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Zwischen Funktionalität und Paradoxie: Zu Niklas Luhmanns Vorstellungen von Gerechtigkeit

Title: Zwischen Funktionalität und Paradoxie: Zu Niklas Luhmanns Vorstellungen von Gerechtigkeit

Seminar Paper , 2003 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Christiane Lange (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Grenzenlose Gerechtigkeit, so haben die US-Amerikaner ihren Aufmarsch am Persischen Golf, nur acht Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center, genannt. Eine Operation, die auf den ersten Blick, als purer Rache-Akt erscheinen könnte, als moderne Interpretation des alten Testaments, nach dem Motto Auge um Auge, Zahn um Zahn. Durch die Betitelung Grenzenlose Gerechtigkeit aber, bekommt die Militärkampagne eine völlig andere Bedeutung. Die Intention demokratische Werte, wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit in die böse Welt zu bringen. Und durch die göttliche und vielleicht erfolgreiche Mission könnte auch der Weg zu Integrität und nationaler Sicherheit geebnet werden. Selbst politikverdrossene Bürgerinnen und Bürger rückten in dieser Zeit wieder näher zu ihren Regierungen und erwarteten bzw. erwarten noch immer Schutz, in dem Fall vor terroristischer Bedrohung.
Doch wer kann sagen, dass eine Operation wie diese Gerechtigkeit bringt? Der Ausgang eines solchen Militärschlags ist ungewiss und kann genauso gut nur neues Leid bringen. Hieraus stellt sich die Frage: Was ist Gerechtigkeit? Und gibt es Gerechtigkeit?
Recht, das für alle Menschen gleichermaßen gilt? Und wenn ja, wer bestimmt dieses?
Einer der Legitimationsansätze des oben genannten Gerechtigkeitsanspruchs ist die Folgenorientierung. Der Aufmarsch könnte die Verbreitung demokratischer Werte, wie Freiheit, Gleichheit und Sicherheit mit sich bringen, jedoch kann das Ende einer solchen Operation, genauso gut Gegenteiliges bewirken. Insofern gibt es keine Folgenorientierung, denn keiner kennt die Zukunft und kann sich auch nicht zumuten derartiges zu behaupten. Hier zeigt sich bereits eine der Paradoxien, auf denen Recht sich gründet. In der folgenden Arbeit sollen mehrere dieser Paradoxien genauer beschrieben werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Hinführung zum Thema Gerechtigkeit

II. Hauptteil

1. Dunkelkammer Gerechtigkeit: Legitimationsgrundlagen

1.1. Gründung auf Naturrecht

1.2. Gründung auf Rechtspositivismus

2. Ausgangspunkt Luhmannscher Überlegungen

2.1. Die Rückgabe des zwölften Kamels

2.2. Zwei Positionen der Betrachtung

2.2.1. Juristische Betrachtung

2.2.2. Soziologische Betrachtung

3. Paradoxien und Entschlüsselungsansätze

3.1. Paradoxien

3.1.1. Problematik der Folgenorientierung

3.1.2. Codierung zugunsten der Systeme

3.1.3. Regel - Entscheidung Relation

3.2. Entschlüsselungsansätze

3.2.1. Input- Output- Modelle selbstreferentieller Systeme

3.2.2. Der Parasit: Politik

3.2.3. Implementierung: Rechtsstaat

III. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Gerechtigkeit unter Anwendung der systemtheoretischen Perspektive von Niklas Luhmann. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, ob und wie Rechtssysteme, die paradox konstituiert sind, durch verschiedene Beobachtungsweisen und Entschlüsselungsansätze ihre Funktionsfähigkeit legitimieren und aufrechterhalten können.

  • Paradoxien des Rechtssystems und deren Legitimationsgrundlagen (Naturrecht vs. Rechtspositivismus).
  • Differenz zwischen juristischer (Eigen-)Beobachtung und soziologischer (Fremd-)Beobachtung.
  • Die Rolle der Politik als "Parasit" und deren Einfluss auf die Entparadoxierung des Rechts.
  • Analyse der systemtheoretischen Input-Output-Modelle sowie der Rechtsstaatlichkeit als Kopplungsmechanismus.

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Rückgabe des zwölften Kamels

Ein wohlhabender Beduine hat drei Söhne. Die Aufteilung seines Erbes, nämlich seiner Kamele ist testamentarisch festgelegt. Der älteste Sohn, Achmed, soll die Hälfte des Bestandes bekommen. Der zweite Sohn, Ali, soll ein Viertel bekommen. Und der jüngste Sohn, Benjamin, soll ein Sechstel der Kamele erhalten.

Bis zum Tod des Vaters ist die Zahl der Kamele auf elf gesunken.

Als der älteste Sohn sogleich sechs Kamele beantragte und das sind in diesem Fall mehr als die Hälfte, kam es zum Streit vor Gericht und ein Richter sollte den Fall klären. Die Rechnung ist eigentlich nicht lösbar, denn halbe Kamele gibt es nicht. Aber der Richter lieh einfach sein Kamel für die Auszählung, also für die Lösung des Falls. Mit zwölf Kamelen ist die Rechnung ganz leicht, denn so erhält der älteste Sohn die Hälfte, also sechs Kamele, der Zweitälteste ein Viertel, also drei Kamele, und der Jüngste ein Sechstel, also zwei Kamele.

Auf diese Art konnten genau die elf Kamele des Beduinen gerecht aufgeteilt werden und der Richter nahm sein eigenes Kamel wieder zurück. Die Rechung war allerdings nur mit Hilfe des zwölften Kamels machbar. Die Leihgabe des zwölften Kamels war also nötig und gleichzeitig nicht nötig. Sie war nötig, um die Rechung zu lösen und gleichzeitig nicht nötig, denn effektiv wurden nur die elf vererbten Kamele weitergegeben. Das zwölfte Kamel präsentiert sich als Paradox, weil nötig und nicht nötig. Diese Paradoxie veranlasst Niklas Luhmann zu verschieden Fragen: War das zwölfte Kamel überhaupt nötig und wenn ja wozu? Wenn es zur Teilung nötig war, ist es dann nach der Teilung nicht mehr nötig?

Zusammenfassung der Kapitel

Hinführung zum Thema Gerechtigkeit: Der einleitende Abschnitt führt in die systemtheoretische Gerechtigkeitsskepsis ein und verdeutlicht anhand aktueller politischer Ereignisse die Paradoxien, auf denen Recht gründet.

Hauptteil: Dieser Teil bildet das Kernstück der Arbeit, in dem die systemtheoretische Beobachtung des Rechts durch Niklas Luhmann detailliert analysiert und auf ihre paradoxen Legitimationsgrundlagen hin untersucht wird.

Dunkelkammer Gerechtigkeit: Legitimationsgrundlagen: Es wird erörtert, wie Recht historisch über das Naturrecht oder den Rechtspositivismus begründet wurde, um eine fundamentale Ordnung zu etablieren.

Ausgangspunkt Luhmannscher Überlegungen: Anhand des anschaulichen Falls der "Rückgabe des zwölften Kamels" wird aufgezeigt, wie das System Recht paradoxe Situationen durch pragmatische, aber systemintern unentscheidbare Handlungen löst.

Paradoxien und Entschlüsselungsansätze: Dieses Kapitel analysiert systematisch die Paradoxien der Folgenorientierung, die binäre Codierung (Recht/Unrecht) sowie die Regel-Entscheidung-Relation und stellt Lösungsversuche vor.

Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Gerechtigkeit ein auf Paradoxien beruhendes Konstrukt ist, dessen Wert in der systemtheoretischen Fremdbeobachtung liegt, um gesellschaftliche Sensibilität zu fördern.

Schlüsselwörter

Gerechtigkeit, Niklas Luhmann, Systemtheorie, Rechtssystem, Paradoxie, Entparadoxierung, Eigenbeobachtung, Fremdbeobachtung, Rechtspositivismus, Naturrecht, Politik, Rechtsstaat, Folgenorientierung, Input-Output-Modell, Rechtssoziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht Niklas Luhmanns systemtheoretische Auffassung von Gerechtigkeit und analysiert, wie das Rechtssystem mit den darin inhärenten Paradoxien umgeht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Legitimationsgrundlagen des Rechts, die Unterscheidung zwischen juristischer Eigenbeobachtung und soziologischer Fremdbeobachtung sowie die Rolle der Politik im Rechtssystem.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Gerechtigkeit aus systemtheoretischer Sicht nicht als absolute Größe existiert, sondern ein Paradoxon darstellt, das innerhalb des Rechtssystems permanent verarbeitet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die systemtheoretische Analysemethode nach Niklas Luhmann, um das Rechtssystem als autopoietisches System zu beobachten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Legitimationsgrundlagen des Rechts, analysiert Paradoxien wie die Folgenorientierung und untersucht Entschlüsselungsansätze, einschließlich der Rolle der Politik und des Rechtsstaats.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Paradoxie, Entparadoxierung, Systemtheorie, Rechtssoziologie und die soziologische Fremdbeobachtung.

Was bedeutet das "zwölfte Kamel" in Luhmanns Theorie?

Es dient als Metapher für ein Paradoxon: Es ist notwendig für die Lösung eines Falls, gehört aber eigentlich nicht zum System – es macht eine "unentscheidbare Entscheidung" entscheidbar.

Inwiefern beeinflusst Politik das Rechtssystem?

Die Politik wird als "Parasit" beschrieben, der Entscheidungen produziert, die das Rechtssystem binden, während das Rechtssystem wiederum versucht, sich durch die Politik zu entparadoxieren.

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Details

Title
Zwischen Funktionalität und Paradoxie: Zu Niklas Luhmanns Vorstellungen von Gerechtigkeit
College
University of Augsburg  (Komminkationswissenschaft)
Course
Zwischen Norm und System: Kommunikation bei Jürgen Habermas und Niklas Luhmann
Grade
1,0
Author
M.A. Christiane Lange (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V82294
ISBN (eBook)
9783638871938
ISBN (Book)
9783638871976
Language
German
Tags
Zwischen Funktionalität Paradoxie Niklas Luhmanns Vorstellungen Gerechtigkeit Zwischen Norm System Kommunikation Jürgen Habermas Niklas Luhmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Christiane Lange (Author), 2003, Zwischen Funktionalität und Paradoxie: Zu Niklas Luhmanns Vorstellungen von Gerechtigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82294
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