„Eine ausgeprägte Gründungskultur ist der entscheidende Erfolgsfaktor einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung.“ In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage scheint diese Aussage erste Priorität zu haben. Ein positives Gründungsklima kann empirisch in engen Zusammenhang zur wirtschaftlichen Lage gebracht werden.
Eine positive Gründungsbilanz kann jedoch in Deutschland bislang nicht gezogen werden.
zu den Ursachen für das nicht zufrieden stellende Gründungsklima gehört u.a. die immer wieder beanstandete Finanzierungsproblematik, die vor dem Hintergrund einer von staatlicher Seite außerordentlich ausgeprägten Förderlandschaft nicht nachvollziehbar ist.
Eine Unternehmensbefragung zeigt, dass die häufig beanstandete Kreditzurückhaltung der deutschen Kreditinstitute eine Verbesserung aufweist, allerdings nur bei der Kreditvergabe ab 50 Mio. EUR. Bei der Kreditvergabe unter 1 Mio. EUR sind die Anforderungen sogar noch gestiegen.
Die Konsequenzen dieser verstärkten Differenzierung sind besonders problematisch, als dass die Anzahl der Kleinstgründungen in Deutschland weiter zunimmt, die zu einer Verbesserung des Gründungsklimas und zur Stärkung einer Kultur der Selbständigkeit beitragen.
Der Zusammenhang dieser differenzierten Zurückhaltung zur aktuellen Entwicklung der deutschen Kreditinstitute ist offensichtlich. Dabei steht neben einer weiterhin wettbewerbsfähigen Kostenbasis vor allem eine überlegene Risiko- und Kreditpolitik im Zentrum der Anstrengungen. Zahlreiche Fördermöglichkeiten der KfW beachten diese Hintergründe, werden aber nur begrenzt genutzt.
Kleinstgründer befinden sich damit nicht nur im Spannungsfeld von volkswirtschaftlicher Bedeutung zur Unterstützung eines positiven Gründungsklimas einerseits und aufgrund ihrer Komplexität und des Risikoprofils strategischer Kreditenthaltung durch die Kreditinstitute andererseits, sondern auch - durch die Kreditenthaltung bzw. den Kreditwunsch bedingt - im Verhältnis zu den Kreditinstituten.
Diese Arbeit betrachtet den deutschen Finanzierungsmarkt mit spezieller Betrachtung der Bedingungen für Kleinstgründer. Es wird die aktuelle Situation bei den Kreditinstituten mit den Merkmalen für die Kreditvergabe an Kleinstgründer aufgezeigt. Im Fokus steht dabei neben der Ausrichtung der Kreditinstitute auf diese spezielle Kundengruppe die anfängliche Geschäftsbeziehung, d.h. die Vorgehensweise bis zur endgültigen Kreditentscheidung.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITENDE PROBLEMBETRACHTUNG
1.1. HINFÜHRUNG ZUR PROBLEMSTELLUNG
1.2. ZIELSETZUNG, AUFBAU UND ABGRENZUNG DER MASTER THESIS
2. DARLEGUNG DER THEMENBEREICHE
2.1. THEORETISCHE FUNDIERUNGEN DER KLEINSTGRÜNDUNGEN
2.1.1. Begriffliche Eingrenzungen
2.1.2. Besonderheiten im Gründungsprozess von Kleinstgründungen
2.1.3. Merkmale von Geschäftsbeziehungen zwischen Kreditinstitut und Kleinstgründer
2.2. AKTUELLE FINANZIERUNGSSPEZIFIKA DER BANKEN- UND KREDITLANDSCHAFT IN DEUTSCHLAND
2.2.1. Struktur des deutschen Bankwesens unter Betrachtung der Strategien Fokussierung der Kreditinstitute
2.2.2. Öffentliche Fördermittel und ihre Wirkungsabsicht
2.2.3. Weitere relevante Finanzierungsrahmenbedingungen
3. KLEINSTGRÜNDUNGEN IM AKTUELLEN VERÄNDERUNGSPROZESS DER KREDITINSTITUTE
3.1. DIFFERENZIERTE ANFORDERUNGEN AN EINE GESCHÄFTSBEZIEHUNG UND FINANZIERUNG SEITENS DER GESCHÄFTSPARTNER
3.2. UNTERSCHIEDLICHE MERKMALE DER GESCHÄFTSBEZIEHUNG UND FINANZIERUNG AUFGRUND DER STRUKTUR DES DEUTSCHEN BANKWESENS
3.3. OPTIMIERUNGSANSÄTZE IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN KLEINSTGRÜNDERN UND KREDITINSTITUTEN
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ZUR FINANZIERUNG VON KLEINSTGRÜNDUNGEN
4.1. ZIELSETZUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
4.2. UNTERSUCHUNGSDESIGN
4.3. STRUKTURDATEN DER UNTERSUCHUNG
4.4. SEPARATE ANALYSE DER RELEVANTEN THEMENBLÖCKE NACH AUFFÄLLIGKEITEN
4.4.1. Segmentierungsfelder im deutschen Bankensystem in Bezug auf die Kundengruppe der Kleinstgründungen
4.4.2. Einstiegskriterien
4.4.3. Ablauf einer Finanzierungsanfrage von Kleinstgründern
4.4.4. Entscheidungsfindung
4.4.5. Einbezug öffentlicher Finanzierungsmittel
4.5. BEDEUTENDE INTERDEPENDENZEN DER ITEMS UNTER BETRACHTUNG DER ABHÄNGIGKEITSAUSPRÄGUNG
4.5.1. Beeinflussung durch das Item Institutsgruppe
4.5.2. Bestimmungsgrößen für die Anforderungen an den Kleinstgründer
4.5.3. Rahmenbedingungen beim differenzierten Beratungsangebot der Kreditinstitute
4.5.4. Einflussgrößen der Beraterentscheidung zur Kreditvergabe
4.6. ZUSAMMENFASSUNG DER WICHTIGSTEN UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
5. MÖGLICHKEITEN EINER NORMATIVEN IMPLIKATION ZUM NUTZEN BEIDER GESCHÄFTSPARTNER
5.1. KOMBINATION DER THEORETISCHEN GRUNDLAGEN MIT DEN ERKENNTNISSEN DER AKTUELLEN STUDIE
5.2. ABZULEITENDE NOTWENDIGE REAKTIONEN DER GESCHÄFTSPARTNER
5.2.1. Aktive Auswahl der Hausbank durch den Kleinstgründer
5.2.2. Veränderung der Aufstellung bei den Kreditinstituten
5.3. INNOVATIVE ALTERNATIVEN ALS AUSBLICK FÜR WEITERFÜHRENDE VERÄNDERUNGSPROZESSE
6. ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das Spannungsfeld zwischen Kleinstgründern und deutschen Kreditinstituten zu analysieren, um Möglichkeiten für eine verbesserte Kreditvergabe aufzuzeigen und somit einen Beitrag zur Stärkung der deutschen Gründungskultur zu leisten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich die unterschiedlichen Anforderungen, Rahmenbedingungen und Erwartungen der Akteure auf den Finanzierungsprozess auswirken.
- Analyse der aktuellen Finanzierungsspezifika in der deutschen Bankenlandschaft
- Untersuchung der Anforderungen von Kleinstgründern an Kreditinstitute
- Evaluation des Beratungs- und Kreditvergabeprozesses durch eine empirische Studie
- Identifikation von Spannungsfeldern und Interdependenzen zwischen Bankberatern und Kleinstgründern
- Entwicklung von Optimierungsansätzen zur Gestaltung einer erfolgreichen Geschäftsbeziehung
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Besonderheiten im Gründungsprozess von Kleinstgründungen
Wie bereits erwähnt, zielt die Literatur häufig auf die Gründungen, die sofort wirtschaftlich messbare Ergebnisse mit sich bringen, wie z.B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Herstellung von neuen Produkten, Erschließung neuer Märkte – de facto einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen und innovativen Erfolg aufweisen können. Die Gruppe der Kleinstgründer fällt häufig nicht in diese Kategorien. Meist handelt es sich um Einzelgründungen ohne weitere Angestellte, imitatorische Gründungen in bereits bekannten Märkten mit bekannten Produkten. Es fehlen somit der innovative Charakter und der messbare Erfolg aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive. Seit der Schaffung der „Ich-AG“ erlebt Deutschland jedoch eine Gründungswelle dieser Art von Gründungen. Neben der Wirksamkeit dieser Gründungen weisen Kleinstgründungen allerdings besondere Merkmale im Gründungsprozess auf, die im Folgenden anhand der übergeordneten Schritte einer Neugründung kurz skizziert werden sollen.
Gründungsrisiken und Gründungschancen
Die Motive zur Existenz-/Unternehmensgründung sind vielfältig, doch insbesondere bei Kleinstgründungen stellt das Motiv der Gründung aus der Arbeitslosigkeit oder aufgrund fehlender Erwerbsalternativen den größten Anteil dar. Daraus resultiert, dass anstatt der Realisierung eigener Ideen die Existenzsicherung im Vordergrund steht. Die bestehenden Risiken einer Existenzgründung im persönlichen Bereich wie z.B. unsichere Zukunft, höhere Belastung, geringere Freizeit sowie die ökonomischen Risiken wie mangelhaftes Kundennetz, geringes Eigenkapital, mangelnde Erfahrungs- und Vergangenheitswerte und Verschlechterung der Konjunktur stehen demnach den Perspektiven der Arbeitslosigkeit wie Sozialhilfe, Hartz IV und Ausgliederung aus der Gesellschaft entgegen. Durch die Existenzgründung werden neben den Risiken eben auch Chancen ermöglicht, die im Falle der sich durch Arbeitslosigkeit bemerkbar machenden Abwärtsspirale der Gesellschaft kaum anders erreichbar erscheinen. Die Aufnahme der Selbständigkeit scheint demnach in diesen Fällen die in jedem Fall bessere Alternative. Die Gründungsmotivation ist entsprechend groß, jedoch ist auch die Risikobereitschaft wesentlich höher als bei anderweitig motivierten Gründern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITENDE PROBLEMBETRACHTUNG: Erläutert die Relevanz der Gründungsförderung für die wirtschaftliche Entwicklung und thematisiert das bestehende Finanzierungsproblem bei Kleinstgründungen.
2. DARLEGUNG DER THEMENBEREICHE: Bietet eine theoretische Fundierung zu Kleinstgründungen und beschreibt die aktuelle Finanzierungssituation innerhalb der deutschen Bankenlandschaft.
3. KLEINSTGRÜNDUNGEN IM AKTUELLEN VERÄNDERUNGSPROZESS DER KREDITINSTITUTE: Analysiert die gegenseitigen Anforderungen und die resultierenden Spannungsfelder zwischen Kleinstgründern und Banken.
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ZUR FINANZIERUNG VON KLEINSTGRÜNDUNGEN: Präsentiert die Ergebnisse einer Umfrage unter Bankberatern zu Segmentierung, Einstiegskriterien, Ablauf der Finanzierungsanfrage und Entscheidungsfindung.
5. MÖGLICHKEITEN EINER NORMATIVEN IMPLIKATION ZUM NUTZEN BEIDER GESCHÄFTSPARTNER: Leitet konkrete Optimierungsansätze und Handlungsempfehlungen aus den theoretischen und empirischen Erkenntnissen ab.
6. ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG: Fasst die Kernergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen bei der Finanzierung von Kleinstgründungen.
Schlüsselwörter
Kleinstgründungen, Finanzierung, Kreditinstitute, Bankenlandschaft, Förderprogramme, Gründungsfinanzierung, Businessplan, Beratungsangebot, Kreditentscheidung, Spannungsfeld, Existenzgründer, Bankberater, Eigenkapital, Risikomanagement, Unternehmertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis befasst sich mit der Finanzierung von Kleinstgründungen in Deutschland. Sie untersucht das Spannungsfeld, das bei der Kreditvergabe zwischen Kleinstgründern und Kreditinstituten aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen und Zielsetzungen entsteht.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung von Kleinstgründungen, die Struktur der deutschen Kreditwirtschaft, die Rolle öffentlicher Fördermittel sowie die Analyse des Beratungs- und Kreditentscheidungsprozesses aus Sicht der Bankberater.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Banken und Kleinstgründern detailliert zu durchleuchten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Kreditvergabe verbessert werden kann, um einen positiven Beitrag zur deutschen Gründungskultur zu leisten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer empirischen Studie in Form einer schriftlichen Befragung von Bankberatern, die Kleinstgründer betreuen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Finanzierungsspezifika, die Darstellung der empirischen Untersuchungsergebnisse zu Beratungsabläufen und Entscheidungsfindungen sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen für beide Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Kleinstgründungen, Gründungsfinanzierung, Bankberater, Kreditentscheidung, Förderprogramme und Geschäftsbeziehung geprägt.
Inwiefern beeinflusst die Institutsgruppe das Beratungsverhalten?
Die Studie belegt, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Kleinstgründer häufiger durch spezialisierte Mitarbeiter betreuen und aktiver beraten als private Kreditbanken, welche eher auf Generalisten setzen.
Was ist die wichtigste Erkenntnis zur Kreditentscheidung bei Kleinstgründern?
Ein entscheidendes Ergebnis ist, dass für die befragten Bankberater der persönliche Eindruck vom Kunden das wichtigste Entscheidungskriterium darstellt, während standardisierte Ratingverfahren für diese Zielgruppe kaum angewendet werden.
Wie bewerten die Bankberater öffentliche Fördermittel?
Die empirische Analyse zeigt, dass öffentliche Fördermittel oft nicht aktiv beworben werden und die Beratung hierzu stark variiert, obwohl eine aktive Einbindung zu einer höheren Darlehensvergabe führen kann.
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- MBA / Dipl.-Betriebsw.(BA) Stefanie Schnütgen (Author), 2007, Optimierung bei der Finanzierung von Kleinstgründungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82447