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Exzess und Ritual bei Hermann Nitsch

Titre: Exzess und Ritual bei Hermann Nitsch

Dossier / Travail , 2002 , 22 Pages , Note: 1,3

Autor:in: M.A. Sven Stemmer (Auteur)

Philosophie - Pratique (Ethique, Esthétique, Culture, Nature, Droit, ...)
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Résumé Extrait Résumé des informations

Befasst man sich mit dem Werk von Hermann Nitsch, so fällt es schwer die Intention des Künstlers zu erfassen. Der Grund dafür liegt darin, daß man auf die Vermittlung durch das Wort der Beobachter und Kunstwissenschaftler angewiesen ist, die einen im Grunde nicht vermittelbaren sondern lediglich erfahrbaren Prozess beschreiben, und selber an den Ereignissen nicht teilgenommen hat.
In seinem Orgien-Mysterien-Theater (O.M. Theater) versucht Nitsch durch reale Tieropferungen, durch Malaktionen mit Blut, Fleisch und Gedärm durch Zerreißen der Opfer und Trinkgelage, die im Wechsel mit Ruhephasen stattfinden, die dionysisch – sinnliche Erfahrbarkeit des Ritus neu zu beleben. Ziel des O.M. Theaters scheint es zu sein, eine archaische Form der Entrückung herbeizuführen. Zum einen. Zum anderen aber auch, einer widersprüchlichen Zone von Selbstverständlichkeit und Ignoranz entgegenzutreten. Einer bürgerlich industriellen Gesellschaft nämlich, die den Tötungsakt mechanisiert, das Fleisch in der Medizin technologisiert und die Erotik in einem Marketingzusammenhang trivialisiert. Es stellen sich die Fragen nach der Organisierbarkeit des Exzesses, der seiner Natur nach doch chaotisch ist, sowie nach seiner Übertragbarkeit in die Form der Bilder. Transportieren diese Relikte der Malaktionen und der O.M. Theater wirklich den so wichtigen grenzgängerischen, kathartischen Prozess, den zu erfahren Vorraussetzung für jedes echte Verständnis ist, oder wirken diese Bilder nicht doch eher wie bloße Schmierereien, allenfalls etwas obszön, weil ein Prozess eben nicht fixierbar ist?
Zudem ist der Exzess eine Entität, die sich jeder Definierbarkeit entzieht, da sein Wesen die Ungreifbarkeit ist. Will Nitsch durch das Ausleben des Exzesses und der Aggression, im Zerreißen, Schmieren, Schütten und Besudeln, Zerstampfen und Zerdrücken und Zerwühlen eine Reinigung von diesen Gefühlen herbeiführen, so ist diese bestenfalls durch direkte Teilnahme an den Geschehnissen erfahrbar. Ob so etwas in ein Ritual überführbar oder durch die von Nitsch dabei produzierten Bilder auch dem Nichtteilnehmenden mitteilbar ist, will ich hier in Zweifel ziehen. In dieser Arbeit werde ich untersuchen, inwieweit Nitsch seine Ziele erreicht.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. [Zugangsproblem]

2. [Biographie]

3. [Nitschs Werk]

3.1 [Aktionsmalerei]

3.2 [Das Orgien Mysterien Theater]

3.3 [Exposition]

4. [Intentionen]

4.1 [Grundlegung]

4.2 [Kulturzitate]

4.3 [Das Bacchanal als Ausdruck der Lebensfreude]

4.4 [Protest]

4.5 [Provokation ]

5. [Wirkungen]

5.1 [Kulturzitate]

5.2 [Das Bacchanal als Ausdruck der Lebensfreude]

5.3 [Protest]

5.4 [Provokation]

5.5 [Gesamtbeurteilung]

6. [Das O.M. Theater als Ritual - Stellungnahme]

7. [Schlußbetrachtung]

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Intentionen und die tatsächliche Wirkung des Orgien-Mysterien-Theaters von Hermann Nitsch vor dem Hintergrund philosophischer und ritualtheoretischer Fragestellungen. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob Nitschs Ansatz, durch exzessive, reale Handlungen eine kathartische Reinigung und ein gesteigertes Lebensgefühl beim Publikum zu erreichen, tatsächlich erfolgreich ist oder ob er in der praktischen Umsetzung an eigenen Widersprüchen scheitert.

  • Analyse der zentralen künstlerischen Konzepte von Hermann Nitsch
  • Untersuchung der Absichten (Befreiung, Lebensfreude, Zivilisationskritik)
  • Kritische Reflexion der Vermittelbarkeit des Exzesses
  • Ritualtheoretische Einordnung des O.M.-Theaters
  • Bewertung der Diskrepanz zwischen künstlerischem Anspruch und Rezeption

Auszug aus dem Buch

1. [Zugangsproblem]

Befasst man sich mit dem Werk von Hermann Nitsch, so fällt es schwer die Intention des Künstlers zu erfassen. Der Grund dafür liegt darin, daß man auf die Vermittlung durch das Wort der Beobachter und Kunstwissenschaftler angewiesen ist, die einen im Grunde nicht vermittelbaren sondern lediglich erfahrbaren Prozess beschreiben, und selber an den Ereignissen nicht teilgenommen hat. Folglich bleibt man im Bereich der Mutmaßungen, mögen diese auch gut begründbar sein, und eine Beurteilung, ob Nitsch das intendierte Ziel erreicht, fällt daher sehr schwer.

In seinem Orgien-Mysterien-Theater (O.M. Theater) versucht Nitsch durch reale Tieropferungen, durch Malaktionen mit Blut, Fleisch und Gedärm durch Zerreißen der Opfer und Trinkgelage, die im Wechsel mit Ruhephasen stattfinden, die dionysisch – sinnliche Erfahrbarkeit des Ritus neu zu beleben. Diese Vorgehensweise steht im Gegensatz zu dem christlichen Gottesdienst, der nur eine rein symbolische Opferung zulässt.

Ziel des O.M. Theaters scheint es zu sein, eine archaische Form der Entrückung herbeizuführen. Zum einen. Zum anderen aber auch, einer widersprüchlichen Zone von Selbstverständlichkeit und Ignoranz entgegenzutreten. Einer bürgerlich industriellen Gesellschaft nämlich, die den Tötungsakt mechanisiert, das Fleisch in der Medizin technologisiert und die Erotik in einem Marketingzusammenhang trivialisiert.

In dieser Erlebnis – und Produktionsform werden, bei näherer Betrachtung, vielerlei Widersprüche und Paradoxien deutlich. Es stellen sich die Fragen nach der Organisierbarkeit des Exzesses, der seiner Natur nach doch chaotisch ist, sowie nach seiner Übertragbarkeit in die Form der Bilder. Transportieren diese Relikte der Malaktionen und der O.M. Theater wirklich den so wichtigen grenzgängerischen, kathartischen Prozess, den zu erfahren Vorraussetzung für jedes echte Verständnis ist, oder wirken diese Bilder nicht doch eher wie bloße Schmierereien, allenfalls etwas obszön, weil ein Prozess eben nicht fixierbar ist? Zudem ist der Exzess eine Entität, die sich jeder Definierbarkeit entzieht, da sein Wesen die Ungreifbarkeit ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. [Zugangsproblem]: Das Kapitel erörtert die Schwierigkeit, Nitschs Werk adäquat zu erfassen, da es einen nur erfahrbaren, aber kaum vermittelbaren Prozess darstellt und der Betrachter oft auf Mutmaßungen angewiesen bleibt.

2. [Biographie]: Dieser Abschnitt beleuchtet die biographischen Prägungen des Künstlers, von Kriegserfahrungen in der Kindheit bis hin zu den prägenden Eindrücken des ländlichen Lebens und der Entwicklung seines künstlerischen Ansatzes.

3. [Nitschs Werk]: Das Kapitel definiert Nitschs Aktionsmalerei und das Orgien Mysterien Theater als neue Formen des Gesamtkunstwerks, die darauf abzielen, Kunst und Leben durch reale Ereignisse zu durchdringen.

4. [Intentionen]: Hier werden die hinter dem Werk stehenden Absichten analysiert, darunter der psychotherapeutische Befreiungsakt, die Wiederbelebung mythischer Stoffs und ein Protest gegen gesellschaftliche Missstände.

5. [Wirkungen]: Das Kapitel untersucht kritisch, inwieweit Nitschs Ziele – etwa die Erzeugung von Daseinsfreude – tatsächlich erreicht werden, und kommt zu dem Schluss, dass diese bei einem ungeschulten Publikum meist ausbleiben.

6. [Das O.M. Theater als Ritual - Stellungnahme]: Der Autor vergleicht das O.M.-Theater mit soziologischen Ritualbegriffen und stellt fest, dass Nitschs Ansatz eher ein Happening als ein traditionelles Ritual darstellt.

7. [Schlußbetrachtung]: Das Fazit stellt fest, dass Nitschs Werk zwar bedenkenswerte Ideen enthält, der Anspruch auf rituell-kathartische Wirkung jedoch durch die konkrete Ausführung konterkariert wird.

Schlüsselwörter

Hermann Nitsch, Orgien-Mysterien-Theater, Aktionskunst, Ritual, Exzess, Katharsis, Daseinsfreude, Wien, Gesamtkunstwerk, Zivilisationskritik, ästhetische Erfahrung, Mythologie, Psychologie, Kunst und Leben, Provokation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit dem künstlerischen Ansatz von Hermann Nitsch auseinander, insbesondere mit seinem Orgien-Mysterien-Theater, und hinterfragt dessen Intentionen sowie die tatsächliche Wirkung auf das Publikum.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Aktionskunst, die Rolle von Ritualen, philosophische Aspekte von Exzess und Katharsis sowie das Verhältnis von Kunst zu gesellschaftlichen Realitäten und Tabus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob Nitsch seine künstlerischen Ziele – wie die Befreiung von Ängsten und die Herbeiführung eines gesteigerten Lebensgefühls – durch die gewählten extremen Mittel tatsächlich erreichen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen analytischen und philosophischen Ansatz, indem sie Nitschs theoretische Konzepte mit existierenden kulturwissenschaftlichen und ritualtheoretischen Definitionen vergleicht und die Rezeption seines Werkes reflektiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Biographie und des Werks, die Analyse der künstlerischen Intentionen sowie die kritische Untersuchung der Wirkungsweise, einschließlich einer Auseinandersetzung mit ritualwissenschaftlichen Perspektiven.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hermann Nitsch, Orgien-Mysterien-Theater, Ritualtheorie, Ästhetik, Katharsis, Zivilisationskritik und Wirkungsanalyse charakterisieren.

Warum bezweifelt der Autor die kathartische Wirkung des O.M.-Theaters?

Der Autor argumentiert, dass extreme Handlungen bei einem ungeschulten Publikum statt Befreiung eher Scham, Ekel oder Distanzierung hervorrufen könnten und der rituelle Charakter durch die mediale Aufbereitung trivialisiert wird.

In welchem Verhältnis sieht der Autor Nitschs Kunst zu traditionellen Ritualen?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das O.M.-Theater eher als Happening innerhalb eines elitären Kreises zu verstehen ist, da ihm die geregelten, sozial verankerten Sequenzen eines echten Rituals fehlen.

Wie bewertet der Autor die Provokation in Nitschs Werk?

Die Provokation wird als konstitutiver Teil des Kunstwerks gesehen, wobei der Autor hinterfragt, ob Nitsch die Reaktionen des Publikums eher als gesellschaftliche Kulisse für seine Öffentlichkeitsarbeit instrumentalisiert.

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Résumé des informations

Titre
Exzess und Ritual bei Hermann Nitsch
Université
Bielefeld University  (Fakultät für Geschichtwissenschaft und Philosophie)
Cours
Ästhetik des Sakralen in der Moderne
Note
1,3
Auteur
M.A. Sven Stemmer (Auteur)
Année de publication
2002
Pages
22
N° de catalogue
V82482
ISBN (ebook)
9783638898041
ISBN (Livre)
9783638904490
Langue
allemand
mots-clé
Exzess Ritual Hermann Nitsch Sakralen Moderne
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
M.A. Sven Stemmer (Auteur), 2002, Exzess und Ritual bei Hermann Nitsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82482
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Extrait de  22  pages
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