In der Ehedebatte in Wittenwilers Ring wird ein recht differenziertes Bild der Ehe entworfen, indem zahlreiche Vor- und Nachteile gegenübergestellt werden. Im Ganzen wird die Frau respektive die Ehe recht negativ beurteilt, vornehmlich von den Männern: „Ofenstek da wider sprach:/ `Jamer, not und ungemach / Ist noch an den weiben vil, / Sam ich euchs beschaiden wil.`“
Dennoch wird die Ehe zwischen Mätzli und Bertschi geschlossen – allerdings beinhalten bereits die Voraussetzungen und vollzogenen Rituale den Ansatz des „Falschen“ und des Scheiterns: Die Ehe beginnt mit einem „doppelten“ Betrug (Mätzli ist bereits schwanger von einem anderen Mann, Bertschi liebt Mätzli nur um ihres "Schoßes“ willen: „Triefnass andacht die was gross / Gen seines lieben Mätzleins schoss.“ ) und endet mit Tod und Krieg.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Über die gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe im Mittelalter und im Spätmittelalter
- Kirchliche Aspekte
- Weltliche Aspekte
- Ehediskurse in der (spät)mittelalterlichen Literatur
- Die Darstellung der Ehe, der Partner und der Verhaltensweisen in der Ehedebatte
- Die Ehe im Kontext: „Apokalypse”
- Figurenkonstellation in der Ehedebatte. Grundsatzdiskussion Pro und Contra Ehe im Fokus von Bärtschis Verwandtschaft
- Genderaspekte
- Jugend und Alter
- Figurenkonstellation in der Ehedebatte. Grundsatzdiskussion Pro und Contra Ehe im Fokus von Mätzlis Verwandtschaft
- Parodistische Elemente bei der Eheschließung
- Mittel der Parodie: Übertreibung, Klischees, Verfremdung / Groteske
- Die Paradoxie von Name und Rat
- Die Umstände und Gründe für die Ehe zwischen Mätzli und Bertschi
- Wittenwilers Intention in der Beschreibung der Ehe
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Ehediskurs in Heinrich Wittenwilers „Ring“ und beleuchtet die verschiedenen Ehekonzepte, die im Werk dargestellt werden. Sie analysiert die Bedeutung dieser Konzepte im Kontext der mittelalterlichen Gesellschaft und der damaligen Literatur und hinterfragt die mögliche didaktische Intention des Autors.
- Die Darstellung der Ehe in der spätmittelalterlichen Literatur
- Die Bedeutung verschiedener Ehekonzepte in Wittenwilers „Ring“
- Die Rolle der Parodie und der parodistischen Elemente in der Ehedebatte
- Die gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe im Mittelalter
- Die Frage nach der didaktischen Intention des Autors
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Ehediskurs in Wittenwilers „Ring“ vor und führt in die Problematik der verschiedenen Ehekonzepte und der möglichen didaktischen Intention des Autors ein. Das zweite Kapitel beleuchtet die gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe im Mittelalter und im Spätmittelalter, wobei die kirchlichen und weltlichen Aspekte der Ehe näher betrachtet werden. Das dritte Kapitel behandelt den Ehediskurs in der spätmittelalterlichen Literatur. Das vierte Kapitel analysiert die Darstellung der Ehe, der Partner und der Verhaltensweisen in der Ehedebatte, wobei die Figurenkonstellation im Fokus von Bärtschis und Mätzlis Verwandtschaften untersucht wird.
Schlüsselwörter
Ehediskurs, Wittenwilers Ring, mittelalterliche Ehe, spätmittelalterliche Gesellschaft, Literatur, Parodie, didaktische Intention, Genderaspekte, Kirche, Weltliche Aspekte, Figurenkonstellation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Heinrich Wittenwilers "Ring"?
Das Werk ist ein spätmittelalterliches Epos, das eine Ehedebatte und eine groteske Bauernhochzeit schildert, die schließlich in einem katastrophalen Krieg endet.
Wie wird die Ehe im "Ring" dargestellt?
Die Ehe wird eher negativ und parodistisch gezeichnet. Sie beginnt mit Betrug und dient oft nur der Befriedigung triebhafter Bedürfnisse.
Welche Rolle spielt die Parodie in der Erzählung?
Wittenwiler nutzt Übertreibungen, Klischees und Grotesken, um höfische Ideale und die bäuerliche Lebenswelt seiner Zeit zu verspotten.
Was war die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe im Mittelalter?
Die Ehe hatte sowohl eine starke religiöse Komponente (Sakrament) als auch weltliche Funktionen zur Sicherung von Besitz und Nachfolge.
Welche didaktische Intention verfolgte der Autor?
Trotz der Komik wollte Wittenwiler vermutlich vor moralischem Verfall und den Folgen unvernünftigen Handelns warnen (Spiegelbild der Gesellschaft).
Wer sind die Hauptfiguren der Ehedebatte?
Im Zentrum stehen Bertschi und Mätzli sowie deren Verwandtschaften, die Pro- und Contra-Argumente zur Eheschließung austauschen.
- Quote paper
- Barbara Schilling (Author), 2006, Der Ehediskurs in Wittenwilers "Ring", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82235