Die Presse im Nationalsozialismus – Gleichschaltung ohne Gegenwehr?


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Presse im Dritten Reich
2.1 Machtergreifung und medienpolitische Ziele der NSDAP
2.2 Presselenkung
2.2.1 Institutionelle Ebene
2.2.2 Rechtliche Ebene
2.2.3 Ökonomische Ebene
2.2.4 Inhaltliche Ebene
2.3 Aus- und Gleichschaltung
2.3.1 Die einzelnen Phasen
2.3.2 Der Verfall in Zahlen
2.4 Die nationalsozialistische Parteipresse
2.4.1 Der Völkische Beobachter
2.4.2 Die NS-Provinzpresse
2.5 Grenzen der Propaganda und Widerstand

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem im ersten Weltkrieg zensiert wurde, war nach seinem Ende 1918 erneut das 1874 geschaffene Reichspressegesetz gültig, welches der Presse weitgehende Freiheiten gewährte (vgl. Koszyk 1972: 337). Diese war jedoch an staatliche Bedingungen geknüpft, so dass von einem vollkommen unabhängigen Pressewesen während der Weimarer Republik nie die Rede sein darf (vgl. Koszyk 1972: 448). Nichtsdestotrotz waren im deutschen Presserecht nach dem ersten Weltkrieg liberale Tendenzen vorhanden. Selbst Verbote von Zeitungen, ermöglicht durch das Reichsschutzgesetz von 1922, konnten durch Namensänderungen der Blätter rasch umgangen werden (vgl. Koszyk 1972: 338f.). Erst mehrere Notverordnungen in 1931 und 1932 bedeuteten erneut schwerwiegendere Eingriffe in die Pressefreiheit: Verleger waren verpflichtet, amtliche Kundgebungen ohne Kürzungen zu veröffentlichen und Verbote z.B. aufgrund Gesetzesungehorsam waren bindend (Altendorfer 2001: 20).

Jedoch waren auch diese Anordnungen nichts im Vergleich dazu, was im Dritten Reich folgen würde: Als Ziel der neuen nationalsozialistischen Regierung galt die vollkommene Gleichschaltung und dieses Ziel wurde von Beginn an rigoros verfolgt (vgl. Pürer 1996: 63). Was mit diesem eigentlich aus der Elektronik stammenden Begriff der Gleichschaltung gemeint ist, soll folgende Definition klären: „Als Gleichschaltung bezeichnet man das Bestreben totalitärer Parteien und Systeme, bestehende gesellschaftliche und staatliche Organisationen zu übernehmen und entsprechend ihrer Ideologie auszurichten“ (Henner 2004). In Punkto Medien war somit klar: Die Pressefreiheit sollte vollkommen ausgeschaltet werden, das Pressewesen der totalen Kontrolle unterliegen. Auf den ersten Blick scheint dies gelungen zu sein, die Propagandamaschinerie lief ganz in Hitlers Sinne. Je mehr man jedoch sein Blicke schärft, desto klarer wird: Auch im Dritten Reich war nichts so eindeutig wie es scheint, die Wirksamkeit der Propaganda stieß an ihre Grenzen (vgl. Frei 1983: 173).

Wie die Presse im Nationalsozialismus gelenkt wurde, welche Wirkungen man der Propaganda bescheinigen kann, wo ihre Grenzen lagen und wo es Widerstand gab, all das soll Thema dieser Arbeit sein, in der zunächst die medienpolitischen Ziele und damit verbunden Hitlers Einstellung zur Presse vorgestellt wird.

2. Die Presse im Dritten Reich

2.1 Machtergreifung und medienpolitische Ziele der NSDAP

Adolf Hitler, der 1919 in die NSDAP eintrat, wusste von Beginn an um die Möglichkeiten der Propaganda, die er dementsprechend schon zu Zeiten, als seine Partei eine unbedeutende Splitterpartei darstellte, zu nutzen versuchte. Der Völkische Beobachter als eigenes Parteiblatt, das Hakenkreuz als unverwechselbares Symbol der NSDAP sowie spektakuläre Auftritte[1] waren für ihn schon (z.T. weit vor) der Machtübernahme Propagandamittel (Frei/Schmitz 1999: 152f.). Eines der wichtigsten Instrumente der Propaganda konnte sich Hitler jedoch erst nach der Machtübernahme am 30. Januar 1933 zu Nutze machen: Die Presse[2]. Diese hatte für ihn schon von jeher große Bedeutung, da „sie doch wirklich die Fortsetzung der Erziehung im späteren Alter (bewirke)“ (Koszyk 1972: 348). Die meisten Leser befand er für leichtgläubig, weshalb er es als Pflicht des Staates ansah, die Presse und somit die „Erziehung der Leser“ zu überwachen. Von der Pressefreiheit hielt er entsprechend wenig, genauer noch bezeichnete er sie als „Unfug strafloser Volksbelügung und Volksvergiftung“ (Koszyk 1972: 349). Poetischer drückte sich Joseph Goebbels, seit 1930 Reichspropagandaleiter der NSDAP, aus, wenngleich er dasselbe meinte: Sein Ziel war es, „daß die Presse so fein organisiert ist, daß sie in der Hand der Regierung sozusagen ein Klavier (ist), auf dem die Regierung spielen kann“ (Pürer 1996: 65[3]).

Wie ernst Hitler und Goebbels solche Aussagen nahmen, zeigte sich unmittelbar nach der Machtergreifung. Wenngleich sie schon vor 1933 der Propaganda einen hohen Stellenwert zukommen ließen, tatsächlich ausspielen konnten sie diese Mittel erst, nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und so die Partei die Regierung stellte. Der stundenlange SA-Marsch am selben Abend des 30. Januar 1933 vor der Reichskanzlei war erst der Anfang (vgl. Frei 1983: 161). Erstes Ziel der neuen Regierung sollte die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie sowie der Grundrechte darstellen. Dies war jedoch nur mit einer Mehrheit im Reichstag realisierbar, weshalb für den 5. März Neuwahlen angesetzt wurden (vgl. Koszyk 1972: 354). Der Presse – wie später noch zu sehen sein wird – kam hier große Bedeutung zu und dies sollte sich bis 1945 nicht mehr ändern[4].

Hitler sah also in der Presse ein Mittel, das der Realisierung medienpolitischer Ziele dienen sollte, indem sie die „Erziehung des Volkes“ gemäß der NS-Ideologie gewährleisten sollte. Zudem sollte über die Medien das Bild der Deutschen im Ausland manipuliert werden. Wie Hitler diese Ziele zu erreichen suchte, ist bekannt: Über die Gleichschaltung der Presse sowie eine möglichst vollkommen Lenkung dieser (vgl. Pürer 1996: 64). Im Folgenden soll nun zunächst die Presselenkung dargestellt werden.

2.2 Presselenkung

In Anlehnung an Pürer lassen sich vier Ebenen der Presselenkung unterscheiden: Die institutionelle, die rechtliche, die ökonomische sowie die inhaltliche Ebene.

2.2.1 Institutionelle Ebene

Eine Grafik soll zunächst Überblick verschaffen[5]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als wie wichtig Hitler die Medien bei der Erreichung seiner Ziele ansah, lässt sich schon in der Parteiorganisation sehen: Quasi drei „Reichsleiter“ standen hier an der Spitze, neben Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels Reichspressechef Otto Dietrich sowie Max Amann als Reichsleiter für die Presse (vgl. Pürer 1996: 64). Diese Namen besetzten, wie gleich zu sehen sein wird, zusätzlich noch andere Positionen in der Staats- bzw. Berufsorganisation. Am 13. März wird Goebbels zum Minister des zwei Tage zuvor errichteten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ernannt (vgl. Studt 2002: 14; Koszyk 1972: 363). Dieses Ministerium hatte „sich schlechthin um alle Gebiete zu kümmern (…) auf denen eine geistige Einwirkung auf die Nation möglich [ist]“ (Pürer 1996: 64[6]). Das heißt, sämtliche Propaganda- und Presseämter, auch aus dem kulturellen Bereich, wurden hier vereinigt, womit dem RMVP, wie es kurz genannt wurde, eine zentrale Informations- und Kontrollfunktion zukam (vgl. Altendorfer 2001: 24). Die einzelnen Abteilungen waren jeweils zuständig für: Verwaltung, Propaganda, Rundfunk, Presse, Film, Theater und Auslandspropaganda, wobei die Abteilung IV (Presse) 1938 noch in Inland und Ausland unterteilt wurde (vgl. Koszyk 1972: 363).

Wie eben erwähnt, waren die alleinigen Aufgaben des RMVP Information und Kontrolle. Die organisierte Gleichschaltung der Presse, von der später genauer zu lesen sein wird, ging über die Reichspressekammer von statten, die Teil der Reichskulturkammer war. Diese wurde am 22. September 1933 geschaffen und hatte für die Bevölkerung v.a. in beruflicher Hinsicht Konsequenzen: Eine entzogene bzw. verweigerte Mitgliedschaft in einer der sieben Fachkammern kam einem Berufsverbot gleich. Die Einzelkammern waren jeweils zuständig für: Schrifttum, Presse, Rundfunk, Theater, Musik, Bildende Künste und Film (vgl. Studt 2002: 28). Präsident wurde erneut Goebbels.

[...]


[1] Hier sei auf die Zeiten des Wahlkämpfe 1932 verwiesen: Hitler kam per Flugzeug, seine Kundgebungen fanden meist direkt neben dem Landeplatz statt, waren verbunden mit Aufmärschen und Musik und dementsprechend Aufsehen erregend (vgl. Frei/Schmitz 1999: 21).

[2] Zweifellos das zentralste Propagandamittel war der Rundfunk, der jedoch in dieser Arbeit nicht thematisiert wird (vgl. Pürer 1996: 64).

[3] Zit. nach Wulf, J. (1983). Presse und Funk im Dritten Reich. Ullstein TB-Vlg. S. 64f.

[4] Diese Neuwahlen endeten mit knapp 44% aller Stimmen für die NSDAP enttäuschend. Zusammen jedoch mit den 8% der „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ (DNVP + Stahlhelm) war eine knappe absolute Mehrheit im Reichstag erreicht (vgl. Studt 2002: 10ff.). Die Verfassung konnte somit legal abgeschafft werden.

[5] Eigene Grafik der Verfasserin; in Anlehnung an Pürer 1996: 64f.

[6] Zit. nach Abel, K. (1986). Presselenkung im NS-Staat. Berlin: Colloquium. S.3

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Presse im Nationalsozialismus – Gleichschaltung ohne Gegenwehr?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V82222
ISBN (eBook)
9783638861625
ISBN (Buch)
9783638861687
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Presse, Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Gegenwehr
Arbeit zitieren
Manuela Pelzl (Autor), 2005, Die Presse im Nationalsozialismus – Gleichschaltung ohne Gegenwehr?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82222

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