Märchen verfügen, im Gegensatz zu anderen literarischen Gattungen, über den Vorzug, dass das Wunderbare und Sonderliche keiner weiteren Erklärung bedarf. Die Faszination Märchen ist wohl im deutschsprachigen Raum stark durch die Grimmsche Märchensammlung geprägt. Allerdings geht die Märchenforschung weit darüber hinaus, da diese Sammlung zum einen keine vollständige Sammlung aller Märchen und ihrer Varianten darstellt, zum anderen wurden die traditionellen Volksmärchen oftmals mit dichterischer Freiheit aufgepeppt. Die Ursprünglichkeit der Volksmärchen ist wohl in den verschiedenen regionalen Sammlungen besser erhalten und zeigt mehr von ihrer Charakteristik als überlieferte mündliche Erzählung. In meiner Abhandlung möchte ich mich näher mit den Volksmärchen Mecklenburg-Vorpommerns auseinander setzten. Hierbei soll der Teufel in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen gerückt werden, der auf Grund seines eigenen übernatürlichen Charakter im Zaubermärchen auftritt. Zaubermärchen sind neben Tiermärchen und Novellenmärchen ein Untertyp des Märchens, die eine Wunderwelt für sich beanspruchen, die nicht hinterfragt wird. Um das Auftreten und die Darstellung des Teufels im mecklenburgischen Volksmärchen weiter zu klassifizieren, möchte ich zunächst auf dessen Darstellung im christlichen Weltbild, sowie im Volksglauben eingehen. Darüber hinaus soll die generelle Vorstellung und Verarbeitung des Teufelmotivs im Märchen allgemein untersucht und gegebenenfalls Übereinstimmungen oder auch Unterschiede mit den traditionellen Bildern des Teufels aufgezeigt werden. Dies soll dann zu einer genaueren Analyse des teuflischen Aspektes ganz speziell in mecklenburgischen Volksmärchen führen. Wobei ich auf typische, dem Teufel zugeschriebene, Motive eingehen werde. Es soll die Frage geklärt werden, ob er tatsächlich immer die Figur des Widersachers gegen das Gute spielt oder ob er diese ihm durch das Christentum auferlegte Rolle durchaus mal ablegen kann. Hierbei soll aufgewiesen werden, ob die polaren Gegensätzen von Gut und Böse zum Tragen kommen, außerdem ob das Auftreten des Teufel auch eine glückliche Wendung für den Helden des Märchens, der durch scheinbar unlösbare Aufgaben in einen Konflikt geraten ist, sein kann. Auch auf das Motiv des Seelenfangens durch den Teufel soll in meinen Ausführungen eingegangen werden, wobei der Teufelspakt als solcher nicht außer Acht gelassen werden darf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Teufel im Traditionellen Weltbild
2.1 Der Teufel im Christentum
2.2 Der Teufel im Volkslauben
3. Der Teufel im Märchen
3.1 Der Teufel im Zaubermärchen
3.2 Der Teufel im Mecklenburgischen Volksmärchen
4. Schluss: Der Teufel bleibt doch Teufel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Teufels im mecklenburgischen Volksmärchen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob der Teufel in diesen Erzählungen zwangsläufig die christlich geprägte Rolle des absoluten Widersachers einnimmt oder ob er als ambivalente Figur auch als Helfer auftreten kann.
- Analyse des traditionellen christlichen Teufelsbildes.
- Untersuchung der heidnischen Wurzeln und volksglaubensbedingten Darstellungen.
- Rolle des Teufels im Zaubermärchen.
- Untersuchung von Teufelspakten und deren juristischer sowie erzählerischer Ausgestaltung.
- Gegenüberstellung von dämonischen Zügen und hilfsbereiten Attributen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Namen und Auftreten des Teufels
Auch im mecklenburgischen Volksmärchen ist der Teufel als magische, wundersame Märchenfigur aktiv. Häufig begegnet er seinen Kontrahenten oder auch Hilfesuchenden auf dem Feld und im Wald, allerdings scheut er auch nicht davor zurück diesen einen persönlichen Besuch zu Hause abzustatten. Im Märchen (MV 134.) „Teufel, Soldat und Edelmann“, sowie in dessen Variante (PM 23.) „Der Edelmann und der Teufel“, will der Teufel die Seele des Edelmannes um Mitternacht holen. Auch in dem Märchen (MV 135.) „Bruder Lustigs Erden- und Himmelsreise“ werden die Teufel um diese Uhrzeit aktiv, aber in den meisten anderen mecklenburgischen Märchen spielt die Geisterstunde keine Rolle, der Teufel tritt auf wann immer er es will.
Der Teufel tritt meistens als einzelne Gestalt auf, wobei er häufig einfach beim Namen genannt wird, d.h. Teufel oder Düüwel/ Deuwel, so z.B. in den Märchen: (Ewe. 136) „Der Teufel als Knecht“, (MV 129.) „Die Wettmahd“ oder auch (MV 131.) „Der Weber und der Teufel“. In (Ewe. 136) „Der Teufel und der Knecht“ bekommt der Teufel zusätzlich noch den einfachen Namen Hans verpasst: „Hans – so ward de Düüwel nu ropen“ (Neumann 1982, 208). Hier wird bezeugt, dass der Teufel sich bewusst ist, dass er als Teufel selbst oftmals kein Vertrauen zu seinen potentiellen Opfern aufbauen kann und tritt diesen in Gestalt eines alten, gebrechlichen Männchens („Der Teufel und der Drescher“ – VV 1.), eines feinen Mannes („Der Weber und der Teufel“ – MV 131.) oder eines schwarzen Herrn („Der Edelmann und der Teufel“ – PM 23.) entgegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus auf mecklenburgische Volksmärchen und umreißt die wissenschaftliche Intention, das Teufelsmotiv jenseits starrer christlicher Zuschreibungen zu analysieren.
2. Der Teufel im Traditionellen Weltbild: Dieses Kapitel erläutert die christliche Konzeption des Teufels als personifiziertes Böses sowie dessen Wurzeln im Volksglauben und in heidnischen Traditionen.
3. Der Teufel im Märchen: Der Hauptteil analysiert die spezifischen Funktionen der Teufelsfigur im Zaubermärchen und fokussiert dabei besonders auf mecklenburgische Erzählungen, die Paktmotive und die Hilfsfunktion des Teufels.
4. Schluss: Der Teufel bleibt doch Teufel: Das Fazit resümiert, dass der Teufel im Märchen zwar als gerechter oder hilfreicher Akteur erscheinen kann, sein primäres Ziel – der Fang der menschlichen Seele – jedoch bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Mecklenburgische Volksmärchen, Teufel, Märchenforschung, Volksglaube, Christentum, Teufelspakt, Zaubermärchen, Seelenfang, Dualismus, Sagen, Erzählgut, Magie, Tradition, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Funktion des Teufels in mecklenburgischen Volksmärchen unter Berücksichtigung kulturgeschichtlicher Hintergründe.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Die zentralen Themen umfassen die christliche Teufelskonzeption, die heidnischen Wurzeln des Volksglaubens, die erzählerische Gestaltung von Teufelspakten sowie das Auftreten des Teufels als übernatürlicher Helfer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, ob der Teufel in mecklenburgischen Märchen immer nur als böser Widersacher fungiert oder ob er die christlich auferlegte Rolle auch ablegen und als gerechte oder hilfreiche Figur auftreten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Volksmärchensammlungen durchgeführt, wobei das Teufelsmotiv durch Vergleich mit theologischen und volkskundlichen Quellen interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Teufels in Zaubermärchen, die Analyse spezifisch mecklenburgischer Erzählungen, die Charakterisierung des Teufels als Helfer sowie die Auswertung von verschiedenen Formen des Teufelspaktes.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Teufelspakt, mecklenburgisches Volksmärchen, Dualismus, Seelenfang und übernatürlicher Helfer beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Teufels im Märchen von der im Christentum?
Im Christentum ist der Teufel das personifizierte Böse ohne eigene positive Eigenschaften, während er im Märchen als ambivalente Figur erscheinen kann, die den Armen gegen reiche, ungerechte Herren beisteht.
Welche Bedeutung kommt dem Teufelspakt in den untersuchten Erzählungen zu?
Der Pakt dient meist als Motor der Handlung, um aus einer finanziellen Notlage zu entkommen; dabei zeigt sich, dass Menschen den Teufel oft durch List übervorteilen können, was ihre moralische Integrität betont.
- Quote paper
- M.A. Virginie Vökler (Author), 2007, Die Darstellung des Teufels im mecklenburgischen Volksmärchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82329