Die ursprünglichen Gesten


Seminararbeit, 2001

12 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

1. Welche Bedeutung haben Gesten und Ordnung?

2. Woher weiß man, wie der Haushalt zu verrichten ist?

Fazit

Diskussionseinleitung

Verwendete Literatur

Vorbemerkung

Die folgende Ausarbeitung des Referats „Die ursprünglichen Gesten“ beschäf­tigt sich mit dem ersten der fünf Abschnitte des ersten Teils (Der Tanz mit den Dingen) des Buches „Mit Leib und Seele: Theorie der Haushaltstätigkeit“ von Jean-Claude Kaufmann.

Warum beschäftigen wir uns in der Soziologie überhaupt mit Haushaltstätigkei­ten und der Rolle von Gesten? Gibt es nicht dringlichere Fragen derer sich die Soziologie annehmen sollte? Kaufmann widerspricht dem entschieden. Diese Frage zu beantworten wird Ziel des vorliegenden Textes sein, in dem zunächst auf die Bedeutung, Ver­mittlung und den Umgang mit Gesten eingegangen wird, bevor sich dann ein not­wendigerweise umfangreiches Fazit anschließt.

1. Welche Bedeutung haben Gesten und Ordnung?

Eine Geste ist laut Definition eine „Bewegung der Hände, des Körpers, die etw. aussagen soll[1] “.

Kaufmann versteht unter Gesten jene Bewegungsabläufe von Haushaltstätig­keiten, dessen der Mensch sich nicht bewusst ist; die er quasi automatisiert hat (20)[2]. (Z.B. Kehren. Der Mensch macht sich beim Kehren nicht jeden einzelnen Handgriff seiner Handlung bewusst. Vielmehr greift er einfach zum Besen, wenn er Krümel oder Schmutz auf dem Boden sieht. Er verschwendet dabei also keinerlei Gedanken an die Bewegungsabläufe, die zur Beseitigung des Schmutzes notwendig sind, da sein „Körpergedächtnis“ die Gedankengänge zur Ausführung der Geste schon vorselektiert hat (20).)

Gesten sind jedoch widerstandsfähig, das heißt, sie verschwinden nicht einfach; werden nicht so leicht durch andere Gesten verdrängt, sondern gege­benenfalls mit der Zeit neu definiert (22). Die Krümel die man vor einiger Zeit noch aufkeh­ren musste, kann man heute bequem mit dem Staubsauger auf­saugen. Die Durchführung der Geste hat sich also verändert, aber die Geste, nämlich das Saubermachen, ist die gleiche geblieben. In einer Metapher nennt Kaufmann die Ausführung der Gesten „den Tanz mit den [.] Dingen“, dessen Choreogra­phie durch neue Ideen und Erfindungen, wie bereits erwähnt, verän­dert wird (24/25).

„Die Kunst des Menschseins liegt darin, das Neue aus dem Alten zu erschaf­fen.“(22), fasst er die Umwandlung der Gesten dann zusammen.

Die Gesten der Ordnung beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf Ge­genstände des Haushalts. Sie können sich ebensogut auf den menschlichen Körper beziehen. Das Waschen des Körpers ist eine Geste der Reinlichkeit. „Rein zu sein bedeutet, mit sich im reinen zu sein, sich selbst zu sein, klar von der Verschmutzung und vom Nicht-Ich getrennt.“ (24). Nur wenn es gelingt die Ordnung in kleinen Kreisen aufrecht zu erhalten, kann gewagt werden sie aus­zuweiten. Auf diese Weise kann dann die Zivilisation gegründet werden, doch dazu gleich mehr.

Das Waschen, das in vielen Religionen primär den Sinn der Seelenreinigung inne hatte, folglich in einem Teilbereich des Alltagslebens statt fand, hat sich aus ästhetischen, hygienischen und gesundheitlichen Gründen zur Grundlage in den meisten Zivilisationen etabliert.

Durch die Gesten der Haushaltstätigkeiten wird in der Regel Ordnung herge­stellt (Reinigen, Bügeln, Reparieren, etc.). Jene Ordnung, die zu Hause im klei­nen praktiziert wird, stellt für Kaufmann die Grundlange der Zivilisation dar. Wa­rum? Da das ganze Leben Ordnung und Regeln unterliegt. Diese erlauben es Komplexität zu reduzieren und machen es dem Menschen möglich sich in sei­ner Umwelt zurecht zufinden (19, 21). Auf Recht und vor allem Ordnung baut unsere Gesellschaft nämlich auf. Durch das Einhalten dieser Werte ist es mög­lich auch außer Haus etwas in größeren Kreisen wie die Infrastruktur, beste­hend aus Straßen, Transportsystemen, Fabriken usw., aufzubauen.

2. Woher weiß man, wie der Haushalt zu verrichten ist?

Guy Thuillier, der den Begriff „Ancien Regime der Gesten“ geprägt hat, fasst unter selbigem die traditionellen Handlungsweisen der Gesellschaft des 19. Jhds. zusammen (25). Wobei hier mit traditionellen Handlungsweisen die Prak­tizierung von altertümlichen Gesten gemeint ist.

Traditionen und Rituale verinnerlichte das Individuum durch deren aktive Aus­übung und Wiederholung durch die Gesellschaft, da sich durch die wiederkeh­rende Beschäftigung mit den Bräuchen ein gewisser Lerneffekt einstellte. Das Wissen um die Traditionen und Bräuche konnte dem Einzelnen nun eine ge­wisse Sicherheit und Orientierung bieten, da die Abläufe der Bräuche bekannt waren und keine unbekannten Komponenten mehr besaßen. Sofern man also an Traditionellem festhielt brauchte man nichts unerwartetes zu fürchten (25/26).

[...]


[1] Bünting, Karl-Dieter: Deutsches Wörterbuch

[2] Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Seiten in „Mit Leib und Seele: Theorie der Haushaltstätigkeit“

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die ursprünglichen Gesten
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Freizeit- und Lebensstilforschung
Note
1.7
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V8228
ISBN (eBook)
9783638152587
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schriftliche Ausarbeitung des Referats. 116 KB
Schlagworte
Gesten, Geschlecht, Freizeit, Lebensstil
Arbeit zitieren
Robert Conrad (Autor), 2001, Die ursprünglichen Gesten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8228

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