung, womit Veranstaltungshallen, Stadien für Sportgroßereignisse, bedeutende Sammlungen, Museen oder Zoologische Gärten gemeint sein können, die eher in den Ballungsräumen/(Groß-)Städten anzutreffen sind.[9]
- Einrichtungen mit regionaler oder örtlicher Bedeutung sind Plätze für Volkfeste, Tennisanlagen, Fitnesscenter, Theater oder Kinos, bei denen eine Abgrenzung nach Gemeindegröße nicht sinnvoll ist, da diese sowohl peripher gelegenen kleinen- wie auch in Großstädten anzutreffen sind.
- Ebenso können die Einrichtungen für das Wohnquartier genannt werden: Auch hier müssen wieder Sportanlagen, dieses Mal für den alltäglichen Bedarf, erwähnt sein. Genauso wie Kinderspielplätze, Nachbarschaftstreff und Spielhallen.
- Einrichtungen für die engeren Nachbarschaft wie z.B. private Gemeinschaftsanlagen für Kinder- und Freizeitaktivitäten

Die Auflistung zeigt, dass bis auf die Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung, in großen Städten, welche sowohl sportlich, bildungspolitisch, kulturell oder eventorientiert sein können, alle anderen Anlagen nicht einer bestimmten Gemeindestruktur zuzuordnen sind.[10] Beispielhaft kann neben unten stehender Abbildung 2 die dem Anhang beigefügte Verteilung der Freizeit- und Erlebnisbäder aufgeführt werden. Die etwas größere Repräsentanz von Bädern in ländlichen Gebieten, kann auf das dortige größere Flächenangebot im Vergleich zu dem in Agglomerationsräumen zurückzuführen sein, stehen doch Flächen- und Mittelbedarf für Freizeit- und Sporteinrichtungen in Konkurrenz mit anderen Anforderungen der kommunalen Daseinsvorsorge. Die individuelle Bedarfseinschätzung liegt letztendlich bei der Planungs-Kompetenz aber auch Verpflichtung der einzelnen Kommunen.[11] Wie oben bereits erwähnt geht die (Über-)Ausstattung der FIS auf den „Goldenen Plan“ im Jahr 1960 zurück. Die Tatsache, dass in den Verordnungen als Planungshilfe einwohnerbezogene Orientierungswerte nicht berücksichtigt wurden, unterstreicht das Argument der Planungshoheit der Kommunen, was nicht selten zu einer „Habenmentalität“ geführt und dadurch den Blick auf örtliche Verschiedenheiten versperrt hat.[12]

Abbildung 2: Freizeit und Erlebnisbäder 1999

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ILK 2004, S.76

4.2 Kommunale Finanzierung vs. Private Finanzierung

Die Bedeutung des politischen Einflusses auf die beschriebene Infrastrukturausstattung impliziert gleichzeitig die Trägerschaft der Anlagen durch die Kommunen. Insbesondere bei der kulturellen IS, die als bildungspolitische Aufgabe verstanden werden kann, ist kommunale Verantwortung gefragt. Die Gemeinden sollten sich dieser alleine deshalb schon annehmen, als dass die Auswirkungen durch Kultur zwar nicht unmittelbar in monetäre Vorteile quantifizierbar sind aber durchaus als langfristiger Wirtschafts-, Standort- und Imagefaktor ins Gewicht etwaiger Standortentscheidungen, sowohl Arbeitsplatz schaffender Unternehmen, wie auch Einkommenssteuer zahlender Einwohner, fallen.[13] Erfreulicherweise kann Agricola „trotz der durch die wirtschaftliche Situation angeregten kritischen Überprüfung immer noch ein sehr dichtes Angebot“[14] feststellen. Opaschowski bemerkt hingegen kritisch, dass nur etwa ein Prozent des Haushaltsvolumens für die gesamte Kultur, sprich für alle Theater, Orchester, Museen und Bibliotheken ausgegeben werde. Selbst eine Verdopperlung des Kulturetats könne die Diskrepanz zum im Folgenden angesprochen Erlebniskonsum nicht beseitigen.[15]

[...]


[1] Vgl. Albers 1978, S. 201

[2] Jochimsen 1966, in: ARL 1996, S. 490

[3] Vgl. Leser 2005, S. 348

[4] Vgl. Universität Karlsruhe (TH) 2006a, o. S.

[5] Puhe 1992, S. 9

[6] Vgl. Köhl./ Turowski 1976, S. 9

[7] Agricola 2001, S. 216

[8] Vgl. Agricola 2001, S. 205ff und vgl. Ganser 1992, S. 25f und

[9] Siehe Anhang 3: Zuschauerresonanz der 1. und 2. Fußballbundesliga und hier insbesondere das Einzugsgebiet von Dauerkarteninhabern am Beispiel des FC Hansa Rostock

[10] Vgl. ARL 1996, S. 331f

[11] Vgl. ARL 1996, S. 332

[12] Vgl. Agricola, 2001, S. 208

[13] Vgl. Hill 1997, S. 25f

[14] Agricola 2001, S.217

[15] Vgl. Opaschowski 2004, S. 282

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Demographischer Wandel und soziale Infrastruktur
Untertitel
Freizeit und Kultur
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Oberseminar "Materielle und soziale Infrastruktur"
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V82172
ISBN (eBook)
9783638890793
ISBN (Buch)
9783638904421
Dateigröße
1352 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographischer, Wandel, Infrastruktur, Oberseminar, Materielle
Arbeit zitieren
Martin Klöckner (Autor), 2006, Demographischer Wandel und soziale Infrastruktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82172

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