Umweltmanagementsysteme - Konzepte des Nachhaltigkeitsmanagements?


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Umweltmanagementsysteme
2.1 Grundlagen
2.2 Stärken und Schwächen

3 Begegnung der Nachhaltigkeitsherausforderung
3.1 Öko-Effektivität
3.2 Öko-Effizienz
3.3 Integration

4 Fazit

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird heutzutage nahezu inflationär genutzt und hat sich zu einem Modewort entwickelt. Als allgemein anerkannt gilt, dass eine „nachhaltige Entwicklung“ erstrebenswert ist. Für Unternehmen gilt es daher, die Umsetzung eines „Nachhaltigkeitsmanagements“ voranzutreiben um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Das Ziel der nachhaltigen Entwicklung erfordert eine Integration der drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Daraus ergeben sich die Herausforderungen für Unternehmen, gleichzeitig die Öko-Effektivität und die Sozial-Effektivität[1] zu steigern, die Verbesserung der Öko- und Sozialeffizienz[2] voranzutreiben und diese vorangegangenen Aspekte zusammenzuführen und in das konventionelle Management zu integrieren. Diese Herausforderungen werden auch Nachhaltigkeitsherausforderungen genannt (Schaltegger et al. 2002, 6).

Für das Nachhaltigkeitsmanagement wurden verschiedene Konzepte und Instrumente entwickelt. Instrumente, beispielsweise das Umweltaudit, sind Werkzeuge, die der Erfüllung einer speziellen Aufgabe dienen. Konzepte sind dagegen Bündel von aufeinander abgestimmten Instrumenten. Die Umweltmanagementsysteme zählen zu den Konzepten. Sie verbinden verschiedene Instrumente, wie z.B. ein Leitbild, Audits, u.a. (Schaltegger et al. 2002, 3). Die zwei derzeit in Deutschland bedeutenden Umweltmanagementsysteme sind EMAS und ISO 14001ff.

EMAS, die Abkürzung von „Environmental Management and Audit Scheme“, ist die aus dem Englischen übernommene gebräuchliche Bezeichnung für die „Verordnung (EG) Nr. 761/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. März 2001 über die freiwillige Beteiligung von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung (EMAS)“ (EG 2001). Im Deutschen wird die Verordnung auch „EG-Öko-Audit-Verordnung“ genannt. In dieser Arbeit soll ausschließlich der Begriff „EMAS“ benutzt werden.

Die Bezeichnung ISO 14001ff. steht für eine Normenreihe der International Organization for Standardisation (ISO). Die Einzelnorm ISO 14001 ist in dieser Reihe die wichtigste und wird daher als Synonym für die gesamte Normenreihe verstanden. In der deutschen Übersetzung wird ISO 14001 als DIN EN ISO 14001 geführt, wobei DIN für das Deutsche Institut für Normung e.V. steht und EN für europäische Normen des Europäischen Komitees für Normung (CEN) (DIN 2006 und CEN 2006).

Die Begegnung der Nachhaltigkeitsherausforderungen durch die Umweltmanagementsysteme zu untersuchen ist Ziel dieser Arbeit. Dazu sollen nun zunächst die Umweltmanagementsysteme mit ihren Stärken und Schwächen näher betrachtet werden.

Diese Betrachtung dient der groben Erfassung, eine umfassende Einordnung in das Umweltrecht oder eine ausführliche Diskussion der einzelnen Elemente erfolgt an dieser Stelle nicht.

2 Umweltmanagementsysteme

2.1 Grundlagen

Ein Umweltmanagementsystem ist der „Teil des gesamten Managementsystems, der die Organisationsstruktur, Planungstätigkeiten, Verantwortlichkeiten, Verhaltensweisen, Vorgehensweisen, Verfahren und Mittel für die Festlegung, Durchführung, Verwirklichung, Überprüfung und Fortführung der Umweltpolitik betrifft.“ (EG 2001, Artikel 2 k).

Die beiden in Deutschland häufigsten Umweltmanagementsysteme EMAS und ISO 14001 sind wie folgt charakterisiert:

Bei ISO 14001 handelt es sich um eine weltweit gültige Normenreihe. Die Norm ISO 14001 ist dabei die einzige Spezifikation, weitere Normen (wie ISO 14004 oder ISO 19011) sind lediglich unverbindliche Leitlinien. Die in der Norm ISO 14001 enthaltenen „Forderungen an ein Umweltmanagementsystem“ sind wichtigster und verbindlicher Teil der Normenreihe und sind daher der Gegenstand eines Zertifizierungsverfahrens (Dorn 1998, 21). Nach der ursprünglichen Veröffentlichung im Herbst 1996 gilt derzeit in der deutschen Übersetzung die aktuelle Version von 2005 (Dorn 1998, 10 und Glatzner 2006a).

EMAS ist eine Verordnung der Europäischen Union. Diese gilt unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten der EU, hat darüber hinaus aber keine bindende Wirkung. Mit der Verordnung Nr. 196/2006 (EG 2006) wurde EMAS aktualisiert. Erstmals in Kraft trat EMAS im April 1995 (Verordnung Nr. 1836/93 (EWG 1993)), daher wird die aktuelle Version oft auch als EMAS II bezeichnet.

Mit der Novellierung der EMAS-Verordnung hat eine deutliche Angleichung der beiden Systeme stattgefunden (Schaltegger et al. 2003, 304). EMAS beinhaltet nunmehr die Norm ISO 14001:2004[3]. Diese fordert ein Umweltmanagementsystem, das auf einer von der Organisation formulierten Umweltpolitik beruht. Bei der Planung müssen Umweltaspekte und –ziele Berücksichtigung finden und gesetzliche Regelungen beachtet werden. In der Phase der Implementierung und Durchführung muss der Ablauf gelenkt und die Verantwortlichkeiten geklärt werden. Zudem müssen die (Mitarbeiter-) Kommunikation, die Organisation der systemnotwendigen Dokumente und Notfallmaßnahmen geregelt werden.

Des weiteren müssen im Umweltmanagementsystem Kontroll- und Korrekturmaßnahmen eingeplant werden, die eine kontinuierliche Überwachung und Messung des Systems und der Systemleistung sicherstellen. Dies beinhaltet auch die Einhaltung von Rechtsvorschriften. Zudem müssen Maßnahmen für den Fall von Abweichungen etabliert sein und es muss die Vorgehensweise bei einem betriebsinternen Audit festgelegt sein. Zuletzt muss die Bewertung durch die oberste Unternehmensleitung sichergestellt sein (Glatzner 2006b).

Das Umweltmanagementsystem ist eingebettet in eine Reihe von Maßnahmen, in denen sich EMAS und ISO 14001 teilweise unterscheiden. Während EMAS eine erste Umweltprüfung, bei der die für die Organisation relevanten Umweltaspekte herausgearbeitet werden müssen, vorschreibt, schlägt ISO 14001 diese Prüfung lediglich vor. Das oben beschriebene Umweltmanagementsystem wird bei EMAS ergänzt durch den Nachweis der Rechtssicherheit, die Bewertung der Umweltaspekte, die Mitarbeiterbeteiligung und die Stakeholder-Kommunikation. Regelmäßige Betriebsprüfungen, die sogenannten Audits, müssen bei beiden Systemen in ähnlicher Weise durchgeführt werden. EMAS verlangt zusätzlich die Verfassung einer Umwelterklärung.

Umweltgutachter bzw. Auditor prüfen in beiden Fällen das Audit und das Umweltmanagementsystem. Stimmt das System mit den Anforderungen überein, wird im Falle von EMAS die Umwelterklärung validiert und nach Übersendung der Erklärung an die offizielle Registrierstelle und Eintragung in das europäische Register, darf das EMAS-Logo für werbliche Zwecke genutzt werden. Im Rahmen von ISO 14001 stellt der Auditor lediglich ein Zertifikat aus, das ebenfalls für werbliche Zwecke genutzt werden kann. Eine Eintragung in ein zentrales Register findet nicht statt. Nach der ersten Auditierung folgen zwei Überprüfungsjahre geringerer Intensität und nach dem dritten Jahr erfolgt eine Wiedervalidierung, die ähnlich detailliert erfolgt wie die erste Auditierung (vgl. Müller-Christ 2001, 296ff. und Schaltegger et al. 2003, 304f.).

Beide Umweltmanagementsysteme stellen eine freiwillige Selbstverpflichtung der Organisationen dar und sind „inhaltsoffen“ (Freimann 2001, 73f.), d.h. die Anwender legen die Umweltziele selber fest. Es gibt bei beiden Standards keine Vorgaben, wie die Voraussetzungen erfüllt werden sollten oder welche Managementmethode angewendet werden sollte (Schaltegger et al. 2003, 301).

Gemeinhin gilt EMAS als der höherwertige Standard, zum einen wegen der Notwendigkeit eine Umwelterklärung zu erstellen, vor allem aber wegen der zwingenden Verpflichtung zur Einhaltung aller Rechtsvorschriften und zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung[4] (Freimann 2001, 73f. und Fronek 2003, 30ff.).

Allerdings kommt Freimann zu dem Schluss, dass keine signifikanten Unterschiede in den Wirkungen der beiden verschiedenen Umweltmanagementsystemstandards festgestellt werden können. Ebenso wenig scheint es Unterschiede in der Kosten-Nutzen-Relation zu geben (Freimann 2001, 75f.).

Wie Thimme bereits 1998 festgestellt hat, spielt die Integration eines Umweltmanagementsystems in das gesamte Management einer Unternehmung eine entscheidendere Rolle, als das Nebeneinander der beiden konkurrierenden Systeme (Thimme 1998, 282). Daher sollen im weiteren Verlauf die Unterschiede zwischen EMAS und ISO 14001 weitgehend vernachlässigt werden.

2.2 Stärken und Schwächen

Um die Relevanz der Umweltmanagementsysteme im Konzert der Konzepte und Instrumente des Nachhaltigkeitsmanagements besser zu verstehen, ist es notwendig, sich sowohl der Stärken als auch der Schwächen bewusst zu sein. Unter Schwächen werden hier nicht potentielle Fehler in der Umsetzung der Umweltmanagementsysteme summiert, sondern lediglich Punkte, die aus der Ausgestaltung der Standards herrühren.

Stärken der Umweltmanagementsysteme sind vor allem die verbesserte Organisationsstruktur und die Risikominderung. So können beispielsweise während der Umsetzung Zuständigkeiten und Verfahrensabläufe besser systematisiert werden (Freimann 2001, 76) und durch ordnungsgemäße Organisation und Überwachung Haftungsrisiken, sowohl für Führungskräfte als auch für die Organisation, reduziert werden (Fronek 2003, 70).

Im Allgemeinen kann durch die Etablierung eines Umweltmanagementsystems auch der Kontakt zu den Behörden, welche die Einhaltung des Umweltrechts überprüfen, verbessert werden (Freimann 2001, 76).

Das Potential für Kostensenkungen ist außerdem gegeben. Oftmals können Verbesserungsmöglichkeiten im Produktionsablauf aufgedeckt werden, die teilweise zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Dies ist jedoch unternehmensabhängig und kann nicht generell in Aussicht gestellt werden. Auch verringert sich dieses Potential im Zeitablauf unter Umständen gravierend, während die Kosten für periodisch durchzuführende Überprüfungen weiterhin bestehen (Behlert/ Petrovic 2005, 117).

Zu den Schwächen der Umweltmanagementsysteme zählt in erster Linie die ökologische Wirksamkeit. Freimann bemerkt dazu

„Sowohl die UMS-Standards insgesamt als auch EMAS gegenüber ISO 14001 bleiben den Nachweis ihrer höheren ökologischen Wirksamkeit schuldig.“ (Freimann 2001, 75).

[...]


[1] D.h. die ökologische bzw. soziale Wirksamkeit einer Maßnahme

[2] D.h. das Verhältnis zwischen ökologischer bzw. sozialer Schadschöpfung und Wertschöpfung

[3] EMAS bezieht sich auf die englische Version, daher die von der deutschen Übersetzung abweichende Jahreszahl

[4] ISO 14001 verlangt lediglich eine kontinuierliche Verbesserung des Umweltmanagementsystems

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Umweltmanagementsysteme - Konzepte des Nachhaltigkeitsmanagements?
Hochschule
Universität Lüneburg  (Centre for Sustainability Management)
Veranstaltung
Konzepte und Instrumente des Nachhaltigkeitsmanagements
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V82431
ISBN (eBook)
9783638878357
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umweltmanagementsysteme, Konzepte, Nachhaltigkeitsmanagements, Instrumente
Arbeit zitieren
Yvonne Wahl (Autor), 2006, Umweltmanagementsysteme - Konzepte des Nachhaltigkeitsmanagements?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82431

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