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Mehrsprachigkeit und Schulerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund

Title: Mehrsprachigkeit und Schulerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund

Examination Thesis , 2006 , 88 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Melanie Schaaf (Author)

Pedagogy - School Pedagogics
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Summary Excerpt Details

Die Zuwanderung verschiedener Bevölkerungsgruppen bereichert die deutsche Schule durch eine sprachliche, soziale und kulturelle Vielfalt. Trotz dieser erfreulichen Heterogenität der Schülerschaft sind nicht alle Schülergruppen gleichberechtigt an den Bildungsabschlüssen in Deutschland beteiligt, wie die PISA-Studie gezeigt hat. Der Schulerfolg in Deutschland hängt primär von der sozialen Herkunft und den sprachlichen Kompetenzen auf dem für den jeweiligen Bildungsgang entsprechenden sprachlichen Niveau (vgl. Deutsches PISA-Konsortium 2001:379) ab.

Durch die Kopplung der sozialen Schichtzugehörigkeit und der sprachlichen Kompetenz an den Schulerfolg werden Schüler mit Migrationshintergrund doppelt benachteiligt. Wenn man bedenkt, über welchen Zeitraum Migrantenkinder bereits am Unterricht in Regelschulen teilnehmen, ist es erstaunlich, dass sie statistisch immer noch den geringsten Schulerfolg in Deutschland haben. Dies liegt nicht an der Migration an sich, denn diese haben die Kinder in der Regel nicht selbst vollzogen. Kinder mit Migrationshintergrund sind Nachkommen der Einwanderer, welche zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Zuge der Arbeiteranwerbung ab 1955 in die Bundesrepublik Deutschland kamen.

Der Erwerb der Sprache im Zielland der Migration ist die Voraussetzung zur Teilhabe am öffentlichen Leben in der aufnehmenden Gesellschaft. Seit dem 1. Januar 2005 zeigt das neue Zuwanderungsgesetz erstmalig einen Perspektivenwechsel, denn der Gesetzgeber erklärt das Erlernen der deutschen Sprache als zentrales Ziel der Integrationsmaßnahmen.

Der Spracherwerb der Migrantenkinder ist durch die migrationsspezifischen Lebensumstände geprägt, so dass diese Schüler in der Regel mehrsprachig in das deutsche Schulsystem eintreten.

Der Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Schulerfolg wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Kompetenz in mehreren Sprachen grundsätzlich als positiv zu betrachten ist. Der statistisch belegte schlechtere Schulerfolg von Migrantenkindern wirft aber die Frage auf, welche benachteiligenden Faktoren dazu führen, dass Mehrsprachige ihre sprachlichen Kompetenzen gerade im deutschen Schulsystem nicht gewinnbringend nutzen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wanderungen in die Bundesrepublik Deutschland

1.1. Aussiedler und Spätaussiedler

1.2. Asylsuchende und Flüchtlinge

1.3. Arbeitsmigranten

1.3.1. Geschichte der Arbeitsmigration nach dem zweiten Weltkrieg

1.3.2. Der politische Rahmen des Aufenthalts in Deutschland

1.3.3. Familienzusammenführung

1.3.4. Folgen und Reaktionen der Zuwanderung

2. Mehrsprachigkeit

2.1. Funktionen der Sprache

2.2. Begriffsbestimmung Mehrsprachigkeit

2.3. Spracherwerbstypen

2.3.1. Erstsprache

2.3.2. Zweitsprache

2.4. Mehrsprachigkeit durch Erst- und Zweitspracherwerb

2.4.1. Der Prozess des Spracherwerbs

2.4.2. Spezifische Phänomene bei Mehrsprachigen: Dominanz und Code-Switching

2.4.3. Der Einfluss der Erstsprache auf folgende Spracherwerbsprozesse

3. Der Spracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund

4. Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund

4.1. Schüler mit Migrationshintergrund in historischer Perspektive

4.2. Was ist Schulerfolg?

4.3. Schulerfolg von Schülern mit Migrationshintergrund

5. Wirkung außerschulischer Faktoren auf die Bildungschancen

5.1. Die sozio-ökonomische Situation von Familien mit Migrationshintergrund

5.1.1. Stellung auf dem Arbeitsmarkt und Entlohnung

5.1.2. Wohnsituation

5.2. Schichtspezifische Bildungsentscheidungen

5.3. Auswirkung des Migrationshintergrundes auf die Bildungsvorraussetzungen

5.4. Auswirkung der sozialen Herkunft auf die sprachliche Kommunikation

6. Der Zusammenhang von Schichtzugehörigkeit und sprachlichen Bildungsvoraussetzungen bei Kindern mit Migrationshintergrund

7. Die Benachteiligung von Mehrsprachigen durch die Schriftsprache der Bildungsinstitution Schule

7.1. Die zeitliche Investition in den Erwerb der Zweitsprache

7.2. Der Unterschied zwischen der lebensweltlichen Gebrauchssprache und dem Unterrichtsdeutsch

7.3. Lesekompetenz durch schriftsprachliche Sozialisation

7.4. Der Schrifterwerb unter den Bedingungen der Mehrsprachigkeit

7.5. Zusammenfassung

8. Bildungsbenachteiligung durch die Fixierung auf Deutsch als Unterrichtsprache

8.1. Struktur des Bildungssystems als Erklärungsfaktor

8.2. Die Rolle des Lehrers

8.3. Differenzierte Kompetenzen im Deutschen als Bildungsvoraussetzung

8.4. Die monolinguale Orientierung der Unterrichtssprache

8.5. Zusammenfassung

9. Die Sprachkompetenz als Instrument der Selektion im dreigliedrigen Schulsystem

9.1. Einschulung

9.2. Überweisung an eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen

9.3. Übergang in die Sekundarstufe

9.3.1. Benachteiligung mehrsprachiger Schüler durch frühe Selektion

9.3.2. Tendenzen der Zuweisung zu unteren Bildungsabschlüssen

9.3.3. Haupt- oder Gesamtschule als Schulen für Schüler mit geringeren Kompetenzen in der Zweitsprache Deutsch

9.4. Zusammenfassung

10. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die komplexen Ursachen für den statistisch belegten geringeren Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Mehrsprachigkeit, sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und den selektiven Strukturen des deutschen Schulsystems aufzuzeigen und zu ergründen, warum vorhandene sprachliche Potenziale im schulischen Kontext häufig nicht gewinnbringend genutzt werden können.

  • Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Schulerfolg
  • Einfluss sozio-ökonomischer Faktoren und der sozialen Herkunft
  • Rolle der institutionellen Diskriminierung im dreigliedrigen Schulsystem
  • Bedeutung der schriftsprachlichen Sozialisation für die Bildungschancen
  • Kritische Analyse der monolingualen Ausrichtung des Unterrichts

Auszug aus dem Buch

2.4.2. Spezifische Phänomene bei Mehrsprachigen: Dominanz und Code-Switching

Mehrsprachige verfügen zusätzlich zu den Kompetenzen in den Standardsprache über zusätzliche `mehrsprachige` Fähigkeiten. Ein bilingualer Sprecher benutzt nicht beide Sprachen in der gleichen Ausprägung. Dafür gibt es in der Mehrsprachigkeitsforschung den Begriff der Dominanz. Dieser besagt, dass mehrsprachige Menschen eine der Sprachen stets dominanter ausgeprägt haben, als die andere. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die dominante Sprache in jeder Situation stärker ausgeprägt ist. Die Frage nach der Dominanz oder Nichtdominanz einer Sprache hängt stark von ihrer Funktion für den Sprecher ab.

R. Tracy hat sich in Deutschland mit den Formen des Spracherwerbs als Forschungsschwerpunkt auseinander gesetzt. Ihre Untersuchung der Sprachdominanz an der dreijährigen Hannah ergab, dass eine lexikalische Dominanz in der englischen Sprache zu dem Themenbereich Güterverkehr bzw. Eisenbahn zu verzeichnen war. Hannahs Wortschatz im lebensweltlichen Bereich war aber in der französischen Sprache stärker ausgeprägt. In nachfolgenden Gesprächen mit der Familie löste Tracy dieses Sprachverhalten auf. Der englischsprachige Vater des Kindes hatte seit langer Zeit eine Modelleisenbahn zu Hobbyzwecken im Keller aufgebaut, während die französischsprachige Mutter Hannahs Wortschatz eher in den alltäglichen Lebensbereichen geprägt hat. Das im Beispiel gezeigte Phänomen der Dominanz ist bei nahezu allen Mehrsprachigen zu beobachten. Fortgeschrittene Lerner können in gewissen Situationen die eine oder andere Sprache verwenden. Das Unterscheidungskriterium muss nicht zwangsläufig die generelle Bevorzugung der einen Sprache sein, sondern bezieht sich darauf, wie leicht es dem Sprecher in der bestimmten Situation fällt, die jeweilige Sprache zu benutzen.

Als weiteres Phänomen werden, während des gesamten Erwerbsprozesses mehrsprachiger Menschen, intensive Phasen des Mischens nachgewiesen. Dabei wird das Nebeneinander der beiden Sprachsysteme besonders deutlich. Dieser Prozess wird in der Linguistik Code-Switching genannt. Der Sprecher schaltet von einer Sprache in die andere. Diese Kompetenz tritt nicht nur auf, wenn sich die Redesituation ändert, sondern auch innerhalb eines Satzes.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Wanderungen in die Bundesrepublik Deutschland: Überblick über die historische Arbeitsmigration und die politischen Rahmenbedingungen der Zuwanderung nach 1950.

2. Mehrsprachigkeit: Definitionen und Konzepte der individuellen Mehrsprachigkeit sowie eine Darstellung der Spracherwerbsprozesse.

3. Der Spracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund: Spezifische Herausforderungen und Bedingungen des Spracherwerbs für Kinder im Migrationskontext.

4. Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund: Historische Entwicklung und aktuelle statistische Befunde zur Bildungsbeteiligung und Schulerfolgskriterien.

5. Wirkung außerschulischer Faktoren auf die Bildungschancen: Analyse des Einflusses von sozio-ökonomischem Status, Wohnumfeld und sozialer Herkunft auf Bildungsvoraussetzungen.

6. Der Zusammenhang von Schichtzugehörigkeit und sprachlichen Bildungsvoraussetzungen bei Kindern mit Migrationshintergrund: Verknüpfung von Sozialschicht und sprachlicher Sozialisation als determinierende Faktoren.

7. Die Benachteiligung von Mehrsprachigen durch die Schriftsprache der Bildungsinstitution Schule: Erörterung der Hürden, die durch die Fixierung der Schule auf eine spezifische Schriftsprache entstehen.

8. Bildungsbenachteiligung durch die Fixierung auf Deutsch als Unterrichtsprache: Untersuchung der monolingualen Norm des Bildungssystems und deren negative Auswirkungen.

9. Die Sprachkompetenz als Instrument der Selektion im dreigliedrigen Schulsystem: Analyse der institutionellen Diskriminierung an den Gelenkstellen der Schullaufbahn.

10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit sprachlicher Vielfalt.

Schlüsselwörter

Mehrsprachigkeit, Schulerfolg, Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Sprachkompetenz, Zweitspracherwerb, Institutionelle Diskriminierung, Soziale Herkunft, Schriftsprache, Integrationsgesetz, Schulleistungsvergleich, Bildungsvoraussetzungen, Selektionsmechanismen, Code-Switching, Sprachliche Heterogenität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Ursachen für den statistisch schlechteren Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland und beleuchtet dabei kritisch die Rolle des Schulsystems.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind Mehrsprachigkeit als Bildungsvoraussetzung, der Einfluss des sozio-ökonomischen Hintergrunds, die selektiven Prozesse im dreigliedrigen Schulwesen sowie die Bedeutung der schriftsprachlichen Sozialisation.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie institutionelle Mechanismen und eine monolinguale Ausrichtung des Schulunterrichts dazu beitragen, dass mehrsprachige Schüler in ihrer Schullaufbahn benachteiligt werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturstudie, pädagogischen Konzepten und empirischen Daten aus Studien wie PISA oder den Untersuchungen von Gomolla und Radtke basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Migration, eine sprachwissenschaftliche Fundierung der Mehrsprachigkeit sowie eine detaillierte Untersuchung der außerschulischen Faktoren und der schulischen Selektionsprozesse.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Mehrsprachigkeit, Bildungsbenachteiligung, institutionelle Diskriminierung, Schriftsprache, Migrationshintergrund und soziale Herkunft.

Welche Bedeutung kommt der schriftsprachlichen Sozialisation zu?

Die Autorin argumentiert, dass der Mangel an schriftsprachlicher Förderung durch das Elternhaus ein entscheidender Nachteil ist, da das Schulsystem voraussetzt, dass Kinder diese Kompetenz bereits mitbringen.

Warum wird die Selektion im dreigliedrigen Schulsystem als kritisch bewertet?

Die Selektion an den "Gelenkstellen" (Einschulung, Förderschulüberweisung, Übergang Sekundarstufe) erfolgt häufig basierend auf einer subjektiven und defizitorientierten Einschätzung der Sprachkompetenz, wodurch Kinder aus bildungsfernen Schichten systematisch benachteiligt werden.

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Details

Title
Mehrsprachigkeit und Schulerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund
College
University of Osnabrück
Grade
1,5
Author
Melanie Schaaf (Author)
Publication Year
2006
Pages
88
Catalog Number
V82373
ISBN (eBook)
9783638853118
Language
German
Tags
Zusammenhang Mehrsprachigkeit Schulerfolg Kindern Migrationshintergrund
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Schaaf (Author), 2006, Mehrsprachigkeit und Schulerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82373
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