"Ich mische unartikulierte Töne ein, ziehe die Verbindungswörter in die Länge, gebrauche auch wohl eine Apposition, wo sie nicht nötig wäre, und bediene mich anderer, die Rede ausdehnender, Kunstgriffe, zur Fabrikation meiner Idee auf der Werkstätte der Vernunft, die gehörige Zeit zu gewinnen.“ stellt Heinrich von Kleist in seinem Aufsatz (1805) fest. Diesen sprachlichen Phänomenen des gesprochenen Wortes, auf die Kleist in seinem Lobpreis auf die gesprochene Sprache als „Denkhilfe“ aufmerksam wird, ist vorliegende Arbeit gewidmet, genauer den „Gesprächswörtern und äquivalenten Verfahren“1, wie sie Koch/Oesterreicher klassifizieren.
ach einem Überblick über die bisherigen Forschungen zum Thema wird – ausgehend von der K/Oe’schen Definition und Einteilung - zu zeigen sein, inwiefern die Gesprächswörter den spezifisch sprechsprachlichen Bedingungen entspringen. Daraufhin wird kurz der Umgang anderer Autoren mit dieser Erscheinung der gesprochenen Sprache vergleichend betrachtet und abschließend die theoretischen Ergebnisse am konkreten sprachlichen Material eines spanischen Beispiel-Corpus untersucht werden. Zu dem Zweck habe ich aus dem unserem Seminar zugrundeliegenden Corpus5 die ersten Seiten (S. 365-367, Z. 45) herangezogen, da in ihnen sowohl dialogische als auch erzählende Passagen enthalten sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Überblick über die bisherigen Forschungsansätze
III. Die Kategorien der Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren nach Koch/Oesterreicher
1. Definition und Einordnung in den textuell-pragmatischen Bereich
2. Gliederungssignale
3. turn-taking-Signale
4. Kontaktsignale (Sprecher- und Hörersignale)
5. Überbrückungsphänomene (hesitation phenomena)
6. Korrektursignale
7. Interjektionen
8. Abtönungsphänomene
9. Zur Gesamtproblematik der Gesprächswörter im Sinne von Koch/Oesterreicher
IV. Der Ansatz von Söll/Hausmann und Gülich
V. Untersuchung der Theorie an einem spanischen Beispiel-Corpus
VI. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene der "Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren" im gesprochenen Spanisch, basierend auf den theoretischen Modellen von Koch/Oesterreicher sowie Söll/Hausmann und Gülich. Ziel ist es, diese linguistischen Einheiten zu klassifizieren, ihre Funktion in der gesprochenen Sprache zu beleuchten und ihre Anwendung anhand eines spanischen Beispiel-Corpus praxisnah zu analysieren.
- Klassifizierung gesprächssprachlicher Phänomene nach dem Modell von Koch/Oesterreicher.
- Vergleich und kritische Auseinandersetzung mit alternativen Forschungsansätzen (Söll, Hausmann, Gülich).
- Funktionsanalyse von Gliederungs-, Kontakt-, Korrektur- und turn-taking-Signalen.
- Analyse und Anwendung der Theorie auf ein authentisches spanisches Transkript-Corpus.
Auszug aus dem Buch
Die Kategorien der Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren nach Koch/Oesterreicher
Koch/Oesterreicher führen die Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren unter dem textuell-pragmatischen Bereich an. Darunter verstehen sie den Bereich derjenigen sprachlichen Elemente, die ausschließlich auf Instanzen und Faktoren der Kommunikation, also den Kontakt zwischen Produzent und Rezipient, die beiden Gesprächsrollen selbst, den Diskurs/Text, dessen Formulierung, die Vieldimensionalität der außersprachlichen Wirklichkeit (deiktische Konstellationen) sowie die sozialen Bezüge (Kontexte und Emotionen) verweisen, oder aber selbst eine Instanz der Kommunikation sind (Diskurs/Text). Koch/Oesterreicher zufolge verweisen Gesprächswörter direkt auf Instanzen und Faktoren der Kommunikation, entsprechen also dem ersteren Elementarbereich des textuell-pragmatischen Bereichs. Inwiefern dies der Fall ist, werde ich im Rahmen der folgenden Darstellung der Kategorisierung der Gesprächswörter, wie sie von den beiden Autoren vorgenommen worden ist, untersuchen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Thema der Gesprächswörter unter Bezugnahme auf Kleist und die theoretische Klassifikation nach Koch/Oesterreicher.
II. Überblick über die bisherigen Forschungsansätze: Darstellung der historischen und fachwissenschaftlichen Entwicklung der Erforschung gesprochener Sprache mit Fokus auf die romanistische Sprachwissenschaft.
III. Die Kategorien der Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren nach Koch/Oesterreicher: Detaillierte Definition und Kategorisierung der Gesprächswörter, unterteilt in Gliederungssignale, turn-taking, Kontaktsignale, Überbrückungsphänomene, Korrektursignale, Interjektionen und Abtönung.
IV. Der Ansatz von Söll/Hausmann und Gülich: Kritische Gegenüberstellung der Modelle von Söll/Hausmann und Gülich zur K/Oe-Theorie sowie deren spezifische Sichtweise auf nähesprachliche Phänomene.
V. Untersuchung der Theorie an einem spanischen Beispiel-Corpus: Empirische Anwendung der theoretischen Ansätze auf einen Transkript-Text, um die Funktionalität und Überschneidungsproblematik der Kategorien aufzuzeigen.
VI. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der praktischen Anwendbarkeit der Funktionsunterteilungen und Reflexion über die Rolle dieser Phänomene im Fremdsprachenunterricht.
Schlüsselwörter
Gesprächswörter, nähesprachliche Phänomene, Koch/Oesterreicher, Gliederungssignale, turn-taking, Kontaktsignale, Überbrückungsphänomene, Korrektursignale, Interjektionen, Abtönungsphänomene, gesprochenes Spanisch, Gesprächsanalyse, Sprachwissenschaft, Pragmatik, Söll.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Klassifizierung von Phänomenen der gesprochenen Sprache, den sogenannten "Gesprächswörtern und äquivalenten Verfahren", im Kontext des gesprochenen Spanisch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die textuell-pragmatische Kategorisierung von sprachlichen Mitteln, die die Kommunikation strukturieren, sowie die Analyse der Sprecher-Hörer-Interaktion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie Gesprächswörter klassifiziert werden können, welche verschiedenen theoretischen Ansätze (insb. Koch/Oesterreicher vs. Söll/Gülich) hierfür existieren und wie diese in der Praxis an authentischem Material funktionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturgestützte theoretische Auseinandersetzung mit bestehenden Modellen gewählt, die anschließend durch eine empirische Untersuchung der Theorie an einem spanischen Beispiel-Corpus angewendet und validiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien von Koch/Oesterreicher detailliert definiert und gegen alternative Ansätze von Söll/Hausmann und Gülich abgegrenzt. Darauf folgt die praktische Anwendung auf ein Gesprächs-Transkript.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesprächswörter, nähesprachliche Phänomene, Pragmatik, Gliederungssignale und die Kommunikationstheorie nach Koch/Oesterreicher.
Warum ist die Abgrenzung der verschiedenen Kategorien oft schwierig?
Die Abgrenzung ist schwierig, da viele Gesprächswörter polyfunktional sind, also in mehreren Kategorien gleichzeitig existieren können, und ihre spezifische Funktion oft stark vom situativen Kontext abhängt.
Welche Rolle spielen Überbrückungsphänomene im untersuchten Corpus?
Überbrückungsphänomene (wie Pausen, Dehnungen oder Füllwörter) spielen eine zentrale Rolle, da sie dem Produzenten Planungszeit verschaffen, wenn die hohe Spontaneität der Sprache zu Formulierungsschwierigkeiten führt.
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- Nadine Hoffmann (Author), 2002, Gesprächswörter im gesprochenen Spanisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8237