Peter Singer versucht zu zeigen, dass die bloße Potentialität ein rationales, selbstbewusstes Wesen zu werden nicht als Grund gelten kann, diesem einen Lebensschutz zu zusprechen. Er verfolgt also das Ziel das Potentialitätsargument (P-Argument) zu entkräften, da eben nur aktuale Personen durch ihre Personen-Eigenschaften ein Lebensrecht haben.
Oberflächlich gesehen ist Singers Argumentation lückenhaft. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass er vieles impliziert [z.B. einen bestimmten Begriff von Potentialität, der genauer betrachtet werden soll], das nicht explizit erwähnt wird. Ich werde in der Arbeit die teilweise grob dargestellten Schritte rekonstruieren resp. Einwände gegen sie anführen.
Eine umfassende Kritik seines Utilitarismus, der sich auch als grundlegend für die Bewertung von potentiellen Personen erweist, ist hier nicht möglich. Ich werde stattdessen an entsprechenden Stellen die Probleme markieren, die eine solche Ethik mit sich bringt.
Zum Schluss dieser Arbeit führe ich ein Argument an, dass m. E. die Probleme des P-Arguments löst und realistische Schlussfolgerungen bieten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen
3. Singers Ausführungen zum P-Argument und Einwände
3.1 Das Kronprinzessinproblem
3.2 Der Embryo oder Fetus als bloßes Mittel
3.3 Das Gametenproblem oder das Reductioargument
4. Das Abgrenzungsproblem der Potentialität
4.1 Possibilität
4.2 Probabilität
4.3 Dispositionelle Möglichkeit
4.4 Aktives inhärentes Potential
5. Zusammenfassung und weitere Aspekte
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch das Potentialitätsargument von Peter Singer im Kontext der Bioethik und untersucht, ob das Potential, eine Person zu werden, eine hinreichende Bedingung für den moralischen Lebensschutz darstellt. Der Autor rekonstruiert Singers Einwände, prüft verschiedene Interpretationen von Potentialität und bewertet die Konsistenz des Singerschen Personenbegriffs gegenüber Embryonen und reversibel Komatösen.
- Kritische Analyse des Singerschen P-Arguments und des indirekten Utilitarismus.
- Untersuchung der Problematik von Embryonen als "bloße Mittel".
- Diskussion der Abgrenzungsproblematik bei Potentialitätsbegriffen.
- Vergleich zwischen Embryonen, Gameten und reversibel Komatösen im Hinblick auf den Status als Person.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Kronprinzessinproblem
Dieser Einwand gegen die erste Prämisse wird durch das Kronprinzessin- resp. Kronprinzenproblem (oder ähnlich gelagerte Beispiele) zugespitzt: Ein Prinz, der potentiell König ist, hat de facto nicht die gleichen Rechte wie der herrschende König.
Ein Gegeneinwand gesteht zwar diesen Beispielen seine Plausibilität zu, betont aber, dass dies nicht für alle Fälle gelte. Schließlich gestehen wir dem reversiblen Komatösen, ob seiner nicht-realisierten Fähigkeit (Φ zu sein und nur das Vermögen dazu habend), die gleichen Rechte zu wie einem Wesen, das Φ aktual realisiert hat.7
Eine andere Erwiderung sieht den logischen Fehler in dem Schluss den moralischen Wert, den das aktuale Φ-sein eines Wesens hat, identisch zu dem moralischen Wert zu betrachten, den das Potenzial hat, Φ zu werden. Obgleich die Identität zwischen aktualem Φ-sein und dem Potenzial dazu nicht gegeben ist, so M. Quante, ziele das Argument aber eigentlich darauf, dass die Bewertung des moralischen Status durchaus auch bei verschiedenen Dingen gleich sein kann. Insofern fehle den Befürwortern des P-Arguments für diese Wertaussage aber eine ethische Begründung. Mit anderen Worten ist durch diesen „Lösungsansatz“ des Logischen-Fehler-Arguments gezeigt, dass es möglich ist, Embryonen und aktuale Personen gleich zu behandeln; die Begründung kann jedoch nicht aus einer Identität des moralischen Werts erfolgen.8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und der Zielsetzung, Singers P-Argument kritisch zu hinterfragen.
2. Vorüberlegungen: Definition der methodischen Basis mittels des "Überlegungsgleichgewichts" zur Bewertung moralischer Argumente.
3. Singers Ausführungen zum P-Argument und Einwände: Analyse von Singers Syllogismus und seiner Einwände gegen den moralischen Schutz potentieller Personen.
4. Das Abgrenzungsproblem der Potentialität: Differenzierte Betrachtung von Potentialitätsbegriffen wie Possibilität, Probabilität und dispositioneller Möglichkeit.
5. Zusammenfassung und weitere Aspekte: Synthese der Ergebnisse mit dem Fazit, dass die dispositionelle Potentialität eine tragfähige Grundlage für den Lebensschutz bieten könnte.
Schlüsselwörter
Potentialitätsargument, Peter Singer, Bioethik, Embryonenschutz, Personenbegriff, Utilitarismus, Lebensrecht, Moralstatus, Dispositionelle Möglichkeit, Reductio ad absurdum, Kronprinzessinproblem, Statusfrage, In-vitro-Fertilisation, Lebensschutz, Personale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Argumentation von Peter Singer, der versucht zu beweisen, dass die bloße Potentialität, ein rationales Wesen zu werden, nicht ausreicht, um einen moralischen Lebensschutz zu begründen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die medizinische Ethik, der Status von Embryonen, die Definition von Personen sowie die moraltheoretische Bewertung von Potentialität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Rekonstruktion und Prüfung der Konsistenz von Singers P-Argument sowie die Suche nach einer schlüssigeren Begründung für den moralischen Status menschlichen Lebens.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode des "Überlegungsgleichgewichts", um zwischen theoretischen ethischen Einsichten und intuitiven Moralurteilen zu vermitteln und Singers Logik auf ihre Kohärenz hin zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Einwände gegen Singers Position diskutiert, darunter das Kronprinzessinproblem, die Behandlung von Embryonen als Mittel sowie die methodische Abgrenzung verschiedener Potentialitätsbegriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Potentialität, Personenbegriff, Lebensschutz, Utilitarismus und den moralischen Status von Embryonen geprägt.
Wie bewertet der Autor die Unterscheidung von Gameten und Embryonen?
Der Autor sieht in der dispositionellen Möglichkeit ein Kriterium, das es erlaubt, den Schutz von Embryonen von dem von Gameten abzugrenzen, da Embryonen über ein aktuales Vermögen zur Entwicklung verfügen.
Warum hält der Autor den indirekten Utilitarismus für problematisch?
Der Autor kritisiert, dass dieser Ansatz nur existierenden Interesse-habenden Wesen einen Wert beimisst und den Wert von Embryonen als extrinsisch von den Wünschen anderer Personen abhängig macht, anstatt einen intrinsischen Wert anzuerkennen.
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- Johannes Key (Author), 2005, Peter Singers Potentialitätsargument und dessen Problematisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82552