Auf die Mehrgenerationenhäuser bin ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam geworden. Da die ältere Bevölkerung zunimmt und dabei aktiv bleibt halte ich dieses Projekt für gut und zukunftsträchtig. Hier geht es nun jedoch weniger um die älteren Menschen, sondern um die jungen Familien und die Unterstützungsmöglichkeiten durch ein Mehrgenerationenhaus. Um mehr Informationen über Mehrgenerationenhäuser zu bekommen und ein konkretes vorstellen zu können, bin ich nach Pattensen gefahren und habe mir vor Ort die Einrichtung und Arbeit angesehen.
„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus“. Um sich diesem äußerst spannenden wie umfangreichen Thema anzunähern und einen bestimmten Fokus in der Bearbeitung zu legen lauten meine erkenntnisleitenden Fragen:
·Was bedeutet Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wodurch wird sie erschwert?
·Warum sehen sich vorwiegend Frauen vor diese Schwierigkeit gestellt?
·Was brauchen bzw. was entlastet Familien?
·Welchen Beitrag kann das Mehrgenerationenhaus zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten und wo liegen seine Grenzen?
Aufgrund der Aktualität des Themas Vereinbarkeit habe ich auch auf Internetseiten zugegriffen, da dort die aktuellsten Zusammenfassungen, die teils noch nicht in Buchform vorgelegen haben, zu finden waren. Auch zum Thema Mehrgenerationenhaus gibt es keine Literatur, daher der Rückgriff auf das Internet.
Aufgrund der Breite des Themas und der Fülle der dazu vorhandenen Literatur habe ich es noch weiter eingrenzen müssen. Es soll in dieser Arbeit ausschließlich auf die Vereinbarkeit von Kind und Beruf eingegangen werden und nicht auf den Fall der Versorgung von Hilfe- und Pflegebedürftiger. Auch diese besondere Lebenssituation erfordert besondere Maßnahmen, die hier allerdings nicht diskutiert werden sollen und können. Wobei auch diese Aufgaben noch immer frauenspezifisch sind und eine weitere Belastung bzw. Aufgabe bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Zum Begriff und Wandel der Familie in Deutschland
1.1 Gesellschaftliche Bedingungen
1.2 Zum Begriff der Familie
1.3 Zur Funktion und Bedeutung der Familie
1.4 Zu Geschichte und Wandel der Familie
1.5 Familie heute
2 Zum Begriff und der Bedeutung von Beruf
2.1 Der Begriff
2.2 Die Bedeutung
3 Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Ein Frauenthema?
3.1 Weibliche Sozialisationsfaktoren
3.2 Männerwelt Beruf – Frauenwelt Familie
3.3 Problemlagen von Frauen
3.4 Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
3.4.1 Was Vereinbarkeit bedeutet
3.4.2 Warum Vereinbarkeit wichtig ist
3.4.3 Was Vereinbarkeit behindert
3.4.4 Was Familien brauchen
4 Das Mehrgenerationenhaus
4.1 Mehrgenerationenhäuser in Niedersachsen
4.2 Konzept der Mehrgenerationenhäuser in Niedersachsen
4.2.1 Allgemeine Zielsetzung
4.2.2 Zielgruppe
4.2.3 Arbeitsweisen und Methoden
4.2.4 Rahmenbedingungen
4.3 Konzept des Mehrgenerationenhaus Pattensen
4.3.1 Entstehung und Geschichte
4.3.2 Finanzierung
4.3.3 Räumlichkeiten
4.3.4 Ziele
4.3.5 MitarbeiterInnen
4.3.6 Angebote und familienunterstützende Dienstleistungen
4.4 Aufgaben der Sozialarbeiterin im Mehrgenerationenhaus Pattensen
4.5 Aufgabenbeschreibung für die geschäftsführende und leitende Tätigkeit der Vorsitzenden des Vorstandes
4.6 Chancen und Grenzen des Mehrgenerationenhaus Pattensen
4.6.1 Chancen der Familienbildung und des Mehrgenerationenhauses
4.6.2 Grenzen der Familienbildung und des Mehrgenerationenhauses
5 Und was ist daran Soziale Arbeit? – Empowerment im Sozialen Raum
5.1 Der Soziale Raum
5.2 Empowerment
5.2.1 Definition
5.2.2 Menschenbild und Grundwerte
5.2.3 Ebenen der Empowermentpraxis
5.2.4 Zielstationen
5.2.5 Politisches Empowerment als Politische Partizipation und Umweltgestaltung
5.2.6 Selbsthilfe
5.2.7 Anforderungen an die SozialarbeiterInnen
5.2.8 Chancen und Grenzen von Empowermentprozessen
6 Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus – Ein Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Sozialen Arbeit im Kontext von Mehrgenerationenhäusern. Die zentrale Forschungsfrage ist, welchen Beitrag das Mehrgenerationenhaus Pattensen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten kann und wo dessen Grenzen liegen, wobei das Konzept des Empowerments als theoretischer Rahmen dient.
- Wandel der Familienstrukturen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland.
- Berufstätigkeit und deren Bedeutung für Identität und Lebensgestaltung.
- Die geschlechtsspezifische Problematik der Vereinbarkeit als "Frauenthema".
- Das Konzept des Mehrgenerationenhauses als unterstützende Instanz für Familien.
- Empowerment als Arbeitsprinzip in der Sozialen Arbeit zur Förderung von Selbsthilfepotentialen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Weibliche Sozialisationsfaktoren
Kinder lernen bereits in den ersten Lebensjahren, dass sie Mädchen oder Jungen und das alle Menschen in ihrer Umgebung als weiblich oder männlich zu klassifizieren sind: männlich hart und weiblich weich. Frauen beziehen häufiger als Männer ihr Selbstwertgefühl aus ihrer körperlichen Attraktivität, die sie an den medial vermittelten Schönheitsidealen messen. Mädchen und Jungen, Frauen und Männer entsprechen immer weniger den historisch überkommenen Geschlechterstereotypen und prägen eine große Bandbreite von Fähigkeiten und Verhaltensmustern, sowie Persönlichkeitsmerkmalen aus. Andererseits werden Geschlechterstereotypen von weiblichen und männlichen Jugendlichen und Erwachsenen in ihren Selbst- und Fremdwahrnehmungen, in ihrem Alltag und in ihren Lebensentscheidungen immer wieder „in die Tat“ umgesetzt und „verkörpert“.
Im Gegensatz zu Jungen erhalten Mädchen in ihrer Beziehung zur Mutter in der Kindheit eher Möglichkeiten der Identifikation, erfahren aber dafür mehr restriktive und abwertende Geschlechtszuschreibungen und werden im Verhalten anders als Jungen kontrolliert und beschränkt. Sie werden eher auf sich und ihre Befindlichkeit verwiesen und angehalten, auf andere Rücksicht zu nehmen, als das bei den Jungen der Fall ist. Schwierigkeiten müssen sie aushalten, dürfen klagen und Gefühle zeigen, müssen die Konflikte mit anderen aber nicht selten mit sich selbst ausmachen. Diese Widersprüchlichkeit wird noch einmal kompliziert durch die neuen Mädchenbilder, die auch für Mädchen und junge Frauen Durchsetzungswillen und Problemlosigkeit signalisieren – sie gesellschaftlich in ihren eigenwilligen Wünschen, Problemen und Lösungswegen aber kaum wahrnehmen. Mädchen sind von früher Kindheit an mehr an die Familie gebunden und es wird von ihnen erwartet, dass sie diese ambivalente Bindung gestalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zum Begriff und Wandel der Familie in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftlichen Veränderungen und den Wandel der Familie von historischen Formen zur modernen, vielschichtigen Lebensform.
2 Zum Begriff und der Bedeutung von Beruf: Hier wird der Berufs- und Erwerbsbegriff definiert und dessen Einfluss auf die Lebensführung und Identität des Einzelnen beleuchtet.
3 Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Ein Frauenthema?: Dieser Abschnitt analysiert die geschlechtsspezifischen Sozialisationsfaktoren und die daraus resultierenden Problemlagen von Frauen im Spannungsfeld von Familie und Beruf.
4 Das Mehrgenerationenhaus: Dieses Kapitel stellt das Konzept der Mehrgenerationenhäuser allgemein und das konkrete Beispiel des Mehrgenerationenhauses Pattensen inklusive seiner Ziele und Angebote vor.
5 Und was ist daran Soziale Arbeit? – Empowerment im Sozialen Raum: Hier wird das theoretische Prinzip des Empowerments als methodischer Ansatz Sozialer Arbeit eingeführt und auf die Praxis der Mehrgenerationenhäuser angewandt.
6 Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus – Ein Resümee: Dieses abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert den Beitrag der Sozialen Arbeit zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Schlüsselwörter
Familie, Beruf, Vereinbarkeit, Soziale Arbeit, Mehrgenerationenhaus, Empowerment, Sozialraum, Geschlechterrollen, Sozialisation, Kinderbetreuung, Selbsthilfe, Erwerbsbiographie, Arbeitswelt, Familienpolitik, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und untersucht, wie Soziale Arbeit, insbesondere in der Form von Mehrgenerationenhäusern, dazu beitragen kann, junge Familien zu entlasten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Wandel der Familie, die Bedeutung von Berufstätigkeit, die geschlechtsspezifische Verteilung von Familienarbeit sowie das theoretische Konzept des Empowerment in der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufzuzeigen und den Beitrag zu analysieren, den das Mehrgenerationenhaus Pattensen als Einrichtung Sozialer Arbeit durch Empowerment zur Bewältigung dieser Probleme leistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer qualitativen Untersuchung des Mehrgenerationenhauses Pattensen durch Vor-Ort-Besuche, Interviews und Auswertung von Einrichtungsberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Familie, Beruf und Empowerment das spezifische Konzept und die praktische Arbeit des Mehrgenerationenhauses Pattensen detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vereinbarkeit, Empowerment, Familie, Beruf, Soziale Arbeit, Geschlechterrollen und Mehrgenerationenhaus charakterisieren.
Warum spielt das Empowerment-Konzept eine so wichtige Rolle?
Empowerment dient als theoretischer Rahmen, um zu beschreiben, wie das Mehrgenerationenhaus Pattensen die Selbsthilfepotenziale der Besucher stärkt, anstatt sie lediglich als passive Empfänger von Dienstleistungen zu sehen.
Was ist die Besonderheit des Mehrgenerationenhauses Pattensen?
Die Besonderheit liegt in der Kombination von ehrenamtlicher Selbsthilfe und professioneller Sozialer Arbeit unter einem Dach, um generationsübergreifende Unterstützung und konkrete Entlastung für Familien zu schaffen.
Welche Herausforderungen identifiziert die Autorin für die Zukunft der Vereinbarkeit?
Die Autorin sieht Herausforderungen insbesondere in der konservativen Rollenverteilung, fehlenden flexiblen Betreuungsangeboten und der Notwendigkeit, dass Männer ihre Rolle in der Familienarbeit stärker neu definieren müssen.
- Quote paper
- Andrea Warda (Author), 2005, Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82237